Bin ich ein Unternehmertyp? Universität des Saarlandes mit SelfAssessment für angehende Gründer

Google Alerts sind schon eine tolle Erfindung, um im WWW auf dem Laufenden zu bleiben. Durch die erhielt Jo nämlich einen Link zu einem neuen SelfAssessment, das nicht die typischen Studienfächer bedient, sondern einen Beruf (oder eine Berufung?) abdeckt, der in Online-SelfAssessments bisher relativ wenig Beachtung fand:

den des Unternehmers.

So fand der Link zum Gründer-OSA seinen Weg in mein Mailpostfach.

Gerade beim „Beruf Unternehmer“ ist vielen nicht ganz klar, was da alles hinter steckt. Eines haben meiner Meinung nach alle Gründer – egal ob Onlineshop-Erfinder, Marketing-Pionier oder innovativer Ingenieur – gemeinsam: Sie führen eine Tätigkeit aus, die ganz spezielle Anforderungen an eine Person stellt, weniger konkrete Fähig- oder Fertigkeiten.

Zum Beispiel habe ich da noch die Stimmen meiner ehemaligen Uni-Dozenten im Ohr:

„Als Unternehmer muss man damit leben, dass man von heute auf morgen dichtmachen muss.“

Oder:

„Als Unternehmer kann man es sich nicht leisten, zu zögern.“

Stressresistenz und Risikofreude braucht man also. Und da hört es noch nicht auf. Deshalb ist es wichtig, vorher auszuloten, ob das Unternehmer-Dasein zu einem passt. Und was eignet sich besser, um das zu überprüfen, als ein OSA? Eben!

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie hat mit BeBoss bereits vorgemacht, wie man die Berufsperspektive Unternehmertum spielerisch für die Berufsorientierung aufbereiten kann. Dortr wird v.a. die Zielgruppe Schüler angesprochen, für die Gründung noch ferne Zukunftsmusik ist. Das OSA der Universität des Saarlandes richtet sich hingegen an eine ältere Zielgruppe, bei der das Thema schon wesentlich konkreter aussehen kann.

Also zurück zum Thema: Ich habe nun auf den Link in meinem Mailpostfach geklickt, um das Gründer-OSA einmal zu testen.

Gründer-OSA: Einleitung

Der erste Eindruck

Grafisch kommt es schlicht und funktional daher. Im Header prangen die Logos der Universität des Saarlandes und des Gründercampus Saar. Farblich ist das SelfAssessment in weiß, grau und blau gehalten.

„Let’s get down to business“: Das Beantworten der Fragen

Dem User werden 21 Situational Judgement Testfragen vorgelegt. Ich bekomme also immer eine kurze Situationsbeschreibung und soll aus vier Antwortalternativen zwei auswählen: eine, die ich am wahrscheinlichsten und eine, die ich am unwahrscheinlichsten zeigen würde. Bei den Beschreibungen handelt es sich um verschiedene Situationen, die einem im Gründeralltag so begegnen können.

Hier ein paar Beispiele:

Ich bin noch angestellt und möchte nun meine eigene Firma gründen – Was tun?

Ich befinde mich in der Planungsphase, mir fehlt aber das notwendige wirtschaftliche Know-how – Was mach ich da nur?

Mein erster großer Auftrag ist über die Kante geschubst, aber der Kunde ist unzufrieden – Und nun?

Einige Jahre später ist die Nachfrage nach meinem Produkt zurückgegangen – Soll ich die Cash Cow noch melken so lange es geht, mehr in Werbung investieren oder lieber gleich umsatteln?

Die Produkte, um die es geht, variieren dabei. Mal musste ich mir vorstellen, dass ich Lacke produziere, in einer anderen Testfrage waren es Smartphone-Apps. Vom Techniker bis hin zum Unternehmensberater ist für jeden Geschmack etwas dabei.

Gründer-OSA: Situational Judgement Test Frage

Die Situational Judgement Tests eignen sich wie ich finde sehr gut, um einmal abzuklopfen, ob man das Zeug zum Unternehmer hat. Denn im Gegensatz zum Arzt- oder Lehrerberuf kann man diesem beim Arbeiten nicht mal eben über die Schulter schauen. Da helfen konkrete Situationen schon viel weiter, um sich ein Bild vom „Beruf Unternehmer“ zu verschaffen.

Gut gefällt mir, dass sich die Reihenfolge der Fragen am Lebenszyklus einer Geschäftsidee entlang hangelt. Man startet mit den Fragen zur Gründungsplanung, geht über Fragen zu den ersten Aufträgen und endet mit Fragen zur Umstrukturierung, nachdem sich die eigene Firma etabliert hat.

Durch die Recrutainment-Brille betrachtet ein guter Ansatz.

M.M.n. ist da aber noch viel Luft nach oben. Schließlich kann man Situational Judgement Tests in eine ganze durchgängige Story einbinden und so mehr Spannung aufkommen lassen. Ähnlich haben wir das zum Beispiel auch beim eAssessment für die TARGOBANK, der TARGOBANK Tour, aufgezogen.

Gründer-OSA: Situational Judgement Test Frage

“What’s in for me?”: Die Auswertung

Als Ergebnis bekomme ich ein Spinnendiagramm ausgegeben, das mir meine Ausprägung in den Persönlichkeitsdimensionen aufzeigt. Dazu bekomme ich noch eine Erklärung, was unter den Dimensionen zu verstehen ist und welche Ausprägungen optimal für Unternehmer sind. Die Erklärungen sind gut zu lesen und einleuchtend. Für den Fall, dass ich weitergehende und konkretere Beratung brauche, gibt es auch einen Link zur Gründerberatung der Universität.

Mein eigenes Ergebnis finde ich zum Teil stimmig. Überrascht hat mich allerdings die hohe Ausprägung bei Risikoneigung und Autonomiestreben, da ich bei den Fragen die Extremvariante als am unwahrscheinlichsten angegeben und deshalb eher eine mittlere Ausprägung erwartet habe. Da wäre ein Blick in die Verrechnungslogik sehr interessant.

Das Feedback hat aber – und das ist die Hauptsache – geleistet, was es leisten soll: Es klärt auf und regt zur Reflexion an.

Und jetzt muss ich mal die Psychologin in mir durchkommen lassen. ;) Extraversion, Offenheit für Erfahrungen und Emotionale Stabilität sind schon aus den Big Five bekannt. Ergänzt wird hier noch um die Faktoren Leistungsmotivation, Autonomiestreben, Internale Kontrollüberzeugung und Risikoneigung. Die haben sich auch in der Gründungsforschung als erfolgsfördernd herausgestellt. Konzeptionell haben die Dimensionen also durchaus Hand und Fuß.

Gründer-OSA: Auswertung

Gründer-OSA: Auswertung

Mein Fazit:

Das SelfAssessment ist geeignet dafür, wenn man in Erwägung zieht, einmal sein eigener Chef zu werden. Es ermöglicht eine erste Orientierung und regt dazu an, über die verschiedenen Anforderungen, die das Unternehmer-Dasein an einen stellt, nachzudenken.

Für diejenigen, die überlegen, ob Selbstständigkeit etwas für sie wäre, ist es eine gute Möglichkeit, der Frage weiter auf den Grund zu gehen. So vollständig überspringen wollte der Funke bei mir aber ehrlich gesagt nicht. Das liegt zum einen daran, dass ich mich nicht komplett im Feedback wiederfinden konnte. Zum anderen ist die Aufmachung sehr textlastig. Hier bin ich eben doch mehr Spielkind. ;)

Eine Prise mehr Lebendigkeit hätte dem OSA m.M.n. sehr gut getan, z.B. durch Bildmaterial zu den Fragen oder indem die Situational Judgement Tests in eine Storyline eingearbeitet werden.

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