Fromme Weihnachtswünsche: Mehr Respekt und weniger Dummheit

Liebe Recrutainment-LeserInnen,

mit 2021 neigt sich nun bereits das zweite Jahr dem Ende zu, das man wohl leider wieder als “Corona-Jahr” bezeichnen muss. Geschäftlich betrachtet war 2021 für uns das mit Abstand erfolgreichste Jahr der CYQUEST Firmengeschichte, aber ich kann nicht umhin festzustellen, dass es auch Kraft gekostet hat.

Sich ständig verändernde Rahmenbedingungen (1G, 2G, 3G, +, Homeoffice, Masken, Abstand, Impf- und Testtermine, Reiseregelungen, Selbsttests etc.) und das permanente latente Bedrohungsgefühl haben sicherlich bei vielen Menschen zu einem noch größeren Erschöpfungsgefühl geführt, als es sich ohnehin zu dieser Jahreszeit vielfach einstellt.

Am bedrohlichsten empfinde ich jedoch das mittlerweile enorm hohe Maß an Aggressivität und die vielerorts zu beobachtende Enthemmung, diese Aggressivität auch auszuleben – mindestens kommunikativ in Social Media Plattformen oder auf Demonstrationen, aber leider zunehmend auch in Form physischer Gewalt oder entsprechenden Aufrufen dazu.

Dass sich dabei auch immer mehr die Grenzen des gesunden Menschenverstands zu verschieben scheinen, vielen Menschen die Relationen vollkommen abhanden kommen und sich viele zum Großteil völlig abstruse Verschwörungstheorien einer scheinbar zunehmenden Verbreitung erfreuen, macht mir wirklich Sorge.

Und ja, man muss es leider so deutlich benennen, das hat viel mit Dummheit zu tun.

Ich möchte daher gern eine Passage aus einem Weihnachtsgruß zitieren, den ich kürzlich von einem Freund erhielt und der sich genau damit befasst. Konkret greift dieser den Dunning-Kruger-Effekt auf, ein bis vor einigen Jahren nur nerdigen psychologischen Fachkreisen bekanntes Phänomen kognitiver Verzerrung im Selbstverständnis, das aber zuerst in Person eines US-Präsidenten mit orangen Haaren und oranger Haut und dann befeuert durch eine globale Pandemie (leider) die große politische Weltbühne betrat:

>>Wenn ich das zurückliegende, erneut herausfordernde Jahr Revue passieren lasse und mich frage, was von 2021 bleibt, dann kreisen meine Gedanken immer wieder um das Thema Dummheit. Die anhaltende Corona-Pandemie erscheint unglaublich ergiebig für dieses Thema und die sich nun auch hierzulande ausbreitende Tendenz, Fakten zu ignorieren.

So bilden sich sendungsbewusste Menschen seit Monaten ein, auf Onlinemedien wie Twitter mit hochspezialisierten Fachwissenschaftlern über Ansteckungsrisiken, Verbreitungsdynamik und Gefährlichkeit des Coronavirus auf Augenhöhe diskutieren zu können; gleichzeitig sind sie offensichtlich nicht in der Lage, eigene unmittelbare Belange mit möglicherweise langfristigen negativen Folgen für sich und andere auszutarieren. Und damit sind wir schon beim Dunning-Kruger-Effekt. Dieser bezeichnet die kognitive Verzerrung im Selbstverständnis inkompetenter Menschen, das eigene Wissen und Können zu überschätzen, und geht auf eine Publikation von David Dunning und Justin Kruger im Jahr 1999 zurück.

Doch bereits siebzig Jahre zuvor schrieb der irische Dichter W.B. Yeats den berühmt gewordenen Satz: „The best lack all conviction, while the worst are full of passionate intensity.“ Auch der britische Mathematiker und Philosoph Bertrand Russell befand im schicksalsträchtigen Jahr 1933: „The fundamental cause of the trouble is that in the modern world the stupid are cocksure while the intelligent are full of doubt“ (ein Zitat, das später auch mit Charles Bukowski assoziiert wurde). Es bleibt eine aufregende Frage, wie gut sich unsere demokratischen Gesellschaften in einem postfaktischen Zeitalter („alternative facts“) komplexen Bedrohungen wie Pandemien oder dem Klimawandel entgegensetzen und dabei den gesellschaftlichen Zusammenhalt bewahren werden können.<<

Hoffen wir darauf (und arbeiten wir aktiv daran), dass Dummheit, Selbstüberschätzung und unreflektiertes Nachplappern von gefährlichem Quatsch wieder zurückgedrängt werden. Damit meine ich NICHT, dass man unreflektiert alles glauben und nachplappern soll, solange es aus der vermeintlich “guten” Ecke kommt. Nein, kritisches Denken und hinterfragen ist wichtig, wahrscheinlich in Umbruchzeiten sogar mehr denn je.

Aber bitte stützen wir uns dabei doch wieder auf wissenschaftliche Fakten und empirische Evidenz. Man kann über Meinungen streiten, muss man sogar können. Aber über Fakten streiten? Nun, das ist dann wie der vielzitierte Versuch, mit einer Taube Schach zu spielen.

Womit wir wieder bei Dummheit wären.

Und wenn wir streiten tun wir dies doch bitte wieder etwas gesitteter und nicht so aufgepeitscht durch die jeweils eigene Echokammer. Das führt nicht nur zu besseren Lösungen, sondern es ist auch besser für das eigene Seelenheil.

Womit wir wieder bei gesundem Menschenverstand wären – mit Betonung auf “gesund”.

Das schließt ebenfalls die Fähigkeit mit ein, sich selber auch mal etwas weniger ernst nehmen zu können. Die beiden Namensgeber des Dunning-Kruger-Effekts, Justin Kruger und David Dunning von der Cornell Uni, konnten dies offenbar selber ganz gut, schrieben sie doch auf der ersten Seite ihres Fachaufsatzes Unskilled and Unaware of It: How Difficulties in Recognizing One’s Own Incompetence Lead to Inflated Self-Assessments 

“This is true not only for committing crimes, but also for many tasks in the social and intellectual domains, such as promoting effective leadership, raising children, constructing a solid logical argument, or designing a rigorous psychological study.” ;-)

Denn: Die vor uns liegenden Probleme sind komplex genug. Dafür können ein klarer Verstand und etwas Humor nicht nur nicht schaden. Sie sind vielmehr unerlässlich.

Das gilt nicht (nur) für die großen Menschheitsfragen wie die Bewältigung einer globalen Pandemie oder das Finden von Lösungen im Umgang mit dem Klimawandel. Das gilt auch – und damit möchte ich zum Abschluss wieder auf das Thema dieses Blogs einschwenken – für Fragen der Personalgewinnung.

Auch hier geht es zunehmend darum, wie wir es schaffen können, die “richtigen” Menschen und die “richtigen” Stellen und Unternehmen zusammen zu bringen. Wertepassung und Skillmatching werden immer mehr zu entscheidenden Stellhebeln zur Bewältigung des Fachkräftemangels. Auch der Weihnachtsmann wird zukünftig nicht mehr drumherum kommen, Quereinsteiger zu beschäftigen. Und mit diesen Gedanken, bildlich wunderbar ausgedrückt durch einen weihnachtlichen Cartoon von Jan Kunz, wünsche ich euch – auch im Namen des gesamten CYQUEST Teams – erholsame Feiertage.

May we meet again!

P.S.: Wir haben auch in diesem Jahr darauf verzichtet, Weihnachtskarten zu verschicken. Stattdessen ging auch in diesem Jahr wieder eine Spende an die Geschenkpatenaktion meines guten Freundes und ehemaligen Kollegen Tim Jägeler zugunsten der Stiftung Mittagskinder. Mit den von dem Geld angeschafften Arbeitstischen zum basteln und spielen ist sicherlich mehr anzufangen gewesen…

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