Mobile Recruiting – das Thema muss auf die Agenda. Aber bitte differenziert… Teil 8 der Serie: “Was ist eine gute Karriere-Website?”

Oh mann, eigentlich hatte ich mir doch Anfang des Jahres vorgenommen, die Artikelserie zu Karriere-Websites, die auf meiner entsprechenden Vorlesung an der Quadriga Hochschule basiert, dann auch demnächst mal zu finalisieren. Doch nach Teil 7 der Serie, in dem es um den Baustein “Informationen über den Recruiting-Prozess” ging, drängelten sich vor Teil 8 immer wieder andere Themen.

Heute ist aber soweit: In Teil 8 der Artikelserie ziehe ich – in Abweichung zur Vorlesung, da bildet dieses Thema immer den Abschluss – das enorm wichtige Thema “mobile” vor. Dieses Thema läuft landläufig unter dem Schlagwort Mobile Recruiting, umfasst dabei aber auch Aspekte der Arbeitgeberkommunikation über mobile Endgeräte und ist daher auch wichtiges Thema rund um die Karriere-Website.

Also, los geht´s:

Mobile Recruiting – das Thema muss auf die Agenda. Aber bitte differenziert…

Das Internet ist mobil geworden. Für viele ist es, dank leistungsstarker Smartphones, erschwinglicher Datentarife und komfortabler Apps, zu einer Selbstverständlichkeit geworden, auch unterwegs E-Mails zu checken, die beste Bahnverbindung raus zu suchen oder nach dem kürzesten Weg zum Restaurant zu suchen.

Während es 2012 noch rund 35% waren, lag 2014 der Anteil der Internetnutzer, die das Internet auch mobil nutzen bereits bei rund 69%, Tendenz weiter stark steigend.

Anteil_mobiler_Internetnutzer

Es wäre also beinahe fahrlässig anzunehmen, dass diese Entwicklung keine Auswirkungen auf die Personalgewinnung haben wird. Folgerichtig ist das Thema ´Mobile Recruiting´ auch ein ständiger Gast in der Fachpresse, einschlägigen Blogs und auf Fachtagungen und Kongressen.

Dabei ist der Begriff Mobile Recruiting als Schlagwort eigentlich gar nicht passend, weil dieser suggeriert, dass es sich um die Mobilisierung der eigentlichen Rekrutierung, also der Bewerbungsprozesse handelt. Das gehört zwar auch dazu, verstellt aber den Blick etwas.

Wenn wir über den Stand des Mobile Recruiting – bleiben wir der Einfachheit halber mal bei diesem Schlagwort – im Jahr 2015 sprechen, dann brauchen wir eine differenzierte Betrachtung. Und bei dieser müssen zwei Themenbereiche getrennt betrachtet und beurteilt werden:

Auf der einen Seite all das, was mit der Ansprache von (potentiellen) Bewerbern zu tun hat, also der beruflichen Orientierung, dem Personalmarketing, Stellenanzeigen oder Information über die (Karriere-)Website des Unternehmens, auf der anderen Seite dann die Themen, die sich um die eigentliche Personalauswahl drehen, also den Bewerbungsprozess, das Bewerbermanagement, möglicherweise Auswahltests und Interviews.

Denn: Während die Mobiloptimierung der Bewerberansprache inzwischen eine hohe Dringlichkeit hat und für Arbeitgeber zwingend weit oben auf der Agenda angesiedelt sein sollte, ist die Situation bei der Personalauswahl noch erheblich entspannter.

Laut der Studie Bewerbungspraxis 2015 lag in 2014 der Anteil der Bewerber, die (auch) ihr mobiles Endgerät für die eigentliche Bewerbung nutzen unter 8% und damit sogar niedriger als ein Jahr zuvor. Mit 97,8% war die Kombination “Zuhause am Computer/Notebook” für die eigentliche Bewerbung immer noch die überragende Verwendungsform.

Lt. der Online-Bewerbungsstudie 2013 (D. Eisele) war für weniger als 7% der Befragten “Mobil” die bevorzugte Bewerbungsart, etwa gleichauf mit der Papierbewerbung. Als Gründe hierfür werden häufig die unkomfortable Bearbeitung (Kleine Bildschirme, Tastaturen etc.) genannt, aber auch dass Bewerbung eben “Kein Vorgang für unterwegs” sei.

Bevorzugte_Bewerbungsart

Gleichwohl: Verschiedene Studienergebnisse deuten darauf hin, dass sich auch hier zukünftig ein Bewusstseinswandel einstellen könnte, ähnlich etwa dem Online-Banking, was sich vor 15 Jahren auch die allermeisten noch nicht vorstellen konnten und heute eine Selbstverständlichkeit ist. So gehen lt. Bewerbungspraxis 2015 immerhin etwa 50% der Bewerber davon, dass mobile Bewerbungsformen zukünftig wichtiger werden und gut ein Fünftel vermutet, sich zukünftig selber auch mobil bewerben zu werden.

Doch während also der Handlungsdruck der Unternehmen im Hinblick auf die Bereitstellung mobiler Bewerbungsmöglichkeiten noch nicht so groß ist, stellt sich die Situation bzgl. der mobilen Bewerberansprache ganz anders dar.

Nicht nur, dass der Anteil derer, die von unterwegs über das Smartphone auf Jobsuche gehen mit knapp einem Drittel bereits substantiell ist (Tendenz zudem stark steigend), sondern es handelt sich hierbei auch um den Teil der Personalgewinnung, bei dem die allermeisten (deutlich über 80%!) der Meinung sind, dass dieser sich auch am besten für die mobile Nutzung eignet.

Mobiler_Bewerbungsprozess

Das ist in der Tat so: Während die eigentliche Bewerbung vielleicht wirklich nichts “für unterwegs” ist, ist es die Information über potentielle Arbeitgeber und Stellen absolut. Die fünf Minuten Wartezeit auf den Bus lassen sich nämlich nicht nur mit einer Partie Quizduell überbrücken, sondern durchaus auch mit einem Besuch der Karriere-Website, der Nutzung eines Jobmatching-Verfahrens oder dem Durchsuchen offener Stellen in einem Jobboard.

Was bedeutet das für die Unternehmen? Und warum bieten sich hierbei insb. für kleine und mittelständische Unternehmen große Chancen?

Es wird deutlich, dass alle diejenigen Elemente der Personalgewinnung, die der Information potentieller Bewerber über den Arbeitgeber und/oder offene Stellen dienen, dringend mobiltauglich gemacht werden müssen. Das bedeutet zum einen die Mobiloptimierung der Stellenanzeigen und das bedeutet zum anderen vor allem die Mobiloptimierung der (Karriere-)Website.

Hier bewegt sich zwar durchaus einiges – entgegen vielfach laut vorgetragener Beschwerde aus der Beraterszene habe ich nicht das Gefühl, dass die Unternehmen hier den Schuss nicht gehört hätten; die Zahlen zeigen, dass man sich bei der Mobiloptimierung der Karriere-Websites durchaus widmet…

…gleichwohl gibt es immer noch so einiges zu tun…

Es gibt hierfür beispielsweise inzwischen zahlreiche kostengünstige oder sogar kostenlose sog. “Themes” der Blogsoftware WordPress, auf deren Basis sich mit verhältnismäßig geringem Aufwand Karriere-Websites erstellen lassen, die automatisch im sog. Responsive Design angelegt sind und sich damit optimal auf jedes Endgerät, mit dem sie aufgerufen werden (also auch mobilen Endgeräten) anpassen.

Zudem ist die Pflege der Inhalte hier sehr einfach und verlangt kein besonderes IT-Know how. Die Mobiloptimierung dieser Inhalte ist allein schon aus dem Grund von hoher Bedeutung, weil die wichtigste Suchmaschine Google seit April 2015 Websites, die nicht mobiloptimiert sind, im organischen Suchindex niedriger einstuft (zumindest in der mobilen Suche).

Wie dargestellt, ist demgegenüber die Mobiloptimierung des eigentlichen Bewerbungsprozesses zwar perspektivisch wichtig, aber aktuell nachrangig. Allerdings bieten sich auch hier speziell für kleine und mittelständische Unternehmen Chancen. Denn im Gegensatz zu Großunternehmen sind hier die Bewerbungsvolumina oft nicht so groß, als dass sie dezidierte und technisch komplexe Bewerbermanagementsysteme erfordern würden.

Hier könnte speziell KMU in die Hände spielen, dass die von den mit großem Abstand meisten favorisierte Bewerbungsart “per E-Mail” oftmals auch diejenige ist, die in diesen Unternehmen dominiert. “E-Mail” ist dabei als App auf den allermeisten Smartphones ohnehin vorinstalliert. Bewerber, die ihre Bewerbungsunterlagen etwa auf dem Smartphone oder in der Cloud abgelegt haben, können diese problemlos per E-Mail an das Unternehmen senden, auch mobil.

Präferiertes_Bewerbungsverfahren

Prozessual ändert sich dabei auf Seiten der Unternehmen eigentlich nicht viel… Manchmal ist der Schritt in die Zukunft gar nicht so groß…

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