Potzbadibautz, MANN! Kampagne Vielfalt, Mann! bringt Kinderbuch heraus und transportiert so das Berufsbild Erzieher, männliche Erzieher

Es war definitiv eines der Highlights der diesjährigen Recruiting2014 Anfang September: die Vorstellung der Kampagne “Vielfalt, Mann!“, mit der im Rahmen des ESF-Modellprogramms “Mehr Männer in Kitas” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und unter Federführung des Paritätischen Wohlfahrtsverbands dafür geworben wird, dass mehr Männer den Beruf des Erziehers ergreifen.

Ich habe hier im Blog die Kampagne bereits mehrfach aufgegriffen. Der erste Beitrag von vor ziemlich genau zwei Jahren ist dabei der siebtmeistgelesene Artikel, was bei inzwischen etwas mehr als 700 veröffentlichten Beiträgen schon etwas heißt!

Nicht nur deshalb, sondern auch wegen anderer erfolgreicher Beispiele wie der “Jagd der Verkehrsbetriebe Zürich nach Coiffeusen und Dessousverkäuferinnen” (um diese zu erheblich besser bezahlten Straßenbahn-Fahrerinnen zu machen, einen Beruf, den Frauen in Zürich erst seit 1978 überhaupt ausüben dürfen…!), glaube ich, dass Cross-Gender-Recruiting definitiv eines der ganz aktuellen Trendthemen ist. Dabei geht es – speziell in Berufsbildern, die in ihren “angestammten” Zielgruppen nicht mehr genügend Nachwuchs finden – darum, sog. stille Reserven zu heben und zwar im jeweils anderen Geschlecht.

Klar, wenn man also eine Cross-Gender-Kampagne startet, geht es darum, Klischees und in den Köpfen festgesetzte Rollenbilder aufzubrechen. Die Kampagne Vielfalt, Mann! tut dies natürlich. Sie tut dies gekonnt, indem sie zum einen männliche Erzieher als Testimonials inszeniert (was für sich noch nicht sooo spektakulär wäre), vor allem aber indem diese glaubwürdig mit “männlichen” Attibuten und Bildern versehen werden: Ein Erzieher ist nämlich unter anderem Koch, Beatboxer, Gitarrist, Forscher, Baumeister, Spieleentwickler, Coach, Entdecker und Ingenieur und eben NICHT Kindergärtner(in) mit Y-Chromosom….

So wird nicht nur die Vielfalt des Berufsbilds transportiert, sondern die hinter dem Erzieherberuf stehende durchaus “männliche Vielfalt”.

Aber: es geht eben nicht nur darum, bei der Primärzielgruppe stereotype Klischees aufzubrechen. Auch Sekundärzielgruppen spielen für die Berufswahl eine entscheidende Rolle und sind daher zu berücksichtigen.

Das jüngste Baby der Kampagne zielt daher vor allem auf Sekundärzielgruppen ab: Kinder und ihre Eltern.

Konkret wurde nun ein Kinderbuch veröffentlicht (oder konkreter: wird heute vorgestellt…): Potzbadibautz, MANN! Bruchlandung in Ollis Kita

Potzbadibautz ist ein Kinderbuch, was sich hervorragend zum Vorlesen vor dem Einschlafen eignet. Die Handlung spielt in einem wichtigen Teil der Lebenswelt vieler Kinder – dem Kindergarten (so nannte man das noch zu meiner Zeit…), also der Kita.

In der Kita soll ein Mottofest vorbereitet werden, wozu alle Gruppen etwas beisteuern soll. Ebenso die Gruppe, die von dem – na klar – männlichen Erzieher Olli geleitet wird. Es geht um das Motto Weltraum, es landet ein Ufo, es gibt einen Außerirdischen und die Gruppe hat mit dem eigenen Beitrag riesigen Erfolg. Soweit in aller Kürze zum Inhalt. Die Geschichte ist nicht spektakulär, aber putzig, hübsch illustriert und kurzweilig erzählt.

Aber: Wir sind ja kein Kinderbuch-Rezensions-Blog. Wirklich bemerkenswert sind an dem Buch für mich vor allem zwei Dinge:

Erstens: Das Casting der Hauptperson.

Die Figur des Protagonisten Olli ist dem realen Oliver Stuhsnat nachempfunden. Dieser ist im echten Leben Erzieher in einer Hamburger Kita und hat den “Job” (also den der Vorlage für das Buch, nicht den des Erziehers) bekommen, in dem er sich auf der Messe EINSTIEG im Rahmen eines Casting-Wettbewerbs für ein vorläufiges Buchcover fotografieren ließ. Diese Cover wurden auf Facebook zum Voting bereitgestellt und Olli bekam einfach die meisten “Likes”. Gut inszeniertes Content-Marketing…

Zweitens: Das Buch setzt bei Kindern sehr früh an.

Wir hatten das Glück – und das meine ich wirklich so -, dass unsere große Tochter in beiden Kitas in denen sie vor der Schule war, jeweils auch einen männlichen Erzieher hatte. Als ich ihr Potzbadibautz dann abends zum Einschlafen vorgelesen habe und ihr auch die Herkunft des Buches erklärt habe (“Papa hat das geschickt bekommen, weil es eine Kampagne gibt, die dafür sorgen soll, dass Menschen es nicht mehr für etwas Besonderes halten, wenn Männer Erzieher werden…”), war ihre Reaktion sinngemäß: “Warum sollte das auch etwas Besonderes sein?

Tja, Mission accomplished würde ich sagen…

Nun, sie ist ein Mädchen, aber auch bei kleinen Jungs wird es zukünftig ein klein bisschen weniger “abwegig” sein, das Berufsbild Erzieher später einmal in Betracht zu ziehen. Nicht nur durch das Kinderbuch und seine sublime Botschaft natürlich, aber eben auch

Dass es übrigens auch schon vor Potzbadibautz Beispiele gegeben hat, Cross-Gender-Berufskommunikation über Kinderbücher zu transportieren, zeigt das von THINK ING herausgegebene Pixi-Buch “Meine Freundin, die ist Ingenieurin“, worüber ich vor etwas über drei Jahren mal geschrieben habe. Das nur am Rande…

Und zum Thema “Sekundärzielgruppen”: Natürlich bewegt derartige Kommunikation auch etwas in den Köpfen der Eltern. Und die spielen bei der späteren beruflichen Orientierung ihrer Kinder ja nun einmal immer noch eine ganz gehörige Rolle.

Ein Kinderbuch als Gute-Nacht-Geschichte wirkt natürlich auch beim Vorleser…

Autor: Jo Diercks

1 Gedanke zu „Potzbadibautz, MANN! Kampagne Vielfalt, Mann! bringt Kinderbuch heraus und transportiert so das Berufsbild Erzieher, männliche Erzieher

  1. Grüezi lieber Jo

    Ein grossartiges Beispiel von ganz einfach fantastisch gutem und frechmutigem Personalmarketing. Wow! Und natürlich auch ein wunderbarer Artikel, danke. Gruss aus Zürich.

    Jörg

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