Eindrücke vom Fachforum Online-Self-Assessment am 24.06.2013 in Frankfurt

Am Montag in der letzten Woche fanden sich zahlreiche Vertreter verschiedener Hochschulen und Universitäten am neuen Campus der Goethe-Universität in Frankfurt ein, um sich in einem netten Rahmen über ihre Erfahrungen mit onlinebasierten Orientierungshilfen für die Studienwahl auszutauschen. Veranstaltet wurde das Fachforum Online-Self-Assessment von der Stabsstelle Lehre und Qualitätssicherung und der eLearning-Einrichtung studiumdigitale der Goethe-Universität. Auch wir haben die Chance genutzt, uns ein Bild von den aktuellen Trends und kommenden Fragestellungen auf diesem Gebiet zu machen.

In insgesamt sieben Vorträgen wurden sowohl studiengangs- und hochschulübergreifende als auch fachspezifische Online-Self-Assessments (OSAs) präsentiert und Einblicke in die Projektverläufe, Learnings und zum Teil Forschungsergebnisse gegeben. Die gesamte Veranstaltung wurde auf Video aufgezeichnet, so dass Interessierte sich die Vorträge in Kürze noch einmal auf den Seiten von studiumdigitale ansehen können. Darüber hinaus konnten einige OSAs in den Pausen direkt ausprobiert werden.

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Ich möchte an dieser Stelle noch einmal die Punkte zusammenfassen, die mir besonders im Gedächtnis geblieben sind.

Dr. Dennis Mocigemba gab im Rahmen seines Vortrags „Vom Online Self-Assessment zum Online Studienwahl Assistenten – Erfahrungen und Lehren aus neun Jahre OSAs an der Universität Freiburg“ den interessanten Hinweis, dass die von uns oft so gerne benutzte Bezeichnung „Self-Assessment“ auf jeden Fall als Name für die Orientierungstools besser verworfen werden sollte, da dies bei der Zielgruppe oft zu Verwirrung führt. Aus diesem Grund wurde das OSA der Universität Freiburg schlussendlich auch in „Online Studienwahl Assistent“ umbenannt, um die Abkürzung beibehalten zu können. Darüber hinaus hat man an der Universität Freiburg die Erfahrung gemacht, dass niederschwellige Angebote, also solche in die man sich auch ohne Registrierung „einfach mal reinklicken“ kann, bei der Zielgruppe besser akzeptiert werden. Weitere Punkte, die die Akzeptanz steigern sind der Einsatz von Multimedia, z.B. in Form von kurzen Video-Statements Studierender oder Lehrender und auch der Einsatz von spielerischen Elementen, die gerne auch mal ein Schmunzeln hervorrufen dürfen. Auch Prof. Dr. Benedikt Hell, der in seinem Vortrag Gemeinsamkeiten und Unterschiede zweier OSAs beleuchtete, gab Hinweise auf die positiven Aspekte von dynamischen Elementen in OSAs, die zur Aktivierung der Nutzer führen und somit ein besseres Verständnis und gründlichere Überlegungen im Rahmen der Studienwahl bewirken können. Ein Ansatz den wir prinzipiell unter dem Oberbegriff Recrutainment bei allen von uns entwickelten Applikationen verfolgen.

Passend hierzu war ein großes Thema während dieses Tages die Frage: „Lieber Diagnostik oder Infotainment?“. Prinzipiell wird es von den Nutzern scheinbar sehr hoch angerechnet, wenn eine Hochschule überhaupt ein irgendwie geartetes OSA anbietet, aber wie sollte es im besten Fall gestaltet werden? Eva Sindern, die die OSAs an der Universität Bonn vorstellte, gab ihrerseits jedenfalls den Hinweis, dass Fragebogenbatterien eher abschreckend wirken und von den Nutzern der Angebote lieber die Aufgaben bearbeitet werden, die einem Zusammenhang mit dem vorgestellten Fach stehen. Weiterhin kommt es darauf an, die Nutzer nicht durch ein zu negativ formuliertes Feedback abzuschrecken, was im Nachhinein kaum wieder gut zu machen ist. Interessant war für mich außerdem, dass in den eher diagnostisch ausgerichteten Marburger OSAs, die von Dr. Svea Hasenberg vorgestellt wurden, anfangs Matrizentests eingesetzt wurden. Diese sind oft auch ein Bestandteil in klassischen Intelligenztest. Hier wurde jedoch eine extrem niedrige Akzeptanz festgestellt (erkennbar an sehr kurzen Bearbeitungszeiten / schnellem Durchklicken), sodass solche Testverfahren wieder entfernt wurden. Alles in allem, blieb bei mir der Eindruck, dass also sehr stark diagnostisch angehauchte OSAs weniger akzeptiert werden und somit auch der Zielgruppe tendenziell weniger helfen.

Scheinbar kommt es aber insgesamt darauf an, einmal genauer zu betrachten an welcher Stelle des (längerfristigen) Entscheidungsprozesses das entsprechende OSA angesiedelt ist. So gab Prof. Hell abschließend den aus meiner Sicht sehr hilfreichen Hinweis, dass diagnostisch ausgerichtete Angebote am Anfang des Entscheidungsprozesses stehen sollten (z.B. Interessentestungen, die dann im Anschluss automatisiert mit den Ansprüchen von unterschiedlichen Studiengängen abgeglichen werden) und als übergreifende Angebote helfen die richtige Studienrichtung herauszufinden (Beispiele hierfür: www.was-studiere-ich.de für Baden Württemberg, oder der auch bei dieser Veranstaltung von Prof. Dr. Heinrich Wottawa vorgestellte StudiFinder für NRW) Wohingegen im weiteren Entscheidungsprozess, eher journalistisch orientierte Angebote in den Vordergrund rücken, die einzelne Studiengänge und auch die Studienbedingungen sowie das Leben an einem Standort näher beleuchten.

Genau nach diesem Muster – also von der diagnostisch ausgerichteten, übergeordneten Orientierungshilfe zur eher journalistisch aufbereiteten Entscheidungshilfe – funktioniert der übergreifende Studienwahlnavigator der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg: das mehrstufige Angebot bietet je nach Bedürfnislage des Ratsuchenden unterschiedliche Module, unter anderem einen wissenschaftlich fundierten Studieninteressentest und eine Vielzahl an fachspezifischen OSAs mit umfassenden, studiengangsbezogenen Informationen und Aufgaben.

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Als großes Problem bei der Entwicklung von OSAs an Universitäten und Hochschulen wurde von vielen der Teilnehmer die Problematik beschrieben, dass die Entwicklung von OSAs in der Hochschullandschaft oft im Rahmen von Projekten geschieht. Das mit der Zeit gesammelte Wissen konzentriert sich dann auf einzelne Personen. Wenn zu einem späteren Zeitpunkt etwas verändert werden muss, sind diejenigen, die dies in die Wege leiten könnten manchmal gar nicht mehr an der Universität beschäftigt. Ein Grund in diesem Zusammenhang teilweise auch auf externe Dienstleister (wie uns ;-) ) zu setzen. Auch Prof. Dr. Wottawa unterstrich in der Abschlussdiskussion, dass gerade in Bezug auf die technische Umsetzung durchaus externe Dienstleister in Betracht gezogen werden sollten, da es auch Themen wie Barrierefreiheit zu bedenken gibt.

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Alles in allem bot das Fachforum einen tollen Rahmen sich auszutauschen, voneinander zu lernen und Inspiration für die weitere Arbeit zu sammeln. Ich hoffe auf mehr solcher Veranstaltungen in der Zukunft, wir werden auf jeden Fall wieder gerne dabei sein.

Autorin: Lisa Adler

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