Royal Air Force setzt mit webbasiertem SelfAssessment gestalterisch und technisch Zeichen
Freitag, 5. Februar 2010 15:48
Auf ihrer Karrierewebsite stellt die Royal Air Force (RAF) ein wirklich zeichensetzendes SelfAssessment für Interessenten an einer militärischen Karriere zur Verfügung. Wenn auch für mein persönliches Empfinden inhaltlich eher befremdlich, so steht dennoch außer Frage, dass es sich hierbei um ein Vorzeigebeispiel im Bereich Serious Gaming und Realistic Job Previews handelt.
Konzeptionelle, gestalterische und technische Umsetzung sind vorbildlich gelungen, was insbesondere die Gegenbeispiele (gedacht sei in diesem Zusammenhang etwa an das hinsichtlich seiner Viralität im negativen Sinne äußerst erfolgreiche „Personalmarketing“-Video des österreichischen Bundesheers) unterstreichen.
Der Selbsttest umfasst insgesamt sieben verschiedene Szenarios, in denen der Teilnehmer jeweils in unterschiedliche Rollen bzw. Berufsbilder der RAF schlüpft:
Test eins versetzt den User in die Lage eines Schützen des RAF Regiments. Das Introvideo liefert reale Bilder, die die meisten wohl nur aus den Nachrichten kennen: Einsatzort im Nahen Osten, bewaffnete Soldaten mit Tarnkappe, militärische Fahrzeuge und zwischendrin zivile Kinder. Aufgabe des Users im Test selbst ist es, als Teil eines Geschwaders zur Verteidigung eines Luftwaffenstützpunktes in Afghanistan Entscheidungen über die Frage des Angriffs und der Verwendung unterschiedlicher Waffentypen zu treffen. Eine Nachtkamera liefert real empfundene Eindrücke zum Feindgebiet. Die Frage des Waffeneinsatzes wird über die Darstellung entsprechender Fotos und Detailbeschreibungen präzisiert.
Test zwei skizziert den Job eines Aerospace Battle Managers, dessen Aufgabe es u.a. ist, den Abschuss eines Flugzeugs zu koordinieren. Unterlegt ist dieser Test durch eine Audiospur, die die korrekte Auswahl des Users als real wirkenden Funkspruch wiedergibt. Zielsetzung dieses Tests ist es, eine richtige Auswahlentscheidung unter großem Zeitdruck zu treffen und damit das eigene Auffassungsvermögen und die Fähigkeit „schnellen Denkens“ unter Beweis zu stellen.
Der Selbsttest „Battlefield Intelligence“ fragt nach den analytischen Fähigkeiten des Teilnehmers, wenn dieser aufgefordert ist, Landkarten, Luftaufnahmen und Informationen unter Berücksichtigung der Glaubwürdigkeit der Informanten auszuwerten, um daraus die entsprechende Schlussfolgerung und Entscheidung herzuleiten. Letztere wird anschließend als Film dargestellt und zeigt ein Flugzeug, das eine Bombe abwirft.
Die weiteren Tests geben u.a. Einblicke in die Arbeit eines Air Traffic Control Officers, eines Air Cartographers oder eines Medical Officers in einem Evakuierungsteam in Sierra Leone. Die Teilnehmer erhalten intensive Einblicke in die jeweiligen Aufgabenbereiche, erfahren Details zur verschiedenen Flugzeugtypen, müssen Karten und Radar Screens interpretieren und moralische Konflikte lösen, wenn es etwa darum geht, aus fünf zurückbleibenden Personen, die allesamt hilfebedürftig sind, eine Evakuierungsentscheidung zu treffen.
Alle Tests sind sehr aufwändig und individuell gestaltet, wenn auch allen ein einheitliches Grunddesign zugrunde liegt. Auch die technische Umsetzung ist anspruchsvoll. Alle Tests zeichnen sich durch eine hohe Interaktivität aus und bieten damit bewerberseitig ein hohes Involvement. Die Tests sind kurzweilig, ausgesprochen multimedial angelegt und vermitteln in der der Kriegsführung bzw. des Militärs eigentümlichen Art „Atmosphäre“. Die hinterlegten Audios – von Rotorblatt- und Motorgeräuschen eines Helikopters bis hin zum „Mosquitogebrumm“ in der Wüste Afghanistans – wechseln sich mit realen Videos ab.
Jedem Test ist ein individuelles Feedback nachgeschaltet, das dem User Rückmeldung zu seiner Performance im Test gibt. Darüber hinaus enthält das gesamte Testkonstrukt intensive interne Verlinkungen innerhalb der Karrierewebsite der RAF, z.B. zu weiterführenden Informationen zu den einzelnen Voraussetzungen der entsprechenden Berufsbilder oder zu ergänzenden Videos wie z.B. Videotagebücher von Rekruten, die Einblicke in die Grundausbildung eines Schützen geben oder eine Mission in Afghanistan dokumentieren. Auch sind die Tests an verschiedene Social Media wie Twitter, Facebook etc. angebunden und erhöhen so die Verbreitung.
Bei allem Lob hinsichtlich der gestalterisch-technischen Umsetzung bin ich mir jedoch im Bezug auf die Zielgruppenerreichung unsicher. Um nicht zu sagen: Es steht die Gefahr, dass dieser Auftritt ggf. genau die Falschen anzieht. Dies hängt wohl nicht zuletzt damit zusammen, dass ich von eben dieser nur eine sehr vage Vorstellung habe.
Machen Sie sich am besten selbst ein Bild: Hier geht’s zum SelfAssessment der Royal Air Force. Übrigens: Das eher auf Fähigkeiten abzielende SelfAssessment der Swedish Armed Forces ist hier besprochen.
Thema: Employer Branding und SelfAssessment | Kommentare (0)
Zielsetzung des Workshops war die gemeinsame Erarbeitung von Recruitingideen und –strategien, die am Informations- und Suchverhalten der Generation Y, der Mitarbeiter von morgen, ausgerichtet sind. „Deshalb wollen wir aus erster Hand erfahren, welche Erwartungen unsere Zielgruppe an zukünftige Arbeitgeber hat.“ erklärte Dr. Michael Prochaska, Direktor Personal der Franz Haniel & Cie. GmbH die Konzeption des Workshops. Die 60 teilnehmenden Schüler, Studenten und Trainees freuten sich über die Einladung und sprachen offen über ihre Ansichten und Wünsche – wie zum Beispiel nach mehr Ehrlichkeit und Offenheit der Arbeitgeber. Eine gute Karrierewebsite dürfe nicht nur harte Fakten vermitteln, sondern müsse auch die Mitarbeiter zu Wort kommen lassen und spürbare und authentische Einblicke in die Unternehmenskultur gewähren. Nicht nur in diesem Punkt waren sich die 15- bis 25-Jährigen einig.
Parallel dazu wagten die Personalverantwortlichen mit Unterstützung der Trend- und Social Media Experten Sven Tollmien (TrendONE), Martin Poreda (kununu.com), Thorsten zur Jacobsmühlen (blogaboutjob) und Lutz Altmann (humancaps) einen Blick in die spannende Zukunft des Recruitings und Personalmarketings. Thema war unter anderem die Entwicklung des Personalmarketings in Zeiten von Facebook, Twitter & Co., worüber Lutz Altmann referierte. Michael Picard, Personaldirektor bei OTTO, sprach über die Bewährung neuster Entwicklungen in der Praxis.
Die aktuelle Staufenbiel JobTrends-Studie 2009 liefert interessante Informationen u.a. zur gegenwärtigen Arbeitsmarktsituation von Hochschulabsolventen, zu geforderten Qualifikationen für den Berufseinstieg und unternehmensseitigen Auswahlverfahren. Befragt wurden im Zeitraum Mai bis Juni 2009 insgesamt 349 Personalverantwortliche renommierter Unternehmen per Online-Fragebogen.
Ein weiteres Resultat der Studie ist, dass der Absolventenbedarf im Jahr 2009 von circa 50% der Befragten offenbar krisenbedingt als rückläufig eingeschätzt wurde. Nur 8% gaben eine für das Jahr 2009 steigende Nachfrage nach Hochschulabsolventen an. Rückläufig sind den Ergebnissen der Studie zufolge für Wirtschaftswissenschaftler insbesondere die Arbeitsangebote in der Finanzbranche sowie im Industriesektor. Die Nachfrageentwicklung nach Ingenieuren fiel gemäß Angaben der befragten Personaler für 2009 insgesamt etwas optimistischer als für Wirtschaftswissenschaftler aus. Zu den Branchen mit dem geringsten Absolventenbedarf an Ingenieuren zählen der Studie zufolge Industrie und Automotive. Im Erhebungszeitraum boten die Befragten insgesamt 15.000 freie Absolventenstellen an. Nahezu die Hälfte entfiel dabei auf Ingenieure. Für die nächsten fünf Jahre rechnen immerhin 40% aller befragten Personalverantwortlichen mit einem steigenden Absolventenbedarf, wohingegen 48% von einer gleichbleibend hohen Nachfrage ausgehen.
Im Hinblick auf gefragte Zusatzqualifikationen fordern rund 90% der Arbeitgeber über alle Fachrichtungen hinweg vor allem gute Englischkenntnisse sowie Praxiserfahrungen durch Praktika. Ferner sind ein betriebswirtschaftliches Verständnis, betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse, außeruniversitäres Engagement und Auslandsaufenthalte entscheidungsrelevant.










