Interview mit OTTO Personalmarketing-Leiterin Sonja Königsberg über die Erfahrungen von OTTO mit webbasierten Videointerviews

Ich habe das Thema „webbasierte Videointerviews“ ja schon mehrfach bei mir im Blog verarbeitet (der aktuellste Beitrag über viasto liegt ja gerade ein paar Tage zurück)). Ich persönlich glaube, dass der Einsatz dieses Instruments in drei bis fünf Jahren etwa so selbstverständlich sein wird wie der Einsatz von eAssessments (also Online-Tests) heute oder der Einsatz von formularbasierten Online-Bewerbungen es drei bis fünf Jahren war. Also: Es wird kommen aber aktuell ist es schon noch eher exotisch. Wirklich belastbare Erfahrungswerte dürfte es aus meiner Sicht nur bei Otto geben, weil dort das Thema am konsequentesten vorangetrieben wurde. Deshalb freue ich mich sehr, dass Sonja Königsberg mir für ein Interview Rede und Antwort gestanden hat und uns Einblicke in die bei Otto gemachten Erfahrungen gibt.

Los geht´s!

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Hallo Sonja,
toll, dass das mit dem Interview klappt! Ich habe mich in letzter Zeit häufiger dem Thema Videointerviews über das Internet gewidmet. Für viele ist das ja noch sehr exotisch. Für Otto wie ich weiß fast schon Alltag. Wie setzt Ihr Videointerviews im Rahmen der Rekrutierung ein?

Wir ersetzen damit vor allem bei Kandidaten, die nicht unmittelbar aus Hamburg und Umgebung kommen, das Erstgespräch – selbstverständlich auf freiwilliger Basis.

Das klingt so als wenn webbasierte Videointerviews bei Euch ja wirklich fest in die Standardprozesse eingebunden sind. Was war der Treiber hinter dieser Entwicklung? Wolltet Ihr Zeit sparen? Oder Geld? Oder beides?

Ausgeprägter Wettbewerbsdruck, der demografische Wandel und damit einhergehend der Fachkräftemangel in Deutschland sorgen dafür, dass wir unser Personal sowohl deutschlandweit als auch auf internationalen Arbeitsmärkten suchen. Da liegt es nahe, auch das World Wide Web dafür zu nutzen.

Das Videointerview spart den Bewerbern vor allem die Reisezeit zu uns, denn das kann ja mitunter sogar ein ganzer Urlaubstag sein, wenn der Kandidat zum Beispiel aus dem Süden oder aus dem Ausland kommt. Über das Videointerview kann das erste Gespräch mit dem zuständigen Personalreferenten bequem in der Mittagspause oder nach Feierabend von zu Hause aus geführt werden. Der Dialog zwischen Kandidat und Recruiter kann so meist viel schneller aufgenommen werden. Erst das Zweitgespräch findet dann bei uns am Standort statt.

Darüber hinaus trägt das Videointerview als kleinen Nebeneffekt auch noch zur Reduzierung des CO2-Ausstoßes bei – ein erklärtes Ziel der gesamten Unternehmensgruppe.

Wir wissen aus dem Bereich Online-Assessment, dass die Durchführung über das Internet nicht nur eine Reihe von Vorteilen für das Unternehmen bietet, sondern auch und vor allem für den Bewerber – Stichworte: Bequeme Durchführung von zu Hause, eigenes Umfeld, kein Reisestress etc. Kannst du das auch für Videointerviews bestätigen? Schmeckt der Köder auch dem Fisch…?

Ja, wenn man das so sagen möchte…. Die Bewerber, die sich für eine Vakanz bei Otto interessieren, reagieren sehr positiv auf die Möglichkeit des Videointerviews. Das Angebot wird von allen Bewerbergruppen, ob Azubi, Berufseinsteiger oder Berufserfahrene aber auch von Führungskräften höherer Hierarchiestufen gern angenommen. Alter oder die Fachrichtung spielen übrigens keine Rolle.

Wie sind denn die technischen Anforderungen für den Kandidaten? Ich meine sowohl was das Handling angeht, aber auch bzgl. der Hardware. Es hat ja nicht jeder zwingend ein Headset und eine Webcam?

Wenn ein Bewerber nicht über die nötige technische Ausstattung – also Webcam und Headset – verfügen sollte, bekommt er diese von uns kostenlos zur Verfügung gestellt. Er darf das Equipment anschließend auch behalten. Eine DSL-Verbindung ist allerdings die technische Grundvoraussetzung. Wenn diese nicht vorhanden ist, laden wir den Bewerber ganz klassisch zum Gespräch zu uns nach Hamburg ein.

Ihr setzt meines Wissens Skype ein, oder? Funktioniert das reibungslos? Und hattet Ihr dabei Themen wie „sichere Datenübertragung“, „Datenschutz“ etc. zu klären?

Ja, wir setzen dabei auf Skype. Wenn ein Kandidat noch kein Skype-Profil hat, so sollte er sich eines anlegen. Das ist aber ist einigen wenigen Klicks möglich und zudem ja auch kostenfrei.

Die Technik funktioniert im Grunde reibungslos. Es kann aber schon mal vorkommen, dass es Störungen bei der Übertragung gibt, so dass Ton- oder Bild leicht verzerrt zu hören bzw. zu sehen sind. Aber das dauert meist nur ein paar Minuten, bevor sich dann alles wieder stabilisiert.

Wir stellen sicher, dass die Gespräche auf unserer Seite nicht mitgeschnitten und archiviert noch fremd abgehört werden können. Dies war Grundvoraussetzung dafür, die Videointerviews überhaupt anbieten zu können.

War für die Einführung von Videointerviews eine Betriebsvereinbarung nötig?

Nein, eine Betriebsvereinbarung war dafür nicht nötig. Wir haben uns aber eng mit unserem Betriebsrat abgestimmt.

Eure Interviews sind „live“, d.h. auf beiden Seiten sitzen Menschen, die ein Gespräch führen. Das bedeutet zwar ein „realeres“ Gesprächserlebnis, bedeutet aber auch, dass auf Unternehmensseite immer eine Person für die Dauer des Gesprächs gebunden ist, dass Ihr Termine koordinieren müsst und dass das Gespräch sofort während der Durchführung bewertet werden muss, weil es kein Recording gibt. Warum setzt Ihr kein zeitversetzt funktionierendes Instrument wie z.B. Interlounge oder viasto ein?

Ein Recording gibt es ja auch bei klassischen Bewerbungsgesprächen hier vor Ort  nicht. Das wäre aus Datenschutzgründen auch gar nicht gestattet. Deswegen kommen Instrumente, die Gespräche mitschneiden könnten, für uns auch nicht in Betracht.

Und auch wenn das Gespräch in der Otto Zentrale stattfindet, wäre vorher ja eine Terminkoordination erforderlich, ein Besprechungsraum müsste zum Beispiel gebucht werden und der Recruiter wäre für die Dauer des Gesprächs ebenso gebunden. Insofern unterscheiden sich ein Videointerview und die anschließende Bewertung kaum vom einem „klassischen Gespräch“.

Das Videointerview bietet sogar oft den Vorteil, dass beiden Gesprächspartner schneller den Dialog aufnehmen können, da wie schon gesagt, die Reisezeit wegfällt.

Sonja, ich danke dir vielmals für das Gespräch! Es zeigt sich einmal mehr, dass Otto im Recruiting und Employer Branding Schrittmacher vieler Entwicklungen ist. Macht weiter so!

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

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