@we_are_RWE. Wie bei RWE die Mitarbeiter Twitter als ´Fenster ins Unternehmen´ nutzen

Alle drei Monate veröffentlichen wir hier im Recrutainment Blog eine aktuelle Übersicht an Twitter-Kanälen, die von Unternehmen in Deutschland zur Arbeitgeberkommunikation genutzt werden.

Das ist zunächst eine Betrachtung der quantitativen Entwicklung (Follower- und Followingzahlen, Anzahl abgesetzter Tweets etc.). Aber wir haben uns dabei auch an qualitativen Analysen versucht, etwa indem wir inhaltsanalytisch eine Art Typologie der Twitteraccounts erstellt haben, uns mit Erfolgs- und Misserfolgsfaktoren beim Twittern befasst oder mit Fake-Followers beschäftigt haben oder indem wir hier und da mal über den Twitter-Tellerand hinausblickten (Twitter-Jobmesse #deinjob oder auch das sehr spannende Vine-Video Experiment von VOITH). Das nächste Ranking erscheint übrigens Anfang Mai.

Nun ist mir im Zuge der Zahlenaufbereitung ein sehr spannender Twitter-Kanal untergekommen, den ich zunächst auf den ersten Blick auch für einen Corporate Career Twitter-Kanal gehalten habe, der aber doch ein wenig anders gelagert ist.

@we_are_rwe

Was nämlich auf den ersten Blick aussieht wie ein Account der RWE AG (Verwendung des Logos und der Unternehmensfarben) ist in Wahrheit ein Account der RWE Mitarbeiter.

So heißt es in der Bio:

This account represents the individual views of employees about their work at RWE, not the RWE Group’s official position.

Ferner ist dort von #RotationCuration die Rede… Damit ist letztlich gemeint, dass jede Woche ein anderer RWE Mitarbeiter den Kanal übernimmt. Dieser tritt dann für die Zeit seiner “Redaktion” auch im Klarnamen im Account in Erscheinung und übergibt am Ende seiner “Amtszeit” offiziell und per Tweet an seinen Nachfolger.

we_are_rwe_Übergabe1

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Alle RWE-Twitterati können auf der RWE.com Presseseite nachgelesen werden (ganz 2014 mit Selfie und so…;-)) Der Account ist inzwischen ziemlich exakt ein Jahr alt, so dass man aktuell bei Twitterati No. 51 steht.

Inhaltlich befasst sich @we_are_rwe (wenig überraschend) mit RWE als Arbeitgeber und darüber hinaus mit der Energiewirtschaft an sich. Das interessante daran jedoch: Durch die wöchentlich wechselnden Redakteure, die aus allen verschiedenen Unternehmensteilen kommen, ist der Themenmix bunt, abwechslungsreich, international und zeigt so die gesamte Bandbreite des Unternehmens. Während die ersten @we_are_rwe Twitterati noch aus verschiedenen Kommunikationsabteilungen kamen (wo über alle 51 betrachtet auch immer noch ein gewisser Schwerpunkt liegt), kamen im Zeitverlauf doch auch eine ganze Menge Mitarbeiter “aus dem Operativen” verschiedenster Konzernunternehmen dazu – RWE Consulting, den Lechwerken, Technical Training, Sales, Controlling, Billing Management, IT usw.).

Fazit

Ein bisschen komisch ist schon, dass mit jedem Redakteurswechsel alle alten Tweets namentlich dem aktuellen Redakteur zugeordnet werden, aber das geht bei Twitter nunmal nicht  anders.

Auch wenn es sich bei @we_are_rwe sicherlich um einen Account handelt, der in Summe vermutlich recht wohlwollend über den RWE Konzern berichten wird und der aufgrund des Job-Backgrounds der meisten hier twitternden Mitarbeiter sowie der – sagen wir mal – “Assoziation” mit der offiziellen Konzernkommunikation (siehe Link in der Bio auf die RWE.com) auch keine Subversion oder allzu große Kritik am Unternehmen erwarten lässt, finde ich den Ansatz absolut sinnvoll und nachahmenswert.

Mitarbeiter als Testimonials, die über ihre jeweiligen Bereiche berichten, Einblicke gewähren und so die Transparenz über den Arbeitgeber erhöhen, machen eben sehr viel Sinn. Auch – warum denn nicht – über Twitter.

Und auch ein anderes oft geschildertes Problem der Social Media HR Kommunikation wird über die #RotationCuration sehr elegant gelöst. Nämlich die Frage, wie sich HR denn bitte den ganzen Content ausdenken soll, mit dem die verschiedenen Social Media Kanäle den ganzen Tag gefüttert werden wollen. Das Problem wird hier an die einzige Stelle geschoben, an der dies glaubwürdig gelöst werden kann – zu den Mitarbeitern…

Mein Vorschlag: Folgen! Ich werde @we_are_rwe mal in meine Statistik aufnehmen…

Ich bin dann mal gespannt, ob dieser Post im Social Media Monitoring bei RWE aufpoppt. Wenn ja – kleines Experiment – würde ich mich sehr über eine Kommentar der RWE Kollegen freuen mit vielleicht ein paar weiterführenden Infos über @we_are_rwe, die ich jetzt mit der Sicht von Außen möglicherweise unterschlagen habe…

2 Gedanken zu „@we_are_RWE. Wie bei RWE die Mitarbeiter Twitter als ´Fenster ins Unternehmen´ nutzen

  1. Wir haben uns über diesen Beitrag sehr gefreut – kam er doch passend zum einjährigen Jubiläum des Projektes. Wir mussten auch nicht warten, bis irgendwelche Monitore ihn aufspürten, sondern er poppte – Dank der Erwähnung auf Twitter – de facto in Echtzeit bei uns auf :-)

    Gerne erwehren wir auch einen kleinen Blick “hinter die Kulissen”: Was man von außen nicht sehen kann, sind die Vereinbarungen, die mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer getroffen werden sowie deren Auswahlprozess.

    Eigentlich darf jeder schreiben, was er oder sie will. Da auch Kolleginnen und Kollegen an die Reihe kommen, die nicht in Kommunikationsabteilungen arbeiten, könnten natürlich dabei Fehler unterlaufen. Hier übernahm der Betriebsrat: Er wollte – zu recht! – verhindern, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter disziplinarische Konsequenzen fürchten müssen, wenn ihnen im Dialog mit der Öffentlichkeit ein Fehler unterläuft. Die Herausforderunge bestand nun darin, eine gemeinsame Liste möglicher “Fehler” zu erstellen, um die Teilnehmer auf ihre notwendige Vermeidung hinzuweisen. Entstanden ist eine Art recht konkrete Social Media Guideline für die Woche im Einsatz für das Unternehmen. Diese ist weniger als Gängelung gedacht, sondern bietet beiden Seiten die Sicherheit, dass Grenzverletzungen unwahrscheinlicher sind.

    Trotzdem bleiben viele unsicher, ob sie sich auf diese Art für ihr Unternehmen exponieren möchten. Das macht die Auswahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nicht immer leicht. Jeder, der von sich aus Interesse gezeigt hat, wurde gleich verplant und eingespannt. Es muss niemand abgewiesen werden. Im Gegenteil: Manchmal ist es ein recht zäher Prozess, die kommenden Woche gefüllt zu bekommen. Da ist mitunter Überzeugungsarbeit notwendig – aber das ist auch so gewollt: Auf diese Art und Weise beginnt man sich im Unternehmen aktiv mit Social Media und ihrem Einsatz auseinanderzusetzen.

    Ohnehin haben wir sehr schnell gelernt, dass in dieser Strahlkraft nach innen der eigentliche Erfolgsfaktor liegt. Nun 600 Follower zu haben ist nett, aber keine gewichtige Kennzahl. Die Diskussionen mit möglichen Teilnehmern und deren Vorgesetzten über Sinn und Unsinn von Social Media Kommunikation ist für eine Organisation im Wandel sehr viel wertvoller.

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