Wie viel Berufsorientierung steckt in dem Serious Game “MyLidlWorld”?

Vor Kurzem bin ich im Playstore über ein durch Lidl bereitgestelltes Spiel gestolpert, nämlich MyLidlWorld. Eine kurze Recherche ergab: das Spiel ist nicht mehr so wirklich neu und wurde vor fast 2 Jahren gelauncht. Trotzdem habe ich es mir einmal genauer angesehen, schließlich haben wir uns vor ein paar Jahren auch schon einmal intensiv mit der Erstellung von Berufsorientierungsspielen für Lidl auseinandergesetzt.

Aber zurück zu MyLidlWorld: Wie spielt man das Ganze?

Zum Start wähle ich einen Avatar aus und gebe meinem Laden einen Namen, in meinem Fall: Lisas Frischeparadies -> Branding ist schließlich wichtig :-)

Zum Start habe ich ein paar wenige Regale auf einem Marktplatz und kann dort Waren auffüllen: z.B: frische knackige Äpfel. Und schon kommen die ersten Kunden zu mir. Eine Kasse gibt es auch bereits in Form eines Sparschweins. Jeder hat schließlich mal klein angefangen.

Um alle Aspekte, die für den reibungslosen Betrieb meines kleinen Lebensmittel-Start-ups wichtig sind, muss ich mich nun kümmern. Dazu gehört das Auffüllen der Regale, wenn Waren verkauft wurden, das Aufwischen von heruntergefallenen Waren (manche Kunden sind leider nun mal tollpatschig) und das Leeren der Kasse.

Es lohnt sich, jeden Tag ein paar Minuten zu investieren, da es täglich ein Päckchen abzuholen gibt, wobei in diesem sukzessive mehr Inhalt wartet, wenn man kontinuierlich spielt.

Grundsätzlich geht es nun darum, mein Geschäft zum Laufen zu bringen, indem ich die Einkaufs-Bedürfnisse meiner Kunden möglichst gut bediene. Die Senioren legen z.B. viel Wert auf Frische und Sauberkeit, Schnelligkeit und Dekoration ist ihnen dagegen weniger wichtig. Andere Kundentypen (z.B. Kinder oder Ökos) legen wiederum Wert auf andere Dinge. Fühlen sich meine Kunden wohl, steigert dies die Zufriedenheit und lockt mehr Kunden an, was wiederum den Umsatz steigert.

Neben dem Verdienen von Geld geht es zusätzlich darum, weitere Spielwährungen einzunehmen:

Lidl-Punkte: Diese verdient man durch das Beseitigen von Verschmutzungen oder Spenden von Waren und kann sie wiederum für hilfreiche Dinge in der Filiale (z.B. Dekorationen) eintauschen.

Münzen: Diese verstecken sich teilweise in der täglichen Belohnung oder können über das Lösen von Herausforderungen verdient werden. An unterschiedlichen Herausforderungen mangelt es hier nicht. Die Macher haben sich mit viel Liebe zum Detail witzige Alltagssituationen herausgepickt: so z.B. genug „Rosen für den Valentinstag vorrätig haben, sodass 25 Verliebte diese mit nach Hause nehmen können.“ Ein besonders spannender Aspekt: Münzen können auch darüber verdient werden, wenn der Barcode bestimmter Produkte in einer echten Lidl-Filiale gescannt wird. Eine schöne Verbindung der echten mit der digitalen Welt.

Die erspielten Münzen können dann dafür genutzt werden, in einem Spielautomaten Bonus-Waren zu erspielen, also die vierte Währungsform im Spiel:

Bonus-Waren: Zusätzlich zum Spielautomaten, erhalte ich diese auch über die täglichen Belohnungen oder das Bestehen von Herausforderungen. Diese Waren sind wiederum wichtig, um meinen Markt zu gegebener Zeit auf eine neue Marktstufe weiterzuentwickeln.

Auf dem Marktplatz muss ich glücklicherweise gar nicht lange agieren, schnell geht es auf die nächste Stufe.

Damit verbunden sind dann zum einen neue Kundentypen, mit neuen Bedürfnissen, sodass ich möglichst schnell mein Sortiment erweitern muss und zum anderen auch eine neue Kasse mit meiner ersten Mitarbeiterin.

Und so geht es dann Stück für Stück weiter. Regale können vergrößert und mit neuen Produkten bestückt werden und von Marktstufe zu Marktstufe kommen neue laufende Aufgaben hinzu. So muss ich mich irgendwann darum kümmern, den anfallenden Verpackungsmüll zu beseitigen und später meine brandneue Backstube zu bedienen. Hierbei kann ich mir aber auch Stück für Stück Personal einstellen.

Insgesamt ist das Spiel durchaus kurzweilig und spiegelt erstaunlich ähnliche Aspekte wider, die wir auch seinerzeit im Berufs-Check berücksichtigt haben. Was weniger realitätsgetreu, aber wahrscheinlich, unter Berücksichtigung der Zielgruppe ab 6 Jahren, vereinfacht dargestellt wurde: Die Einstellung eines Mitarbeiters verursacht nur einmalig Kosten, ich zahle den Mitarbeitern also fortan keinen Lohn… Außerdem kann ich meinen Kolleginnen und Kollegen leider nur eine Aufgabe zurzeit zuweisen, also z.B. „Regale auffüllen“. Wenn er oder sie auf dem Weg über Verschmutzungen stolpert, werden diese ignoriert.

Sonst würde es aber wahrscheinlich auch für mich selbst langweilig werden ;-)

So sah übrigens mein Frischeparadies nach einigen Spieltagen aus:

Mein Fazit: Auch wenn dieses Spiel vermutlich nicht primär zur Berufsorientierung entwickelt wurde, wirkt es eben doch sicherlich auch ein Stück weit in diese Richtung und stellt entsprechend ein schönes Beispiel für Recrutainment dar, da es mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet wurde.

Verfügbar ist das Spiel im Playstore oder Appstore und weitere Infos gibt es hier.

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