Es gibt Themen, die interessieren einen fachlich. Und dann gibt es Themen, die gehen einem darüber hinaus auch irgendwie persönlich „nahe“. Kürzlich unterhielt ich mich mit Florian Wurzer und da ging es um ein Thema aus dieser Kategorie.
Florian und ich kennen uns schon sehr lange, weil sich unsere Wege über die letzten zwei Jahrzehnte immer wieder in der „Talent Acquisition-Bubble“ kreuzten. Was Flo aber daneben zu einem sehr spannenden Gesprächspartner macht, ist sein Blick über diesen Tellerand hinaus. Was das wahrscheinlich am stärksten zum Ausdruck bringt, ist sein intensives Engagement im Charity-Bereich: Seit 2008 hat er mit einigen Mitstreitern mit ihrem 2008 gegründeten Charity Meets Challenge e.V. etliche Aktionen und Events ins Leben gerufen, wie etwa den Münchner Geschenkeregen oder die Munich Charity Company Championship.
Und ein Thema, das uns beide zunehmend umtreibt, ist die Frage, wo dieses Land eigentlich momentan hinsteuert, wie man ggf. „umsteuern“ kann und sollte, was das alles mit uns als Menschen macht und welche – möglichst konstruktive – Rolle HR bei dieser Veränderung spielen kann.
Vor diesem Hintergrund veranstaltet Flo mit seinen Mitstreiter:innen Sophia Stelzl und Peter von Walter am 15.10. in der Allianz Arena in München WORK – The Conference. Dort kommen Menschen zusammen, die „trotz wachsender Unsicherheit und Transformation als Dauerzustand an Zukunft glauben und die Arbeit neu denken wollen — mutig, wirtschaftlich und menschlich zugleich. Ein Blick auf Themenfelder und Speaker der Veranstaltung verheißt schonmal viele spannende Diskussionen…
Die Leitfrage:
Wie gestalten wir Arbeit so, dass Unternehmen und Menschen auch morgen noch erfolgreich sein können?
Ich platziere hier schon einmal den Aufruf, sich für dieses Event anzumelden!
Um zu verstehen warum, habe ich Flo einmal um einen kurzen Gastbeitrag gebeten, der seine Gedanken zu dem Event und die dahinterstehende „Bewegung“ beschreibt.
Also: Lasst uns gemeinsam anpacken! Flo, deine Bühne…
>> Gastbeitrag von Florian Wurzer
Wir wollen – aber können nicht. Wie schafft man den Turnaround in einer scheinbar ausweglosen Situation! Vielleicht indem man eine neue Bewegung schafft!
Eigentlich wollte ich unsere erste www.work-conference.de und die Idee dahinter anders einleiten und beschreiben. Doch die aktuelle „bedeutsame“ gesellschaftlichen Diskussion über das Ausscheiden der deutschen Fußball-Nationalmannschaft und ein absolut treffender Post von Thomas Müller dazu haben mich inspiriert eine andere Perspektive einzunehmen.
Deutschland steht an einem Wendepunkt. Die Gründe sind vielfältig – Pandemie, Energiekrise, verpasste Produkttrends und vieles mehr. Es ist wichtig, auf die Ursachen zurückzublicken und immer von der Vergangenheit zu lernen. Doch müssen wir jetzt vor allem nach vorne blicken.
So wie die deutsche Nationalmannschaft früher zum Maß der Dinge im Weltfußball gehörte. Heute ist das nicht mehr so. Seit 2014 befinden wir uns eher im globalen Mittelfeld. Ob das früher wegen starker Einzelspieler, einer besseren Fußball-Schule, einer intensiveren Mannschaftsbindung, Stressresistenz, der Freude am Spiel oder dem Mut und der Verantwortungsübernahme in dem einen wichtigen Moment des Turniers anders war, das möchte ich nicht kommentieren. Nicht viele von uns 84 Millionen Nationaltrainer:innen sind dazu in der Lage.
Doch eine Parallele kann man zur deutschen Wirtschaft definitiv ziehen. Die massive Diskrepanz zwischen Realität und Wahrnehmung. Noch sind wir auf Platz 3 der größten Volkswirtschaften der Welt. Und unser Ruf „Made in Germany“ ist immer noch eine globale „Marke“ und Reputation, auf die wir mit Verlaub absolut stolz sein können. Weiterhin produzieren wir Güter und Dienstleistungen höchster Qualität und Güte. Nicht viele andere Länder schaffen das. Doch generell sieht unsere wirtschaftliche Realität nun anders aus wir sind nicht mehr der aktuelle Weltmeister. Das letzte Mal waren wir das 2014. Wie wir gekämpft haben im Maracana, 11 auf dem Feld, 84 Millionen zuhause und viele mehr, sogar die Brasilianer nach dem glorreichen 7:1 Sieg, da es gegen Argentinien ging. Das Bild, welches vielen von uns wahrscheinlich für den Rest des Lebens vor dem inneren Auge bleibt, ein blutender Bastian Schweinsteiger, der eben nicht das Feld verlässt, sondern kämpft bis zum sprichwörtlichen Umfallen.
Nun ist es so, dass unsere Wirtschaft und Gesellschaft analog bereits ausreichend Zeit hatte sich auf den Wettbewerb und das Erstarken der anderen Teams vorzubereiten. Wir hätten uns öfter treffen können, wir hätten an der Teamarbeit arbeiten können, wir hätten mehr mentales Training, mehr Physio, mehr an dem Punkt Leadership und Verantwortungsübernahme arbeiten können. Hätte, hätte, Fahrradkette! Der Konjunktiv war immer passend für die Zusammenfassung des Vergangenem und ist de facto kein guter Ratgeber für die Zukunft. Wir sollten ins Präsens wechseln, vom Passiv ins Aktiv und klar Futur I und Futur II als das Maß für all‘ unser Tun ab jetzt fixieren.
Die Geschichte des Personalwesens lässt sich spannend und erkenntnisreich zurückverfolgen. Theoretisch begonnen in den USA im 19. Jahrhundert und verfeinert über die letzten 100 Jahre. Eigentlich haben wir heute vor, mit allen unseren Themen und Produkten ein Unternehmen und alle Mitarbeiter:innen maximal gut zu unterstützen und den Erfolg des Unternehmens heute und morgen abzusichern. Wir haben trainiert, neue Methoden eingeführt, mentale und körperliche Lernsysteme, neue Skills mitgestaltet, Wege der Leistungsmessung, faire Entlohnung, die Arbeitsbedingungen optimiert und unsere Geschäftsführungen und Führungskräfte bei allen Themen rund um Menschen und die Unternehmenskultur maximal gut beraten.
Wir haben als Land unfassbar viel erreicht. Wir sind an die Weltspitze vorgeprescht. Unser Fußball war schnell, innovativ, effektiv, berechenbar und doch im Moment der Feuerprobe unschlagbar. Und so waren es unsere Unternehmen, Volkswirtschaft und Gesellschaft. Unsere Systeme, Prozesse, Organisationen, Löhne, körperliche und soziale Sicherheit, freie Bildung, Demokratie, Offenheit der Gesellschaft, Solidarität… – einfach nur Wow. Danke Deutschland, dass Du für so viele von uns einfach ein wunderbares Zuhause und lebenswerter Platz auf diesem Planeten geworden bist. Auch wenn wir schon immer die Adelige Loge und Weltmeister im Meckern waren. Der Nachbar, der hatte immer irgendwie was Cooleres und auch mehr davon.
Doch nun sind zu viele Menschen mit der Gesamtsituation unzufrieden, so wie das Ranger in dem Kultfilm „Der Schuh des Manitu“ von Michael „Bully“ Herbig seinem Freund Abahachi gegenüber äußert. Das prägt gerade unsere Gesellschaft, unsere Wirtschaft und blockiert auch massiv unseren Fortschritt und Aufbruchsstimmung.
Vor kurzem habe ich tolles Zitat vom Offenbacher Bürgermeister Dr. Felix Schwenke gelesen. Er sagte in einem Interview, dass wir den „Geist der Trümmerfrauen“ und einen neuen gesellschaftlichen Zusammenhalt bräuchten, um die gewaltigen Krisen und den Verfall der Infrastruktur gemeinsam bewältigen zu können.
Genau das ist es.
Wir brauchen Solidarität, Glauben, Hoffnung, Energie und das von allen in unserer Gesellschaft. Menschen in allen Berufen, im Bildungssystem, in den Unternehmen aller Branchen, in den Behörden, in der Medizin, in der Betreuung, in jeder Facette einer vielfältigen Gesellschaft. Eines wird nicht funktionieren – warten und meckern.
So wie die Unternehmen und unsere Wirtschaft, so ist auch HR in die Jahre gekommen. Wir wurden müde, behäbig, haben uns mit der Gesamtsituation abgefunden. Ja, vielleicht haben wir es uns sogar etwas in der Situation gemütlich gemacht. Wir wollten kein starker Sparringspartner für das C-Level sein, wir wollten die Führungskräfte rein administrativ und nicht strategisch und antizipierend beraten. Wir wollten oder mussten nicht kreativ oder innovativ sein. Denn die Menschen waren ja da, Deutschland war attraktiv, der Laden lief, die Führungskräfte waren zufrieden. Naja meistens. Und wenn mal nicht, dann konnten wir uns ja zurücklehnen und mit dem Finger auf andere in der Organisation zeigen mit einem richtigen Statement – HR sitzt nicht am Strategietisch und erst am Ende der Entscheidungskette würden wir viel zu spät erfahren, was zu erledigen ist.
Diese Zeit ist vorbei. HR muss eine andere Rolle einnehmen. Unsere Kernkompetenz ist es Menschen zu unterstützen, zu befähigen, zu entwickeln, fair zu bezahlen, zu beteiligen, zu involvieren, zuzuhören, zu informieren und zu solidarischer Höchstleistung anzuspornen (ja, auch Leistung sollten wir messen und bewerten, so dass sie in einem S-M-A-R-T-E-n Setup besser wird, nicht zu Lasten einer Burnout-Steigerung). Wir können das und wir lieben das. So hoffe ich es zumindest, dass viele von uns lieben, was sie jeden Tag tun – mit, von und für Menschen das Beste versuchen zu tun. Stets nach neuen und besseren Lösungen und Ansätzen suchen, welche die Herausforderungen der Organisation wirtschaftlich und parallel auch die der Mitarbeiter:innen unterstützen.
Unsere WORK – The Conference versteht sich nicht – wir haben selbst nur so viel Ahnung von Fußball und dem Scheitern wie 84 Millionen andere Amateur-Nationaltrainer:innen – als das neue Superformat zur Lösung aller Probleme. Wir haben aber eine klare Vision und Intention für uns gestaltet: Wir wollen HR dahin bringen, wo es hingehört. Wir konnten es uns lange leisten, Unternehmen nicht effizient zu gestalten. Für die Turnierqualifikation und einen Konzerngewinn hat es gerade immer noch gereicht. Die Zeiten haben sich geändert und ohne People & Culture von Anfang bis Ende durchzudenken, bei jedem neuen geplanten Produkt oder Service, bei jedem Sales & Customer Approach Change, bei jeder Akquisition oder Verkauf, bei jeder Vergrößerung oder Verkleinerung. Wir stellen uns unserer Verantwortung, wir haben den Mut, wir haben die Kompetenzen und vor allem haben wir den positiven Spirit, dass wir das Team aufbauen werden – das Deutschland-Team (dieses Mal das ganz große, nicht nur das in einer Sportart von vielen) – das in Zukunft wieder Weltmeister werden wird!
Seid dabei – bei der ersten WORK – The Conference – am 15.10.26 in der Allianz Arena München und gestaltet mit uns eine neue Bewegung, nicht nur eine einmalige Veranstaltung.

