Ein Blick hinter die Kulissen: Was macht eigentlich ein Game-Designer? Interview mit Barbara Hellmann von Wooga

Die Besucher des gestrigen CYQUEST Praxisseminars in Hamburg haben es deutlich gesehen. Der Trend zur „Gamification“ vieler Lebens- und Arbeitsbereiche ist unübersehbar. Nicht zuletzt der Vortrag von fliplife Gründer Ibrahim Evsan hat das deutlich unterstrichen. Grund genug für uns, den Vorhang an dieser Stelle mal ein wenig beiseite zu ziehen und aufzuzeigen, welche Berufsbilder sich eigentlich hinter dieser spannenden und dramatisch wachsenden Industrie verbergen.

Heute sind Computer- und Videospiele aus unserem Alltag nicht mehr wegzudenken. Dabei zeigt die aktuelle Entwicklung, dass es sich bei der Leidenschaft für digitale Spiele um ein generationsübergreifendes Phänomen handelt: Jugendliche spielen die neuesten Konsolen- und PC-Spiele, Berufstätige spielen gerne zwischendurch Social Games und Familien spielen zusammen im Wohnzimmer an der Wii. Für jede Zielgruppe von jung bis alt werden passende Spiele entwickelt. Wooga ist einer der führenden Entwickler von Social Games weltweit. Social Games zeichnen sich durch einen einfachen Zugang und die Möglichkeit zum gemeinsamen Spielen mit Freunden aus. Über Facebook erreichen die Wooga Games Millionen von Spieler und diese verlangen nach immer neuen Spielinhalten und Games. Um diese zu entwickeln, sucht das Berliner Unternehmen aktuell weitere Game Designer. Doch was sind eigentlich die Aufgaben eines Game Designers? Barbara Hellmann ist seit Dezember 2009 bei Wooga und arbeitete dort als Game Designerin an diversen Social Games, bevor sie zur Product Managerin für das Spiel „Bubble Island“ wurde. Welche Aufgaben ein Game Designer hat, berichtet sie im folgenden Interview.

Was macht ein Game Designer?

Als Game Designer bei Wooga lebt man in einer Welt bunter Bubbles, Edelsteine, Monster Gärten, Königreiche und anderer Territorien. Zusammen mit einem Team von Grafikern, Produktmanagern und Programmierern kreieren wir Welten, in denen sich Casual Gamer auf Facebook wohl fühlen. Dabei müssen wir drauf achten, dass wir die Welt zusammenhalten. Wie bei einem Drehbuch muss man sich an Regeln, die innerhalb der Welt geschaffen wurden, halten und darauf achten, dass alles zueinander passt um die User nicht durch inkonsequente Inhalte zu verwirren (bspw. dürfen keine alkoholisch aussehenden Cocktails im Krankenhaus getrunken werden, wohingegen sprechende Bären vom User sofort akzeptiert werden). Dies bedeutet also, dass sich der Game Designer selbst an die Regeln, die er für seine Welt erschaffen hat, halten muss. Als Game Designer schaffen wir sozusagen Spielregeln der anderen Art.

Wer entscheidet welche neuen Inhalte den Weg in ein Spiel finden?

Hauptsächlich beschäftigen wir uns als Game Designer damit, neue Inhalte in ein Spiel zu integrieren. Hierzu stimmen wir zunächst gemeinsam mit dem Team die neuen Inhalte ab. Dann definieren wir ein Konzept, wozu wir durch Recherchen und erste „Testings“ versuchen herauszukristallisieren ob sich der Aufwand für die Produktion lohnt. Denn natürlich müssen bei der Produktion eines neuen Features die Produktions-, Zeit- und Aufwandskosten mit dem möglichen Erfolg abgewogen werden. Soweit es möglich ist, wird dies zuvor mit einkalkuliert. Nach der Kreation eines erfolgsversprechenden neuen Features wird die Produktion vorbereitet. Hierzu müssen Graphiken erstellt, Texte kreiert und übersetzt und verschiedene „Edge Cases“ durchgespielt werden. Erst wenn dies durchlaufen ist, kann die Produktion beginnen. Nachdem die Programmierer das Feature eingebaut haben und es ausgiebig getestet wurde, kann es in einem A/B-Test bei einer kleinen Nutzergruppe getestet werden. Dies bietet den Vorteil, dass wir das Feature weiterhin optimieren können ohne dass die Nutzer zu sehr von Änderungen verärgert werden. Außerdem sind A/B-Tests hervorragend dazu geeignet um verschiedene Versionen des Features gegeneinander zu testen und herauszufinden, was besser ist. Denn durch das Testen, Auswerten und Optimieren kann ein Feature verbessert werden.

Wie sieht ein Tagesablauf als Game Designer aus?

Grundsätzlich ist jeder Tag unterschiedlich und kein Tag ist wie ein anderer. Durch die flachen Strukturen und die teamübergreifende Zusammenarbeit kommt es häufig dazu, dass wir mit unterschiedlichen Kollegen an verschiedenen Projekten zusammenarbeiten. Außerdem herrscht bei Wooga eine starke „Umfrage“-Mentalität. Für die Recherche zu einem neuen Feature wird häufig die Meinung von Kollegen hinzugezogen um von deren Wissen, Erfahrungen und Meinungen zu profitieren. Auch die Meinung der Grafiker und Programmierer wird in die Planung mit einbezogen. Wir arbeiten sehr eng mit den anderen zusammen und versuchen so, das bestmögliche Ergebnis zu produzieren. Denn unser Ziel ist sehr ehrgeizig, wir wollen die erfolgreichsten Social Games erschaffen.

Was muss man als Game Designer können?

Einen klassischen Werdegang zum Game Designer gibt es bisher nicht. Da bei uns verschiedene Fäden zusammenlaufen, ist eine große Bandbreite an Fähigkeiten erforderlich. Grundsätzlich sind natürlich Kenntnisse über Game Design, Level Design, Gameplay Theorien und Story Writing erforderlich. Doch gleichzeitig ist auch strukturiertes und koordiniertes Arbeiten unabdingbar um die Masse an Informationen zusammenzuhalten. Da wir bei Wooga sehr stark mit Userstatistiken und Auswertungen arbeiten, ist ein Verständnis für komplexe Analysen unerlässlich. Außerdem ist natürlich ein gutes Verständnis der Facebook-Plattform erforderlich. Im Fokus stehen das kreative Arbeiten und das Einfühlungsvermögen auf die Nutzergruppe. Denn nur, wer die User versteht, kann ihnen auch tolle Produkte anbieten.

Wie man sieht, besitzt die Games-Branche durch den internationalen Markt für Games und den ständigen technischen Fortschritt ganz eigene Anforderungen an die Bewerber. So sind die Social Games Spezialisten aus Berlin aktuell auf der Suche nach Game Designern und Verstärkung in vielen weiteren Bereichen. Alle Jobangebote von Wooga finden sich hier: http://games-career.com/top_employer_detail.php?id=5

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

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