Auch die Hochschule Harz bietet jetzt ein SelfAssessment – für zwei Wirtschaftsstudiengänge

fh-harz.normalDie Bemühungen der deutschen Hochschulen bei der “Werbung” passender Studierender setzen immer häufiger auf den Einsatz virtueller Studienorientierungsansätze und Online-SelfAssessment Verfahren. CYQUEST betreut in diesem Kontext eine ganze Reihe von Hochschulen (HAW Hamburg, Hochschule Niederrhein, Universität Göttingen, etc.) aber auch andere setzen auf dieses Pferd.

Jüngstes Beispiel ist nun die Hochschule Harz, die auf Basis des von der RWTH Aachen entwickelten Testmakers ein SelfAssessment für die beiden Wirtschaftsstudiengänge International Business Studies und BWL / Dienstleistungsmanagement anbietet. Wir haben uns die Angebote nun angeschaut und sind dabei zu folgendem Eindruck gekommen:

  • Der Zugang zu den Selbsttests erfolgt über die Seite http://www.hs-harz.de/index.php?id=7735, die dann auf die eigentliche Startseite http://testmaker.hs-harz.de verlinkt. Beide Seiten sind schlicht gestaltet und bieten erstmal nur das nötigste an Information (z.B. Testdauer 30-45 Minuten etc., Nennung der einzelnen Tesmodule). Aus unserer Sicht eher unverständlich, warum die Seite aus Perspektive der Suchmaschinenoptimierung einiges “verschenkt” – z.B. keine sprechende URL etc. und vor allem, warum so wenig Augenmerk auf eine hochschulindividuelle Anmutung gelegt wurde. Nach unserer Einschätzung ist es aus Sicht der Markenidentität sicherlich nicht optimal, wenn das Angebot unter einer eher technischen URL wie “testmaker. hs-harz.de” läuft und dann auf den Content-Seiten nicht mal das Hochschul-Logo erscheint.
  • Inhaltlich umfassenden die beiden SelfAssessments jeweils 5 Testmodule: Interessen und Motivation, Textverständnis, Mathematisches Verständnis, Abstraktes logisches Denken und Tabellen und Grafiken.
  • Der Interessentest fragt in insg. 37 Statements verschiedene Interessen (z.B. “Recherche von Hintergrundinformationen zu einem Thema”) ab. Hierbei muss der Testteilnehmer jeweils auf einer fünfstufigen Skala von “würde ich sehr gern tun” bis “würde ich sehr ungern tun” seine Zustimmung oder Ablehnung zu dem Statement ausdrücken. Im Motivationstest werden recht ähnlich 23 Aussagen zur Motivation gezeigt (z.B. “Mir ist es sehr wichtig, das Studium in jedem Fall abzuschließen, egal wie groß der Aufwand ist.”), die jeweils auf einer sechsstufigen Skala von “Trifft voll und ganz zu” bis “Trifft überhaupt nicht zu” einzuschätzen sind.

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  • Die anderen Testmodule Textverständnis, Mathematisches Verständnis, Abstraktes logisches Denken und Tabellen und Grafiken fokussieren dabei jeweils auf aus Sicht der Autoren relevante Aspekte der Studierfähigkeit. Die Tests muten an wie bekannte Leistungstests, d.h. sie setzen sich aus einem Aufgabenstimulus und verschiedenen Antwortalternativen (“Distraktoren”) zusammen, von denen jeweils einer “richtig” ist und angeklickt werden muss. Jedes dieser “Items” ist unter Zeitbeschränkung zu beantworten. Immerhin wurde bei der Gestaltung auf eine Semantik mit einem gewissen Wirtschaftsbezug geachtet. Ansonsten gilt auch hier: Die Gestaltung der Aufgaben mag diagnostisch korrekt sein, für´s Auge (und damit für die Marke) ist das nichts. Der einzige Test, bei dem man sich als Betrachter halbwegs vorstellen kann, dass “so etwas” auch im Studium drankommen könnte, ist die Analyse von Tabellen und Grafiken. Bei allen anderen fehlt u.E. der nötige Anforderungsbezug gänzlich. Auch fehlen für eine fundierte Studienwahl relevante Themenmodule zur Berufswelt, zu Studieninhalten, – organisation oder -kultur völlig.

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  • Kurz vor dem Ende der Applikation erhält man dann auf einer Seite noch ein paar Informationen zur Hochschule und zum Studienort Wernigerode. Nun, die Seite haben wir mal gescreenshottet und es mag sich jeder selbst sein Bild machen, ob das jetzt so richtig “verlockend” ist.

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  • Zum Abschluss erhält der Teilnehmer dann zu jedem einzelnen Testmodul eine kurze textliche Rückmeldung hinsichtlich des eigenen Abschneidens.

Fazit: Das SelfAssessment der HS Harz wirkt insg. alles andere als gestalterisch ansprechend. Inhaltliche Korrektheit mal als gegeben vorausgesetzt, macht das SelfAssessment optisch sicherlich nicht sonderlich viel her und ob es die Lust, an der HS Harz zu studieren steigert, wage ich auch mal zu bezweifeln. Noch entscheidender als die Optik allerdings ist die Kritik am grundsätzlichen Ansatz des SelfAssessments. Hier wird mal wieder so getan, als wenn man einfach nur einen (Leistungs-)test durchlaufen müsste und einem dieser dann sagen kann, ob man das Fach XY studieren sollte. Wo das “Self” im SelfAssessment stecken soll, bleibt doch irgendwie schleierhaft… Sicherlich ist eine gewisse geistige Flughöhe zum erfolgreichen Bestehen eines Hochschulstudiums wichtig, aber welcher Studiengang, in welcher Hochschulform, an welchem Standort am besten zu einem passt, wird dadurch quasi gar nicht beantwortet. Informationen über hinter dem jeweiligen Studiengang liegende Berufsbilder, Informationen über Studieninhalte, Informationen über die Studienorganisation oder auch Informationen über den Studienalltag und die Studienkultur fehlen völlig. Dabei sind es doch gerade diese “Könnens-unabhängigen” Facetten, die oft zu einer falschen Studienwahl führen. Denn: Ob jemand “studierfähig” ist, steht im Abitur oder anderen Formen der Hochschulzugangsberechtigung. Was das für einen “passende” Studium ist, steht auf einem völlig anderen Blatt… Die Chance, das SelfAssessment als wirksames Instrument zur Profilschärfung der Hochschule einzusetzen, wird an der HS harz so u.E. gänzlich vertan.

Schade eigentlich… Für einen Vergleich lohnt sich ggf. mal ein Blick in das virtuelle Studienberatungsangebot für Wirtschaftsstudiengänge an der HAW Hamburg. Vergleichsurteile sind herzlich willkommen!

2 Gedanken zu „Auch die Hochschule Harz bietet jetzt ein SelfAssessment – für zwei Wirtschaftsstudiengänge

  1. Das Marketingpotenzial von Self-Assessments klar verkannt, muss man wohl sagen …
    Vielleicht hat die optische Anmutung, die URL-Gestaltung etc. auch mit den technischen Möglichkeiten von “Testmaker” zu tun?!
    Die HS Harz macht selbst übrigens tolle Sachen für Studieninteressierte, die leider bloß in der Informationsarchitektur sehr versteckt sind, z.B. http://www2.hs-harz.de/fbaimodul/ und http://www.ingtogo.de/

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