Berufsorientierung ist ein Labyrinth. Die MIGROS führt durch. Buchstäblich…

Die Berufsorientierung ist eine echte Herausforderung. Junge Menschen stehen am Ende der Schule vor der herausfordernden Fragen „Was werde ich denn mal?“.

In Deutschland stehen hier je nach Zählweise dann zwischen gut 320 und 600 Ausbildungsberufe zur Auswahl. Hinzukommt für diejenigen, die in Erwägung ziehen zu studieren (was in den meisten Fällen ja auch eine erste berufliche Auswahlentscheidung darstellt), die aberwitzige Zahl von über 11000 [sic!] grundständigen Studiengängen…

Gestern war ich in der Schweiz und habe die SwissSkills in Bern besucht.

Die SwissSkills ist DIE Messe für Berufsausbildung / Lehre in der Schweiz und wird von über 60.000 Schülern und Schülerinnen besucht, um dort Antworten auf die Frage „Was werde ich?“ zu finden. Die Schweiz ist kleiner als Deutschland, aber auch hier sprechen wir allein in der dualen Berufsausbildung von rund 250 Berufsbildern. Die Problematik ist also nicht so verschieden. Allerdings beschreibt „Messe“ die SwissSkills nur unzureichend. Das Event ist dabei auch der Rahmen für die Durchführung der „Berufsmeisterschaften“, d.h. vor Ort stehen nicht nur Unternehmen mit ihren Ständen und Ausbildungsangeboten, sondern es wird buchstäblich vor Ort und vor Jurys gekocht, gebacken, geschreinert, parkettverlegt, gegabelstapelt usw., was das Zeug hält. Und all das können wiederum die BesucherInnen live und in Farbe ansehen und sich überlegen, ob das nicht auch was für sie wäre. Also: Viel Realistic Job Preview am Start…

Einen besonderen Stand hat sich die MIGROS, immerhin größter Ausbildungsbetrieb der Schweiz mit einem Berufsspektrum von 55 Ausbildungsberufen, überlegt. Und ich muss sagen, ich feiere die Idee sehr. Wir haben darauf Anfang des Jahres ein wenig herumgebrütet, weshalb ich mir das jetzt auch zwingend einmal „in echt“ anschauen wollte.

Der MIGROS Stand hat die Form eines großen begehbaren „M“. Im Inneren: Ein Labyrinth. Dieses steht dabei natürlich sinnbildlich für das, was Berufsfindung für die meisten jungen Menschen ist – ein Labyrinth.

Aber die MIGROS führt einen da halt durch und gibt so – wieder sinnbildlich – jungen Menschen eine Entscheidungshilfe an die Hand, was aus dem großen Angebot denn zu ihnen passen könnte.

Wie funktioniert das?

Das Labyrinth ist quasi ein „begehbarer Ausbildungsmatcher“. Am Eingang scannt man einen QR-Code und öffnet so auf dem Smartphone eine Web-App. Diese fragt Merkmale ab, mit denen sich Berufe unterscheiden lassen – Ihr kennt das Prinzip, wir haben das hier im Blog ja öfters…

Doch nach den ersten Fragen gilt es, durch das Labyrinth zu finden. Dazu muss man im Labyrinth versteckte Hinweise finden. Diese hängen in Form von Bildern an den Wänden, die man dann mit einem kleinen AR-Feature in der App abscannt. Der erste dieser Hinweise ist gleich am Anfang platziert, d.h. man kann ihn nicht verfehlen. Scannt man diesen ab und „legt ihn sich soz. in den Warenkorb“ (MIGROS ist ja vor allem ein Handelsunternehmen… ;-)) bekommt man einen Hinweis, wonach man als nächstes suchen muss. Wichtig: Hierbei werden die ersten Antworten, die man in das Matching-Tool eingegeben hat, berücksichtigt.

D.h. welchen Weg man jetzt durch das Labyrinth nimmt, hängt auch schon von ersten Passungsmerkmalen ab.

Man kann unterwegs alle an den Wänden platzierte Bilder abscannen und erhält dabei auch jeweils Informationen über Unternehmen und Berufe…

…dem eigentlich Ziel kommt man aber nur näher, wenn man den nächsten für einen entscheidenden Hinweis findet, abscannt und in den Warenkorb legt sowie weitere für das Matching relevante Passungsfragen beantwortet…

So wird man letztlich gezielt durch das Labyrinth geführt. Hat man das letzte Puzzle-Teil, das letzte „MIGROS-M“ in den Warenkorb gelegt, steht man automatisch vor dem für einen selber passenden Ausgang.

Vor der Tür erwarten einen dann MIGROS-Experten, die einem zu den Berufen dieses Bereichs gezielte Detailinformationen im persönlichen Gespräch geben.

D.h. man wird in dem Labyrinth nicht bis zum Ende, zu „dem“ passenden Beruf geführt. Der jeweilige Ausgang führt noch einer Gruppe von Berufen. In diesem konkreten Fall hat das Labyrinth vier Ausgänge – ich wurde passend zum Ausgang mit den kaufmännischen und Informatik-Berufen gelenkt.

Bei einem rein virtuellen Matching-Tool könnte die Auswahl natürlich noch erheblich weiter eingeschränkt werden, aber wollte man diese Komplexität in einem real begehbaren Labyrinth abbilden, dann wäre dieses sehr groß und komplex. Bei 55 Ausbildungsberufen hätte ein solches Labyrinth nämlich 55 Ausgänge und entsprechend viele Wege hindurch… Aber dieses „Defizit“ wird beim MIGROS Labyrinth eben dadurch ausgeglichen, dass am jeweiligen Ausgang ja menschliche Experten stehen, die die weitere Detailorientierung dann im persönlichen Gespräch vornehmen können. Denn selbst wenn nach dem Labyrinth noch 7 Berufe „übrigbleiben“, die man dann noch auf individuelle Passung abklopfen muss, ist es doch eine erheblich überschaubarere Herausforderung als dies für 55 tun zu müssen.

Mein Eindruck: Der Stand war gerammelt voll, das Interesse groß und ich glaube, die Jugendlichen hatten einen großen Spaß dabei, das Labyrinth der Berufsorientierung zu durchlaufen.

Blended Recrutainment at its best!

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