Jobstairs bietet “Ausbildungscheck”

Die Jobbörse der Großunternehmen Jobstairs bietet seit Kurzem einen interaktiven Ausbildungscheck an. Klar, dass wir diesen hier vorstellen.

Die Startseite mutet zunächst recht frisch und jugendlich an. Die Optik erinnert durchaus an spielerische Formate á la Fliplife und Konsorten. Bevor man mit dem Azubicheck loslegen kann, muss man sich entweder registrieren oder wenn man bereits einen Jobstairs-Account hat, sich mit diesem anmelden.

Inhaltlich setzt sich der Ausbildungscheck dann aus zwei Teilen zusammen. Einem Interessen- und einem Wissenstest. Die Reihenfolge kann man selber wählen. Klickt man nur auf “weiter” startet man mit dem Interessentest:

Bei dem Interessentest handelt es sich dann um einen klassischen “Holland-Test”, d.h. die beruflichen Interessen werden nach dem “RIASEC-Modell” erfragt. Der Interessentest umfasst insgesamt 90 Items, von denen jeweils 15 den sechs “Occupational Types” nach Holland zugeordnet sind:

  • Technisch-handwerkliche Interessen (R – “realistic”)
  • Wissenschaftlich-forschende Interessen (I – “investigative”)
  • Künstlerisch-kreative Interessen (A – “artistic”)
  • Soziale Interessen (S – “social”)
  • Wirtschaftlich-unternehmerische Interessen (E – “entrepreneurial”)
  • Administrativ-verwaltende Interessen (C – “conventional”)

Beim Ausbildungscheck sind die Items sehr artig sortiert, d.h. es kommen erst 15 R-Items, dann 15 I-Items und so weiter. Die Einschätzung, wie stark einen jeweils die genannte Tätigkeit interessiert, erfolgt auf einer siebenstufigen Ratingskala von “würde ich sehr ungern machen” bis “würde ich sehr gern machen”. Etwas problematisch: Der Schieberegler steht per Default bei “würde ich sehr ungern machen”. Nervöse Klicker klicken ggf. weiter und haben damit eine (negative) Einschätzung abgegeben. Hier wäre es besser gewesen, erst einmal eine Antwort zu “erzwingen” bevor man zum nächsten Item kommen kann. Die nachfolgenden zwei Screenshots zeigen jeweils ein Item aus dem Bereich “handwerklich-technische-” und ein Item aus dem Bereich “wirtschaftlich-unternehmerische Interessen”:

Die Bearbeitung des Interessentests dauert gute zwanzig Minuten, wobei 15 Sekunden Bearbeitungszeit pro Item kalkuliert sind. Dies hat während der Bearbeitung durchaus seinen Längen. Insb. die Einzelitempräsentation (Item – Antwort – Weiter, Item – Antwort – Weiter…) wird auf Dauer sehr lang. Man hätte problemlos auch mehrere Items auf einer Seite präsentieren können, wie wir dies etwa beim Studieninteressentest beim Stark-Verlag gemacht haben. Immerhin kann man die Bearbeitung unterbrechen und den Zwischenstand speichern – ein Vorteil der Registrierung.

Leider ist auch innerhalb des Tests von der spielerischen Anmutung der Startseite nicht allzu viel übrig geblieben (es bleibt immer die gleiche Grafik stehen), so dass auch hiervon keine Auflockerung, Kurzweile oder gar “Flow” zu erwarten ist. Nun, jetzt ist ein vorrangig psychologisch angelegter Selbsttest natürlich auch kein wirkliches Spiel, aber man hätte sich durchaus ein wenig mehr Mühe geben können, die jeweiligen Inhalte auch thematisch abwechslungsreicher illustrieren zu können. Es ist ja am Ende auch niemandem gedient, wenn der Nutzer (wir reden hier von Schülern!) nach 43 Items gelangweilt abbricht. Wir werden in den nächsten Wochen einen interaktiven Azubi-Check bei der Lufthansa einführen. Dort wird es doch etwas anders aussehen… Das dürfen dann andere kritisieren…

Im zweiten Teil des Ausbildungscheck geht es dann um “Wissen”… Hier geht es darum, eine Reihe von Aufgaben aus verschiedenen Bereichen jeweils unter Zeitdruck zu bearbeiten. In der Einleitung bekommt man drei Aufgabentypen in Form von Beispielaufgaben gezeigt (“synonyme Begriffe”, “Zahlenreihen”, die hier in Diagramm-Form präsentiert werden und “Figurenvergleiche”).

Etwas gemein ist, dass einen dann innerhalb des Tests vorrangig ganz andere Aufgabentypen erwarten, z.B. Diagrammanalysen, räumliche Denkfähigkeit, verbale Logik oder Primzahlen. Auch stellt sich dem geneigten Betrachter die Frage, wo es sich bei diesen Aufgabentypen denn nun um “Wissen” handelt. Einzig die Kenntnis von Primzahlen würde ich als “wissensbasiert” bezeichnen, bei den anderen Aufgaben handelt es sich wohl viel eher um Schlussfolgerndes Denken bzw. Kognitive Leistungsfähigkeit ggf. ergänzt um denkoperatorische Facetten wie Bearbeitungsgeschwindigkeit oder Verarbeitungskapazität. Gut, das wäre zugegebenermaßen alles etwas sperrig für die Zielgruppe, aber der Begriff “Logik” wäre m.E. schon zumutbar und sicherlich besser treffend gewesen.

Wie dem auch sei, die 21 Aufgaben, für die einem insg. 20 Minuten zur Verfügung stehen, sind inhaltlich abwechslungsreich. Auch stellen die dort gemessenen Konstrukte zweifelsohne valide Indikatoren hinsichtlich der Prognose von Berufs- bzw. Ausbildungserfolg dar.

Abschließend kommt dann der eigentlich Clou: Basierend auf den Ergebnissen aus beiden Teiltests erhält der Nutzer unter der Überschrift “Deine Zukunft” eine Übersicht möglicherweise passender Berufsbilder NEBST entsprechenden Verlinkungen zu dazu auf Jobstairs ausgeschriebenen Stellen und weiterführenden Informationen im Berufenet der Bundesagentur. Ferner erhält der Nutzer per E-Mail ein Ergebnis-PDF, in dem die Testergebnisse noch einmal detailliert aufgelistet, kommentiert und in Relation zu Vergleichsnormen gesetzt sind.

Fazit:

Grundsätzlich ist der Ausbildungscheck ein absolut sinnvoller und zur Berufsorientierung hilfreicher Ansatz. Quasi als “Orientierung vor der Orientierung” nimmt das Instrument den Ausbildungsinteressierten an die Hand und sortiert die große Welt der Möglichkeiten sinnvoll vor.

Auch die direkte Anzeige von verfügbaren Ausbildungsmöglichkeiten ist ein sinnvoller “Call for Action”. Gestalterisch hingegen enttäuscht der Ausbildungscheck. Es gibt außer der comiquesken Anmutung nichts, was es dem Nutzer angenehm macht, das Tool auch komplett zu durchlaufen. Klar, man kann argumentieren, dass es wohl nicht zu viel von einem jungen Menschen verlangt sein dürfte, sich auch mal 35 Minuten hinzusetzen und der eigenen Zukunft zu widmen. Stimmt. Aber wo wäre das Problem gewesen, die Tests z.B. durch kleine informatorische Aspekte aufzulockern oder zumindest zwischendurch mal das Setting zu verändern?

In diesem Zusammenhang verweise ich immer wieder gern auf den Einwurf, warum der gesamte Auswahlprozess ansprechend gestaltet sein sollte

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