Ein „Kopf“ voller Berufe – über 130 Berufe im Handwerk mit Hilfe des „Berufe-Checkers“ spielerisch entdecken

Mit dem „Berufe-Checker“ können Schüler überprüfen, welcher der über 130 Berufe aus dem Handwerk am besten zu ihnen passt. Mit einem Klick auf die Aussage „Jetzt Traumberuf finden“ öffnet sich das Tool. Zunächst kann der User zwischen zwei Charakteren wählen:

Wähle-deinen-Charakter

Anschließend öffnet sich das Tool in einer gewöhnungsbedürftigen Art und Weise. Der Schädel eines animierten Mädchens (beziehungsweise eines Jungen) wird abgeschraubt und einzelne Berufsbezeichnungen werden aus dem unteren Teil nach oben gezogen. Mit Hilfe des „Berufe-Checkers“, in Form eines Smartphones, wird das Tool insgesamt navigiert.

Berufe-Checker-Einstellunge

Die Handwerksberufe werden auf der Basis von fünf Parameterpaaren zugeordnet: „Indoor vs. Outdoor“, „technisch vs. künstlerisch“, „Multiplayer vs. Singleplayer“, „federleicht vs. tonnenschwer“, „Mit Kunden vs. Mit Maschinen“. Per Schieberegler kann der User auf dem „Berufe-Checker“ seine persönlichen Präferenzen einstellen. In Abhängigkeit von den eigenen Interessensangaben für die Parameterpaare werden diese mit den über 130 Berufen verglichen und dynamisch die am besten „passenden“ Berufe angezeigt. Rot markierte Berufe passen sehr gut zu den angegebenen Interessen. Schwarz markierte Berufe entsprechen den ausgewählten Eigenschaften nicht zu 100 %, werden jedoch auch angezeigt, da diese für den User interessant sein könnten.

Uns wurden zum Beispiel die Berufe Friseurin, Kosmetikerin, Maskenbildnerin, Maßschneiderin und Modistin als Haupttreffer angezeigt. Besonders hervorzuheben ist, dass durch die Wahl des Charakters auch die Berufsbezeichnungen dem Geschlecht der Auswahl entsprechen. So wird das sonst obligatorische und wenig lesefreundliche /-in umgangen. Beim Klick auf die Nebentreffer (z.B. hier auf „Edelsteingraveurin“) verändern sich auch die entsprechenden Werte der einzelnen Parameterpaare auf dem „Berufe-Checker“, so dass der User nachvollziehen kann, welche Eigenschaften für diesen Beruf relevant sind. Zudem werden wiederum weitere Vorschläge gemacht, die mit den Eigenschaften des ausgewählten Berufsbilds überstimmen.

Edelsteingraveurin

Diese Möglichkeit, die Ergebnisse manuell zu verändern,  ist charmant und verbessert möglicherweise die Akzeptanz bei den Usern. Mit einem Klick auf den Beruf öffnet sich die entsprechende Berufsbeschreibung und vermittelt einen ersten Eindruck mit motivierender Ansprache: „Du bist eine hochkarätige Besetzung für diesen Beruf.“ Zusätzlich werden teilweise berufliche Ausrichtungen, Berufschancen etc. vorgestellt.

Edelsteingraveurin-Rückmeldung

Der User hat zudem die Möglichkeit sich den Beruf zu merken bzw. zu teilen. Entweder via E-Mail oder auf Facebook. Über „mehr“ gelangt der User auf die Internetseite www.handwerk.de und erhält hier noch detailliertere Informationen zum ausgewählten Beruf.

Edelsteingraveurin Berufsbeschreibung auf www.handwerks.com

Klickt der User im „Berufe-Checker“ auf den Würfel verschieben sich die fünf Regler per Zufall. Somit erhält er die Möglichkeit, weitere Berufe zu entdecken. Über die „A-Z“-Funktion hat man darüber hinaus die Möglichkeit, sich die verschiedenen Berufsbilder über die Zuordnung nach Gewerben (Bau- und Ausbau-, Elektro- und Metall-, Holz-, Bekleidung- und Textil-, Lebensmittel-, Gesundheit, und kaufmännische Berufe und Sonstiges) oder in alphabetischer Reihenfolge anzeigen zu lassen.

Fazit

Insgesamt ist der „Berufe-Checker“ sehr leicht im Handling, so dass man davon ausgehen kann, dass sich die Zielgruppe schnell zurechtfindet. Falls der User sich nicht im Tool zurechtfindet, hat er die Möglichkeit sich das Tool über die „?-Funktion“ erklären zu lassen. Die Gestaltung ist sehr ansprechend. Durch das comicartige Design auch sehr recrutainig und zielgruppengerecht. Nicht jedermanns Sache ist vielleicht der aufgeschraubte Schädel, in dem sich die Auswahl der Berufe befindet.

Gut gefällt uns der ipsative Vergleich (technisch vs. künstlerisch, indoor vs. outdoor), der durch die leichte Handhabung sehr ansprechend ist. Jedoch aus wissenschaftlicher Sicht auch sehr anspruchsvoll, da manche Ausbildungsberufe sich nur schwer einseitig dem einen bzw. dem anderen Begriff zuordnen. Der Beruf der Modistin spricht beispielsweise Bewerber mit handwerklichem Geschick (technisch) aber auch mit einer künstlerischen Ader an. Die Aufforderung sich zwischen den Begriffen zu entscheiden, könnte somit dazu führen, dass der User die Testmechanik bzw. die Qualität des Tests anzweifelt. Die Berufsbeschreibungen sind dagegen sehr kreativ und durchaus gelungen formuliert. Die Möglichkeit die Ergebnisse noch einmal zu verändern bzw. per Zufall neue Berufe zu entdecken, steigert die Flexibilität des gesamten Tools und macht es dadurch interessanter und verspielter. Die Zuordnung nach Gewerken bzw. die alphabetische Sortierung finden wir darüber hinaus auch sehr gelungen.

Bzgl. der technischen Umsetzung könnte man jetzt ein wenig rummosern, dass die Applikation in Flash realisiert wurde und sie infolgedessen nicht auf mobilen Geräten mit angebissenem Apfel (und auch den meisten Android-Devices) läuft. Hier aber gleich Entwarnung: Öffnet man den Checker mit dem Handy, bekommt man gleich eine zwar wesentlich weniger hübsche, aber genauso funktionale Version zu sehen. Es steht also auch der mobilen Berufsorientierung nichts im Wege.

Abschließend kann man sagen, dass der „Berufe-Checker“ den Usern eine tolle Möglichkeit bietet, sich über die Vielzahl der Handwerksberufe zu informieren und so gegebenenfalls auch solche zu entdecken, auf die man sich so nicht beworben hätte. Aus wissenschaftlicher Sicht vielleicht nicht 100 % korrekt (immerhin behauptet hier aber auch niemand, dass es sich um einen wissenschaftlichen Test handeln würde, sonst hätten wir das hier sicherlich auch anders bewertet, siehe hier…), aber ein durchaus sehr gelungenes Tool, das den Zweck der Berufsorientierung schön erfüllt.

Autorinnen: Levke Mohr und Boyana Angelova

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Levke Mohr

Projektmanagerin bei CYQUEST GmbH
Ich war bis Sommer 2014 Projektmanagerin bei der CYQUEST GmbH und betreute in dieser Rolle Projekte rund um die Themen: E-Assessment, SelfAssessment, Berufs- und Studienorientierung sowie Online-Employer-Branding. Da ich eine sehr hohe Affinität zu diesen Themen habe und auch meine Masterarbeit über die Akzeptanz von Online-Assessments geschrieben habe, brachte es mir viel Spaß zu diesen Themen zu bloggen.

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