Karriere-Websites – darauf kommt es an. Teil 5. Was sind Elemente guter Karriere-Websites? Diesmal: Videos

Okay, zu meiner Ehrenrettung: Ich hatte bei Teil 4 dieser Artikelserie versprochen, dass es diesmal nicht wieder 6 Monate dauern würde bis der nächste Teil erscheint. DAS habe ich geschafft, wenngleich ich zugeben muss, dass ich verwundert genug war, dass es nun auch schon mehr als zwei Monate geworden sind…

Nachdem ich in den ersten vier Teilen die Themen “Motiv- bzw. bedürfnisgeleitete Navigation“, “überragende Bedeutung der Karriere-Website“, “Blogs“ und „Testimonials“ behandelt habe, kommt heute eines der dickeren Bretter dran:

Videos

Aber keine Angst, ich werde es nicht ausufern lassen. Also in knapp…

Videos als Element der Karrierewebsite

Etwa ein Drittel des Datenvolumens in den USA entfällt inzwischen auf den Streaming-Anbieter Netflix, der dieser Tage ja nun auch auf dem deutschen Markt startet. Mehr muss man eigentlich nicht mehr zu der inzwischen überragenden Bedeutung von Bewegtbildinhalten im Web sagen. Und ja: Auch die alte Binse, dass Youtube nach Google die zweitgrößte Suchmaschine im Internet ist, kann in diesem Zusammenhang gern mal wieder herangezogen werden.

Es wäre, nein es ist total abwegig anzunehmen, dass dieses offensichtlich zentrale Nutzungsbedürfnis, Filme im Internet sehen zu wollen, für die Information über (potentielle) Arbeitgeber nicht gelten sollte. Im Gegenteil: Sowohl die zunehmende Breitbandversorgung im stationären Web und die sich kontinuierliche verbessernde Versorgung mit schnellem mobilen Internet (LTE etc.) als auch der mehr oder weniger offensichtliche Siegeszug von Tablets und SmartTVs wird diesem Thema in den nächsten Jahren noch erheblich mehr Wind unter die Flügel geben.

Neben den sich verbessernden technischen Voraussetzungen für Video eignet sich diese Kommunikationsform aber natürlich auch einfach inhaltlich sehr gut, um Arbeitgebermarketing darüber zu transportieren:

  • Videos wirken affektiv, d.h. umgangsprachlich „durch den Bauch“, weswegen sie sich hervorragend zur Imagebildung eignen
  • Videos sind Lean-Back-Content, d.h. als Betrachter kann man sich zumindest für einen kurzen Zeitraum zurücklehnen und den Inhalt auf sich einwirken lassen. Im Gegensatz zu vielen anderen Webinhalten muss ich mir nicht jedes Informationshäppchen zusammensuchen, sondern begebe mich für einen gewissen Zeitraum in die Hand des Geschichtenerzählers.
  • Gutes Stichwort: Video kann Geschichten erzählen. Wir sind beim – Achtung, Buzzword! – Storytelling…
  • Multiple Verwendbarkeit: Klar, Videos sind ein tolles Element der Karriere-Website, aber die Investition amortisiert sich auch deshalb schneller, weil diese natürlich auch im Social Web, bei Facebook, Youtube, Twitter, in Blogs, auf Berufsorientierungsplattformen (blicksta, Karista etc.), Arbeitgebermarketingplattformen (JobTV24), in Stellenanzeigen und selbstverständlich auch offline (z.B. am Messestand, als Give-Away etc.) wiederverwendet werden können.

Gut. All das beschreibt das Potenzial von Video, ein Selbstgänger ist Video aber deshalb natürlich noch lange nicht. Zu sagen „Wir haben jetzt ein Arbeitgeber-Video auf unserer Karriere-Website“ wird sicherlich für sich genommen auch kein „Wow“ mehr hervorrufen… Und genau wie es tolle und grottenschlechte Hollywood-Kinofilme gibt, gibt es natürlich gute und schlechte Arbeitgebervideos – ersteres zuweilen, letzteres (leider) zuhauf…

Dabei ist die Qualität von Arbeitgebervideos gar nicht zwingend eine Budgetfrage. Entscheidender sind Kommunikationsidee und – wichtig – ob das gezeigte positiv auf das jeweilige Kommunikationsziel einzahlt.

Beispiele? Gern.

Ich habe mal zwei Testimonial-Videos nebeneinandergestellt. Beide sind professionell produziert, in beiden Fällen handelt es sich (wohl nach allem, was man sonst so auf der Website lesen kann) um anständige Arbeitgeber und beide verwenden die Technik des Mitarbeiter-Testimonials als Markenbotschafters.

Nun, Beispiel eins gewinnt vielleicht keinen Golden Globe, ist aber von vorn bis hinten gelungen.

Beispiel zwei hingegen ist ein Kandidat für die Goldene Runkelrübe (falsch, „war“ ein Kandidat: Das Video wurde letztes Jahr in der Kategorie „schlechtestes Arbeitgebervideo“ immerhin dritter…).

Hier könnte man sagen, dass eigentlich gar nichts wirklich falsch gemacht wurde, außer eben – naja – alles… Will sagen: Auch dieses Video ist professionell umgesetzt ohne wirklich offensichtliche technische Fehler und wird entsprechend auch mehr als Drei Euro Fünfzig gekostet haben. Aber man muss schon sehr wohlwollend an Satire glauben, um es als „positiv auf die Arbeitgebermarke einzahlend“ einzustufen…

Okay, genug des Bashings… Meckern ist immer leichter als selber (gut) machen.

Outtake-Videos

Eine ebenfalls sehr schöne Form der Bewegtbild-Kommunikation sind sogenannte Outtake-Videos, also Zusammenschnitte dessen, was beim Dreh des „eigentlichen“ Film so danebengegangen ist. Ich finde ganz oft, dass diese Outtakes das eigentlich wertvollere Resultat der Videoproduktion sind. Aber natürlich ist es ein bisschen widersinnig, ein Video nur um der Erstellung des „Abfallprodukts“ willen zu produzieren, also „den Kuchen zu backen, weil man die Krümel so gern mag…“.

Warum Outtake-Videos so toll sind (naja, wohlgemerkt auch nur wenn sie „gut“ sind, siehe oben, Ihr wisst was ich meine…)?

Weil es in Outtake-Videos so unheimlich menschelt… Der bediente Voyeurismus, der „Blick auf die ungeschminkte Reaktion auf das eigene Missgeschick“ schafft Sympathie. Man leidet mit dem gezeigten Darsteller und freut sich mit ihm, dass es am Ende doch alles gut ausgeht. Daher braucht das Outtake-Video immer zwingend auch das „fehlerfreie Hauptprodukt“.

Outtake-Videos haben zudem ein höheres virales Potential, also die Chance, „sich von allein zu verbreiten“, als ihre fehlerfreien Pendents…

Ich habe hier mal ein Beispiel aus einem unserer letzten Projekte rausgesucht: Das Outtake-Video unseres Drehs mit der DAK Gesundheit.

Das Videomaterial wurde im Rahmen des Berufsorientierungsspiels „…ich und meine Zukunft“ benötigt, mit dessen Hilfe die Ausbildungsberufe Sofa (Sozialversicherungsfachangestellte) und KiG (Kaufleute im Gesundheitswesen) erlebbar gemacht werden. Das Outtake-Video zeigt einen Zusammenschnitt dessen, was bei einem solchen Dreh dann auch gern einmal nicht klappt. Beim Betrachten lernt man natürlich nichts Inhaltliches über den Arbeitgeber DAK, aber man bekommt ein gutes Gefühl dafür, „was für Menschen“ wohl so bei der DAK eine Ausbildung machen. Und das ist für das Arbeitgebermarketing ja eine ganze Menge.

Animierte Erklärvideos / Videoscribes

Okay, kommen wir abschließend zu einem starken Trendthema innerhalb der Bewegtbildkommunikation. Dem Einsatz sog. „animierter Erklärvideos“, auch unter dem Fachterminus „Videoscribes“ oder (nach dem Firmennamen eines Pioniers aus diesem Bereich) „Explainity-Videos“ bekannt.

Hier mal ein Beispiel:

Ich habe mich in einem dezidierten Artikel vor einiger Zeit mal explizit diesem Genre gewidmet, weshalb ich mich hier nur auf die Auflistung der Vorteile beschränken möchte:

  • „Sendung mit der Maus“-Effekt
  • Viel Content in kurzer Zeit
  • Vermittlung komplexer Inhalte
  • Unabhängigkeit von “Darstellern
  • Wiederverwendbarkeit
  • Viralität

(Wer das auskommentiert möchte, der sei wie gesagt auf den Originalbeitrag verwiesen).

Wichtig ist hierbei allerdings, diese Form der Videoscribes nicht mit einer anderen Form der Videoanimation zu verwechseln: Der (3D-)Computeranimation – dem CGI

Ich bin am Sonntag mit meiner Tochter (6) zum Kinobesuch verabredet und wir werden uns „Drachenzähmen leicht gemacht, Teil 2“ ansehen. Ich habe den Film ja noch nicht gesehen, mir aber sagen lassen, dass dieser – neben einer gelungenen Geschichte – momentan das High End einer Entwicklung darstellt, die vor mittlerweile beinahe zwei Jahrzehnten von Filmen wie Toy Story losgetreten wurde.

Und klar: CGI findet sich inzwischen auch in der Werbung. Als Beispiel sei hier einmal das Erklärvideo von VW für den neuen Carsharing-Service Quicar genannt…

Nun, natürlich ist es auch denkbar, CGI zur Erstellung von Arbeitgebervideos einzusetzen. Ich glaube aber, dass das auf absehbare Zeit noch nicht passieren wird – zumindest als Regelfall.

Warum?

  • Ein solcher Gestaltungsstil weckt Erwartungen: Will sagen, wenn man das macht, dann wird man rein optisch eben auch daran gemessen, was man heute so angeboten bekommt. Und da reicht der Anspruch des Betrachters eben schon bis „Lego. The Movie“ oder eben „Drachenzähmen leicht gemacht“… Da wird man nicht ranreichen, das ist klar, aber selbst das gestalterische Level des VW-Spots ist schon „sportlich“…
  • Aus meiner Sicht ist der eher Collagen-artige Stil des Erklärvideos für viele Zwecke der Arbeitgeberkommunikation oft zielführender, weil es ja um die möglichst „einfache“ Erklärung etwas ansonsten „eher komplexen“ geht. Was zählt ist die „pffifige Erklärung“, weniger der geile Effekt eines sich selbst berechnenden Schattens auf einem computeranimierten aber fotorealistischen Gesicht…
  • Aufwand: Ein Film wie der von VW ist nicht „Portokasse“. „Echtes 3D“, also ein Bewegtbild mit sich ständig neu berechnenden Objekten und Lichteffekten braucht allein im Rendering oft schon beträchtliche Rechenleistung und -zeit. Ohne Gewähr kommen hier „2-Minüter“ oft ganz schnell in einer Preisrange zwischen 25000 € und 50000 € an, und das für die reine Produktion, ohne Scripting und Storyboarding.
  • Viele Agenturen haben die erforderlichen Ressourcen hierfür nicht im Haus. Das heißt dann oft: Noch eine Agentur mehr und eine Schnittstelle mehr in der Abstimmung.

Nun, auch hier werden die Preise sinken und man wird vermehrt solche Filme auch in der Arbeitgeberkommunikation zu sehen bekommen, aber die Frage, ob es allein durch den Einsatz von CGI ein besseres Video wird, sei mal dahingestellt.

Uff, soweit also für heute und soweit zum Thema „in knapp“… ;-) Ich kann mich einfach nicht so gut kurzfassen, aber offensichtlich habt Ihr ja bis hier durchgehalten… Freut mich.

In Teil VI der Artikelserie zu Karriere-Websites wird es dann um Unternehmenskultur und Werte gehen. Stay tuned…

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

Ein Gedanke zu „Karriere-Websites – darauf kommt es an. Teil 5. Was sind Elemente guter Karriere-Websites? Diesmal: Videos

  1. Hallo und ja, Videos sind ganz wichtig!!!

    Wir haben auf unserer Seite ein tolles Feedback von Kunden als auch von Zuschauern :)
    P.S.: Die Storys schreiben „unsere“ Azubis selbst.

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