Berufsbilder gegen den Kamm gebürstet: Vielfalt Mann! Aktion für mehr männliche Erzieher in Hamburger Kitas

Nicht nur weil wir gestern einen Kindergeburtstag mit sieben „Um-und-bei-Vierjährigen“ zu organisieren, zu beaufsichtigen und zu bändigen hatten, habe ich vor dem Berufsbild „Erzieher“ eine abolute Hochachtung. Aus meiner Sicht handelt es sich vor dem Hintergrund einer ganzen Reihe gesellschaftlicher Entwicklungen und Thematiken (demografischer Wandel, Vereinbarkeit Beruf und Familie, Wertevermittlung, Integration usw.) um eines DER zentralen Berufsbilder überhaupt.

Das Problem: DEN Erzieher gibt es so gut wie nicht. „Kindergärtnerin“ kennt jeder, „Kindergärtner“ ist allenfalls der Mann, der sich um den Garten im Kindergarten kümmert. Da es aber genauso wenig einzusehen ist, warum nicht Männer auch Kinder erziehen sollten, wie warum Frauen nicht Flugzeuge reparieren könnten, werben Hamburger Kitas – oder konkreter die Träger der Hamburger Kitas unter der Federführung des Paritätische Wohlfahrtsverbands Hamburg e.V. – seit kurzem mit der Aktion „Vielfalt Mann!“ darum, das Berufsbild „an den Mann zu bekommen“.

Die Kampagne findet im Rahmen des ESF-Modellprogramms „Mehr Männer in Kitas“ des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend statt und wird mithin vom BMFS, dem Europäischen Sozialfonds und der EU gefördert.

„Vielfalt Mann!“ stellt die Vielfalt des Berufsbilds in den Mittelpunkt, z.B. indem aufgezeigt wird, dass der Erzieher Koch, Beatboxer, Spieleentwickler, Gitarrist, Trostspender und Vorleser ist. Alles recht coole Jobs und alles gleichzeitig – Motto: „Sei alles, werde Erzieher!“

Die Website zu der Kampagne punktet weiterhin mit zahlreichen Infos für Interessenten und Quereinsteiger, Videos (verlinkt mit dem Youtube Kanal des Paritätischen, hier besonders zu empfehlen: Beatboxer Guido!), Bildergalerien und Erfahrungsberichten.

Fazit: Gelungene Berufsorientierung für ein wichtiges Thema. Wer Blut geleckt hat, kann sich hierzu natürlich gern auch mal die virtuelle Studienorientierung „Bildung und Erziehung in der Kindheit“ anschauen, die wir vor einiger Zeit im Rahmen des Projekts HAW-Navigator für die HAW Hamburg erstellt haben.

Autor: Jo Diercks

The following two tabs change content below.

Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

12 Gedanken zu „Berufsbilder gegen den Kamm gebürstet: Vielfalt Mann! Aktion für mehr männliche Erzieher in Hamburger Kitas

  1. Wow, vielen Dank für den schönen Beitrag. Wir sind besonders stolz darauf, dass die gesamte Kampagne nicht durch eine teure große Werbeagentur entstanden ist, sondern mit viel Herzblut und Leidenschaft sowie kompetenter Unterstützung durch einen freiberuflichen Grafiker und die Website selbst durch eine Berliner Internetagentur in unserem Hamburger Team gewachsen ist.

  2. hallo.

    ich könnte heulen. wo ich auch hinsehe, überall stolpere ich über die kampagne. aber nirgends finde ich unterstützung. als handwerklich ausgebildeter (tischler) musiker (langjährige erfahrung) und alleinerziehender vater habe ich blut geleckt und WILL UNBEDINGT den Quereinstieg machen – SOFORT !!! Doch wo gibt es finanzielle unterstützung? wie stellen sich „die“ vor, dass quereinsteiger das wuppen, wenn sie für bafög zu alt sind, die arge sich querstellt und im internet ein dschungel aus nicht-durchschaubaren informationen entsteht?

    WER HILFT MIR DER KAMPAGNE FOLGE ZU LEISTEN ? Ich bin der erste der auf der Matte steht !! Aber WO ist die Matte ????????????

  3. Warum soll Man(n) in der Kita arbeiten ? Für 1500 Euro nach 3bzw.5Jahren Ausbildung? Dafür kann ich meine Familie nicht ernähren.Solange sich die politischen Zustände nicht ändern und es mehr Geld für alle gibt,die nach 2005 eingestellt wurden kann ich nur jeden empfehlen sich was anderes zu suchen.Unterbezahlung bei den Berufseinsteigern ist die Realität. Gewerkschaften,die nur den „Alten“ einen Lobby bieten.Arbeitsbedingungen die Katastrophal und langfristig der Gesundheit nicht zuträglich sind.Und das ganze für ein Gehalt von dem man sich noch nicht mal die Krankengymnastik für sein Bandscheiben Vorfall bezahlen kann.

  4. Berufung Erzieher, in was für einer kaputten Welt leben wir doch! Ich denke vielleicht altmodisch, aber ich denke Kinder können doch nur von denen etwas lernen. Erziehen möchte ich mal beiseite lassen, da ich der Meinung bin, dass Erziehen in erster Linie vorleben bedeutet, Grenzen aufzeigen und zusammen Erleben. Und genau das funktioniert nur in der Familie.

    Familie wurde aber vor Jahren bereits abgeschafft. Die Kinderbetreuung beginnt bereits im Säuglingsalter durch Kinderkrippen und Kinderbetreuungstagesstätten. Was für ein absurdum. In der Masse andere Kinder kann in diesen ersten Lebensjahren die fehlende Mutter/Vater Bindung keinem dieser armen kleinen Geschöpfe geschenkt werden. Da sind Kindererzieherinnen gefragt, die vielleicht 3 oder mehr Kindern die Familie ersetzten müssen.

    Das Resultat dieser völlig verfehlten „Familienpolitik“ ist überall und bestens sichtbar. Fehlende Wertschätzung, fehlende Liebe, Hass, Brutalitäten uvm. ist das Resultat dieses Wahnsinns.

    Die „Erziehung“ gehört in die Familie, das Lernen in die Schule, das Erfahren in die Ausbildung. Aber wie soll das funktionieren, wenn bereits Generationen von „nicht erzogenen“ Eltern Kinder haben? Seit Generationen die antiautoritären Lebensformen Oberhand haben. Antiautoritären Lebensformen, die aus purer Bequemlichkeit zelebriert werden…

  5. Hans-Peter: So ein seltsames Bild vom Beruf des Erziehers. Kinder gehen doch nicht in den Kindergarten, weil es keinen Familienbegriff mehr gibt, sondern weil auch Mama vielleicht noch nebenbei arbeiten will, oder auch einfach nur ein paar Stündchen Zeit am Tag braucht, ohne 100% der Zeit allert zu sein. Oder aber genauso, weil unsere Kinder auch mit anderen Kindern in Kontakt kommen müssen, weil sie lernen müssen, in der Gruppe zu interagieren. Wie kann man den Kindergarten oder die KiTa ernsthaft als Bedrohung für den Familienbegriff sehen?

    Wer übrigens Infos zum Quereinstieg sucht, kann am besten bei den Leuten von Vielfalt, Mann auf Facebook nachfragen, die sind extrem offen und freundlich.

    Liebe Grüße
    isabel

  6. Wer Infos zum Quereinstieg sucht, bitte unter Info@Vielfalt-Mann.de Kontakt zu uns aufnehmen.
    Zur leidigen Gehaltsdebatte: Kfz-Mechaniker, 3 Jahre Ausbildung und Top-Ausbildungsziel junger Männer, verdienen nach der Ausbildung ungefähr genauso viel wie Erzieher. Dennoch wird der Beruf ergriffen und dennoch gründen viele von ihnen Familien. Das Allein-Ernährer-Modell ist heutzutage wohl eher die Seltenheit und stellt an die Männer unangenehm hohe Erwartungen, wenn sie allein Sorge tragen sollen für das finanzielle Wohl der Familie.
    Zu Hans-Peter: Kitas sollen ja nicht die Familie ersetzen. Es sind Bildungseinrichtungen, die unsere Zukunft auf die Schule vorbereiten. Würden mehr Kinder in Kitas gehen, können damit sogar soziale Ungerechtigkeiten ausgeglichen werden. Wie sollen Männer und Frauen denn sonst Beruf und Familie vereint bekommen – OHNE Kitas???

  7. Verfluchte Axt – diese tolle Geschichte hätte ich auch gerne gehabt, lieber Jo. Eine echt Trouvaille. Diese Kampagne braucht es und sie ist einfach sympathisch gemacht. Danke für den wunderbaren Post.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *