EnBW: Das erste deutsche Großunternehmen, das Virtual Reality im Azubimarketing einsetzt. Wie genau, Oliver Erb?

Ich beschäftige mich ja schon seit einiger Zeit mit dem Thema Virtual Reality, speziell vor dem Hintergrund der Möglichkeiten, die sich daraus für das Personalmarketing ergeben. Wenn wir – wie wir es ja tun – alle seit Jahren über Transparenz, Authentizität und „Einblicke geben“ sprechen, dann liegt für mich der Gedanke, hierfür (auch) Virtual Reality einzusetzen, einfach sehr nahe. Sehr sehr nahe…

Und wenn jetzt schon Nachrichtensender anfangen, ihre Nachrichten in 360° zu präsentieren, darf HR als traditioneller Vorreiter in technischen Dingen natürlich nicht hintenan stehen… ;-)

Nicht zuletzt deshalb haben wir Virtual Reality auch zu einem Schwerpunktthema der HR-Edge am 10.9. in Hamburg gemacht, wo wir die Möglichkeit anbieten werden, sich einmal eine VR-Brille aufzusetzen und selber einmal zu erleben, wie sich das anfühlt.

Meine Vermutung ist nämlich, dass 99% aller Personaler das noch nie gemacht haben und sich wahrscheinlich fragen:

Virtual Reality klingt ja ganz spannend, aber was hat das mit Personalmarketing, was hat das mit meinem Job zu tun?

Nun, ich würde sagen, eine ganze Menge, zumindest perspektivisch. Aber man kann das in Worten (oder Blogartikeln) einfach immer nur sehr „zweidimensional“ vermitteln. Man muss es selber einmal ausprobiert haben, dann fängt das Kopfkino an zu laufen… Da ich aber davon ausgehe, dass HR´ler eher selten auf Veranstaltungen wie die Gamescom oder das Bloggerevent #LVLUP gehen, um sich über diese Themen zu informieren, holen wir „VR“ also in die HR-Welt… Also, wenn Ihr es noch nicht getan habt, dann schnell hier zu HR-Edge anmelden.

Das erste deutsche Großunternehmen, das VR einsetzt…

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Dass Virtual Reality aber eben nicht nur eine theoretische Möglichkeit bietet, Einblicke zu geben, hat nicht nur das Beispiel „Normal Day“ der British Army gezeigt, sondern es gibt nun auch ein – meines Wissens – erstes deutsches Großunternehmen, dass erste Gehversuche in diese Richtung unternimmt. Der Energieversorger EnBW.

Was es damit auf sich hat, dazu habe ich mir mal Oliver Erb geschnappt, der sich im Recruiting bei EnBW insbesondere um Themen des Employer Brandings und Personalmarketings kümmert…

Oliver, was genau macht Ihr da?

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Danke Jo! Ich stelle nachfolgend mal kurz dar, wie unsere ersten Schritte in die Virtuelle Realität des Personalmarketings aussehen…

Warum Virtual Reality?

Das Thema Virtual Reality (VR) im Personalmarketing verfolgt mich eigentlich schon eine ganze Weile. Bei mir kommt da einiges zusammen, warum ich hier großes Interesse habe.

Das erste Mal mit dem Thema VR kam ich wahrscheinlich durch meine Spielleidenschaft in Berührung. Das Hobby PC-Spiele habe ich trotz meiner 31 Jahre nie ablegen können. Daher wurde ich sehr früh auf z.B. die Oculus Rift aufmerksam, die ja den Hype der letzten Jahre gestartet hat.

Außerdem bin ich begeisterter Hobby-Fotograf und habe immer wieder mit Software gespielt, um aus Einzelbildern Panoramas zu erstellen, z.B. mit Google Photo Sphere auf dem Smartphone.

Und zuletzt bin ich natürlich immer auf der Suche nach neuen Medien, mit denen man potentiellen Bewerbern sein Unternehmen näher bringen kann.

Virtual Reality und Personalmarketing wird bislang als Thema kaum wahrgenommen. Außer einem sehr guten Vortrag von Gero Hesse zu Virtual Reality habe ich kaum etwas gehört oder gelesen [außer den Artikeln im Recrutainment Blog natürlich… ;-), Anm. der Redaktion], es scheint noch nicht als Möglichkeit fürs Employer Branding wahrgenommen zu werden. Viel eher schaut man gerade, ob man nicht noch einen Instagram-Kanal hochziehen kann.

Für mich jedoch hat VR das Potential, das nächste wirklich große Ding zu werden.

Blogs, Facebook, Twitter, Youtube, Instagram, usw.: Alle Kanäle haben das Ziel, Kandidaten in unseren Unternehmensalltag eintauchen zu lassen. Und genau hier kann VR noch mal sprichwörtlich ganz neue Perspektiven eröffnen.

Wie haben wir das umgesetzt?

Technisch gesehen ist die Sache nun noch etwas tricky. Die übliche Methode ist es, ein 360°-Bild aus vielen Einzelbildern zusammenzusetzen. Doch sobald viel im Bild in Bewegung ist, funktioniert diese Methode nicht mehr. Kameras, die ein solches Foto direkt aufnehmen können, fallen in drei Kategorien:

  • günstig, aber mit begrenzter Qualität

  • preiswert, aber noch nicht entwickelt

  • richtig teuer, dafür aber hochwertig

Panono

Gerade wenn man in seinen Videos HD-Auflösung haben will, muss man noch tiefer in die Tasche greifen. Denn dadurch, dass man immer nur einen Teilausschnitt eines Videos/Fotos betrachtet, muss dieses natürlich um ein vielfaches höher als sogar Ultra-HD sein.

Für den ersten Testlauf habe ich mich trotz der Einschränkungen für das günstige Modell entschieden (und warte auf das preiswerte, die Panono): Mit der Ricoh Theta M15 Digitalkamera lassen sich sowohl Fotos und auch Videos in 360° erstellen – und das auch noch kinderleicht.

Schnell war klar, dass die Zielgruppe Schüler perfekt ist für das Thema Virtual Reality. Schüler sind nicht nur sehr technikaffin und aufgeschlossen für neue Medien, sondern haben auch das größte Bedürfnis, mehr über die Arbeit in einem Unternehmen zu erfahren.

Das Konzept für die Fotos und Videos war denkbar simpel: Kamera mitten zwischen unsere Azubis gestellt und abgedrückt. Authentisch, unverfälscht, virtuell mitten drin zwischen den künftigen Kollegen. Gerade da die 360°-Kamera etwas eigentümlich aussieht, fällt sie kaum als tatsächliche Kamera auf. Insbesondere ist man sich nicht bewusst, dass man quasi immer im Bild ist (was man als Verantwortlicher jedoch beim Einholen der Einwilligung unbedingt beachten muss). So entstehen ganz natürliche Aufnahmen vom Arbeitsleben.

Diese Aufnahmen kann man dann ganz klassisch am PC anschauen und mit Maus oder Tastatur steuern, in welche Richtung man schauen möchte. Gerade bei Videos ist das sehr beeindruckend.

Noch besser wird es jedoch, wenn man sein Smartphone zum Betrachten nutzt. Denn dann kommen die versch. Sensoren der modernen Handys zum Einsatz und man steuert die Perspektive durch die Position des Bildschirms. D.h. will ich auf den Boden schauen, halte ich mein Smartphone auf den Boden; will ich hinter mir etwas betrachten, muss ich mich dann auch tatsächlich rumdrehen.

[Auch hier nochmal ein Einschub der Redaktion: Ich habe das obige Video einmal mit dem Smartphone geöffnet und das dann mit dem anderen Smartphone gefilmt. Man erkennt hierbei ziemlich gut, dass man sich im Prinzip „in dem Video“ bewegen kann und zwar wirklich 360° reinweg über die Gyro Sensorik im Smartphone gesteuert]

Und mit einer entsprechenden Halterung fürs Smartphone (gibt es mittlerweile für ein paar Euro), die das eigene Handy in eine „Virtual Reality Brille“ verwandelt, kann man sogar ganz in die Virtual Reality eintauchen und z.B. mitten in der EnBW-Ausbildungswerkstatt stehen.

Wir werden unsere Sammlung an 360°-Videos und Fotos in den nächsten Wochen noch deutlich ausbauen und noch viel mehr damit experimentieren. Auch werden wir nicht nur Arbeitssituationen zeigen, sondern die Möglichkeiten der Interaktion im Video auch stärker für´s Storytelling nutzen. Der Zuschauer muss dann selbst im Video aktiv werden, um dem Geschehen folgen zu können, z.B. weil der Interviewte verschiedene Sachen zeigt, die sich alle an anderer Stelle im Raum abspielen. Ich kann mir vorstellen, dass man sich solche Videos auch gerne länger anschaut, in denen man aus der passiven Rolle herausgeholt wird.

Virtual Reality steht, was Technik und Verbreitung angeht, noch am Anfang. Auch unsere Fotos und Videos sind zugegebenermaßen noch am Anfang dessen, was mal möglich sein wird (oder aktuell nur mit größeren Budgets machbar ist). Dennoch kann man sehen, was schon in Kürze möglich sein wird. Ich orakle mal, dass sich das Thema rasant entwickeln wird und wir relativ bald immer öfter den Einsatz von VR im Marketing sehen werden.

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Danke Oliver!

Du hattest es oben in einem Satz kurz angedeutet: Man kann natürlich neben 360°-Videos auch Fotos für VR einsetzen. Das geht übrigens inzwischen mehr oder weniger mit Bordmitteln, die jeder in der Tasche hat, nämlich dem Smartphone…

Setzt man etwa die App Google Kamera ein, wird einem bei Fotoerstellung immer die Option „Photo Sphere“ angeboten, erkennbar an folgendem Icon:

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Damit lassen sich jetzt 360°-Fotos erstellen, in dem man im Prinzip den Raum um sich herum in vielen Einzelfotos abbildet, die dann von der Software zu einem Ganzen gerendert werden. Das erfordert ein bisschen Übung, weil ansonsten komische Bildartefakte entstehen können, aber im Prinzip ist das kinderleicht…

Daraus entstehen dann Bilder, die in 2D betrachtet etwas merkwürdig aussehen…

…die dann aber eben ermöglichen, dass man sich als Betrachter „in“ dieses Bild begeben kann statt „davor“ zu stehen.

Das ist übrigens die gleiche Technologie wie diejenige, mit der Google auch die Streetview-Aufnahmen erstellt hat.

Lädt man ein solches Bild dann z.B. in seinen Google+ Account hoch, wird es dort als Photosphere erkannt und kann entsprechend genutzt werden. Über ein Plugin kann man das auch direkt in WordPress zum Laufen bringen. Darauf habe ich hier jetzt aber vorerst verzichtet. Klickt am besten mal auf die obigen Bilder, dann müsste das bei Euch entsprechend laufen (es sei denn, Ihr geht – wie in manchen Unternehmen immer noch Realität – mit einem Uralt-Browser drauf, dann garantiere ich für nix…).

360°-Wimmelbild? Ja, das wäre mal ein ganz cooles Feature… Der Schritt zur virtuellen Schnitzeljagd wäre nicht mehr weit… ;-)

Eine Sammlung an 360°-Fotos von EnBW sowie zwei 360°-Videos findet man übrigens hier auf der EnBW-Karrierewebsite.

Mein (Zwischen-)fazit:

Klar, das ist jetzt alles noch im werden. Der eine oder andere mag denken, „Soo spektakulär ist das ja nun auch noch nicht…!“. Nein, das ist ein erster Aufschlag. Aber der Anfang ist gemacht. Ich denke ohnehin, dass es manchmal viel besser ist, auszuprobieren und einfach mal zu machen anstatt immer alles Hundert Jahre lang in allen möglichen Gremien und Instanzen so lange zu zerreden, dass hinten gar nichts mehr rauskommt, nicht einmal die Erkenntnis, dass man etwas hätte anders machen sollen…

Man kann also inzwischen mit wirklich überschaubarem technischen Aufwand Content erzeugen, der Einblicke ermöglicht, die deutlich über Fotorundgänge oder Imagevideos hinausgehen. Selbst ohne Datenbrille kann ein Betrachter sich also schon relativ frei innerhalb eines solchen 360°-Fotos oder sogar -Videos bewegen. Mit einer solchen Brille wird es dann natürlich noch realistischer, weil die jeweilige Blickrichtung dann tatsächlich durch die Kopfbewegung intuitiv gesteuert wird.

Das geht schon ganz manierlich, indem man sein Telefon in ein sog. Cardboard steckt. Wie Google gerade hat verlautbaren lassen, bekommt die Youtube-App für Android in Kürze eine entsprechende Erweiterung, worüber dann 360°-Videos in den stereoskopischen Modus umgeschaltet werden können…

…und so als VR-Videos mit Cardboard betrachtet werden können. Oliver hatte es oben ja bereits angedeutet – so ein Ding kostet keine 20 €. Ich habe es mal mit dem 360°-Video der EnBW-Ausbildungswerkstatt in Heilbronn ausprobiert (das ist das Youtube-Video oben) und man steht dann auf einmal tatsächlich mitten in der Werkstatt und kann den Azubis bei der Arbeit zuschauen (wenngleich es aufgrund des Nicht-HD-Videomaterials noch arg pixelt…).

Noch beeindruckender wird es, wenn man eine „richtige“ Brille wie etwa die Samsung Gear VR verwendet, die auf das hochauflösende Display des Samsung S6 optimiert ist. Dann wird auch HD-Material zu einer HD-Erfahrung… Das schöne ist: Wir haben auf der HR-Edge im September zwei Samsung Gear VR 2 nebst S6 zum Ausprobieren vor Ort – dank freundlicher Unterstützung von Samsung. Eine Oculus Rift und ein Cardboard werden wir zum Vergleich dann auch da haben…

Ich würde mich mal soweit festlegen: Bis September wird der wunderbare EnBW Content nicht mehr das einzige Beispiel sein, was wir uns virtuell real anschauen können werden… Realistic Job Preview wird Virtual Realistic Job Preview…

Also, nicht vergessen: Meldet Euch für die HR-Edge an…

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

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