Das Thema KI im Recruiting treibt derzeit alle um. Auch uns.
Beim Embrace Festival 26 hat Jo einen Vortrag zum Thema „Bewerbung, Bot oder Bullshit? Recruiting zwischen Bewerbungsflut, KI, Deepfakes und echtem Vertrauen“ gehalten, bei der Schicht im Schacht im April zum Thema „Alles nur (noch) Fake? Warum Eignungsdiagnostik in Zeiten von KI so wichtig ist“.
Der Blick richtete sich hierbei gar nicht so sehr auf den Einsatz von KI durch Unternehmen im Rahmen ihrer Auswahlprozesse, sondern vor allem auf die Probleme, die sich für Unternehmen dadurch ergeben, dass Bewerbende KI im Rahmen ihrer Bewerbungen einsetzen. Bis hin dazu, dass hinter der vermeintlich glänzenden Bewerbung gar kein echter Mensch mehr steckt…
Der Andrang bei beiden Vorträgen war groß, ebenso wie das Interesse, die Inhalte im Nachgang zu erhalten. Dies bestätigt uns.
Auch hier im Blog haben wir uns dem Thema bereits aus verschiedenen Perspektiven gewidmet:
und
Und jetzt haben wir auch ein brandneues White Paper geschrieben:
Das große KI-Rauschen im Recruiting – Welche Signale wirklich Signalwert haben
Wenn Ihr Interesse an dem White Paper habt, meldet euch einfach bei uns.
Und weil es von Mensch zu Mensch einfach noch viel mehr Spaß macht, laden wir am 30.6. ab 17.30 Uhr mit unserem Partner d.vinci zur #edgyAfternoonHire ein – auch hier spielt das Thema KI im Recruiting wieder eine große Rolle. Wir werden einen Live-Podcast aufnehmen:
„Alles Fake!? Der Bewerbungs-Tsunami – Personalauswahl neu gedacht“.
Für alle, die Interesse haben: Meldet euch schnell noch an (Anmeldung #edgyAfternoonHire).
Doch warum beschäftigen sich gerade jetzt alle mit dem Thema?
Noch vor wenigen Jahren dominierte im Recruiting eine zentrale Frage: Wie gewinnen wir mehr Bewerber:innen? Der demografische Wandel, der Eintritt der Baby-Boomer in den Ruhestand und ein enger werdender Arbeitsmarkt führten dazu, dass viele Unternehmen um Talente konkurrierten. Bewerber:innen galten als knappes Gut, Recruiting-Prozesse wurden vereinfacht und Hürden konsequent abgebaut. „Easy Apply“ und „One-Click-Bewerbungen“ wurden zum neuen Standard. Doch die Realität hat sich verändert.
Der Bewerbungs-Tsunami ist da
Aktuelle Daten des Greenhouse „The Hire Standard Benchmark Report“ zeigen eine bemerkenswerte Entwicklung: Die Zahl der Bewerbungen pro Recruiter:in ist seit 2022 um über 400 Prozent gestiegen. Gleichzeitig wurden Recruiting-Teams deutlich verkleinert. Das Ergebnis: Immer mehr Bewerbungen treffen auf immer weniger Ressourcen (The Hire Standard benchmark report).
Parallel verschärfen wirtschaftliche Unsicherheiten die Situation. Weniger offene Stellen treffen auf mehr Menschen, die aktiv nach Arbeit suchen. Die Folge ist ein massiver Anstieg der Bewerbungen pro Vakanz. Für Recruiting-Teams bedeutet das: Der Heuhaufen wird größer, die Nadel immer schwerer zu finden.
Und es wird ein Teufelskreis ausgelöst:
Mehr Bewerbungen > (deutlich) längere Bearbeitungszeiten im Recruiting, um die Menge zu bewältigen und (leider) teilweise auch (dadurch) Ghosting durch Unternehmen > Bewerbende schreiben und schicken noch mehr Bewerbungen…
KI verändert die Spielregeln
Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist die breite Verfügbarkeit generativer KI. Mit Tools wie ChatGPT lassen sich heute in wenigen Minuten professionelle Lebensläufe, Anschreiben und Bewerbungsunterlagen erstellen. Bewerbungen können schnell, kostengünstig und in großer Zahl und trotzdem (vermeintlich) individuell angepasst produziert werden. Gleichzeitig helfen KI-Systeme dabei, Lebensläufe gezielt auf Bewerbermanagementsysteme zu optimieren – inklusive Keywords, Struktur und Lesbarkeit.
Das Problem: Die Unterscheidbarkeit nimmt ab.
Immer mehr Bewerbungen sehen überzeugend aus. Immer mehr Kandidat:innen senden qualitativ ähnliche Unterlagen ein. Klassische Bewerbungssignale verlieren dadurch zunehmend ihren Signalwert.
In Anlehnung an die Signaling-Theorie von Michael Spence könnte man sagen:
Signale werden billig – und verlieren dadurch an Signalwirkung.
Die Folge ist eine sinkende Signal-Noise-Ratio: Weniger relevante Informationen, mehr Rauschen und ein höherer Aufwand bei der Auswahl.
Die neue Leitfrage im Recruiting
Die Herausforderung lautet daher nicht mehr primär: Wie generieren wir mehr Bewerbungen?
Sondern:
Wie identifizieren wir schnell und valide die wirklich passenden und ernsthaft interessierten Kandidat:innen?
Genau hier gewinnt das Thema Verification an Bedeutung.
Warum Verification zum Erfolgsfaktor wird
Wenn Bewerbungsunterlagen immer leichter erstellt werden können, müssen Signale wieder einen Wert bekommen. Online-Assessments können hierbei eine zentrale Rolle spielen. Sie liefern nicht nur zusätzliche diagnostische Informationen, sondern fungieren gleichzeitig als Ernsthaftigkeitsnachweis. Wer bereit ist, Zeit und Aufmerksamkeit in ein Online-Assessment zu investieren, sendet ein deutlich stärkeres Signal als durch einen per KI optimierten Lebenslauf allein.
Online-Assessments erfüllen damit heute zwei wichtige Funktionen:
1. Bessere Auswahlentscheidungen
Wie bisher helfen sie dabei, frühzeitig valide Informationen über Kompetenzen, Potenziale oder Passung zu gewinnen und die Wahrscheinlichkeit guter Auswahlentscheidungen zu erhöhen.
2. Verification und Selbstselektion
Darüber hinaus dienen sie zunehmend als Filter gegen massenhafte, wenig verbindliche Bewerbungen. Kandidat:innen mit ernsthaftem Interesse absolvieren ein Online-Assessment in der Regel zeitnah. Wer hingegen möglichst viele KI-generierte Bewerbungen verschickt und den eigenen Aufwand minimieren möchte, wird diesen zusätzlichen Schritt häufig nicht gehen.
Dadurch entsteht wieder Unterscheidbarkeit.
Fazit
Recruiting befindet sich in einem fundamentalen Wandel. Während Bewerbungen früher knapp waren, werden sie heute durch KI und vereinfachte Prozesse nahezu unbegrenzt skalierbar.
Die Herausforderung besteht deshalb nicht mehr darin, möglichst viele Bewerbungen zu erhalten, sondern aus einer wachsenden Menge die relevanten Signale herauszufiltern.
In einer Welt, in der Bewerbungsunterlagen zunehmend automatisiert erstellt werden können, werden Vertrauen, Verifikation und belastbare Daten zu den entscheidenden Erfolgsfaktoren im Recruiting.
Die Zukunft gehört nicht den Unternehmen mit den meisten Bewerbungen – sondern denjenigen, die die richtigen Kandidat:innen am schnellsten identifizieren können.
Wollt Ihr mehr dazu erfahren, bestellt unser Whitepaper und/oder kommt am 30.06. zur edgyAfternoonHire



