Ende März drehte sich auf der #HREdge26 alles um das Thema „Skills“. Ein aus meiner Sicht wirkliches Highlight war dabei der Vortrag von Jessica Röskam und Nino Remorino von dem zu VW gehörenden Ridepooling-Anbieter MOIA.
Jessica und Nino haben dabei vorgestellt, wie es ihnen gelingt, für das Berufsbild sog. „Safety Driver“ zu rekrutieren. Dieser Case steht meines Erachtens mustergültig für die Idee des „Skills-based Hirings“, weil es eben darum geht, erforderliche Skills oder zum Skillerwerb erforderliche Potenziale zu erkennen für einen Job, den es bisher noch nicht gab. Folglich findet man passende Kandidaten eben auch nicht „fertig“ am Arbeitsmarkt. Fertige Abschlüsse oder einschlägige Berufserfahrungen fallen als Signale aus – man muss förmlich auf Skill- und Potenzialebene schauen.
Da die beiden ihren Vortragsfolien im Nachgang nicht zur Veröffentlichung bereitstellen durften, habe ich sie stattdessen zu einem kleinen Interview für den Recrutainment Blog eingeladen, um noch einmal kompakt auf die wichtigsten Kernaussagen eingehen zu können.
Also, Jessica, Nino, los geht´s
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Auf der #HREdge26 ging es ja um Skills und Skills-based Hiring. Jetzt habt Ihr ja eine wirklich außergewöhnliche Herausforderung zu meistern: Ihr müsst für ein Berufsbild rekrutieren, das es ja eigentlich noch gar nicht gibt oder sagen wir mal „bis vor kurzem noch nicht gab“ – sog. Safety Driver, also Personen, die autonom fahrende Fahrzeuge – tja, wie soll man sagen? – „fahren“… Wobei es ja eben genau das nicht mehr ist. Safety Driver beaufsichtigen ja vielmehr, dass das Auto sicher und gut allein fährt. Das erfordert ja ein komplett anderes „Skillset“. Was hat es mit Safety Driver auf sich? Und wie erkennt Ihr, ob eine Person geeignet ist oder nicht?
Ein Safety Driver ist im klassischen Sinn eigentlich kein Fahrer*in mehr, sondern eher ein Sicherheits-Operator für ein autonomes System. Die Person sitzt im Fahrzeug, überwacht das Verhalten der autonomen Fahrfunktion und greift nur ein, wenn das System an seine Grenzen kommt oder eine Situation falsch einschätzt. Damit verschiebt sich das Anforderungsprofil deutlich: Es geht weniger um klassisches Fahrkönnen, sondern um dauerhafte Aufmerksamkeit, sehr gutes Situationsbewusstsein, schnelle Reaktionsfähigkeit und ein technisches Verständnis dafür, wie das System arbeitet.
D.h. Ihr setzt da schon einen Mix aus diagnostischen Methoden ein, wobei ich raushöre – und das entspricht ja auch sehr dem Gedanken des Skills-based Hiring -, dass dabei vor allem das Potenzial und weniger die bisherige Vita oder vergangene Abschlüsse zählen. Richtig?
Genau. Für uns bedeutet das, dass der Lebenslauf allein wenig aussagt. Wir achten stärker auf kognitive Fähigkeiten und Verhalten in realistischen Situationen. Deshalb arbeiten wir mit psychometrischen Tests, Reaktions- und Aufmerksamkeitstests sowie Fahrsimulationen. Dort sieht man sehr schnell, wer Situationen früh erkennt, ruhig bleibt und im richtigen Moment eingreift. Genau diese Kombination aus Aufmerksamkeit, Urteilsvermögen und technischer Neugier macht am Ende einen guten Safety Driver aus.
Letzte Frage: Jetzt ist ja die Idee des autonomen Fahrens nicht – zumindest perspektivisch -, dass da noch jemand hinter dem Lenkrad sitzt. D.h. über kurz oder lang wird wenn alles nach Plan läuft der Job des Safety Drivers ja wieder verschwinden. Wie kommuniziert man das? „Hey, ich habe einen sehr spannenden Zukunftsjob, der aber bald wahrscheinlich schon wieder ein Job der Vergangenheit sein wird!“ Wie spielt Ihr das? Und wie nimmt die Zielgruppe das auf?
Wir sprechen das sehr offen an. Der Safety Driver ist eine Übergangsrolle in der Entwicklung autonomer Mobilität. Ohne diese Phase und ohne Menschen, die die Systeme im realen Verkehr überwachen, würde die Technologie gar nicht den Reifegrad erreichen, der später vollständig autonomes Fahren ermöglicht.
Genau so positionieren wir den Job auch: als Möglichkeit, sehr früh an einer neuen Technologie zu arbeiten und Teil dieser Entwicklung zu sein. Viele Kandidaten finden das gerade attraktiv. Sie sehen die Rolle nicht unbedingt als langfristige Endstation, sondern als Einstieg in ein neues Feld rund um autonome Mobilität, in dem sich mit der Technologie auch neue Aufgaben und Rollen entwickeln.
Liebe Jessica, lieber Nino, vielen Dank für das Gespräch und natürlich für euren Spotlight-Vortrag bei der #HREdge26! Wir sehen uns doch wohl sicher dann bei der #HREdge27 am 18. März, oder?
Selbstverständlich, wir freuen uns dabei sein zu dürfen!
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Der Gesamtrückblick zur #HREdge26 mit O-Tönen im Video, etlichen Bildern und Kernaussagen der Vorträge folgt dann auch zeitnah.
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