BeBoss – Bundesministerium für Wirtschaft und Energie startet Online-Wirtschaftsspiel für Schüler

Nanu, was ist mir denn da reingeflattert?

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat ein Browsergame gestartet. Das Ganze heißt BeBoss und ist auch als App für IOS- und Android-Geräte verfügbar. Auf der Startseite heißt es, dass man seine eigene Medienagentur gründet und nur erfolgreich ist, wenn man gut kalkuliert und schnell auf unvorhergesehene Ereignisse reagiert. Es soll sich sogar als Unterrichtsinhalt für Schüler eignen.

Boss sein? Eigene Medienagentur gründen? Browsergame?

Als angehender Kaufmann für Marketingkommunikation in einem agenturartigen Betrieb und ehemaliger Community Manager bei den Goodgame Studios bin ich natürlich sofort interessiert. Also nichts wie rein in das Spiel… doch zu früh gefreut, zuerst geht es zur Registrierung. Neben einer E-Mail-Adresse muss man zum Glück aber keine weiteren personenbezogenen Daten hinterlassen. Ich nenne mich also SuperBenni und klicke auf den Bestätigungslink aus der Verifikations-Mail, die allerdings einige Minuten auf sich warten lässt.

Und da werde ich auch schon begrüßt. Bei zum Schunkeln anregender Musik, die für mich aber absolut treffend in ein solches Simulationsspiel passt, wird mir erklärt, dass ich nun eine eigene Multimedia- und Werbeagentur habe. Das freut mich natürlich sehr. Bereits während ich das 18-seitige Intro lese, klingelt das Telefon penetrant. Es scheint ganz so, als werde das Bossspielen nicht nur ein Zuckerschlecken.

Nach dem Intro gebe ich meiner Agentur den klangvollen Namen „AllAboutBenni“ und gehe ans Telefon.

Mein erster Auftrag wartet auf mich! Aber nicht nur das, gleichzeitig gibt es auch schon die erste Bewerbung in meinem Unternehmen und ein bereits laufendes Projekt. Ich muss mir also fix einen Schreibtisch kaufen, den ersten Auftrag dorthin legen und meine Mitarbeiterin an den Schreibtisch setzen. Das ist ja bisher noch recht simpel und macht Spaß. Aber dann ist auf einmal die Kaffeemaschine defekt und ich muss die Reparatur dafür zahlen. Langsam wird mein Geld knapp und ich hoffe, dass ich nun die ersten Projekte abschließen kann, ohne dass weitere Probleme auftreten.

UND IMMER WIEDER DIESES TELEFON!

Es klingelt wirklich pausenlos und bietet mir neue Projekte an. Zum Glück werden die Ersten dann auch fertig und ich habe genug Geld mir einen weiteren Angestellten einzustellen, aber der braucht natürlich auch noch einen Schreibtisch, der bezahlt werden will. Ich bleche also die Kohle dafür und muss auch schon wieder ans Telefon und den nächsten Auftrag annehmen, damit ich wenigstens ein bisschen Gewinn einstreichen kann. Bei den Verträgen gilt es übrigens darauf zu achten, wie lange diese dauern (meist wenige Minuten), wie viel Umsatz sie bringen und wie hoch die Eigenkosten dabei sind. Passen mir die Zahlen nicht, kann ich auch einfach einen Auftrag ablehnen.

Je mehr Aufträge ich erfolgreich erledige, desto mehr Kohle kann ich scheffeln. Diese kann ich aber nicht komplett in neue Projekte stecken, sondern muss auch auf die Bedürfnisse meiner Mitarbeiter eingehen. Da darf der gelegentliche Bowlingabend oder Ausflug in den Freizeitpark nicht fehlen. Natürlich hat auch die Büroausstattung einen Ausschlag auf die Mitarbeiterzufriedenheit, es gilt also diese möglichst anschaulich zu gestalten. Sogar die Pinnwand will zu einem Plasmabildschirm geupgradet werden, ich glaub ich spinne! Je höher ich im Level steige, desto mehr Ausbaumöglichkeiten gibt es für mein Büro und desto genauer muss ich mir überlegen, wofür ich mein verdientes Geld wieder ausgebe.

FAST FORWARD

Nachdem ich inzwischen anderthalb Tage gespielt habe, mehrere Level im Spiel aufgestiegen bin, weitere Mitarbeiter angestellt sowie mir von denen unzählige Sprüche à la „wenn das die Lösung ist, dann hätte ich gern das Problem zurück“ angehört habe und bisher noch nicht pleite gegangen bin, möchte ich ein kleines Resume zu diesem Online-Wirtschaftsspiel ziehen.

Zuerst mal: BeBoss macht wirklich Spaß!

Die jugendliche Grafik, die etwas an Habbohotel erinnert, und die einfache Bedienung, gepaart mit Gamification durch Aufstieg von Levels und einem Ranglisten- und Highscore-System machen zumindest für einige Tage echt Laune. Nach einer kurzen Einführung ist man schnell im Spiel und kann darin wirklich einiges an Zeit „verbrennen“. Ich persönlich stelle sogar einen gewissen Suchtfaktor fest, der für die Entwickler des Spiels definitiv als Kompliment gemeint ist. So ist man wirklich gewillt, zurückzukehren und mit seinen Mitarbeitern weitere Aufträge entgegenzunehmen sowie das niemals zu klingeln aufhörende Telefon zu beantworten. Wichtig finde ich auch zu erwähnen, dass man in Sachen Browserspiele kein Vorwissen mitbringen muss, um in BeBoss erfolgreich zu sein.

Meiner Meinung nach wird die Zielgruppe (Schüler) treffend angesprochen und spielerisch in die ersten Bereiche der Selbstständigkeit und Unternehmensführung eingeführt. Besonders gut wird dabei klar, wie anstrengend das Leben als Boss sein kann und welche Dinge man gleichzeitig im Blick haben muss. An dieser Stelle möchte ich kurz den Hut vor jedem Chef da draußen ziehen. Natürlich kann dieses Spiel nicht alle Facetten oder Details der Unternehmensführung darstellen, aber das soll es auch gar nicht. Dadurch würde es nur unnötig an Komplexität gewinnen und an Übersicht und Unbeschwertheit verlieren. Im Vergleich zu anderen (Core)-Browserspielen punktet BeBoss durch das statische Setting gestalterisch nicht unbedingt, aber auch hier gilt, dass dies wahrscheinlich gar nicht gewollt und vor allem nicht nötig ist. Es soll spielerisch informieren und dies tut es auf eine der interaktivsten Methoden überhaupt.

Anfangs zweifelte ich noch etwas daran, ob ein (Browser)spiel wirklich sinnvoll im Unterricht an Schulen genutzt werden könne, aber nachdem das in den USA und Schweden mit Minecraft bereits an einigen Schulen die Regel ist, kann ich mir inzwischen selbiges auch in Deutschland mit BeBoss vorstellen. Zu meiner Schulzeit hätte mir ein Lernen auf diesem spielerischen Niveau sicher weitergeholfen. Dem ein oder anderen Schüler würde dabei jedenfalls bestimmt klar, wie viel Unternehmergeist in ihm oder ihr steckt und ob der Beruf „Boss“ auch eine Perspektive für die eigene Zukunft ist. Und ganz nebenbei bekommen die Jungs und Mädels in der Schule einen Einblick in betriebswirtschaftliches Denken, soziale Verantwortung und trainieren ihre Entscheidungsfähigkeit – was ein Boss von morgen eben so braucht.

Wer jetzt selber auch mal eine eigene kleine Medienagentur gründen möchte, der geht auf: https://www.bmwi-beboss.de. Ich werde auf meinem Weg zu Platz 1 der Highscore-Liste nun weiter Aufträge abackern, Mitarbeiterausflüge machen und defekte Büromöbel ersetzen…

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