Braucht es “Employtainment”, um die Belegschaft wieder ins Büro zu locken?

Vor ein paar Tagen habe ich auf Einladung von Gamecity Hamburg einen Vortrag gehalten, bei dem es um nicht weniger als die Frage nach der Zukunft des Recruitings gehen sollte.

Das Ganze fand im sog. New Work Harbour statt, also dem neuen Headquarter der New Work SE, vielen immer noch geläufiger unter dem Namen XING.

Bevor es losging gab es zunächst eine Führung durch das neue Hauptquartier von New Work, den sog. New Work Harbour. Dieses futuristische Bürogebäude steht in der Hamburger Hafencity, einen Steinwurf von der Elphi weg. Ich kannte das Gebäude schon, weil ich auch zu Zeiten, als dort noch Unilever saß, schon ein paar mal dagewesen war. Ich war aber dennoch ziemlich gespannt darauf, was sich New Work/XING so ausgedacht hatte, schließlich erwartet man von einem Unternehmen, das “New Work” schon im Unternehmensnamen trägt doch auch ein paar Antworten darauf, wie es denn nun wohl so ist, dieses “Neue Arbeiten”.

Um es zunächst mal wertneutral zu formulieren:

Man hat bei New Work schon einiges aufgefahren, um auch dem Unternehmenssitz das Antlitz zu geben, was man vermeintlich unter Büro der Zukunft verstehen könnte:

Neben den obligatorischen Open-/CoWorking-Spaces, Kitchenettes, Kaffeeecken, begrünten Wänden, Obstkörben und Tischkickern kommen hier – sicherlich durch die Lage begünstigt – noch ziemlich spektakuläre Dachterrassen, ein amtliches Fitnessstudio und vor allem – und hier wird es dann doch durchaus außergewöhnlich – Indoorschaukeln, eine eigene Kneipe, Bet- und Meditationsräume, ein quasi vollausgestatteter Band-Übungsraum sowie ein ganzer Raum voller Plattenspieler nebst umfangreicher Plattensammlung hinzu.

Insofern war das schon beeindruckend. Aber wie gesagt, wenn man von einem Unternehmen Antworten erwartet, wie die neue Arbeitswelt denn womöglich aussehen könnte, dann sicherlich (auch) von einem Unternehmen, das sich genauso nennt.

Dass aber New Work und die mit dem Bürogebäude zum Ausdruck gebrachten Vorstellungen kein Einzelfall sind, belegen etliche andere aktuelle Beispiele. So lief mir wie auf´s Stichwort kürzlich folgender Insta-Post des Gründers der Hamburger Agenturgruppe ACHTUNG! Mirko Kaminski über den Weg:

 

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Ein Beitrag geteilt von Mirko Kaminski (@mirko_kaminski)


Mirko bezeichnet die Büroräume der Agentur darin als “Flagship-Store” der Arbeitgebermarke. Bemerkenswert.

Denn, und nun komme ich zu meinem eigentlichen Punkt: Als wir durch die Räumlichkeiten bei New Work gingen, begegneten uns mal üppig geschätzte 20-25 Menschen. Bei einem Unternehmen, das in Hamburg allein rund 900 Menschen beschäftigt, würde man unter normalen Umständen wohl um 17.30 Uhr noch ein paar Menschen im Büro vermuten. Vor allem gemessen an der Außergewöhnlichkeit der Räumlichkeiten und dem enormen Aufwand, den man hier in eben jene gesteckt hat.

Klar, man muss bei all dem berücksichtigen, dass wir ja immer noch Pandemie haben und natürlich eben noch keine normalen Umstände herrschen, aber ich bin ganz ehrlich: So, wie es am Dienstag wahrgenommen habe, hatte das spektakuläre Büro von New Work etwas irgendwie schon fast Trostloses: Wie ein Freizeitpark mit fahrender Achterbahn aber ohne Gäste…

Nun, ich bin mir sicher, das wird sich zu einem gewissen Grad von allein verändern, spätestens dann wenn man sich auch guten Gewissens wieder freier bewegen kann. Aber – und das ist meine eigentliche Frage – inwieweit wird sich das wieder ändern? Wo liegt denn das “neue Normal” nach der Pandemie? Ich kann mir nicht vorstellen, dass nun alle nur noch im Homeoffice hocken wollen. Ich glaube aber auch nicht, dass sich der Geist wieder ganz zurück in die Flaschen verzieht. Es wird also irgendwo dazwischen liegen. Doch wo genau?

Ich denke, dass viele Arbeitgeber sich durchaus wieder eine erhöhte Präsenz ihrer Belegschaft wünschen. Nicht aus dogmatischen Überlegungen und auch nicht aus Misstrauen heraus, sondern schlicht vor dem Hintergrund der Erkenntnis, dass auf Dauer das Zusammengehörigkeitsgefühl und auch die persönlichen (Zufalls-)begegnungen heraus ergebende Kreativität leiden.

Aber wird das die Belegschaft auch so sehen? Kommen die Menschen von allein wieder ins Büro, weil sie die eigenen vier Wände den ganzen Tag satt haben? Oder überwiegen doch die Annehmlichkeiten der Jogginghose und der eigenen Toilette?

Müssen die Arbeitgeber die Büros im Zweifelsfall zu Orten machen, an denen “mehr passiert” als Arbeit und an denen man “mehr geboten” bekommt als die Möglichkeit zu arbeiten? Haben wir es hier mit einer Situation zu tun, die man mit dem Wettbewerb zwischen Streaming zu Hause und einem Kinobesuch vergleichen kann/muss?

Oder um die Ausgangsfrage aufzugreifen:

Braucht es Employtainment, um die Belegschaft wieder ins Büro zu locken?

Es würde mich sehr interessieren, wie Ihr das seht.

Ein Gedanke zu „Braucht es “Employtainment”, um die Belegschaft wieder ins Büro zu locken?

  1. Employtainment:Autsch!

    Fragen Sie das bitte mal auf dem Bau, Einzelhandel oder in einer Klinik.
    Mit was sich ein Teil der HR-Welt aktuell beschäftigt, macht mich ab und an sprachlos. By the way machen das ja große Tech-Konzerne bereits seit 10 Jahren.
    Manche Menschen wollen auch einfach nur arbeiten und respektiert werden.

    Frohes Schaffen :-)

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