Talentpool unter den Top-Platzierten beim Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“. Was hat es damit auf sich? Interview mit Younect Gründer Martin Gaedt

Martin Gaedt kenne ich nun schon einige Jahre. Mit seiner Firma Younect gehört er ganz sicher zu den absoluten Experten rund um das Thema Ausbildung und Berufseinstieg. In den letzten Wochen war Martin häufiger zu Gast in meiner E-Mailbox mit dem Votingaufruf für sein Projekt „Talentpool“ im Rahmen des Wettbewerbs „Deutschland – Land der Ideen„. Was mich in vielen anderen Fällen wahrscheinlich eher genervt hätte, hat mich in diesem Fall gefreut, weil ich finde, dass es sich bei Talentpool wirklich um ein tolles Projekt handelt.

Da die Abstimmungsphase für die zehn Finalisten des Publikumspreises morgen endet, habe ich mir Martin ganz kurzentschlossen mal für ein Interview gegriffen, damit er uns einmal erläutern kann, was Talentpool ist.

Also Martin, los geht´s!

Ihr seid ja momentan im Zusammenhang mit dem Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“ mit dem Talentpool sehr präsent. In kurzen Worten: Was ist der „Talentpool„?

Unser Talentpool ist ein neues webbasiertes Instrument, um Fachkräfte EINFACH in der Region und Branche zu halten. Wenn GUTE 2.- und 3.-platzierte Bewerber Absagen bekommen, gehen sie weg… oder kommen gar nicht erst in die Region und Branche. Im Sport bekommen 2.- und 3. Platzierte wertvolle Medaillen. Sind Absagen an wertvolle Fachkräfte nicht eine unnötige Verschwendung? Unser Talentpool „Bewerber auf Empfehlung“ baut auf bestehenden Netzwerken auf und bindet alle Netzwerkpartner ein. Bewerber-Empfehlungen kommen von Unternehmen untereinander sowie von Bildungspartnern (Schulen, Unis, Fachhochschulen, Initiativen). Eine Empfehlung hilft dem Bewerber, allen suchenden Unternehmen und der Region bzw. Branche, die ihr Potenzial in den eigenen Reihen hält. Im Talentpool können Unternehmen in weniger als einer Minute Bewerber datenschutzrechtlich korrekt einladen und diese anderen 50, 80 oder 200 Unternehmen empfehlen. Jeder unser 15 laufenden Talentpools ist ein geschlossener Bewerberpool für Empfehlungen aus dem jeweiligen Netzwerk.

Im Prinzip ist das ja eine überaus naheliegende Idee. In Zeiten des Nachwuchsmangels (man erzähle das mal einem Spanier…) empfehlen Unternehmen gute Leute, die sie selber aber nicht nehmen an andere weiter. Meine Erfahrung mit dieser Art „kollaborativem Ansatz“ ist aber oft eher, dass doch jedes Unternehmen immer nur auf den eigenen Prozess schaut, es also mit der so nahe liegenden Zusammenarbeit oft doch nicht soweit her ist. Wie löst der Talentpool dieses Problem?

Uns geht es nicht nur um Nachwuchsmangel und den demografischen Wandel. Uns geht es um die Herausforderung, GUTEN Bewerbern und ZUZUGSWILLIGEN schnell und effizient ein Jobangebot in der Region bzw. Branche anzubieten. Tag für Tag geht viel Potenzial verloren, weil an die „Silber- und Bronzemedaillengewinner“ Absagen verschickt werden. Hinzu kommt, dass es auch für das eigene Arbeitgeberimage besser ist, GUTEN Bewerbern, denen man absagen muss, eine andere Tür zu öffnen. Drittens sagen immer häufiger GUTE Bewerber ab, weil der/die Lebenspartner/in in der Region keinen Job findet. Kürzlich bei einer Veranstaltung hatten vier von 19 Unternehmern aktuell Mitarbeiter verloren, weil der/die Lebenspartner/in in der Region keinen Job gefunden hat. Auch Lebenspartner können im Talentpool empfohlen werden.

Alle Welt spricht im Moment ja auch von Active Sourcing, also der aktiven Suche nach Kandidaten in speziellen Datenbanken, Bekanntenkreis oder auch Social Media. Das setzt aber einen neuen Typus Recruiter voraus, nämlich einen der eher „vertrieblich“ als „reaktiv auswählend“ agiert. Mein Eindruck ist, dass dies oft eher noch theoretischer Natur ist, sprich: die Bereitschaft – oder auch Fähigkeit – vieler Recruiter wirklich aktiv zu suchen noch nicht so ausgeprägt ist. Deshalb haben wir das auch zu einem Schwerpunktthema der „Recruiting2013“ gemacht. Wie sind deine Erfahrungen damit?

Das stimmt, viele Unternehmer und Recruiter sehen den Wandel gar nicht und sind noch weit entfernt vom Active Sourcing. Zum Talentpool hören wir natürlich auch Reaktionen wie „Eher lass ich mir die Hände abhacken als einen Bewerber zu empfehlen“ und  „Andere Unternehmen sind alles Konkurrenten.“ Ich sage dann immer: „Wenn Sie den Bewerber nicht einstellen, geht er immer zur Konkurrenz. Den einzigen Einfluss, den Sie haben: Stärkt die Fachkraft durch Ihre Vermittlung Ihre Region und Branche oder stärkt die Fachkraft eine andere Region oder das Ausland?“ Manche kapieren`s, andere nicht…

Ihr steht aktuell glaube ich auf Platz 6 von 365 eingereichten Projekten. Das ist ja schonmal echt bemerkenswert. Glückwunsch dazu! Wie geht es im Wettbewerb dann weiter?

Ja, Platz 6 :-). Und der Talentpool ist der einzige von 365 Preisträgern „Ausgewählter Ort Land der Ideen“ 2012, der gleichzeitig vom Publikum in die Top 10 gewählt als auch von der Jury zum Bundessieg nominiert wurde. Am 12. August startet ein Publikumsvoting mit der aktuellen Top 10. Einer der 10 gewinnt den Publikumspreis. Im Herbst werden der Publikumspreis und der Preis „Bundessieger“ überreicht.

Mit den „JOBLINGEN“ ist auf Platz 4 und den „Ausbildungspatenschaften in Essen“ auf Platz 13 sind ja noch zwei Projekte sehr gut platziert, die explizit auf den Berufseinstieg bzw. den Übergang zwischen Schule und Beruf abzielen. Was bedeutet das für dich – abgesehen davon, dass Ihr im Wettbewerb Konkurrenten seid? Ist das Thema wirklich eine der großen gesellschaftspolitischen Baustellen unserer Zeit?

Ja, das Thema Berufseinstieg und ein guter, passender Arbeitsplatz ist ein Thema, das fast 50% der Bevölkerung betrifft. Mit „Lange Nach der Industrie“ auf Platz 3 und „Rock your life“ auf Platz 7 sind sogar fünf aus der gewählten Top 15 aktiv im Arbeitsmarkt und auch zum Berufseinstieg!

Wie können Unternehmen beim Talentpool mitmachen? Und kostet das etwas?

Ein regionales Netzwerk, Cluster oder Verband – unabhängig von seiner Größe – startet einen eigenen regionalen Talentpool. Das Netzwerk zahlt einmalig 2.200 €. Jedes Unternehmen zahlt jährlich 35.- €. Das ist für jedes KMU leistbar. Bildungspartner zahlen nichts, sie bereichern ja den Talentpool. Alles in allem geht es uns um einen anderen Umgang mit Bewerbern und eine sinnvollere, effiziente Nutzung des Potenzials von Bewerber-Empfehlungen innerhalb bestehender Netzwerke zur Stärkung der eigenen Region und Branche.

Martin, ich danke dir herzlich für das Interview. Kann man noch für Euch abstimmen?

Jaaaa. Heute bis 24h.

Also, liebe Leser, dann hier lang: http://www.land-der-ideen.de/365-orte/preistraeger/talentpool-bewerber-auf-empfehlung und sich einen Platz für die Danke Voter´s Party am 12.08. in Berlin sichern…

Ein Gedanke zu „Talentpool unter den Top-Platzierten beim Wettbewerb „Deutschland – Land der Ideen“. Was hat es damit auf sich? Interview mit Younect Gründer Martin Gaedt

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