Was findet eigentlich der Ingenieurs-Nachwuchs gut? Welche Personalmarketing-Botschaften überzeugen? Studie liefert spannende Antworten…

Neben IT´lern gelten Ingenieure oft als die Zielgruppe, bei der der War for Talent am heftigsten tobt. Ich glaube zwar, dass – wenn man überhaupt irgendwo wirklich von Fachkräftemangel sprechen kann – dies vor allem für die Bereiche Pflege (politische Versäumnisse), Bau (konjunkturelle Gründe) und Gastro/Tourismus (durch die Branche weitgehend selbstverschuldet) gilt, aber klar: Auch Ingenieure werden intensiv gesucht und umworben.

Dem „deutschen Ingenöhr ist ja bekanntlich nix zu schwer“ und in der Tat gilt Ingenieurskunst nach wie vor als maßgeblicher Standortvorteil, vor allem für die ganzen mittelständischen Weltmarktführer.

Wie sieht es aber mit der Befindlichkeit eben dieser umworbenen Zielgruppe aus? Worauf legen Ingenieure wert? Was triggert sie, was nicht?

Fragen wie diese sind von zentralem Interesse für das Personalmarketing der Firmen, die Ingenieursnachwuchs suchen.

Und wer den Recrutainment Blog kennt, der weiß, dass wir Antworten auf solche Fragen gern empirisch beantworten. Nun fiel mir kürzlich eine sehr aufschlussreiche Studie der speziell auf Ingenieure spezialisierten Karriereplattform get in Engineering in die Hände, bei der über 400 Ingenieur-Talente danach befragt wurden, was sie von ihrem Berufseinstieg erwarten und wie Arbeitgeber sie von sich überzeugen können.

Ein paar der Kernaussagen habe ich mir dabei einmal rausgepickt…

Vor allem fachliche Ausrichtung und Jobsicherheit sind Ingenieuren wichtig!

Fragt man danach, warum sich Ingenieure überhaupt für das Ingenieurwesen entschieden haben, dann sind fachliche Ausrichtung (also eine echte Neigungsangelegenheit, Ingenieure sind Überzeugungstäter…), Jobsicherheit und gute Karrierechancen. Gehalt ist nicht unwichtig, fällt aber schon deutlich ab, Internationalität und vor allem gesellschaftlicher Status zählen erheblich weniger. Heißt: Liebe Unternehmen, stellt genau diese Punkte in den Mittelpunkt der Kommunikation!

Aber Achtung: Wenn Ihr Wi-Ings rekrutiert, sieht das ein bisschen anders aus. Mir scheint, Wi-Ings verbringen mehr Zeit mit BWL´ern…

Ingenieur-Nachwuchs hat moderate Gehaltsvorstellungen, will aber auch zeitnah Steigerungen sehen!

Fragt man nach Wunsch-Einstiegsgehältern, so klingen die genannten Vorstellungen eigentlich für mich nicht übertrieben…

…aber 70% wollen eben auch nach spätestens einem Jahr eine erste Gehaltserhöhung sehen.

Heißt: Geld ist nicht so sehr das Lockmittel zum Einstieg. Aber Geld ist Ausdruck für Wertschätzung für gute Arbeit. Liebe Unternehmen, wichtiges Learning für´s den Argumente-Mix im Personalmarketing…

Randbemerkung: Nachwuchs-Ingenieurinnen haben niedrigere Einkommensvorstellungen. Darim mag sicherlich auch ein Grund für die nach wie vor vorhandenen Gender-Pay-Gap auch bei Ingenieuren liegen. Liebe Unternehmen, wenn Ihr hier nicht irgendwann rechtliche- oder Imageprobleme bekommen wollt, nutzt diese Zurückhaltung des weiblichen Nachwuchses nicht aus.

Der Dienstwagen zählt nicht mehr, Kostenübernahme der Weiterbildung um so mehr…

Schaut man auf die Arbeitgeber-Benefits, so fällt auf, dass mittlerweile mehr junge Nachwuchs-Ings den Dienstwagen für unwichtig halten als für wichtig. Dass materielle Incentives keine Rolle mehr spielen, kann man zwar nicht sagen (z.B. betriebliche Altersvorsorge oder „Anerkennungen“ wie Weihnachts- oder Urlaubsgeld), aber über allem thront etwas sehr Intrinsisches: Weiterbildung!

Mitarbeiter-Benefits sind natürlich etwas, das für jeden individuell sehr unterschiedlich wichtig ist – je nach persönlichen Vorstellungen, aber auch nach individueller Lebenssituation (hierzu lohnt mal ein Blick in das überaus spannende Projekt „Vorteils-Finder“ der Schweizer BLS), aber es zeigt sich, dass speziell in immateriellen Anreizen möglicherweise mehr Differenzierungspotential steckt als in materiellen…

Standort ist sehr wichtig! (Aber es muss nicht zwingend die Metropole sein…)

Das Lieblingsargument vieler Unternehmen, wenn es mal wieder schwieriger wird als gedacht mit der Mitarbeitergewinnung: Wir sitzen ja auch in der Provinz, da will keiner hin…

Nun, Standort ist auch für Ing-Nachwuchs ein Thema: Fast 9 von 10 Befragten ist das Thema wichtig oder sogar sehr wichtig…

…ABER: Es muss nicht unbedingt die Metropole sein! Im Gegenteil: Befragt man den Ingenieurs-Nachwuchs, dann wollen 15% sogar explizit „auf´s Land“ und die Mehrheit (56,3%) zwar in die Stadt, aber NICHT in die Großstadt!

Mindestens scheint der vermeintliche Standort-Nachteil kein unlösbares Problem zu sein, mindestens jedoch eines, das sich z.B. mit Geld oder Freizeitausgleich lösen ließe…

Liebe Unternehmen, tragt Euren Kopf nicht immer so unter´m Arm. Zumindest das Argument, man sei ja auch gegenüber den Konzernen in Hamburg, München, Berlin, Köln oder Frankfurt chancenlos, weil ja „niemand nach Melsungen, Oberkochen, Ulm, Knesebeck oder Espelkamp“ wolle, das stimmt so pauschal nicht.

Soweit erstmal die Zusammenfassung der Ergebnisse der Befragung von get in Engineering. Wenn Ihr es noch genauer wissen wollt, dann meldet Euch doch direkt einmal dort.

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