Passung zur Unternehmenskultur messbar gemacht – das Beispiel Lechwerke

Cultural Fit ist unumstritten ein Riesenthema, nicht erst seit diesem Jahr. Wenn es darum geht, zu beurteilen, ob jemand zur Kultur eines Unternehmens oder einer Abteilung passt, kommt man jedoch nicht darum herum, erst einmal zu beschreiben, wie die jeweilige Unternehmenskultur aussieht.

Dabei ist Kultur nach wie vor ein sehr schwer greifbares Thema, gleichzeitig aber fest in der DNA eines Unternehmens verankert. Sie ist im Prinzip so etwas wie die Persönlichkeit eines Unternehmens. Und so wie es inzwischen gute Modelle zur Messung der Persönlichkeit eines Menschen gibt, sollte es eigentlich auch möglich sein, die Persönlichkeit eines Unternehmens zu erfassen.

Dies war unsere Motivation als wir 2014 damit starteten, einen Test zur Messung von Unternehmenskultur zu entwickeln. Unser Ziel war es dabei, ein Verfahren zu entwickeln, das in der Lage ist, unternehmenskulturelle Wesensmerkmale zu quantifizieren, dabei wissenschaftlichen Kriterien genügt und gleichzeitig Spaß macht.

01_LEW_Phasen_KuMa

Seit Ende letzten Jahres liegt nun eine Version des Kulturmatchers vor, die – sagen wir mal so – den universitären Forschungsrahmen verlassen hat und nun in verschiedenen Pilotprojekten praktisch erprobt wird.

Wie gesagt: Ein Ziel bei der Testentwicklung war es, ein Instrument zu schaffen, das nicht nur den inhaltlichen Anforderungen genügt, sondern auch kurzweilig, unterhaltsam und perspektivisch natürlich auch mobiltauglich ist. Dem Kulturmatcher liegt daher ein neuartiges Messkonzept zugrunde: Jedes Item besteht aus zwei KURZEN Textstimuli, die jeweils durch ein Bild ergänzt werden. Text und Bild werden so zu etwas Situativem und dadurch auch in gewisser Weise emotionalisiert. So wird neben dem Kopf auch der Bauch angesprochen, was uns in diesem Kontext besonders wichtig war.

Auch eignet sich dieses Itemformat sehr gut zur Darstellung auf mobilen Endgeräten, weil es – entgegen der oftmals bei Psychologen vorherrschenden Angewohnheit – mit sehr wenig Text auskommt.

02_LEW_Item

Erstmals vorgestellt haben wir eine Beta-Version des Tools im letzten Jahr auf der HR-Edge. Angespornt durch das sehr positive Feedback haben wir uns in die ersten Pilotprojekte gestürzt.

Nun ist es soweit und der Kulturmatcher kann sich zum ersten Mal im echten Einsatz beweisen – und zwar beim Energieversorger LEW aus Augsburg, einem Tochterunternehmen des RWE Konzerns.

Das Tool wurde dazu auf einer Microsite optisch in ein LEW Setting getaucht und im ersten Schritt dazu genutzt, mit einer kleinen Stichprobe von LEW-Mitarbeitern aus verschiedenen Bereichen, eine Messung vorzunehmen. Die Zielsetzungen hierbei waren erstens zu überprüfen, ob es so etwas wie eine einheitliche Unternehmenskultur im Unternehmen bzw. innerhalb der verschiedenen beteiligten Abteilungen und Unternehmensbereiche gibt und zweitens – wenn ja – wie ein solches etwaiges Soll-Profil aussieht. Hierdurch werden auch schon zwei mögliche Einsatzszenarien des Kulturmatchers erkennbar:

  • Die Verortung und klare Profilierung der vorhandenen Kultur des Unternehmens sowie
  • die Schaffung einer Art „Schablone“, auf die dann Matching-Prozesse laufen können.

Insbesondere letztgenanntes Szenario stand gedanklich bei der Testentwicklung Pate (daher auch der Name Kulturmatcher). Denn: Wenn auf der einen Seite vom Unternehmen(sbereich) ein klares unternehmenskulturelles Profil vorliegt und auf der anderen Seite auch ein etwaiger Bewerber ein mit dem gleichen Instrument erfasstes „Wunschprofil hinsichtlich der Unternehmenskultur des Arbeitgebers“ dagegenhält, kann der Grad der Übereinstimmung – der „CulturalFit“ – quantifiziert und sichtbar gemacht werden.

Bei der Befragung der 63 Mitarbeiter (33 weiblich, 28 männlich, 2 ohne Angabe des Geschlechts) ergab sich folgendes Bild:

03_LEW_Profil

Es zeigte sich ein erstaunlich homogenes Bild, sowohl innerhalb der verschiedenen betrachteten Unternehmensbereiche als auch zwischen den Unternehmensbereichen. Das kann man durchaus so werten, dass es tatsächlich ein distinktes kulturelles Profil der Lechwerke abbildet. Und die für die Lechwerke gefundenen Werte zeigten dabei durchaus Profilabweichungen zu den Profilen anderer Unternehmen, bei denen gegenwärtig ebenfalls Pilotmessungen laufen. Das kann als deutlicher Hinweis darauf gewertet werden, dass der Kulturmatcher tatsächlich Unternehmenskultur abbildet und nicht etwa allgemeingültige – quasi über alle Unternehmen im deutschen Kulturraum gleich gültige – kollektive Werte.

Jetzt geht das Unternehmen damit nach Außen:

Interessierte Nutzer können den Test auf der Karriere-Website der Lechwerke durchlaufen und dabei 1. etwas darüber herausfinden, in was für einer Unternehmenskultur sie sich wohlfühlen würden und 2. über den automatisierten Abgleich ihres Profils mit dem der LEW erfahren, wie ihre Passung ausgeprägt ist.

Zur Berechnung der Passung wird dabei ein Distanzmaß verwendet, mit dem berechnet wird, wie groß der Abstand der einzelnen Dimensionsausprägungen eines Nutzers zu den LEW-Ausprägungen ist. Diese Werte werden konsolidiert und in eine prozentuale Angabe überführt.

04_LEW_Distanzberechnung

Als Interpretationshilfe wird dabei ein dreifach gestuftes Feedback ausgegeben. Je besser die Passung, desto eher sollte sich der Kandidat natürlich bewerben und dies wird über das Feedback angeregt.

05_LEW_Passungsscore

Wer nun einmal selbst schauen möchte, wie das Profil der eigenen unternehmenskulturellen Wunschvorstellungen aussieht und wie gut er oder sie zu den Lechwerken passt, kann den Test einfach auf der Karriereseite ausprobieren. In ein paar Wochen können wir euch dann an dieser Stelle bestimmt schon die ersten Ergebnisse aus der Praxis berichten. Und wer es nicht abwarten kann: Stefan Reiser (@ReiserStefan) von LEW twittert bestimmt vorher schon das eine oder andere :-)

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Lisa Adler

Senior-Projektmanagerin bei CYQUEST GmbH
Ich bin Senior-Projektmanagerin bei der CYQUEST GmbH und als solche leite ich unterschiedlichste Projekte mit Recrutainment-Bezug - E-Assessments, SelfAssessments, Berufs- und Studienorientierungsanwendungen – über die ich immer wieder gerne in diesem Blog schreibe. Mein persönliches Lieblingsthema stellen Online-SelfAssessments (kurz OSAs) im Hochschulkontext dar und wie diese die Studienwahlsicherheit positiv beeinflussen können.

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