Royal Air Force setzt mit webbasiertem SelfAssessment gestalterisch und technisch Zeichen

SelfAssessment Aeromedical EvacuationAuf ihrer Karrierewebsite stellt die Royal Air Force (RAF) ein wirklich zeichensetzendes SelfAssessment für Interessenten an einer militärischen Karriere zur Verfügung. Wenn auch für mein persönliches Empfinden inhaltlich eher befremdlich, so steht dennoch außer Frage, dass es sich hierbei um ein Vorzeigebeispiel im Bereich Serious Gaming und Realistic Job Previews handelt.

Konzeptionelle, gestalterische und technische Umsetzung sind vorbildlich gelungen, was insbesondere die Gegenbeispiele (gedacht sei in diesem Zusammenhang etwa an das hinsichtlich seiner Viralität im negativen Sinne äußerst erfolgreiche „Personalmarketing“-Video des österreichischen Bundesheers) unterstreichen.

Der Selbsttest umfasst insgesamt sieben verschiedene Szenarios, in denen der Teilnehmer jeweils in unterschiedliche Rollen bzw. Berufsbilder der RAF schlüpft:

Test eins versetzt den User in die Lage eines Schützen des RAF Regiments. Das Introvideo liefert reale Bilder, die die meisten wohl nur aus den Nachrichten kennen: Einsatzort im Nahen Osten, bewaffnete Soldaten mit Tarnkappe, militärische Fahrzeuge und zwischendrin zivile Kinder. Aufgabe des Users im Test selbst ist es, als Teil eines Geschwaders zur Verteidigung eines Luftwaffenstützpunktes in Afghanistan Entscheidungen über die Frage des Angriffs und der Verwendung unterschiedlicher Waffentypen zu treffen. Eine Nachtkamera liefert real empfundene Eindrücke zum Feindgebiet. Die Frage des Waffeneinsatzes wird über die Darstellung entsprechender Fotos und Detailbeschreibungen präzisiert.

SelfAssessment Regiment Gunner

Test zwei skizziert den Job eines Aerospace Battle Managers, dessen Aufgabe es u.a. ist, den Abschuss eines Flugzeugs zu koordinieren. Unterlegt ist dieser Test durch eine Audiospur, die die korrekte Auswahl des Users als real wirkenden Funkspruch wiedergibt. Zielsetzung dieses Tests ist es, eine richtige Auswahlentscheidung unter großem Zeitdruck zu treffen und damit das eigene Auffassungsvermögen und die Fähigkeit „schnellen Denkens“ unter Beweis zu stellen.

Der Selbsttest „Battlefield Intelligence“ fragt nach den analytischen Fähigkeiten des Teilnehmers, wenn dieser aufgefordert ist, Landkarten, Luftaufnahmen und Informationen unter Berücksichtigung der Glaubwürdigkeit der Informanten auszuwerten, um daraus die entsprechende Schlussfolgerung und Entscheidung herzuleiten. Letztere wird anschließend als Film dargestellt und zeigt ein Flugzeug, das eine Bombe abwirft.

Die weiteren Tests geben u.a. Einblicke in die Arbeit eines Air Traffic Control Officers, eines Air Cartographers oder eines Medical Officers in einem Evakuierungsteam in Sierra Leone. Die Teilnehmer erhalten intensive Einblicke in die jeweiligen Aufgabenbereiche, erfahren Details zur verschiedenen Flugzeugtypen, müssen Karten und Radar Screens interpretieren und moralische Konflikte lösen, wenn es etwa darum geht, aus fünf zurückbleibenden Personen, die allesamt hilfebedürftig sind, eine Evakuierungsentscheidung zu treffen.

SelfAssessment Air CartographerAlle Tests sind sehr aufwändig und individuell gestaltet, wenn auch allen ein einheitliches Grunddesign zugrunde liegt. Auch die technische Umsetzung ist anspruchsvoll. Alle Tests zeichnen sich durch eine hohe Interaktivität aus und bieten damit bewerberseitig ein hohes Involvement. Die Tests sind kurzweilig, ausgesprochen multimedial angelegt und vermitteln in der der Kriegsführung bzw. des Militärs eigentümlichen Art „Atmosphäre“. Die hinterlegten Audios – von Rotorblatt- und Motorgeräuschen eines Helikopters bis hin zum „Mosquitogebrumm“ in der Wüste Afghanistans – wechseln sich mit realen Videos ab.

Jedem Test ist ein individuelles Feedback nachgeschaltet, das dem User Rückmeldung zu seiner Performance im Test gibt. Darüber hinaus enthält das gesamte Testkonstrukt intensive interne Verlinkungen innerhalb der Karrierewebsite der RAF, z.B. zu weiterführenden Informationen zu den einzelnen Voraussetzungen der entsprechenden Berufsbilder oder zu ergänzenden Videos wie z.B. Videotagebücher von  Rekruten, die Einblicke in die Grundausbildung eines Schützen geben oder eine Mission in Afghanistan dokumentieren. Auch sind die Tests an verschiedene Social Media wie Twitter, Facebook etc. angebunden und erhöhen so die Verbreitung.

Bei allem Lob hinsichtlich der gestalterisch-technischen Umsetzung bin ich mir jedoch im Bezug auf die Zielgruppenerreichung unsicher. Um nicht zu sagen: Es steht die Gefahr, dass dieser Auftritt ggf. genau die Falschen anzieht. Dies hängt wohl nicht zuletzt damit zusammen, dass ich von eben dieser nur eine sehr vage Vorstellung habe.

Machen Sie sich am besten selbst ein Bild: Hier geht’s zum SelfAssessment der Royal Air Force. Übrigens: Das eher auf Fähigkeiten abzielende SelfAssessment der Swedish Armed Forces ist hier besprochen.

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