Die Stunde der Werte… Studienergebnisse bestätigen gestiegene Bedeutung der Unternehmenskultur durch Corona-Krise

Vor gut fünf Wochen, quasi auf dem Höhepunkt des Corona-Lockdowns hatte ich mir hier im Recrutainment Blog einmal ein paar Gedanken gemacht, wie sie denn möglicherweise in der Zukunft – nach Corona – aussehen könnte: Die Personalgewinnung.

Eine der vier Entwicklungen, die ich in dem Beitrag “Vier Prognosen: Wie sieht eigentlich die Personalgewinnung nach Corona aus?” beschrieb, hatte ich mit der Überschrift “Die Stunde der Werte” betitelt.

Und als hätten sie´s gehört, lieferten nun die Employer Branding Agentur CASTENOW und das Marktforschungsunternehmen INNOFACT die dazugehörigen und meine Thesen untermauernden Zahlen.

Im Rahmen der repräsentativen Studie “Culture-Boost Corona?” wurden mehr als 1300 Arbeitnehmer_innen befragt, wie sie die Kommunikation ihrer jeweiligen Arbeitgeber in der Krise bewerten und auch, welche Bedeutung die Krise insbesondere für Themen wie Teamgefühl, Sinnstiftung, Belastung, Wechselwilligkeit und na klar Werte im Allgemeinen hat.

Ich habe mir die Studie einmal näher angeschaut und ein paar Highlights daraus zusammengefasst:

Die Zufriedenheit mit dem Krisenmanagement der Unternehmen ist insgesamt relativ hoch

60% der Befragten gaben an, dass sie mit dem Krisenmanagement ihrer Arbeitgeber zufrieden waren.

Die Zufriedenheit hing hierbei ganz maßgeblich von der Kommunikation der Unternehmen ab:

Schafft diese Klarheit darüber, wie es weitergeht?

Umfasst diese aber auch Informationen darüber, wie es dem Unternehmen geht? Also, sind Aufträge storniert oder pausiert worden etc.?

Und: Was sind Entscheidungen, die das Management getroffen hat? Und warum?

Die Zauberworte für Zufriedenheit lauten also Klarheit, Transparenz und Dialog.

Krise schafft Verbundenheit!

Knapp 40% der befragten Arbeitnehmer fühlten sich während der Krise verbundener mit ihrem Arbeitgeber als vorher. Bei der Hälfte gab es hier keine Veränderung. Das heißt aber auch, dass die Verbundenheit nur bei ca. 10% der Befragten abnahm.

Hier waren es unter anderem auch eher die kleinen Dinge, die sich positiv auf die Verbundenheit auswirkten: Kleine Aufmerksamkeiten oder auch einfach nur die Schaffung von Möglichkeiten zum Austausch mit den Kolleg_innen in Form von virtuellen Lunches oder Coffee Talks…

Das Zauberwort: Wertschätzung

Das Teamgefühl ist gestiegen

Eng zusammenhängend mit Verbundenheit: Das Teamgefühl. Dieses nahm lt. der Befragung bei mehr als 50% der Arbeitnehmer zu, insb. bei denen mit Kindern (63%). Abgenommen hat es nur bei einer Minderheit von ca. 10%.

Und auch hier wieder waren es die Klarheit, Transparenz und Ehrlichkeit der Kommunikation und die vom Arbeitgeber ausgedrückte Wertschätzung, die sich maßgeblich positiv auf das Teamgefühl auswirkten.

Der Sinn rückt stärker in den Mittelpunkt

Sehr spannend fand ich die Befunde zu der Frage Sinn. Also dem Sinn, den Arbeitnehmer in ihrer Tätigkeit sehen. Ca. 30% der Befragten sahen während oder durch die Krise einen größeren Sinn, in dem was sie tun (bei den 19- bis 29-Jährigen waren es sogar 40%)…

…während allerdings auch 22% der Befragten den Sinn ihrer Arbeit infrage stellen.

Egal, wie bei jedem individuell das Urteil ausfällt, es scheint so zu sein, dass eine Verwerfung wie die Corona-Krise vor allem die FRAGE nach dem Sinn oder Unsinn der eigenen Arbeit viel stärker auf die Platte hebt. Man stellt sich Fragen, die man sich in normalen Zeiten sehr wahrscheinlich so gar nicht gestellt hätte.

Werte-Shift durch die Corona-Krise

Ein zentraler Befund der Studie: Für eine große Mehrheit der Befragten haben Kommunikation und vor allem Menschlichkeit deutlich an Bedeutung gewonnen…

Auch Führung zählt deutlich zu Gewinnern. Werte wie Aufstiegschancen oder Karriere sind hingegen die großen Verlierer der Krise.

Back to Normal? Ja, aber auch “Keep the Good”…

Handelt es sich bei den Befunden nur um eine spezielle, den besonderen Begleitumständen geschuldete, Momentaufnahme?

Auch hierzu findet sich etwas in der Studie. Während sich zwar 60% der Befragten eine Rückkehr zu den Um- und Zuständen vor der Krise wünschten, gaben doch immerhin 40% zu Protokoll, dass man doch auch durchaus die eine oder andere Maßnahme, z.B. mehr Video-Calls oder Home-Office-Möglichkeiten, beibehalten solle.

Ich werte das als relativ starkes Indiz dafür, dass sich in vielerlei Hinsicht der Geist nicht wieder zurück in die Flasche sperren lassen wird.

Denn – auch das konnte die Studie empirisch untermauern – der Arbeitsalltag unter Corona-Bedingungen war aus Sicht der Arbeitnehmer nicht nur schlecht. Es gaben zwar 26% der Teilnehmer an, sich “emotional erschöpft” zu fühlen…

…aber dem standen 28% gegenüber, die von weniger Stress und positiven Effekten für die Work-Life-Balance berichteten…

Fazit:

Ich fühle mich insg. durch die Studienbefunde in meinen Prognosen bestätigt. Klar: Wenn alles “vorbei” ist, dann wird man sicher das Pendel auch erstmal zurückschwingen sehen, aber ich bin mir sicher, dass die Arbeitswelt – und auch die der Personalgewinnung – in vielerlei Hinsicht eine andere sein wird als vor Corona. Sowohl im Hinblick auf die äußere Gestaltung, die Organisation von Arbeit, aber eben auch und vor allem im Hinblick auf den relevanten Wertemix.

Wer die Studie einmal in Gänze lesen und auch noch erfahren möchte, wie es z.B. um Themen wie Frust und Belastung, aber auch Wechselwilligkeit steht, der kann das Whitepaper hier direkt bei Castenow bestellen (kostenlos): https://www.castenow.de/studien_die-corona-krise-als-chance-fuers-employer-branding/

Lohnt sich!

Ein Gedanke zu „Die Stunde der Werte… Studienergebnisse bestätigen gestiegene Bedeutung der Unternehmenskultur durch Corona-Krise

  1. Interessanter Blog Artikel! Vielen Dank :-) Es ist eine schlimme Zeit momentan und ich wünsche allen Gesundheit und Durchhaltevermögen. Beste Grüße, Nick Freund

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