Knast-O-Mat: Per Selbsttest prüfen, ob man für eine Karriere im Strafvollzug geeignet ist

Arbeiten im Strafvollzug? Nun, das dürfte in die Kategorie dieser Berufswelten fallen, von denen jeder irgendwie so eine Vorstellung hat, aber die wenigsten wirklich wissen, wie es da zugeht.

Ist ja vielleicht ganz gut so, dass nicht jeder einen Knast von Innen kennt.

Will man jedoch dafür rekrutieren, ist es nicht wirklich hilfreich, dass die mehr oder weniger einzigen “Einblicke”, die die meisten in diese Berufswelt haben, aus dem Tatort stammen:

Stereotype Bilder dominieren und definieren das Image. Und eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Anforderungen findet nicht statt.

Dabei ist es gerade in solchen Berufsbildern enorm wichtig, dass potentiellen Kandidaten vorab ein Passungsabgleich mit den Herausforderungen, den Härten und den Vorzügen der Tätigkeit ermöglicht wird.

Das Ministerium der Justiz des Landes Nordrhein-Westfalen als Arbeitgeber von immerhin rund 40.000 Menschen, die bei Gerichten, Staatsanwaltschaften, im ambulanten Sozia­len Dienst und im Justizvollzug ihren Job verrichten, hat daher nun einen Selbsttest entwickelt, mit dessen Hilfe Interessierte und potentielle Kandidaten schnell und unkompliziert überprüfen können, ob sie in den Justizvollzug passen würden (oder nicht):

Den KNAST-O-MAT.

Wer die Jobmatching-Tools etwa der BVG, des Bundesarbeitgeber-Verbands der Chemischen Industrie (BAVC), der Postbank, von EDEKA oder der Allianz kennt, den wird auch der Knast-O-Mat nicht wirklich überraschen:

Dem Nutzer werden 20 kurze Fragen gestellt, die dieser dann – ganz tindermäßig… – bejaht oder verneint – “Yay or Nay-Prinzip”:

Dabei geht es um vermeintlich recht offensichtliche Anforderungen (Arbeiten mit Menschen etc.), aber auch um Dinge, die vielleicht nicht jedem wirklich bewusst sind, aber eine entscheidende Rolle spielen bei der Beantwortung der Frage, ob der Job etwas für einen sein könnte oder nicht (z.B. Schichtdienst oder die Tatsache, dass man sich während der Arbeitszeit komplett von seinem Smartphone verabschieden muss…).

Das geht flott – wir sagen immer: es passt locker in die Wartezeit auf den Bus… – und man bekommt sein Ergebnis.

Von da ausgehend kommt man direkt zu der Stellensuchmaske…

…von wo es dann zu weiteren Detailinformationen der verschiedenen Berufsbilder geht.

Nun, wie nicht wirklich überraschen dürfte, finde ich das Tool insgesamt sehr gut. Solche Matching-Tools bieten eine wunderbare Gelegenheit, die Selbstselektion zu verbessern. Heißt: Unpassende Kandidaten möglichst von vornherein von einer Bewerbung abzuhalten (“de-selektieren”) und passende Kandidaten (die dies aber vielleicht gar nicht wussten) zu einer Bewerbung zu ermuntern.

Das gilt trotz, nein nicht trotz, das gilt insbesondere dann, wenn man wie im hier vorliegenden Fall nicht gerade aus dem vollen schöpfen kann: Von den insg. rund 6.400 Stellen im Vollzugsdienst des Landes sind aktuell nämlich rund 400 nicht besetzt.

Wer die immense (und leider immer noch vielfach sträflich unterschätzte) Bedeutung der Selbstselektion noch einmal etwas tiefer durchdringen möchte, dem sei dringend der Beitrag “Was macht eine Auswahlentscheidung eigentlich >>gut<<?” ans Herz gelegt.

Einziger Kritikpunkt am Knast-O-Mat:

Das “Ergebnis” des Selbsttests fällt arg dünn aus. Es passt oder es passt nicht. Man erfährt nicht, ob es knapp oder deutlich (nicht) passt. Man erfährt nicht, welche Punkte für Passung sprechen, welche dagegen. Ich zum Beispiel habe in meinem Durchlauf einiges bejaht, was eigentlich gegen Passung spricht und umgekehrt einiges verneint, was dafür gesprochen hätte. Am Ende kam aber raus, ich solle mich mal ruhig bewerben…

Hier sollte mE. noch nachgebessert werden, damit die Selbstreflexion auch gezielt beeinflusst wird und die gewünschte Selbstselektion gelingt.

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