Bei EY macht der CEO Hubert Barth das Employer Branding selbst – über Instagram…

Vor kurzem haben wir uns ja wieder einmal etwas intensiver mit Instagram als Kanal für die Karrierekommunikation auseinandergesetzt. Das halbjährliche Ranking zeigte sehr schön auf, welche Unternehmen Instagram für diese Zwecke nutzen, welche Reichweiten sie dabei erzielen (auch wenn man bei der Betrachtung der Followerzahlen sicherlich die Problematik der Fake- oder Bot-Follower im Hinterkopf haben muss) und wie sie Instagram dabei einsetzen.

Eines der ersten Unternehmen, die auf diesen Zug aufsprangen war vor mehr als drei Jahren EY.

Die #EYInstaTakeOvers, bei denen die Verantwortung für den Karrierekanal eygsacareers in regelmäßigen Abständen anderen Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen des Unternehmens übertragen wird („Rotation Curation“) haben wir bereits im Mai 2015 näher beleuchtet. Für mich daher nicht sonderlich verwunderlich, das der EY Kanal heute mit mehr als 5000 Followern auch zur Spitzengruppe gehört, jedenfalls aber andere Unternehmens-, Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaften recht deutlich hinter sich lässt.

In dem Zusammenhang wies mich Céline Willers, bei EY unter anderem zuständig für die Kommunikation des Deutschland CEO Hubert Barth zuständig, darauf hin, dass eben jener CEO seit ein paar Monaten nun selber bei Instagram unterwegs ist und über diesen Weg sich selbst, seinen Job und so letztlich natürlich auch den Arbeitgeber EY vorstellt.

Das wollte ich dann doch etwas genauer wissen und habe mir Céline und Hubert gleich einmal zum Interview geschnappt.

Céline, Hubert, los geht´s!

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EY setzt schon sehr lange auf Instagram als Kanal zur Arbeitgeberkommunikation. Über Eure #EYInstaTakeOvers habe ich ja schon vor mehr als drei Jahren hier im Blog geschrieben. Nun gibt es neben dem EY Corporate Account auch einen zweiten Account, der unter Hubert Barth läuft. Wie kam es dazu?

Céline: Ich habe mich schon während des Studiums immer gefragt, was wohl die Chefs dieser Welt so treiben. Wie sieht ihr Tagesablauf aus? Jetten sie wirklich jeden Tag durch die Welt? Haben sie Kinder und machen sie Sport? Als ich angefangen habe, Hubert hinsichtlich verschiedener Kommunikationsthemen zu unterstützen, stand ein Thema ganz oben auf der Agenda: Hubert braucht einen Instagram Account! Einen Account, über den junge Leute endlich mal einen authentischen Einblick in das Leben eines gefühlt unnahbaren CEOs bekommen.

Hubert, als du das erste Mal von der Idee gehört hast, wie war deine Reaktion?

Hubert: Ich fand die Idee interessant. Über meine Kinder bekomme ich natürlich mit, wie aktiv junge Menschen solche Plattformen nutzen. Für mich eine Chance, die Talente dort zu erreichen, wo sie sowieso tagtäglich unterwegs sind.

Warum gerade Instagram und nicht zum Beispiel Snapchat?

Céline: Snapchat ist für mich viel mehr ein persönlicher Messenger, als eine Seite, über die man Inhalte langfristig erfolgreich positionieren kann. Ich vergleiche Snapchat immer mit Whatsapp und nicht mit Instagram.

Bei Instagram passt eben alles: es ist DER Kanal, auf dem sich junge Leute täglich aufhalten. Allein in Deutschland zählt Instagram mittlerweile rund 15 Millionen aktive Nutzer. Die meisten von Ihnen sind zwischen 15 und 25 Jahre alt. Abiturienten, Studenten, Absolventen – unheimlich viele junge Talente, denen wir gerne vom Berateralltag erzählen möchten.

Aber jetzt seid Ihr ja nicht nur als Unternehmen und Arbeitgeber auf Instagram unterwegs. Vielmehr funkst du, Hubert, ja auch als Person Bilder und Stories in die Welt und das auch ganz offen unter der Nennung deiner Funktion als CEO von EY Deutschland. Was treibt dich dabei an?

Hubert: Mir macht mein Beruf als Berater und Wirtschaftsprüfer einfach unheimlich viel Spaß und ich möchte jungen Leuten das nahelegen. Als Chef eines so großen Beratungshauses sind die Aufgabenfelder vielfältig: Ich stehe in direktem Kontakt zu sehr vielen Mandaten, Kollegen und vielen weiteren Stakeholdern, treffe strategische Entscheidungen über die Zukunft unseres Unternehmens, usw.

Manchmal übernehme ich aber zum Beispiel auch die Moderation auf unseren Events, stehe für Imagefilme vor der Kamera und besuche spannende Konferenzen. Es gibt viel zu erzählen – und Instagram bietet eine super Plattform für meine Stories.

Ich habe mir deine Instagram-Seite natürlich mal angeschaut. Du beschreibst dabei zum Beispiel relativ kurz und einfach, wie dein Tagesablauf so aussieht, welche Termine anstehen, wo du den Tag über bist usw. Ich frage mal provokant: „Wen geht das etwas an?“

Hubert: Das mit den Uhrzeiten habe ich einmal aufgenommen, um zu zeigen, dass der Zeitplan eines Managers ganz schön straff ist. Wer sich vorstellt, dass ich jeden Tag edel Lunchen gehe, der täuscht sich. Meistens eile ich von Meeting zu Meeting, esse in der Bahn und nehme parallel noch an einem Call teil. Und das soll den jungen Leuten eben auch klar werden: So ein Job macht Spaß, ist aber auch viel Arbeit. Man könnte fast sagen, es ist wie nach dem Abitur: Wenn man denkt man hat es endlich geschafft, geht es gerade erst richtig los. Und das jeden Tag.

Aber man sieht dich auf dem Instagram-Kanal nicht nur im geschäftlichen Einsatz, sondern auch am Wochenende auf dem Waveboard oder am See. Ich finde das super, weil es deutlich zum Ausdruck bringt, dass auch Manager ein Leben neben dem Job haben. Wie kommt das an? Bekommst du hier Feedback und Rückmeldungen, z.B. von Mitarbeitern und/oder Kunden?

Hubert: Ich bin kein Freund von zurechtgelegten Sätzen oder ausschließlich edlen Hochglanzbildern. Es sollte authentisch, spontan und ehrlich sein – Humor darf nicht fehlen! Und das kommt gut an! Es antworten viele Kollegen auf meine Stories aber auch junge Leute, die ich noch gar nicht kenne. Negatives Feedback gibt es bisher nicht. Dennoch freue ich mich immer über Anregungen und Verbesserungsvorschläge – ich lerne ja schließlich noch!

 

Insgesamt ist der Auftritt von Top-Managern in Social Media nach wie vor eher unüblich. Bei Twitter gibt es zwar ein paar Beispiele, doch bei Instagram sind es mit Ausnahme z.B. des T-Mobile USA CEO John Legere eher nur wenige. Warum ist das nach wie vor so ungewöhnlich? Mag die Unternehmenskommunikation das „Anarchische“ an Social Media nicht…? ;-)

Céline: Ich denke die meisten haben schlichtweg noch nicht verstanden, welche Chancen Instagram oder Soziale Medien allgemein bieten. Außerdem ist ihr Mindset von gestern:

„Privates preisgeben geht gar nicht! Das ist dann für immer da draußen in diesem Internet und kann nie wieder gelöscht werden.“ Wir junge Leute denken da ganz anders. Wir jagen einfach mal einen Post raus, sehen es als Möglichkeit Feedback einzuholen und tauschen uns aus. Abgesehen davon: wenn ein Hubert Barth kommuniziert, ist das doch viel authentischer und glaubwürdiger als die Inhalte eines Corporate Accounts, oder nicht?

Viele erfolgreiche Unternehmen – wie Apple oder auch Tesla – haben ihre Gründer und CEOs erfolgreich als Testimonials platziert. Ich denke das ist die Richtung, in die Unternehmen in Zukunft denken müssen.

Hubert, Du machst das jetzt seit rund zwei Monaten. Macht es noch Spaß?

Hubert: Ja, und ich werde auch besser! Das Feedback ermutigt mich weiter zu machen – selbst wenn es manchmal stressig ist neben all meinen Aufgaben auch noch daran zu denken, eine Insta-Story zu posten. Aber wenn es zu langsam geht, sitzt mir Céline im Notfall im Nacken!

Und gibt es irgendwelche „Ziele“, die ihr euch mit dem Auftritt gesetzt habt? Ich meine damit weniger quantitative wie Followerzahlen oder Response-Rates, sondern eher kulturelle Ziele.

Céline: Unser Ziel ist es junge Leute anzuspornen, ihre Karriere aktiv in die Hände zu nehmen. Hubert kann in diesem Sinne eine Vorbildfunktion einnehmen. Wir wollen nicht EY als Unternehmen bewerben oder unsere Bewerberzahlen in die Höhe treiben. Der Kanal soll schlichtweg über einen möglichen Job von Vielen erzählen und damit eine Orientierungshilfe bieten.

Ich habe auf jeden Fall schon einmal auf „Folgen“ gedrückt und bin sehr gespannt, was ich so in nächster Zeit zu sehen bekomme. Ich danke euch für das Interview!

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