Online-Studienorientierung an der Universität Göttingen. Zunächst für Chemie, Forstwissenschaften und Waldökologie

Als wir vor knapp sieben Jahren im Rahmen des “Hochschul E-Assessment Projekts” (HEAP) anfingen, uns der Frage zu stellen, wie man eigentlich das Internet sinnvoll einsetzen könne, um Studieninteressierte besser in die für sie passenden Studiengänge zu bekommen, haben wir noch nicht geahnt, was sich dahinter für ein riesiges Thema auftun würde. In der Zwischenzeit haben wir für nahezu fünfzig Studiengänge Orientierungsmodule entwickelt oder sind dabei; u.a. für die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, die Hochschule Niederrhein, die Leuphana Uni Lüneburg, die Uni Koblenz-Landau, die Fern-Fachhochschule Schweiz oder jetzt brandneu und nicht zuletzt für die Georg-August-Universität Göttingen.

In einer ersten Ausbaustufe wurden nun die Orientierungsmodule für die Fakultäten Chemie sowie Forstwissenschaften und Waldökologie live geschaltet. Die Module zur Erkundung der Fächer der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät sowie der Fakultät für Geowissenschaften und Geographie werden in Kürze folgen.

Was erwartet einen Interessenten, wenn er die virtuellen Beratungsmodule unter www.studienorientierung.uni-goettingen.de startet?

Auf der zentralen Startseite der Angebote (dem “Standortmodul”) werden dem Besucher zunächst wichtige allgemeine Informationen zum Studium in Göttingen angeboten. In kleinen Videoclips erfährt man so bspw. wie es in der Studentenstadt Göttingen so aussieht, wie man seinen Studierendenausweis aufladen bzw. die Chipkarte verlängern kann oder wie es um die Göttinger Partyszene bestellt ist. Diese Clips finden sich übrigens auch alle im Youtube-Kanal der Uni Göttingen.

Dann kann man sich eine Studienrichtung auswählen, über die man sich vertieft informieren möchte. Hier stehen momentan Chemie sowie Forstwissenschaften und Waldökologie zur Auswahl. Wie gesagt werden Wirtschafts- und Geowissenschaften in Kürze folgen.

Man kann die Orientierungsangebote dann sowohl registriert durchlaufen (mit dem Vorteil, dass der individuelle Bearbeitungsfortschritt gespeichert wird) oder man verwendet den anonymen Gastzugang (Benutzername: Gastzugang, Passwort: Gastzugang). Wichtig: Das Verhalten innerhalb der Module oder das “Abschneiden” in den Selbsttests hat keinerlei Auswirkungen auf etwaige Bewerbungschancen. Auch ist die Teilnahme an der Studienorientierung absolut freiwillig.

Naturgemäß unterscheiden sich die Beratungsangebote für die jeweiligen Studiengänge inhaltlich deutlich voneinander (es sind ja auch ganz verschiedene Studiengänge), jedoch orientiert sich die Darstellung immer an einem vergleichbaren thematischen Raster:

In “Kapitelform” erfahren die Nutzer jeweils Interessantes über

– die Berufwelt, die hinter den jeweieligen Studienrichtungen liegt,

– das Studium an sich (also welche Inhalte vermittelt werden),

– die Studienorganisation (also wie das Studium “abläuft”),

– die Studienanforderungen (was also von einem Studierenden erwartet wird) sowie

– die Studienkultur an der jeweiligen Fakultät.

Die Inhalte werden dabei auf unterschiedlichste Weise vermittelt. Der Stilmix reicht von Videosequenzen, in denen etwa Lehrende, Studierende und Alumni über ihre Erfahrungen berichten, über interaktive Tableaus, z.B. zur Vermittlung von typischen Stundenplänen, illustrierte Beispiele, wie etwa das sehr schöne Chlorknallgas-Experiement der Chemiker, Selbsttests (etwa zu den Anforderungen in Mathematik oder Englisch) bis hin zu Fotorundgängen, Erfahrungsberichten und weiterführenden Verlinkungen.

Es zeigt sich sehr deutlich, dass die Online-Studienorientierung sehr viel mehr ist, als ein reines Selbsttestinstrument. Selbstverständlich umfasst das Angebot Übungen und Selbsttests, in denen man erforderliche Niveaus, etwa zur Mathematik, überprüfen kann, aber insgesamt wird ein deutlich stärkeres Gewicht auf den Aspekt der Information gelegt. Dahinter liegt die Erkenntnis, dass zu einer “guten Studienwahl” sehr viel mehr gehört als die Aspekte “Können” und “Sollen”. Wie zahlreiche Forschungsbefunde zeigen, hängt der Studienerfolg (oft quantifiziert in Abbruchquoten) sehr viel stärker an Aspekten des “Kennens” und “Wollens”. Man kann intellektuell sehr wohl “geeignet” sein, die fachlichen Studienanforderungen in Fach XY zu meistern, ob aber dieses Studienfach bzw. dieses Studienfach an diesem Studienort und dieser Hochschule das richtige für einen ist, steht allerdings auf einem ganz anderen Blatt.

Es geht in erheblich stärkerem Maß um “Passung” als um “Eignung”. Insofern ist die virtuelle Studienorientierung in Göttingen erheblich dichter etwa an den “Online Studienwahl Assistenten” der Uni Freiburg als an den reinweg eignungsdiagnostisch konstruierten SelfAssessments der RWTH Aachen.

„Das Self-Assessment soll den Studierenden die Wahl des für sie passenden Studiengangs erleichtern und auf der anderen Seite helfen, die Abbrecherquoten zu reduzieren“, sagt deshalb Christina Höhmann, die das Portal in der Stabsstelle Lehrentwicklung und Lehrqualität der Uni Göttingen betreut.

Insgesamt dauert es ca. 60 bis 75 Minuten, die virtuellen Studienorientierungsmodule der Uni Göttingen zu durchlaufen. Eine i.S. der eigenen Ausbildungs- und damit Lebensplanung allemal sehr sinnvoll investierte Zeit.

Frau Höhmann wird im Rahmen des CYQUEST Praxisseminars am 22. November einen ersten Erfahrungsbericht über den Einsatz der Online-Studienorientierung in Göttingen liefern. Interessierte Hochschulen sind hierzu herzlich eingeladen!

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