Wie korreliert eine Vorliebe für Pommes mit Talent im Job? Oder auch: Warum nicht alles, wo “KI” draufsteht, auch okay ist…

Am Donnerstag fand bei Westpress in Hamm die dee:p19 statt.

Dabei hielt am Nachmittag zunächst Prof. Uwe Peter Kanning einen Vortrag über “Mythen im Personalmarketing” und wies dabei darauf hin, dass es inzwischen zahlreiche “Verfahren” gibt, die unter der Überschrift des Zauberwortes “künstliche Intelligenz” methodisch mehr als fragwürdige Lösungen zur Messung von Potential bieten. Konkret wies er hierbei auf die Thematik “Sprach- und Stimmanalyse” hin.

Wie es die Dramaturgie des Programms ergab, folgte direkt nach ihm ein Vortrag der auf Datenschutzrecht spezialisierten Rechtsanwältin Nina Diercks, die den Anwesenden ca. 80 Personalern noch einmal sehr dezidiert auseinandersetzte, dass man beim Einsatz fragwürdiger “Pseudo-Auswahlmethoden” nicht nur “eignungsdiagnostisch über den Tisch gezogen wird”, sondern auch “tief in den Bußgeldtatbeständen der DSGVO steht”. Der Grund (in aller Kürze): Die nicht belegbare Erforderlichkeit iSd. des Art 88 DSGVO iVm. §26 BDSGneu.

Nun, wie es der Zufall manchmal so spielt, ging am Samstag dann die Nachricht rum, dass u.a. der Sprach- und Stimmanalyse-Software “Precire” die zweifelhafte Ehre zuteil wurde, den vom Digitalcourage e.V. verliehenen “Big Brother Award 2019” bekommen zu haben. Die (auch im Volltext sehr lesenswerte!) Begründung der Jury, in der u.a. der ehem. Landesdatenschutzbeauftragte Schleswig-Holstein Thilo Weichert oder Frank Rosengart vom Chaos Computer Club sitzen:

“Emotions- und Motivationserkennung per Sprachanalyse ist gefährlich, denn sie kann ohne unser Wissen irgendwo im Hintergrund passieren, wann immer wir sprechen. Diese Art der Sprachanalyse ist geradezu darauf angelegt, uns zu übervorteilen.”

Was dieses aktuelle Beispiel einmal mehr verdeutlicht: Wir müssen beim Thema “KI” sehr genau hinschauen. Die Entwicklung ist sehr spannend und bietet das Potential große Sprünge in Qualität und Effizienz der Personalgewinnung zu machen. Gleichzeitig jedoch steckt darin auch ein großes Gefahrenpotential – methodischer, juristischer und ethischer Natur.

Ich werde deshalb nicht müde, für eine differenzierte Sicht der Dinge zu werben. Vor diesem Hintergrund entstand auch folgender Podcast, den ich kürzlich mit Isabel Hartmann von Studydrive im Rahmen der tollen Podcast-Reihe “young talent TO GO” aufgenommen habe:

Wie korreliert eine Vorliebe für Pommes mit Talent im Job?

Hört doch mal rein!

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