Erste Zahlen zum Daimler-Auftritt in fliplife

Vor drei Wochen ist die Daimler AG als zweites reales Unternehmen in das Browsergame „fliplife“ eingestiegen, ich habe berichtet. Dabei können fliplife-Spieler eine virtuelle Ingenieurkarriere bei Daimler durchlaufen – “Vom Felgenpolierer zum Innovationsguru”. Hier die Unternehmensseite von Daimler in fliplife (ich konnte es mir nicht verkneifen, das Werbebanner rechts mit auf den Screenshot zu nehmen ;-) Sorry, Daimler…):

Man kann dieses Engagement sicherlich so oder so beurteilen, Geschmäcker sind ja nun einmal verschieden. Manche halten die Verbindung von Spiel und Personalkommunikation grundsätzlich für Unsinn (ja, solche Leute gibt es tatsächlich noch…), manche finden Browsergames à la fliplife hierfür nicht geeignet und anderen ist die inhaltliche Tiefe der Aufgaben in fliplife (noch) nicht ausreichend. Aus Sicht des Personalmarketings bzw. aus Sicht des Controllings des Selbigen aber sind neben Geschmack natürlich auch Zahlen ein wichtiger Gradmesser – frei nach dem Motto: Der Köder soll vor allem dem Fisch schmecken, nicht zwingend dem Angler…

Dank Uwe Knaus habe ich nun ein paar erste Zahlen zum Engagement von Daimler in fliplife und die sind aus meiner Sicht sehr bemerkenswert:

  • Bis gestern waren exakt 2.029 „Ingenieure“ bei Daimler angestellt.
  • Diese haben innerhalb von fliplife ca. 15.000 Projekte absolviert.
  • Die Daimler „Karriereseite“, also die Seite, auf der man die Projekte auswählen kann, wurde ca. 248.000 aufgerufen.
  • Die Spieler waren zusammen etwa 7.400 Stunden mit den Projekten beschäftigt.
  • Die Spieler sind im Durchschnitt 22 Jahre und zu 56% weiblich.

Was sagt uns das?

Nun, dass in drei Wochen mehr als 2.000 Personen virtuell bei Daimler angeheuert haben ist rein quantitativ schonmal eine ganze Menge. Man vergleiche diese Zahl mal mit den Fanzahlen von Facebook-Karriereseiten. Ja, ich weiß auch, dass dieser Vergleich an allen Ecken und Ende hinkt, aber es sind nunmal mehr als 2.000 Menschen, die Daimler über diesen Weg der Karriere-Kommunikation erreicht. Punkt. Zum Vergleich: Bei Bayer sind aktuell (d.h. in den letzten Wochen tatsächlich in einer Bayer-Karriere aktiv) gut 16.000 „virtuelle Mitarbeiter“ beschäftigt. Die Bayer Karriere-Fanpage bei Facebook hat aktuell etwas mehr als 7.200 Fans…).

Zweitens: Diese etwas mehr als 2.000 Daimler-Ingenieure haben im Schnitt 7,5 Daimler-Projekte bearbeitet. Mein nach wie vor zentraler Kritikpunkt an fliplife ist, dass die wirkliche inhaltliche Auseinandersetzung mit einem Projekt durch das „Click&Wait“-Prinzip noch deutlich ausbaufähig ist. Ein Teilprojekt zu bearbeiten heißt nämlich zunächst einmal nur, es sich auszusuchen, auf Projekt starten zu drücken und abzuwarten, bis die Zeit abgelaufen ist. Das muss man dann ggf. mehrfach wiederholen, um irgendwann das nächste Teilprojekt bearbeiten zu können usw. Irgendwann hat man dann das Gesamtprojekt abgeschlossen und widmet sich dem nächsten. Von daher relativiert sich die Zahl von durchschnittlich 7,5 bearbeiteten Daimler-Projekten bzw. die verwendete Zeit von 7.400 Stunden (also durchschnittlich ca. 3,5 Stunden pro Spieler) auch. Aber: Selbst wenn der Tiefgang der Bearbeitung recht gering ist, die Spieler sind während des Spiels immerzu und immer wieder gedanklich in einer „Daimler-Welt“. Man sollte nicht den Fehler machen, die sublime Wirkung dieser Form des „Nebenbei“ zu unterschätzen.

Und: Welche Projekte das Unternehmen anbietet, wieviel Tiefgang man diesen mitgibt und wieviel gedankliches Zutun man dem Spieler abverlangt, kann man als Unternehmen ja auch ein wenig selber steuern. Wir erstellen gerade für einen unserer Kunden gemeinsam mit fliplife eine „Handelskarriere“ (in knapp 3 Wochen dazu mehr), wobei insb. dieser Aspekt deutlich stärker betont wird.

Ich bleibe dabei: es mag einem selber manchmal schwerfallen nachzuvollziehen, warum Menschen so viel Zeit mit „Social Games“ verbringen. Aber sie tun es nunmal. Von daher lohnt es sich auch, diesen Kanal als möglichen Weg des Personalmarketings sehr ernsthaft zu prüfen. Zahlen lügen nicht. Mehr dazu in Kürze…

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

8 Gedanken zu „Erste Zahlen zum Daimler-Auftritt in fliplife

  1. Hi Jo,

    schöner Beitrag :-)

    Die Zahlen sind schon interessant, sagen aber meines Erachtens mehr über Fliplife aus als über den Daimler-Erfolg mit Fliplife. Meine Frage wäre: wären es ähnlich viele Klicks, wenn dort statt Daimler Opel oder VW gestanden hätte?

    Hast Du zufällig auch Zahlen darüber, wie viele Personen vom Fliplife auf die echte Karriereseite gegangen sind? DAS fände ich richtig spannend :-)

  2. Hallo Susanne, ja, da gebe ich dir Recht. Allerdings hängen die beiden Erfolge durchaus zusammen. Wir stellen häufig fest, dass sich Unternehmen gute Tools für ihre Karriere-Website bauen lassen, dabei aber ein wenig vergessen, dass man auch ein „wenig was in den Tank tun muss, damit das tolle Auto fährt…“, sprich: Marketing, damit das Tool auch jemand sieht oder damit es auch Leute sehen, die nicht ohnehin schon auf die Unternehmensseite gehen.

    Durch das Grundrauschen bei fliplife löst man dieses Marketingproblem zum Teil, weil man von dem dort vorhandenen Traffic stückweit profitiert. Natürlich wären die Zahlen bei einem anderen Unternehmen anders, ein wenig Employer Brand bringt ein Unternehmen ja auch schon mit… ;-) Ich würde aber vermuten, dass die Abweichungen gar nicht so groß wären, weil eben viele in fliplife auch mal andere Karrieren ausprobieren. Wie im echten Leben müssen dabei unattraktivere Jobs oder Unternehmen aber wahrscheinlich stärker incentivieren…

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