#einfachmachen – mit 5 Fragen zum passenden Beruf? Der Berufe-Checker per WhatsApp von „Das Handwerk“

Berufsorientierung per WhatsApp – das kennen wir schon von der Bundesagentur für Arbeit und ihrem What’sMeBot. Wir haben gebloggt.

Mit über 180.000 Usern nach sechs Wochen, von denen 89% alle Fragen bis zum Schluss beantworteten, zeigte sich der Bot als sehr erfolgreich. Er führte zu 64.000 Kontakten zwischen Jugendlichen und der Bundesagentur für Arbeit – das sind 20.000 Jugendliche mehr, die sich für das Thema begeistern, als im Vorjahr.

Dass er inhaltlich (also bzgl. der Qualität der Orientierung) mehr als dürftig daher kam, nun dazu haben wir seinerzeit ja alles gesagt…

Soweit zum What’sMeBot.

Nun legt “Das Handwerk” nach. Und zwar mit dem “Berufe-Checker“. Ob der handwerklich besser funktioniert…?

Was kann der neue Berufe-Checker?

Dem User anhand individueller Vorlieben passende Ausbildungsberufe vorschlagen bzw. direkt Informationen zum Traumberuf liefern, falls dieser schon bekannt ist.

Soweit die Theorie.

In der Praxis sieht das wie folgt aus: Möchte ich mit dem Berufe-Checker in Kontakt treten, muss ich ihn zunächst als WhatsApp Kontakt hinzufügen und mit „Hi“ anschreiben. Wenn ich Glück habe, reagiert er auch. Möglicherweise wird die Nachricht aber auch ignoriert (obwohl die blauen Häkchen bei WhatsApp anzeigen, dass er die Nachricht bereits gelesen hat).

Danach kann ich mich entscheiden: Möchte ich Berufe vorgeschlagen bekommen oder möchte ich direkt Informationen zu einem oder mehreren Berufen bekommen, weil ich schon weiß, was mich interessiert.

Der erste Fall dürfte der spannendere sein, denn was soll ein Orientierungsinstrument, wenn ich schon weiß, wonach ich suche? Dann wäre es eine “bessere Navigationshilfe”… Also: Wir wollen Berufe, die zu uns passen vorgeschlagen bekommen.

Der Bot stellt mir 5 Fragen zu meinen Interessen:

Auch hier kann es wieder vorkommen, dass der Bot meine Antworten lange oder sogar ganz ignoriert.

Wenn alles gut geht, werden mir am Ende fünf Berufe angezeigt, die zu meinen Interessen passen. Zu den Berufen werden ein GIF sowie und ein Link zur Website des Handwerks mit weiteren Informationen angezeigt.

Der Vollständigkeit halber aber auch nochmal die zweite Option beschrieben, also den Fall, wenn ich schon grob weiß, was mich interessiert:

Hier fragt mich der Bot, für welchen Bereich ich mich interessiere. Ich kann aus zwölf Bereichen wählen – Interessiere ich mich für Bits, Bytes und Volt oder bin ich doch eher eine Fashionista?

Nach getroffener Auswahl antwortet der Bot mit einer Liste passender Berufe. Ist in der Liste ein für mich spannender Beruf? Dann hat der Bot wieder ein entsprechendes GIF parat und den Link zu mehr Informationen.

Für den Fall, dass ich den Bot nicht so gerne zu meinen Kontakten hinzufügen möchte (oder die datenschutzrechtlichen Bedenken zu groß sind, wir rede hier schließlich über WhatsApp…), gibt es auch die Möglichkeit, den Test auf der Website des Handwerks zu machen. Das ist, nebenbei gesagt, auch komfortabler und vor allem schneller. Zudem wird dort auch deutlicher, wie sich meine Präferenzen auf die Jobempfehlungen auswirken.

Insgesamt gibt es 130 Handwerksprofile.

Fazit: Der Berufe-Checker sieht gut aus und ist kurz und knackig.

Allerdings nur, falls er auch antwortet… Anderenfalls macht er natürlich wenig Spaß (und der andere Fall ist bei uns leider häufiger vorgekommen).

Wenn es geklappt hat, gibt es eine Kurzbeschreibung der Berufe und bei Interesse auch detaillierte Informationen zu dem Beruf, den Ausbildungsinhalten und dem Ausbildungsablauf – sowohl in textlicher Form als auch in Form eines ansprechenden Videos. Außerdem gibt es noch den „Lehrstellen-Radar“. Dort kann man direkt schauen, ob es in der Nähe freie Lehrstellen für den Wunschberuf gibt. Sehr praktisch!

So ganz klar wird allerdings nicht, wie genau die Auswertung funktioniert. Und hier setzt auch der Hauptkritikpunkt an: Man kann nicht wirklich anhand von fünf Interessensfragen eine sinnvolle Orientierung auf 130 verschiedene Berufe geben. Man braucht dazu auch keine Hunderte, aber mit fünf bleibt es wirklich arg an der Oberfläche.

Wir haben z.B. einen Kurzinteressencheck gebaut (auf Basis eines validen Berufsinteressentests), der 18 Items umfasst. Das dauert auch nur 2-3 Minuten, macht Spaß und misst valide! Könnt Ihr euch bei Einstieg angucken

Oder die preisgekrönten Matcher für den Bundesarbeitgeberverband der Chemie oder der BVG-Ausbildungsmatcher: Beide gerade mal etwas über 20 “tinderartige” Items, 2-3 Minuten Bearbeitungsdauer und valide Messung.

Aber scheinbar traut man es der Zielgruppe beim Handwerk nicht mal mehr zu, 2-3 Minuten in die eigene Zukunft zu investieren. Oder man hat mal wieder das ganze Budget in die WhatsApp-Verpackung gesteckt und hatte für den Diagnostiker/Berufsberater leider keinen Taler mehr über.

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