Weihnachtszeit = Brettspielzeit: „Ich geh´ meinen Weg“- das Spiel für Jugendliche zur Berufsorientierung

In der Weihnachtszeit werden sie wieder rausgekramt – die guten, alten Brettspiele! Die Kerzen am Tannenbaum werden angezündet und die ganze Familie versammelt sich um den Esszimmertisch, um gemeinsam zu spielen. Um die Weihnachtsatmosphäre schon einmal einzuleuten, haben wir letzte Woche auch im Büro ein Brettspiel ausgepackt – aber natürlich nicht irgendeins, sondern ein Brettspiel passend zum Thema: „Berufsorientierung“.

Über den Google Alert sind wir auf das Spiel „Ich geh´ meinen Weg!“ (herausgegeben vom Regionalen Übergangsmanagement des Landkreises Vorpommern-Rügen) aufmerksam geworden. Neugierig, wie ein solches Brettspiel wohl aussieht, haben wir die Projektleiterin Antje Post  angeschrieben, ob Sie uns ein Exemplar zusenden würde. Und siehe da, letzte Woche war dies zur großen Freude der Belegschaft schon in der Post bzw. wurde vom netten DHL-Boten gebracht :-)

Also in vorweihnachtlicher Stimmung – zugegebenermaßen ohne Tannenbaum –  ging es dann ans Berufspunkte sammeln! Denn die braucht man, um sich auf dem hart erwürfelten Weg zum idealen Arbeitsplatz zu behaupten, sich nicht vom Mainstream mitreißen zu lassen und seinen ganz eigenen, individuellen Berufsfindungskurs zu gehen. Eben ganz nach dem beharrlichen Motto „Ich geh´ MEINEN Weg“.

Spielsituation

Angelehnt an das allerorts bekannte Brettspiel „Mensch Ärgere Dich nicht“ dürfen bei dem Berufsorientierungsspiel „Ich geh´ meinen Weg“ bis zu 6 Personen um die Wette oder besser gesagt um die Berufspunkte würfeln, indem sie ihre Figur um die gewürfelte Zahl auf dem Spielbrett vorrücken und Ereignisfelder durchlaufen.

Dabei ist neu: Nicht der Spieler mit der höchstmöglichen Zahl beginnt, sondern der mit der niedrigsten, denn im späteren Berufsleben hat auch der mit den besten Noten einen Vorsprung.

Brettspiel

Das Spiel umfasst viele Informationen über Berufs- und Ausbildungsformen und ermutigt die Schülerinnen und Schüler auch über Umwege durch ein freiwilliges Praktikum oder einen Auslandsaufenthalt nachzudenken, denn diese versprechen im Spiel mehr Berufspunkte, und im echten Leben mehr Erfahrungen.

Berufspunkte erhält man auch, indem man das eigene Wissen rund um das Thema Berufswelt unter Beweis stellt. So sollten wir unter anderem erläutern, was ein freiwilliges soziales Jahr, ein Duales Studium oder eine Berufsorientierungsmesse sei oder worin der Unterschied zwischen Angestellten und Arbeitern liege. Schüler/-innen erhalten so die Möglichkeit, sich noch vor dem Start ins Berufsleben mit typischen Begrifflichkeiten auseinanderzusetzen. Darüber hinaus erhalten die Spieler gleichzeitig noch Tipps, wo sie sich weiter informieren können.

Aber „Ich geh´ meinen Weg“ ist nicht nur ein Wissensspiel, sondern in erster Linie ein situatives Lernspiel. Man fühlt sich also nicht durchbohrt wie auf dem Stuhl vor Günther Jauch, sondern bekommt die Möglichkeit geboten, spielerisch einen eigenen Weg einzuschlagen und fiktive Situationen zu erleben.

Situationskarten, wie beispielsweise diese:

Situationskarte

lockern das Spiel auf.

Insgesamt zeigt das Spiel die verschiedenen Möglichkeiten eines Karriere- und Berufsfindungswegs auf. Am Ende weiß man zwar nicht, welcher Beruf nun konkret für einen persönlich geeignet wäre, aber man weiß, dass man viele Möglichkeiten hat und es sich lohnt, bewusst darüber nachzudenken, welcher der erste Schritt in Richtung des eigenen Wegs sein könnte. Erfrischend dabei ist der direkte Austausch zwischen den Spielerinnen und Spielern. Wenn dann wie in unserem Fall der Spaß dabei auch nicht zu kurz kommt, ist „Ich geh´ meinen Weg“ eine gelungene Abwechslung.

Wir haben Frau Post zum Interview gebeten und ihr die folgenden Fragen gestellt:

Was hat Sie dazu inspiriert ein berufsorientierendes Spiel für Jugendliche zu entwickeln?

Wir waren im Regionalen Übergangsmanagement auf der Suche nach einer etwas anderen Methode, die wir den Schulen für die Berufsorientierung zur Verfügung stellen können. Wir erinnerten uns an das Spiel, welches die Kollegen von ParMa, dem Regionalen Übergangsmanagement des ehemaligen Landkreises Parchim, entwickelt haben. Nach einen Spieltest im Team und mit Jugendlichen entschieden wir, diese Spielidee weiterzuentwickeln.   

Finden Sie, dass Jugendliche in einem Zeitalter, in dem man nicht mehr einfach den Beruf der Eltern erlernt, viel mehr über individuelle Berufsmöglichkeiten und –modelle schon bereits in den Schulen informiert werden sollten? Wenn ja, wie können Lehrer das am besten ermöglichen?

Viele Ausbildungsverträge werden aufgelöst mit der Begründung „Ich habe mir darunter etwas anderes vorgestellt.“ Wo, wenn nicht in der Schule, soll auf die Zeit danach vorbereitet werden? Berufsorientierung ist Bestandteil des Unterrichtes. Die Arbeit des Regionalen Übergangsmanagement hat für den Landkreis Vorpommern-Rügen gezeigt, dass es sehr, sehr viele Angebote zur Berufsorientierung gibt, die Jugendliche aber nicht unbedingt als nützlich bzw. hilfreich empfinden. Von daher sollten die Lehrkräfte eine gezieltere Auswahl an Angeboten vornehmen. Außerdem denken wir, dass nicht das durchführen von Angeboten im Mittelpunkt der Berufsorientierung stehen sollte, sondern immer der jeweilige Jugendliche. Es geht um seine persönliche Vorstellungen, Wünsche und Fähigkeiten. Darauf sollte Berufsorientierung individuell aufbauen. Vielleicht ist sie dann in der Zukunft erfolgreicher.

Was könnte ein Vorteil des Spiels im Vergleich zu online Berufsspielen sein?

Wir sehen den klaren Vorteil, dass gemeinsam in der Gruppe gespielt wird. Es gibt etwas zum Anfassen, die anderen Spielerinnen und Spieler können helfen. Es schafft ein gemeinsames Erlebnis über das dann vielleicht auch Gespräche über z.B. gemachte Erfahrungen im Praktikum entstehen können.

Bei welcher Fragekarte haben sogar auch Sie noch was dazu gelernt?

Da wir uns mit allen Begriffen und Möglichkeiten und Situationen im Übergang Schule-Beruf 2,5 Jahre beschäftigt haben, keine. Unser ganzes Wissen haben wir in diesem Spiel, hoffentlich verständlich für Jugendliche, aufbereitet.

Vielen Dank, liebe Frau Post, dass Sie sich die Zeit genommen haben unsere Fragen zu beantworten und natürlich auch noch einmal für die Zusendung des Spiels.

Fazit: Das Brettspiel „Ich geh meinen Weg“ ist allen Schüler/-innen zu empfehlen, die spielerisch und gemeinsam mit Mitschülern oder Freunden mehr über den Übergang in die Berufswelt und die damit verbundenen Möglichkeiten erfahren wollen. Das Spiel kombiniert hilfreiche Informationen mit der Aufdeckung von verschiedenen Wegen der Berufsorientierung und mit spielerischem Spaß. Also ran an die Berufspunkte!

Und wer es doch lieber online mag oder sich konkret über einen Ausbildungsberuf informieren möchte, kann dies unter anderem hier, hier oder hier tun :-)

Nun verabschieden wir uns aber auch in den wohlverdienten Weihnachtsurlaub und wünschen allen Lesern ein besinnliches Weihnachtsfest mit dem ein oder anderen Brettspiel :-)

Autorinnen: Levke Mohr und Clara Mumme.

2 Gedanken zu „Weihnachtszeit = Brettspielzeit: „Ich geh´ meinen Weg“- das Spiel für Jugendliche zur Berufsorientierung

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