Work21 – ein künstlerischer Blick auf die Arbeit. Und sein Nutzen für die HR-Kommunikation…

Authentizität. Mitarbeiter-Testimonials. Markenbotschafter…

So schallt es seit nunmehr mehr als zehn Jahren durch die Employer Branding- und Recruiting-Kreise. Seitdem Social Media seinen Siegeszug durch die Bastionen der Kommunikationskanäle angetreten hat ist der Anspruch auf Realistic Job Preview so etwas wie das Mantra der Vor- und Nachdenker der einschlägigen Szene. Und darum könnte man meinen, dass man dazu auch schon alles irgendwie gesehen hat, sogar Augmented oder in 360°

Stimmt aber nicht. Auch dieses Thema kann man aus einer buchstäblich anderen Perspektive betrachten. Aus der Perspektive der Kunst…

Als der Berliner Fotograf Frank Nürnberger vor drei Jahren seine Fotobuch-Sammlung
durchschaute, fiel ihm August Sanders Meisterwerk „Menschen des 20. Jahrhunderts in
die Hände. Sander, Deutschlands wahrscheinlich berühmtester (und sicherlich einer der weltweit teuersten…) Fotograf des 20. Jahrhunderts, hat in vielen Hundert fotografischen Portraits ein Gesellschaftsbild Deutschlands im frühen 20. Jahrhunderts gezeichnet.

Und viele seiner Bilder sind Berufsportraits.

1920 und 1930 war es die Industrialisierung, die die Arbeitswelt verändert hat; heute ist
es vor allem die Digitalisierung. Frank Nürnberger will in seinem Fotokunstprojekt
www.work21.de – Arbeiten im 21. Jahrhundert – unsere heutige Berufswelt festhalten mit
Portraits aus allen Branchen und allen Funktionen und mit jeweils einen Videointerview, in
dem er seine Portraitsubjekte zu ihren Arbeitsbiografien befragt.

Ich habe das deshalb einmal zum Anlass genommen, mir Work21 einmal etwas genauer anzusehen und vor allem mit Frank zum Interview zu schnappen, damit er uns Work21 einmal etwas genauer vorstellen kann und vor allem auch damit klar wird, was das Projekt für die HR-Kommunikation bedeuten kann…

Also Frank, wollen wir…?

Warum beschäftigst du dich in deinem Fotokunstprojekt mit dem Thema Arbeit?

Ich lese viel über die Digitalisierung, über neue Verfahren, die einerseits menschliche Arbeit in manchen Bereichen ersetzt, andererseits in anderen Bereichen dem Menschen Werkzeuge an die Hand gibt, die ihn produktiver und auch zufriedener machen.

Unsere Arbeitsgesellschaft ist im Umbruch. Ich möchte innehalten und den Menschen, die sich dieser schnellen Veränderung stellen, ein fotografisches Denkmal setzen.

Wo stehst du derzeit mit deinem Projekt?

Am Anfang. Nach zwei Jahren habe ich nun 105 Portraits und Videos von Menschen mit unterschiedlichen Berufen gemacht. Darunter elf vollständige 7er-Serien. Bislang habe ich mich schwerpunktmäßig mit den Bereichen Kultur und Internet beschäftigt, habe aber auch Serien und Portraits aus den Bereichen Bauwirtschaft, Medizin und Wissenschaft angefertigt. In den nächsten 20-30 Jahren möchte ich ein möglichst umfangreiches Bild unserer Arbeitswelt gezeichnet haben.

Warum ist deine Arbeit nach Branchen sortiert und in 7er-Serien angelegt?

Ich möchte in jedem Bereich, in jeder Branche 7 Serien mit je 7 Menschen zeigen. Die Aufteilung in einzelne Bereiche der Arbeit habe ich von August Sander übernommen, das gibt den Fotoserien einen thematischen und visuellen Zusammenhalt.

Die einzelnen Serien entstehen in der Regel so, dass ich mit der Antwort auf die letzte Frage des Video-Interviews „Wer soll als nächstes portraitiert werden?“ zum jeweils Nächsten in der Serie geschickt werde. Die Auswahl meiner Portraitsubjekte habe ich damit aus der Hand gegeben. In den Firmen-Serien lasse ich auch die lenkende Hand des Unternehmens zu.

Einzelne Serien sind in Zusammenarbeit mit Unternehmen wie zum Beispiel XING oder Empolis Information Management entstanden. Bist du damit ein Dienstleister wie etwa whatchado?

work21 ist zunächst mein persönliches, künstlerisches Projekt. Auf den Gedanken, mit Firmen zu kooperieren, bin ich erst gekommen, als ich in einer Fotoserie einen Menschen nicht am Arbeitsplatz fotografieren konnte, weil die Kommunikationsabteilung bedauerlicherweise keine Aufnahmen auf dem Firmengelände zuließ und grundsätzliche Zweifel hegte, ob Mitarbeiter über Ihre Arbeit öffentlich sprechen sollten.

Das heißt, um Menschen in bestimmten Unternehmen und Institutionen überhaupt am Arbeitsplatz fotografieren und interviewen zu können, muss ich zunächst die Kommunikations- oder Personalabteilung von meinem Projekt überzeugen. Wenn ich diesen Aufwand betreibe, und dann die Unternehmen die Ergebnisse meiner Arbeit für die eigene Kommunikation nutzen möchten, dann sehe ich die Möglichkeit für eine Zusammenarbeit.

Welchen konkreten Mehrwert kannst du Unternehmen bieten?

Soweit ich mich inzwischen in die HR-Thematik eingelesen habe, sind „Mitarbeiter-Testimonials“ keine neue Erfindung. Der Nutzen solcher Testimonials kann im Bereich der internen Kommunikation liegen („Wir lernen einander kennen“), im Bereich des Recruitings („Bewerber können Teil des Teams werden“) oder auch im Bereich der Marken- oder Produktkommunikation („Diese Menschen stehen hinter dem Produkt“).

Neben einer medialen Verwertbarkeit meiner Bilder und Video-Interviews besteht bei einer Zusammenarbeit mit mir vor allem die Möglichkeit einer Fotoausstellung. Die 7er-Portraitserie mit ihren fast drei Metern Breite nimmt physisch einen Raum ein, der zum Innehalten anhält, zur Beschäftigung mit der Thematik.

Die Ausstellungen, ob nun intern im Unternehmen oder auf Messen und an öffentlichen Orten, sind dann auch mehr als reine Unternehmenskommunikation. Und gerade deswegen – als Katalysator für viele Gespräche – kann der künstlerische Blick für das
Unternehmen wertvoll sein.

Wie flexibel gehst du auf die Wünsche deiner Kooperationspartner ein?

Ich freue mich über jede Anfrage vom Unternehmensseite, die neben dem Wunsch, das
entstandene Bild- und Videomaterial für die Kommunikation zu nutzen, auch ein Interesse
für das künstlerische Projekt mitbringt. Auf dieser Grundlage gehe ich gerne auf Wünsche ein – etwa bei der Gestaltung des Interview-Videos oder bei der Auswahl der Mitarbeiter für die Serie.

Frank, ich bin sehr gespannt, wie es bei dir und mit Work21 weitergeht und wo ich demnächst dann auf deine Ausstellungen treffe… Meine Daumen sind gedrückt!

Wer nun selber mal vorbeischauen will, hier geht es zu Work21…

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