Was hat Crowdsourcing mit Employer Branding und Recruiting zu tun?

Hmm, ungefähr so viel wie CYQUEST mit Kaffeeautomaten…

Zunächst mal: Was ist Crowdsourcing? Nach einer Definition von Martin, Lessmann und Voß von der Uni Hamburg ist Crowdsourcing …

“eine interaktive Form der Leistungserbringung, die kollaborativ oder wettbewerbsorientiert organisiert ist und eine große Anzahl extrinisch oder intrinisch motivierter Akteure unterschiedlichen Wissensstands unter Verwendung moderner IuK-Systerme auf Basis des Web 2.0 einbezieht. Leistungsobjekt sind Produkte oder Dienstleistungen unterschiedlichen Innovationsgrades, welche durch das Netzwerk der Partizipierenden reaktiv aufgrund externer Anstöße oder proaktiv durch selbsttätiges Identifizieren von Bedarfslücken bzw. Opportunitäten entwickelt werden.”

Okay. Das klingt doch arg theoretisch. Im Grunde ist es nämlich eigentlich ganz leicht: Crowdsourcing heißt, dass man Andere / Externe sich den Kopf über die eigenen Probleme zerbrechen lässt, im Grunde egal ob nun im Web (2.0) oder offline. In diesem Zusammenhang wird auch oft von Schwarmintelligenz gesprochen; wer es genau wissen will, dem sei der Crowdsourcing Blog von Claudia Pelzer sehr ans Herz gelegt.

Doch zurück zum Thema – Crowdsourcing und Employer Branding / Recruiting… Dazu zwei Beispiele:

Die Media-Saturn Holding betreibt mit der HS Ingolstadt den dualen Studiengang International Retail Management. Dieser richtet sich an ausländische Studierende, die zum Studieren nach Deutschland kommen sollen, um im Anschluss möglichst für Media-Saturn internationale Führungsaufgaben zu übernehmen. So weit, so gut. Das Problem: Wie macht man dieses Studienangebot bei der Zielgruppe bekannt? Wohlgemerkt: Diese sitzt im Ausland, wo das Konzept des dualen Studiums doch eher unbekannt ist.

Ein Ansatz: Crowdsourcing. Warum nicht genau über diese Frage sich die Zielgruppe selber den Kopf zerbrechen lassen? Aus diesem Grund haben wir gemeinsam mit Media-Saturn im Herbst 2009 den ersten “Media-Saturn Creative Contest” ins Leben gerufen. Die Aufgabenstellung: How would YOU promote our International Retail Management Study Program? Wer es genau wissen will, klicke hier oder werfe einen Blick in folgendes Erklärungsvideo.

Die Beiträge hatten keinerlei inhaltliche Vorgabe und konnten in jeder Form eingereicht werden. Einzige Voraussetzung: Die Ergebnisse sollten in elektronischer Form erstellt sein. Ansonsten waren der Kreativität keine Grenzen gesetzt. Insgesamt verzeichnete die Wettbewerbsseite im Teilnahmezeitraum knapp 2000 Besuche und es registrierten sich über 50 Teams. Sieger wurde ein toller Videobeitrag des Sha Tin College aus Hong Kong. Für die Vergabe der rund 30 Studienplätze, ist dieses hohe Interesse als sehr erfreulich zu werten.

Okay. In erster Linie ging es hierbei darum, mittels des Ideenwettbewerbs Aufmerksamkeit innerhalb der Zielgruppe zu erregen und dafür zu sorgen, dass das Konzept bekannter wird. Erst in zweiter Instanz wurde tatsächlich nach einer zündenden Idee für die Kommunikation gesucht. Aber: Die Beiträge (siehe hier) haben letztlich doch die Inspiration für das Thema des zweiten Creative Contests geliefert, der Ende 2010 unter dem Motto “World Cup of Ideas” startete und bei dem es darum geht, humorvoll kulturelle Unterschiede zwischen dem eigenen Heimatland und Deutschland aufzuzeigen.

Ein anderes Beispiel: Die Tchibo Kaffeesäule ONE TO GO!. Aha, also doch Kaffeeautomaten… Tchibo hat Ende 2007 den sog. “Tchibo Think Tank” durchgeführt. Zu diesem dreitägigen Ideenwettbewerb wurden Studierende (vornehmlich der Wirtschaftswissenschaften und des Wirtschaftsingenieurwesens) eingeladen, um sich intensiv Gedanken über mögliche neue Geschäftsfelder, Vertriebswege, Produktsegmente, Gebrauchsartikel Produktphasen, Dienstleistungen oder Nachhaltigkeitsprojekte für Tchibo zu machen. Voraussetzung: Eine ungewöhnliche Idee mit Potenzial für einen geschäftlichen Erfolg und ein Konzept, wie die Idee in die Praxis umgesetzt werden kann. Gewinnerkonzept des TT 2007 wurde die Kaffeesäule “ONE TO GO!”, ein Kaffeeautomaten, der hochqualitative Kaffeeprodukte mit einem für Automaten bis dato nicht gekannten Infotainment Einkaufserlebnis verbindet. Ersonnen wurde dieses Konzept von zwei Architekturstudis.

Das Besondere: Das Konzept wurde nicht nur prämiert, sondern auch umgesetzt. Eine der beiden Preisträger wurde von Tchibo engagiert, die Idee der Kaffeesäule bis zu einem Prototypen weiterzuentwickeln. Inzwischen ist ONE TO GO! aus dem Prototypenstatus hinaus und wird demnächst in freier Wildbahn zu sehen sein.

Was sagt uns das zur Ausgangsfragestellung? Ja, der Think Tank war sicherlich zu einem gehörigen Maß eine Veranstaltung, die dem Employer Branding und etwas nachgelagert auch dem Recruiting von Tchibo diente. Aber die Botschaft – nämlich dass Tchibo ein innovatives Unternehmen ist, ich sag nur “Jede Woche eine neue Welt…” – wurde inhaltlich in ein Workshop-Format verpackt, bei dem die Zielgruppe (die für Kaffee UND die für den Konzern-Führungsnachwuchs) gleichzeitig eine neue Produktidee entwickelte.

Das hat Crowdsourcing mit Employer Branding und Recruiting zu tun…

1 Gedanke zu „Was hat Crowdsourcing mit Employer Branding und Recruiting zu tun?

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