Passend zur Facebook Recruiting-Studie der Wollmilchsau – Interview mit Jacqueline Ernst über die neue Azubi-Fanpage der Haspa

Ich kann mich glücklich schätzen, die Ergebnisse der Facebook Recruiting Studie 2012 von atenta schon ein paar Tage vor der offiziellen Veröffentlichung gesehen zu haben, hat sie doch Jan Kirchner vor zwei Wochen schon in seiner Keynote der Social Media Recruiting Conference 2012 vorgestellt. Seit der Veröffentlichung am letzten Montag hat diese Studie für reichlich Buzz in der Szene (“Suppe”) gesorgt, weshalb ich mir eine dezidierte Besprechung hier ausnahmsweise einmal spare. Wer hier detailliert nachlesen möchte, der sei auf die Wollmilchsau selber (inkl. Bestellmöglichkeit) oder die verschiedenen guten Rezensionen, z.B. bei Jochen Mai in der Karrierebibel, im Suppenreport von Robindro Ullah oder bei Meta HR, verwiesen. Der ganze Aufruhr war der Studie aber auch angemessen, förderte sie doch zum Teil erschreckende Erkenntnisse zu Tage. Beispiele gefällig?

 

  • Gerade einmal jedes siebte Unternehmen stellt auf der Karrierepage seine Ansprechpartner für Karrierefragen vor. Bei Azubi-Fanpages sogar nur jedes achte.
  • Lediglich 53% der untersuchten Unternehmen reagieren auf die Aktivitäten der Fans auf ihrer Karrierepage !!! Bei Azubi-Pages sind es sogar nur knapp 48%.

Allein an diesen beiden Werten erkennt man, dass entgegen der allgegenwärtigen Forderungen nach Authentizität, Dialog auf Augenhöhe und Transparenz ein Großteil der Unternehmen immer noch nicht bereit für einen echten Dialog mit ihrer Zielgruppe ist. Es stellt sich also die Frage: Nur dabei, um auch dabei zu sein…?

Dass es hingegen auch anders geht, beweisen immer wieder Good- oder Best Practises, also Karriere-Fanpages von Unternehmen, die Facebook als Kommunikationskanal für Job-, Karriere-, Berufs- und Arbeitgeberkommunikation ernst nehmen und sich auch und vor allem hinreichend Gedanken über die Prozesse hinter der Seite gemacht haben. Ein solches Beispiel lief mir kürzlich in der “Hamburger Sektion der Suppe” – dem Hamburg HR-Social Media-Meetup über den Weg.

Die Hamburger Sparkasse, kurz Haspa, ist mit 475 Auszubildenden einer der größten Ausbilder Hamburgs. Ende September wurde die neue Haspa Azubi-Fanpage gestartet. Hierzu habe ich Julia Jacqueline Ernst aus dem Social Media Team der Haspa interviewt. Ab geht´s…

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Hallo Jacqueline, Ende September ist die Haspa Azubi Facebookseite online gegangen. Was hat euch auf die Idee gebracht, eine separate Facebook-Fanpage zum Thema Ausbildung zu erstellen? Die Haspa selbst ist ja schon länger bei Facebook vertreten.

Mit der neuen Fanpage möchten wir unsere Azubis „von morgen“ dort informieren und für die Haspa als Arbeitgeber begeistern, wo sie sich tagtäglich aufhalten. In Gesprächen mit unseren Auszubildenden haben wir erfahren, dass sich viele Haspa Azubis in Facebook-Gruppen organisieren, um sich schon vor dem Ausbildungsstart kennen zu lernen, Erfahrungen auszutauschen und sich gegenseitig vor Prüfungen zu helfen. So entstand die Idee, eine zentrale und offizielle Anlaufstelle für Haspa Azubis, Bewerber und Interessierte auf Facebook zu schaffen.

Und welches konkrete Ziel verfolgt ihr mit der separaten Azubi-Fanpage? Beim Lesen des Informationstextes der Seite könnte man meinen, dass sich die Haspa damit einen Imagewandel erhofft. Ist das der Fall?

Das Besondere ist, dass die Seite von sieben Haspa Azubis und einem Dualen Studenten eigenständig betreut wird und sie von Anfang an am Projekt mitgearbeitet haben – vom Brainstorming zu Inhalten und Design bis hin zum Community Management. Unsere Azubis geben auf der Fanpage authentische Einblicke in ihren Alltag und beantworten die Fragen der Fans rund um das Thema Ausbildung. Damit geben wir jungen Mitarbeitern Verantwortung im Bereich Social Media und schaffen gleichzeitig einen Dialog auf Augenhöhe mit Bewerbern und Interessierten. Wenn es unseren Azubis mit ihrer Begeisterung und Authentizität darüber hinaus gelingt, Vorurteile abzubauen, wäre dies ein schöner Effekt.

Dürfen die Azubis die Fragen der User selbstverantwortlich beantworten, oder müssen sie die Antworten von jemandem absegnen lassen?

Die Auszubildenden gestalten alle Inhalte auf der Fanpage selbst, dazu gehören die redaktionellen Beiträge genauso wie der Dialog mit den Fans. Das Haspa Social-Media-Team steht ihnen dabei beratend zur Seite. Vor dem Launch haben die acht Verantwortlichen eine intensive Schulung erhalten, um optimal auf ihre neue Aufgabe vorbereitet zu sein. Ein umfangreicher FAQ-Katalog, der im Vorwege gemeinsam entwickelt wurde, gibt inhaltliche Hilfestellungen bei der Beantwortung von Fragen.

Wie wurden denn die Azubis ausgewählt, die derzeit die Seite betreuen? Habt Ihr “gecastet”?

Keiner kennt unsere Azubis so gut wie die Haspa Ausbilder – deshalb haben auch sie die Auswahl getroffen. Wichtig war uns, dass die Teammitglieder unsere unterschiedlichen Ausbildungen und Jahrgänge repräsentieren. Auf diese Weise können sie den Fans vielfältige Einblicke in die Ausbildung bei der Haspa geben. Die Zusammenarbeit mit den Azubis bringt riesigen Spaß und ich bin beeindruckt, mit viel Kreativität und Begeisterung sie das Projekt vorantreiben.

Ist bereits klar, wie lange das derzeitige Team der Azubis, die die Homepage betreuen, dies tun wird?

Die acht Pioniere werden, je nachdem, wann sie ihre Ausbildung beenden, die nächsten ein bis zwei Jahre für die Fans im Einsatz sein. Danach werden neue Azubis die Chance bekommen, die Seite zu betreuen.

Die Idee, dass derzeitige Auszubildende Azubis in spe betreuen und ihnen Tipps geben, finde ich klasse. Wird diese Möglichkeit von den potentiellen Azubis wertgeschätzt? Gab es schon Resonanz zu der neuen Facebookseite von angehenden Azubis?

Wir sind davon überzeugt, dass die neue Fanpage bei potentiellen Auszubildenden großen Anklang finden wird. Natürlich können sich Schüler nach wie vor auf der Webseite oder auf Berufsmessen informieren oder zum Hörer greifen und einen Ausbilder fragen. Aber sich vorab mit erfahrenen Haspa Azubis auf einer zentralen Plattform auszutauschen, sei es bei Fragen zum Vorstellungsgespräch oder zur Wohnungssuche, das ist etwas Besonderes. Und es gab auch schon erste positive Rückmeldungen aus der Community, z.B. von einer Bewerberin, die sich über Tipps zum Einstellungstest gefreut hat.

Kann man bereits eine Veränderung der Bewerberzahlen oder des Bewerber-Klientels seit dem Launch spüren oder kann man das nach so kurzer Zeit noch nicht sagen?

Auswirkungen auf die Bewerberzahlen oder das Klientel können wir nach so kurzer Zeit noch nicht feststellen. Mit ca. 3.500 Bewerbern pro Jahr ist eine Steigerung derzeit aber auch gar nicht unser Ziel. Vielmehr erhoffen wir uns, dass wir durch den Dialog auf Augenhöhe noch mehr Transparenz schaffen und Interessierte einen noch besseren Eindruck gewinnen, ob eine Ausbildung bei der Haspa für sie das Richtige ist.

Vielen Dank für das Interview! Ich hoffe, dass die Seite regen Anklang findet und wünsche euch alles Gute!

 

1 Gedanke zu „Passend zur Facebook Recruiting-Studie der Wollmilchsau – Interview mit Jacqueline Ernst über die neue Azubi-Fanpage der Haspa

  1. Hallo, heißt die Dame mit der Sie das Interview geführt haben nicht Julia als Erstnamen? Damit ist die Namensnennung in den Fragestellungen für mich sehr verwirrend.

    Außerdem hätte ich eine Frage an Sie. Besteht die Möglichkeit Sie zu kontaktieren?

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