Es geht SO einfach! Die Polizei Niedersachsen erklärt Bewerbungsprozess über Periscope

Vorgestern habe ich auf der Zukunft-Personal im Rahmen der Blogger-Lounge einen Vortrag gehalten, bei dem es – letztlich – um die Frage ging, wie eigentlich gutes Personalmarketing aussehen sollte.

Ganz so dick, wie sich das jetzt anhört war das Brett dann natürlich doch nicht, an welchem ich in den 60 Minuten rumgebohrt habe, aber ich hoffe, die Kernbotschaft ist dabei trotz aller gezeigten Fundstücke und Kuriositäten rübergekommen:

Personalmarketing ist eigentlich nicht kompliziert.

Es geht letztlich um zwei Dinge:

Erstens: den Mut, sich als Arbeitgeber unterscheidbar zu machen, denn das ist der Kerngedanke des Employer Brandings.

Zweitens: dies auch möglichst unverklausuliert und nicht verschwurbelt zu kommunizieren.

Die Analyse von Employertelling und Textkernel „Club der Gleichen“ hat ja gerade wieder eindrucksvoll bestätigt, dass beides den allermeisten Unternehmen leider eben nicht gelingt. Alle sind irgendwie leidenschaftlich und legen Wert auf Teamfähigkeit. Und naja, bei allen sehen die Stellenanzeigen gleich aus…

Die aus Bewerbersicht letztlich entscheidenden Fragen

Passt der Job zu mir? Passe ich zum Job?

Passt das Unternehmen zu mir? Passe ich zum Unternehmen?

bleiben dabei leider zumeist unbeantwortet.

Nun, ich bin heute durch Zufall über ein Beispiel gestolpert, das ich in diesem Zusammenhang für bemerkenswert halte. Und das – um das gleich vorweg zuschicken – gar nicht, weil dieses durch eine irgendwie bahnbrechend kreative Gestaltung punktet. Auch ist die gesamte Anmutung nicht das, wo einem als erstes das Attribut „Hochglanz“ einfiele.

Nein, dieses Beispiel besticht für mich genau deshalb, weil es sooo simpel gedacht ist und gerade deshalb hervorragend funktionieren kann:

Arbeitgebermarketing über Periscope…

In diesem Fall konkret eingesetzt von der Polizei Niedersachsen, gerichtet an potentielle Interessenten für ein Duales Studium vor dem Hintergrund der in ein paar Tagen endenden Bewerbungsfrist für diesen Jahrgang.

periscope_polizei2

Für die, die es nicht wissen: Periscope ist eine sog. Livestreaming-App. Man installiert diese auf seinem Smartphone und kann dann direkt über die Kamera auf dem Smartphone Geschehnisse filmen und live ins Internet stellen. Da Periscope eine Twitter-Tochter ist, heißt Internet in diesem Fall in aller Regel Twitter, wenngleich man den Livestreams auch über den Browser folgen kann (vorausgesetzt man weiß, dass gerade ein Livestream läuft und hat den direkten Link zu diesem).

Man kann so also live bei einer Demo dabei sein, einem Fußballspiel folgen oder ein Konzert miterleben, vorausgesetzt jemand streamt dies. Übertragen auf das Arbeitgebermarketing könnte dies zum Beispiel bedeuten, dass Mitarbeiter live von ihrem Arbeitsplatz aus streamen (immer vorausgesetzt, es wird nichts vertrauliches gezeigt) und so einen authentischen und realistischen Einblick ermöglichen („Realistic Job Preview„, Ihr wisst schon…). Dass solche „Hautnah-dabei-Ansätze“ speziell im Arbeitgebermarketing sehr gut funktionieren können, hat ja auch die Polizei – in dem Fall die Berliner – mit der Twitter-Aktion #24hPolizei nahezu mustergültig vorgemacht (auch wenn die nicht gestreamt haben…).

Die Livestreams bei Periscope sind dabei standardmäßig immer noch 24 Stunden lang abrufbar. Diese 24h-Deact-Einstellung kann jedoch auch abgeschaltet werden, so dass der Mitschnitt länger verfügbar bleibt.

Was hat die Polizei in Niedersachsen nun gemacht und was ist daran so bewerkenswert?

Man kann es so ausdrücken: Man hat sich ein Handy geschnappt, zwei Personen für ein improvisiertes Interview vor die Kamera gesetzt und dieses Interview dann über Periscope live gestreamt. In diesem Interview wird dann in aller Kürze auf die wichtigsten Aspekte zum Dualen Studium bei der Polizei eingegangen:

  • Zugangsvoraussetzungen
  • Jobmerkmale
  • Bewerbungsprozess und -fristen

Das Ganze dauert gerade mal drei Minuten.

Ist das spektakulär? Nein. Im Gegenteil, das ist sogar ziemlich einfach. An einer Stelle im Video sieht man beispielsweise den „Kameramann“ mit seinem Handy, der sich in einem Monitor spiegelt…

periscope_polizei

Aber muss es immer spektakulär sein? Nein. Als potentieller Kandidat habe ich Fragen und die will ich beantwortet bekommen. Punkt.

Mehr geht immer, weniger ist die Kunst…

Das besondere an diesem Beispiel ist für mich daher die Einfachheit. Das ist Personalmarketing, das erstens hilft, die entscheidenden Fragen (s.o.) zu beantworten und das zweitens nichts kostet, noch nicht mal wirklich Zeit.

Und das ist bemerkenswert…

Wer sich das Video ansehen möchte, der kann das hier tun oder natürlich in Periscope (einfach nach „Polizei“ suchen)…

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

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