10 Fragen und 10 Antworten zum Thema Skills-based Hiring

Vergangenes Jahr haben wir hier das nach wie vor sehr lesenswerte Whitepaper vom Queb zum Thema Skills-based Hiring vorgestellt. Und dass das Thema nach wie vor und trotz eines alles andere als rosigen Arbeitsmarkts sehr die Gemüter bewegt, zeigt unter anderem die Tatsache, dass die zweite Staffel des OM(H)R Podcasts – gehostet von Rebecca Feucht und Feli von Kyaw – kürzlich mit genau diesem Thema eröffnete.

Ich hatte hierbei die Ehre, ein paar Statements zu diesem Podcast beisteuern zu dürfen.

Aber das Thema ist natürlich viel zu vielschichtig, als dass man es in in 30 Minuten Podcast abschließend behandeln könnte. Darum habe ich euch hier einmal 10 sehr kompakte Videos bereitgestellt, die etwas ausführlicher auf verschiedene Aspekte rund um das Thema Skills-based Hiring eingehen.

10 Fragen – 10 Antworten zum Thema Skills-based Hiring

🎥 Video 1: Was sind eigentlich überhaupt Skills?

In der Diskussion um Skills-based Hiring werden Begriffe wie Kompetenz, Fähigkeit, Fertigkeit, Wissen und Potenzial oft vermischt.

Das Problem: Wenn alles ein Skill ist, dann ist am Ende auch alles „skillbasiert“ – und der Begriff verliert seine Aussagekraft.

In diesem kurzen Video wird erläutert, warum eine präzise Definition entscheidend ist und wie wir Skills als entwickelte, direkt einsetzbare beruflich relevante Wissens- und Fertigkeitsinhalte verstehen.

Denn nur wenn klar ist, was ein Skill ist, können wir sinnvoll darüber sprechen, wie Skills die Personalauswahl verbessern können.

🎥 Video 2: Was ist Skills-based Hiring und wie hängt es mit Eignungsdiagnostik zusammen?

Skills-based Hiring ist nicht die Frage: „Was kannst du?“ Es ist die Frage: „Was kannst du lernen?“

Wer in Zeiten dynamischer Rollenprofile ausschließlich auf vorhandene Fähigkeiten schaut, sucht häufig nach der Vergangenheit. Erfolgreiche Personalauswahl muss jedoch auch die Zukunft im Blick haben.

Deshalb ist Potenzial – also Lernfähigkeit und Lernmotivation – ein wesentlicher Bestandteil von Skills-based Hiring. Und genau hier liefert die Eignungsdiagnostik wissenschaftlich fundierte Methoden, um Potenziale sichtbar und für Auswahlentscheidungen nutzbar zu machen.

🎥 Video 3: Was sind die Voraussetzungen für Skills-based Hiring, wie werden Skills sichtbar gemacht?

Skills-based Hiring funktioniert nur, wenn Skills sichtbar werden können.

Der Grundgedanke von Skills-based Hiring klingt einfach: Nicht auf Abschlüsse, Titel oder Lebenslauf-Proxys schauen, sondern auf das, was für den Erfolg in einer Rolle wirklich relevant ist.

Die Herausforderung beginnt allerdings bei der Umsetzung.
Bevor Skills bewertet werden können, müssen Unternehmen zunächst beantworten:

👉 Welche Anforderungen sind für diese Stelle tatsächlich erfolgskritisch?
👉 Welche Fähigkeiten und welches Wissen werden wirklich benötigt?
👉 Welche Potenziale sind entscheidend, um zukünftige Anforderungen zu erfüllen?

Erst auf dieser Grundlage lassen sich geeignete Auswahlverfahren entwickeln – von strukturierten Interviews über Arbeitsproben bis hin zu diagnostischen Verfahren zur Potenzialbeurteilung.

Gleichzeitig bedeutet Skills-based Hiring auch, Bewerbenden die Möglichkeit zu geben, ihre Fähigkeiten tatsächlich zu zeigen. Wer ausschließlich nach formalen Merkmalen filtert, läuft Gefahr, geeignete Kandidatinnen und Kandidaten frühzeitig auszuschließen.

Deshalb lautet die zentrale Frage nicht nur: „Hat die Person den passenden Lebenslauf?“, sondern vor allem: „Wie schaffen wir die Gelegenheit, relevante Fähigkeiten und Potenziale sichtbar zu machen?“

🎥 Video 4: Wie hängen Skills-based Hiring und der Zertifikate-Boom zusammen?

Mehr Zertifikate = bessere Auswahlentscheidungen?

Früher waren es Abschlüsse und Zeugnisse. Heute sind es Badges, Micro-Credentials und digitale Zertifikate.

Alle verfolgen dasselbe Ziel: Sie sollen sichtbar machen, was Menschen können.

Doch aus Sicht des Skills-based Hiring ist die entscheidende Frage nicht, welches Zertifikat jemand besitzt, sondern welche Fähigkeiten tatsächlich vorhanden sind und erfolgreich eingesetzt werden können.

Zertifikate liefern wichtige Hinweise. Die eigentliche Eignung zeigen jedoch erst konkrete Nachweise beruflicher Handlungskompetenz und Potenziale.

🎥 Video 5: Wie verändert Skills-based Hiring Bewerbungsprozess und Kommunikation?

Skills-based Hiring verändert nicht nur die Auswahl. Es verändert auch die Kommunikation.

Wenn Unternehmen stärker auf Skills statt auf Lebensläufe, Abschlüsse oder Berufsbezeichnungen schauen, dann muss sich zwangsläufig auch die Art verändern, wie Stellen beschrieben und Kandidatinnen und Kandidaten angesprochen werden.

Der erste Schritt ist dabei eine saubere Anforderungsanalyse:

👉 Welche Skills sind wirklich erfolgskritisch?
👉 In welcher Ausprägung werden sie benötigt?
👉 Welche Potenziale sind für die zukünftige Entwicklung relevant?

Je präziser diese Fragen beantwortet werden, desto transparenter können Unternehmen kommunizieren, wonach sie tatsächlich suchen.

Langfristig könnte das sogar bedeuten, dass Jobtitel an Bedeutung verlieren und stattdessen die erforderlichen Skill-Bündel in den Mittelpunkt rücken. Für interne Mobilität ebenso wie für die externe Personalgewinnung wäre das ein grundlegender Perspektivwechsel.

Gleichzeitig verändert sich auch die Darstellung auf Bewerbendenseite. Statt primär über Abschlüsse, Positionen oder Schlagworte zu kommunizieren, wird es wichtiger, konkrete Fähigkeiten, Erfahrungen und Entwicklungspotenziale sichtbar zu machen.

Besonders spannend wird dieser Ansatz im Zusammenspiel mit KI-gestütztem Matching: Dort werden bereits heute zunehmend Inhalte, Skills und Kompetenzen miteinander abgeglichen und nicht nur Berufsbezeichnungen.

🎥 Video 6: Wird Skills-based Hiring eigentlich schon praktiziert?

Der Lebenslauf verliert nicht seine Bedeutung. Er verliert sein Monopol.

Lange Zeit waren Abschlüsse, Zertifikate und Berufsbezeichnungen die wichtigsten Signale im Recruiting. Doch je schneller sich Berufe verändern, desto schwieriger wird es, aus der Vergangenheit auf zukünftigen Erfolg zu schließen.

Deshalb verschiebt sich der Fokus vieler Unternehmen:

  • Von Qualifikationen ➡️ zu Fähigkeiten.
  • Von Abschlüssen ➡️ zu Kompetenzen.
  • Von bisherigen Tätigkeiten ➡️ zu Potenzialen.

Das bedeutet nicht, dass Zertifikate oder formale Nachweise verschwinden. Es bedeutet vielmehr, dass sie zunehmend durch die Frage ergänzt werden:

Was kann die Person tatsächlich leisten und entwickeln?

🎥 Video 7: Praxistipps für den Einstieg ins Skills-based Hiring?

Der beste Einstieg in Skills-based Hiring ist kein neues Tool.

Es ist die ehrliche Antwort auf eine einfache Frage:

Wonach suchen wir eigentlich?

Solange Anforderungen unklar bleiben, helfen auch die besten Recruiting-Methoden nur begrenzt. Deshalb steht am Anfang jedes erfolgreichen Skills-based-Hiring-Ansatzes eine fundierte Anforderungsanalyse.

Und anschließend? Nicht die gesamte Organisation umkrempeln.

Startet mit einem Pilotprojekt, sammelt Erfahrungen und schafft konkrete Erfolgsbeispiele. Veränderungen werden deutlich leichter akzeptiert, wenn sie in der Praxis nachweisbar funktionieren.

🎥 Video 8: Kann Skills-based Hiring die Personalgewinnung inklusiver machen?

Je klarer die Anforderungen, desto fairer die Auswahl.

Viele Diskussionen über Diversität, Inklusion und Fairness im Recruiting drehen sich um Prozesse, Methoden und Richtlinien.

Oft beginnt die entscheidende Frage jedoch deutlich früher:
Wissen wir eigentlich genau, wonach wir suchen?

Skills-based Hiring fordert Unternehmen heraus, erfolgskritische Anforderungen transparent und nachvollziehbar zu definieren. Dadurch werden Auswahlentscheidungen stärker an relevanten Fähigkeiten und Potenzialen ausgerichtet und weniger an Annahmen, Gewohnheiten oder formalen Merkmalen.

Das allein beseitigt keine Benachteiligung. Es schafft aber die Voraussetzungen für transparentere, nachvollziehbarere und fairere Entscheidungen.

🎥 Video 9: Wie hängen Entgelttransparenz und Skills-based Hiring zusammen?

Sollten zwei Menschen gleich bezahlt werden, nur weil sie denselben Jobtitel tragen?

Diese Frage gewinnt durch Skills-based Hiring und die Entgelttransparenzrichtlinie zusätzlich an Bedeutung.

Viele Vergütungssysteme orientieren sich bis heute stark an Berufsbezeichnungen, Abschlüssen und Karrierewegen. Gleichzeitig wird immer deutlicher, dass Menschen mit identischem Jobtitel sehr unterschiedliche Fähigkeiten, Potenziale und Wertbeiträge mitbringen können.

Genau hier eröffnet Skills-based Hiring einen neuen Blickwinkel:
Nicht nur die Rolle zählt. Entscheidend ist auch, welche relevanten Skills tatsächlich vorhanden sind und welchen Beitrag sie zur Wertschöpfung leisten.

Das macht bestehende Strukturen nicht sofort überflüssig. Es könnte aber helfen, Vergütungsentscheidungen künftig differenzierter, transparenter und nachvollziehbarer zu gestalten.

🎥 Video 10: Mismatch – warum gibt es gleichzeitig Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit?

Warum gibt es gleichzeitig Fachkräftemangel und Arbeitslosigkeit?

Vielleicht, weil wir noch zu oft nach Berufen suchen, statt nach Fähigkeiten.
Viele Unternehmen finden keine passenden Kandidaten. Gleichzeitig suchen viele qualifizierte Menschen nach neuen Perspektiven. Das Problem ist häufig nicht ein Mangel an Talent, sondern ein Mangel an Passung.

Skills-based Hiring setzt genau dort an:

Statt auf Jobtitel und Abschlüsse allein zu schauen, werden Fähigkeiten, Erfahrungen und Potenziale in den Mittelpunkt gestellt. Dadurch entstehen neue Möglichkeiten für Unternehmen, offene Stellen zu besetzen und für Bewerbende, ihre Kompetenzen auch außerhalb klassischer Karrierepfade einzusetzen.

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