Aktualisiertes Ranking der Unternehmens-Karriere-Kanäle bei Twitter: Hatte #deinjob einen Effekt?

Einen kleinen Sturm im Wasserglas hat sie ja verursacht – die erste Jobmesse auf Twitter mit dem wohlklingenden Hashtag #deinjob. Die „spitze Feder aus Berufung“ Henner Knabenreich hat seine Meinung hierzu deutlich kundgetan (#deinjob #einflop?) und satirisch dann noch einen nachgelegt. Auch die FAZ schrammte nur haarscharf an der Polemik vorbei (#deinjob, #meinjob, #keinjob).

Der Tenor: Warum braucht man auf Twitter so etwas wie eine Messe mit festen Sprech- oder Öffnungszeiten, wo es doch eine Selbstverständlichkeit sein sollte, Interessenten Rede und Antwort zu stehen?

Andere haben das positiver oder sagen wir mal „weniger aufgeregt“ gesehen. Zu denen zähle ich mich auch. Die grundsätzliche Kritik an dem Format teile ich durchaus – wie ich ja auch in meiner Ankündigung der „Messe“ zum Ausdruck gebracht habe. Denn ja, es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dialogwillig zu sein, wenn man einen Karrierekanal auf Twitter betreibt und es sollte keiner speziellen Events bedürfen, um potentiellen Kandidaten ihre Fragen zu beantworten. Aber: Was spricht dagegen, trotzdem auch auf Dialogkanälen wie Twitter Karrierekommunikation in Eventform zu betreiben?

Klar, potentielle Azubis oder Trainees könnten auch einfach bei einem Unternehmen anrufen, um ihre Fragen loszuwerden. Sie müssten dafür auch nicht auf eine Jobmesse gehen. Fakt ist: Sie tun es trotzdem jedes Jahr zu Hunderttausenden wie Anbieter wie Einstieg oder Staufenbiel bestätigen können. Offensichtlich haben zeitpunkt- und zuweilen sogar ortsgebundene Kontaktformen ihre Daseinsberechtigung. Events sind immer ein Kulminationspunkt. Warum also nicht auch auf Social Media Plattformen?

Von daher war #deinjob ganz sicher ein lohnender Versuch. Ob das Format in dieser Form oder modifiziert sinnvoll ist, das müssen letztlich die teilnehmenden Unternehmen und die teilnehmenden Interessenten beurteilen. Mein Eindruck ist, dass zumindest aus Sicht der Unternehmen der Ertrag gemessen am überschaubaren Aufwand zumindest okay war, wie das Interview von Lutz Altmann mit den Teilnehmern im Nachgang suggerierte.

Gut warten wir es ab.

Dass Twitter aus meiner Sicht ein lohnender Kanal für die Karriere-Kommunikation ist, das habe ich ja nun bereits mehrfach betont. Ich sehe den Nutzen zwar weniger im direkten Kandidaten-Dialog als vielmehr in der Kommunikation mit und zwischen Meinungsmultiplikatoren, aber auch das kann und wird sich am langen Ende positiv auf die „echte“ (Bewerber-)Welt auswirken. Die Kugel fliegt bei Twitter eine Kurve, aber das haben die Bananenflanken von Manni Kaltz seinerzeit ja auch ganz erfolgreich getan. Hierzu lese man gern ansonsten nochmal den von mir nachgemalten Case Staples Azubi-Filiale nach…

Und aus eben jenem Grund analysieren wir hier seit inzwischen fast dreieinhalb Jahren (inzwischen mehr als 70) Corporate Career Twitter-Accounts. Das letzte Ranking erschien im November, so dass es jetzt mal wieder Zeit für ein Update ist. Und da Zahlen nicht lügen, kann man ja mal schauen, ob #deinjob an dieser Stelle evtl. sogar sichtbare Auswirkungen hatte.

Also, los geht´s…

In der Champions League, also denjenigen Kanälen mit mehr als 3000 Followern, liegt die Deutsche Bahn nach wie vor deutlich an der Spitze. Der engste Verfolger Reckitt-Benckiser hat zwar seit November mehr als 200 Follower gutgemacht, aber zumindest im Januar konnte Reckitt nicht weiter aufholen, weil hier die Bahn mal wieder einen relativ starken Monat hatte (#deinjob-Effekt???) und RB gleichzeitig im Wachstum etwas abbremste.

Auch interessant: Der Mittelständler Rational (Hersteller von Groß- und Industrieküchengeräten) steigt nicht nur in den Ü3000er Club auf, sondern schiebt sich heimlich, still und leise sogar auf Platz 6 vor (vorbei an BASF – die ebenfalls erstmals den Sprung über die 3000er Marke schafften -, Krones, Unilever und Bayer). Gleichzeitig – auch das interessant – zeigt die Kurve beim (noch) viertplatzierten Callcenter-Betreiber TeleTeam seit Monaten eher nach unten. Das ist insofern bemerkenswert als dass es hier bis Mai 2012 immer steil aufwärts ging. Hmm, mutet komisch an. Nach rein „organischen“ Bewegungen der Followerzahlen sieht das irgendwie nicht aus…

Twitterranking_Ü3000erClub_0214Eine Etage tiefer – in der Liga zwischen 2000 und 3000 Followern – liegt Audi vorn und wird dann wohl beim nächsten Update im Mai ebenfalls über die 3000er Marke springen. Bertelsmann überholt Otto und BMW überholt Siemens.

A propos Siemens: Bei dem Kanal @JobsatSiemens handelt es sich um den faktisch seit Jahren brach liegenden Kanal der alten Siemens IT Solutions & Services. Die gibt es seit 2011 nicht mehr, weil die Sparte von Atos übernommen wurde. Nun, schmeiß sie aus dem Ranking, könnte man sagen. Das wäre striktgenommen natürlich auch richtig. Ich habe aber immer noch die Hoffnung, dass bei Siemens vielleicht mal jemand auf die Idee kommt, den Kanal zu übernehmen und wieder aufleben zu lassen. @JobsatSiemens hat immerhin mehr als 2200 Follower und der Name des Kanals wäre ja nun so generisch, dass er wunderbar auch für die Karrierekommunikation des Konzerns verwendet werden könnte. Mal schauen, vielleicht schlägt dieser Gedanke ja über das Social Monitoring im Siemens-Konzern auf und wird weiterverfolgt… Also, liebe Siemensianer, ran da… ;-)

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Weiter im Takt: 1000 bis 2000 Follower

Ganz vorn IBM (wahrscheinlich auch letztmalig, weil sie beim nächsten Mal dann eine Liga höher spielen werden), ganz hinten Brunel. Hier hat sich also nicht allzuviel getan.

Herauszuheben ist hier allerdings Philips. Der Kanal hat bislang pro Monat immer so zwischen 15 und 30 Follower zugelegt. Im Januar allerdings kamen mehr als 60 dazu. Man muss da jetzt zwar nicht durchdrehen und vielleicht hat es auch andere Ursachen, aber meine Interpretation wäre hier tatsächlich eine Art „#deinjob-Messeeffekt“. Auf jeden Fall lag die Zahl abgesetzter Tweets bei Philips  in dem Zeitraum deutlich höher als normal und bei Twitter gilt schon auch die alte Regel „sich regen bringt Segen“. Vielleicht mag Susanne Hagen hierzu ja mal einen Kommentar abgeben; würde mich tatsächlich mal interessieren…

In der Kategorie 500 bis 1000 Follower liegt nun die Salzgitter AG vorn. Es wird wohl noch mind. 6 Monate dauern, bis hier die 1000 geknackt werden. Freut mich aber trotzdem, weil ich mich noch gut daran erinnern kann, dass mir diese Marke in einem Interview, was ich im August 2011 mit einer damaligen Salzgitter-Praktikantin über den Salzgitter-Karriereblog geführt habe, mal als Fernziel genannt wurde…

Ansonsten fleißig am wachsen: Henkel, Jungheinrich und Baloise. Neu dabei: Namics, Rako und die Sparkassen-Versicherung Sachsen.

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Bleibt die unterste Kategorie – von 0 bis 500 Follower.

Hier sind mit Groupon und dem TÜV Rheinland zwei Kanäle neu hinzugekommen, die Nummern 73 und 74. Willkommen!

Infineon hat einen großen Satz nach oben gemacht (was allerdings hier daran liegt, dass ich beim letzten Mal von Infineon darauf hingewiesen wurde, dass man seit einiger Zeit unter @InfineonCareers und nicht mehr wie vor einigen Jahren unter @infineon_jobs twittert… ;-)

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Bleibt ein Blick auf den Index

Dieser berechnet sich recht simpel als “durchschnittliche Followerzahl der über einen längeren Zeitraum (aktuell seit Sept 2011) beobachteten Accounts” und ist insofern ein ganz brauchbarer Indikator für die Dynamik, mit der sich die Followerzahlen allgemein über einen längeren Zeitraum entwickeln. Aktuell fließen 44 Kanäle in den Index ein, eben jene, die seit September 2011 durchgehend in der Betrachtung sind.

Der Index zeigt, dass die Twitter-Followerzahlen nach wie vor ansteigen, hierbei allerdings eine kontinuierlich nachlassende Wachstumsdynamik zu verzeichnen ist. Schauen wir mal. Wenn man bei Twitter nun vielleicht erkannt hat, dass Karrierekommunikation eine sinnvolle (und möglicherweise perspektivisch auch lukrative) Einsatzmöglichkeit des Mediums darstellt und wenn man daraufhin weitere möglicherweise ausgereiftere Funktionen und Formate als #deinjob hierfür entwickelt und anbietet, dann könnte die Dynamik hier sicherlich wieder zulegen…

Twitterranking_Index_0214

Das Follower-Following-Ratio

Dazu hatte ich das letzte Mal im März 2012 Zahlen veröffentlicht. Dieser Wert beschreibt das Mengenverhältnis von Twitteraccounts, die einem folgen, zu denen, den man selber folgt. Man kann dies grob gesagt als Indikator ansehen, inwieweit der Account-Betreiber Twitter als Informations-/Dialogmedium (eher niedriges Ratio) oder Verbreitungskanal für eigene Botschaften (eher hohes Ratio) ansieht.

DBKarriere 26,88
DiscoverRB (Reckitt-Benckiser) 4,24
Daimler_Career 8,69
call_teleteam 0,95
Telekomkarriere 11,98
Rational_ag 1,18
BayerKarriere 44,87
Unilever_talent 4,41
KronesAG 2,39
BASFKarriere 10,12
Audi_Karriere 12,33
BertelsmannCYOC 1,15
Otto_jobs 4,10
BMWKarriere 400,33
JobsatSiemens 224,40
IBMDEcareers 8,61
allianzkarriere 9,69
Bombardier_Jobs 19,29
pwc_career_de 25,50
Sparkasse_Jobs 0,83
Brose_Karriere 4,85
Consultingjobs (BearingPoint) 9,49
Stihlkarriere 14,72
MediaSaturn 19,63
Philips_Jobs 5,63
Scout24_career 2,15
Thyssenkruppjob 387,00
EY_Careers 3,65
Job_TSystemsMMs 1,03
Brunel_de 1,10
SZAG_Karriere 13,00
GIZ_jobs 0,74
SNTlive 2,03
CommerzbankJobs 338,00
HenkelJobs 3,09
baloise_jobs 1,40
Postbankjobs 13,36
QVC_Jobs 96,00
Namics_Jobs 1,53
Bigpoint_Career 1,39
JungheinrichAG 2,17
SVSachsen 12,85
Rako_Group_HR 0,92
SECURITAS_Job 1,54
1und1jobs 10,78
FreseniusJobs 16,70
Deteconjobs 7,04
gicom_org 0,69
TK_Karriereteam 1,33
Workingunister 4,09
Witt_Gruppe_Job 1,90
InfineonCareers 7,02
Hilton_Karriere 0,63
DHAG_Karriere (Douglas) 2,38
RobinsonJobs 1,84
GrunerJahrJobs 140,50
KPMG_DE_Careers 2,52
HanielGroup 90,33
DeloitteJobsDE 4,16
SICK_Karriere 1,06
ifm_karriere 0,70
tuvcom_jobs (TÜV Rheinland) 0,77
CreditPlusBank2 0,32
flyeralarm_Karriere 2,22
P7S1Karriere (ProsiebenSat1) 0,56
Unicepta_Jobs 2,09
gdata_karriere (G Data) 0,59
Intechkarriere 3,26
CTE_Tweets 0,31
TK_Presta (Thyssen-Krupp) 0,95
TUIAnimation 0,68
GrouponBerlin 0,34
Suedzucker_Jobs 1,14

Naturgemäß wird ein Ratio in der Nähe von 1 im hier vorliegenden Fall eher die Ausnahme sein, da es relativ normal ist, dass sich rein mengenmäßig mehr einzelne Personen für ein Unternehmen interessieren als dass sich Unternehmen für einzelne Personen interessieren. Dies gilt naturgemäß umso mehr für größere Unternehmen. Folgt ein Unternehmen jedoch nur 2, 3 oder 4 anderen Twitterkanälen (was in der hier vorliegenden Betrachtung durchaus häufiger vorkommt), dann zeigt dies trotzdem sehr eindeutig, dass diese Twitter vor allem zum Senden nutzen wollen. Und in der Tat sind Accounts wie der von BMW, ThyssenKrupp oder Commerzbank quasi reine Einbahnstraßen.

Soweit erstmal wieder das umfangreiche Update zum Zahlenwerk…

Ob #deinjob nun einen Effekt hatte? Ja, vollkommen unstrittig hatte es den. Mindestens in der Form als dass darüber reichlich geschrieben und debattiert wurde. Auch das kann man kritisch sehen, im Sinne von „nur die Suppe hat sich dafür interessiert, der Otto-Normal-User, geschweige denn Kandidat aber eher nicht„. Im Falle von Twitter wiederum glaube ich allerdings, dass die eigentliche Stärke des Mediums auch nicht der Kontakt zum Enduser, sondern der Kontakt zu (anderen) Meinungsmultiplikatoren ist. Die Sichtbarkeit für den Enduser (oder in diesem Fall potentiellen Kandidaten entsteht dann möglicherweise ganz woanders). Oder was meint Ihr, wie es die Kreissparkasse Birkenfeld ansonsten in die Süddeutsche Zeitung geschafft hätte?

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

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