Britischer Abhördienst wirbt gezielt um weiblichen Nachwuchs – mit (blended) Recrutainment…

Ein paarmal haben wir hier ja schon über die Aktivitäten der „Geheimen“ in puncto Nachwuchsgewinnung berichtet. Insbesondere der britische Abhördienst GCHQ scheint hier ein ganz besonderes Faible für Recrutainment-Ansätze zu haben – man erinnere sich an die kryptischen Rätsel auf der Seite „CanYouCrackIt„, die man lösen musste, um überhaupt auf die Karriereseite zu gelangen…

Jetzt haben die Briten ganz offenbar junge Mädchen ins Visier genommen und wollen diese für eine Karriere im Kampf gegen Cyber-Kriminalität und Cyber-Warfare (ja ja, War for Talent…) gewinnen.

Das Event CyberFirst Girls Competition setzt sich dabei aus zwei Teilen zusammen:

Der erste Teil sind verschiedene Online-Challenges, wo es um die Lösung von Rätseln ansteigender Schwierigkeit aus den Bereichen Logik, Kryptographie, Cyber-Security, Coding und Networking geht.

Hierfür können Lehrer Gruppen von bis zu vier Schülerinnen im Alter zwischen 13 und 15 anmelden. Die Rätsel sollen „herausfordernd“ sein und es ist nicht zwingend gesagt, dass man alles wird lösen können… Auf jeden Fall steht den Teams ein Online-Tool namens CyberChef zur Seite, um Hilfestellung zu leisten.

Die erste Runde findet im Zeitraum zwischen 27. Februar und 6. März 2017 statt – online, bewerben können sich die Teams jetzt schon.

Der zweite Teil der Competition ist das „All expenses paid Grand Final“ in London am 27. März. Hierzu werden die besten 10 Teams eingeladen, um dann vor Ort gegeneinander anzutreten. Die Aufgabe: Verdächtigen Cyber-Aktivitäten nachgehen und herausfinden, wer hinter der Bedrohung steckt…

Runde zwei ist also ein „Vor-Ort-Event“, allerdings finden die Aufgaben dann vor Ort auch wieder online statt. Nun ja, es geht ja auch um Cyber…

Warum Mädchen?

Aktuell sind nur etwa 10% der Belegschaft im Bereich Cyber-Security weiblich. Die Verantwortlichen sehen also hier ein ganz besonders großes noch unerschlossenes Potential in einem ohnehin wohl stark expansiven Arbeitsmarktsegment.

Blended Recrutainment

Hier geht es zwar inhaltlich um ein vollkommen anderes Themenfeld, aber vom Setup des Gesamtevents erinnert mich die CyberFirst Girls Competition sehr an die Tax- (und demnächst Audit-)Challenges von EY, die sich ebenfalls aus einer Online-Vorrunde und nachfolgenden Offline-Runden (in dem Fall zwei) zusammensetzt.

Online + Offline-Recrutainment = Blended Recrutainment!

Scheint Schule zu machen…

P.S. Auch Deloitte veranstaltet übrigens in Kürze seine sog. „Cyber Career Days“ und wirbt so für seine Beratungssparte „Cyber Risk Services„.

Wer also nicht in die Zielgruppe „Britische Mädchen zwischen 13 und 15 Jahre“ fällt aber trotzdem Bock auf Cyber-Themen hat, ab zu Deloitte! Anmeldung noch bis zum 5. März möglich…

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

2 Gedanken zu „Britischer Abhördienst wirbt gezielt um weiblichen Nachwuchs – mit (blended) Recrutainment…

  1. Hallo Herr Diercks,
    Danke für diesen Artikel. Das ist ein gutes Beispiel für eine vorausschauende Personalmarketing-Strategie. Das nur ausgewählte Schülerinnen daran teilnehmen dürfen in Kombination mit Recruitainment gibt dem Auswahlprozess noch einen besonderen Kick. Haben Sie Informationen, ob GCHQ damit Mädchen bzw. mehr Mädchen für sich gewinnen kann. Ist der Prozess für Jungen anders?
    Und allgemein zu Recruitainment: Haben Sie einen Überblick darüber welchen Stellenwert Recruitainment derzeit in Deutschland hat? Werden solche Ansätze hauptsächlich für die Recruitierung von Nachwuchs genutzt?

    Herzliche Grüße
    Maritza Cataldo

  2. Ja, während Recrutainment vor 10-15 Jahren noch sehr exotisch war, ist dieses Thema inzwischen in Praxis und Fachdiskussion – auch der wissenschaftlichen – weithin akzeptiert. Es ist zwar nach wie vor nicht der Regelfall, aber es gibt mittlerweile Hunderte Beispiele, wo Recrutainment – sowohl offline wie auch online, als Orientierungs-, Self-Assessment-, Matching- oder sogar Auswahlinstrument – eingesetzt wird. Wenn man die Timeline in diesem Blog rückwärts liest, findet man etliche dieser Beispiele. Für einen definitorischen Rahmen des Begriffs „Recrutainment“ empfehle ich einen Blick in dieses Buch: http://www.springer.com/de/book/9783658015695#otherversion=9783658069476

    Über den konkreten Fall beim GCHQ weiß ich allerdings auch nicht mehr als in dem Blogbeitrag steht…

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