Gender-Fail-Fundstück zum Wochenstart: Kreissparkasse Birkenfeld mit katastrophaler Stellenanzeige

Ausbildungsmarketing ist schon ein wichtiges Thema, nicht zuletzt deshalb haben wir es ja auch zu einem der Schwerpunktthemen der Recruiting2014 gemacht. Viele Unternehmen berichten hier inzwischen auch von substantiellen Problemen, in hinreichendem Maße geeignete Kandidaten zu erreichen. Dass die Bemühungen, Nachwuchs zu rekrutieren, zuweilen aber auch wirklich haarsträubende Stilblüten hervorbringen, erkennt man nicht nur an den verschiedenen skurrilen Rap- und Tanzeinlagen der letzten Monate.

Nein, auch ohne Bewegtbild und ohne Internet kann es manchmal so richtig schlimm werden wie das aktuelle Fundstück der Kreissparkasse Birkenfeld zeigt.

Noch Fragen? Das muss man eigentlich kaum noch weiter kommentieren… Immerhin ist im Copytext noch von Bankkaufmännern UND -frauen die Rede, ansonsten dürften wir hier ein Musterbeispiel dafür haben, dass das Thema Diversity in Birkenfeld wohl noch nicht angekommen zu sein scheint. Auf die Karriereleiter – oder auf dieser nach oben -kommen dort nämlich offensichtlich nur Männer. Auch richtet sich die Sparkasse mit ihrem Ausbildungsangebot offensichtlich nicht an Kandidaten mit migrantischem Hintergrund – weder auf der Leiter noch irgendwo. Soweit die Bildsprache der Anzeige.

Ich wäre wirklich mal gespannt, ob so ein Motiv im Falle einer Ablehnung einer weiblichen dunkelhäutigen Kandidatin nicht möglicherweise schon Indiziencharakter im Sinne des AGG hätte. Ich finde dieses Motiv ehrlich gesagt viel schlimmer als wenn jemand in seiner Stellenanzeige von „einem jungen Team“ schreibt oder das obligatorische „(m/w)“ weglässt.

Dass man die angekündigten „Mehr Infos“ auf der Website auch nur sehr mühsam in der dritten Navigationsebene findet (von einem Menüpunkt „Ausbildung“ oder zumindest „Karriere“ oder „Jobs“ im Hauptmenü leider keine Spur) macht es auch nicht besser, auch wenn es auf dem dortigen Motiv immerhin zwei der Frauen auf die Leiter geschafft haben…

Für mich ist die Stellenanzeige ein heißer Kandidat für die „Goldene Runkelrübe„…

In diesem Sinne einen amüsanten Start in die Woche!

Autor: Jo Diercks

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

13 Gedanken zu „Gender-Fail-Fundstück zum Wochenstart: Kreissparkasse Birkenfeld mit katastrophaler Stellenanzeige

  1. Das kommt davon, wenn man die Azubis der letzten Generation die Anzeige für die neue Generation machen lässt…

    Banker, bleib bei Deinem Schalter.

    – Hans Steup, Berlin

  2. Wird in der kommenden Woche eingestellt. Versprochen :)

    Liebe Grüße aus Griechenlanf, Jannis

  3. das mit dem Migrationshintergrund verstehe ich nicht… sowohl die beiden Mädels unten sowie der Junge oben links könnten doch auch beispielsweise türkische Mitbürger sein, oder alle könnten Italiener oder Spanier sein???
    Und das mit der dunkelhäutigen Bewerberin können Sie nicht ernst meinen…

  4. warum soll ich das nicht ernst meinen? es kann unter umständen schon indizienwirkung haben, wenn auf einer solchen anzeige nur junge menschen zu sehen sind. wird etwa jemand abgelehnt, der z.b. 50 jahre alt ist und behauptet, dass die ablehnung aus altersgründen erfolgt ist, kann es bei der verhandlung darauf ankommen, welchen anschein das unternehmen in seinen personalmarketingbemühungen erweckt hat. gibt es dann nur anzeigen, die junge menschen zeigen, kann das zum problem werden.
    wenn man wie hier sieben „azubis“ zeigt, von denen es den anschein hat, dass keiner davon migrantischen hintergrund hat (kann natürlich sein, dass diese einen solchen haben, ein arbeitsgericht könnte dies ja leicht nachprüfen), dann kann im ablehnungsfall eines bewerbers mit migrantischem hintergrund eben genau dies ebenfalls eine solche indizienwirkung im sinne des AGG haben. zumindest wäre es am unternehmen den gegenbeweis anzutreten.
    der tatbestand einer etwaigen gender-diskriminierung läge bei der motivwahl aber natürlich näher.

  5. Hallo Jo. Interessante Problematik! Ich spiele mal einen anderen Standpunkt durch:

    Sagen wir: 1. Das ist Original-Belegschaft, keine Modelle. 2. Aus welchen Gründen auch immer wollten die Frauen nicht ganz oben auf die Leiter? Ohne Frauen per se mehr Höhenangst zu unterstellen, aber es könnte ja sein, dass alle mit dieser Foto-Position genau so am glücklichsten waren.

    Was tun? Eine Dame zwingen? Projekt in dieser Form abblasen, weil sonst der Eindruck entstehen könnte, dass…? Unter Umständen würde man im größeren Corporate-Umfeld genau das tun, aber kann man das von der Sparkasse Birkenfeld erwarten? Ist es für einen Betrieb dieser Größe nicht völlig legitim zu sagen: „Das sind unsere Belegschaft, die verteilt sich nach eigenem Gutdünken auf ner Leiter und ein Fotograf knipst das, Fertig!“?

    Ähnliche die Frage beim Migrationshintergrund. Nur weil jemand nicht in Polizeisprech „südländisch“ aussieht, kann er ja sehr wohl Migrationshintergund haben. (Inkl. aller Probleme derer, denen es der Durchschnittsdeutsche sofort ansieht.) Und dann aus diesem Grund jemanden möglichst dunkelhäutigen zum Foto-Shooting in die Sparkasse Birkenfeld zu schicken, halte ich eher für die schlechtere Wahl.

    Ergebnis ist dann leider ein Foto, dass Dir (zurecht!) negativ auffällt. Da muss Personalmarketing noch einiges an Hausaufgaben machen und die praktikablen Wege zwischen Authentizität und Reibungslosigkeit oder Rücksichtnahme finden. Spannender Fall!

  6. …vielleicht haben sich die Damen nur nicht getraut für das Foto ganz nach oben zu klettern^^

  7. Sehr interessantes Thema … =) Ich glaube es spiegelt viel von dem wieder was unbewusst in der „Gesellschaft“ abläuft. Erschreckend! Und warum wieso und weshalb das Bild so entstanden ist, ist irrelevant, solch ein Poster schaut sich vor der Veröffentlichung ja jemand von HR an und spätestens dann sollte es auffallen! Herrlich daneben ein Bild fürs Gruselkabinett!

  8. gut, dass sich noch niemand darüber beklagt hat, dass bei der ksk offenbar die mädels überrepräsentiert sind

  9. Es ist schon schlimm, wie man ein solches Bild überinterpretieren kann.

    1. Ich komme aus der Region und weiß, dass dies Auszubildende sind. Für eine regionale Bank mit einem regionalen Arbeitsmarkt sind die eigenen Auszubildenden die besten Motive, da diese an den Schulen der Region oft noch bekannt sind.

    2. Die Interpretation des Bildes, dass nur Männer auf der Kariereleiter vorankommen, finde ich sehr gewagt. Ich sehe zumindest zwei Damen, die auch auf der Leiter stehen. Hätte man eine junge Dame mit Rock oben hingesetzt, dann hätte ich nicht den Aufschrei hören wollen.

    3. Zu der Aussage „Auch richtet sich die Sparkasse mit ihrem Ausbildungsangebot offensichtlich nicht an Kandidaten mit migrantischem Hintergrund – weder auf der Leiter noch irgendwo. “ kann ich nur sagen, dass ich einen solchen Quatsch selten gelesen habe. Wo fangen wir an, wo hören wir auf (asiatische Herkunft, afrikanische Herkunft etc?). Und was ist mit Menschen mit Behinderung? Körperbehinderte Menschen müsste ich dann auch auf das Bild nehmen (wo ist der Rollstuhl? Wie bringe ich Rollstuhl und die Bildsprache der Leiter zusammen?) Oder auch blinde Menschen… Müssen wir dann jeweils einen blinden Menschen je Geschlecht und ggf. Migrationshintergrund mit auf das Bild nehmen?

    Wo fangen wir an, wo hören wir auf…

  10. Danke für den Kommentar! Ja, kann man definitiv für eine Überinterpretation halten und ich gebe zu, dass ich bewusst provokativ ueberzeichnen wollte. Schaut man allerdings in die Kommentare hier und die noch erheblich mehr bei Facebook, so drängt sich mir der Eindruck auf, dass ganz schön viele hier „überinterpretieren“. Wenn dem so ist, wieviele aus der Zielgruppe sehen das dann auch so? Ich bi mir auch sicher, dass bei der KSK kein Vorsatz im Spiel ist, aber es scheint eben auch relativ wenig Sensibilität vorhanden zu sein, auf solche Dinge zu achten. Überzeichnet? Ja, bewusst. Überinterpretiert? Wahrscheinlich. In der Sache völlig falsch? Ich glaube kaum. Dafür war die Reaktion zu groß…

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