Der Online-Selbsttest für das Psychologiestudium der Universität Zürich: „Drum prüfe, wer sich bindet“

Mit diesem Slogan machte die Universität Zürich bereits im August letzten Jahres auf ihr Online-Self-Assessment für Psychologie aufmerksam. Dieser Selbsttest soll es Studieninteressierten erlauben, sich ein besseres Bild des Psychologiestudiums zu machen und zu überprüfen, ob das Psychologiestudium zu den eigenen Erwartungen, Interessen und Fähigkeiten passt. Und zwar idealerweise vor einer Einschreibung und damit vor der im Slogan erwähnten Bindung an den Studiengang. Psychologie gehört dabei nicht nur an der Universität Zürich und in der Schweiz zu den beliebtesten Studienfächern, jedes Jahr beginnen auch in Deutschland mehrere tausend Studienanfänger ein Psychologiestudium. Problematisch sind allerdings die hohen Abbruchraten (an der Universität Zürich waren es ganze 41 Prozent) und die häufig vorkommenden falschen Vorstellungen vom Studienfach.

Aus diesem Grund bieten immer mehr Hochschulen internetbasierte Selbsteinschätzungstests für Studieninteressierte an, sogenannte Online-Self-Assessments (kurz OSA). Die einzelnen Angebote fallen ganz unterschiedlich aus. Sie haben aber alle gemeinsam, dass sie von den Hochschulen kostenlos im Internet als Orientierungsangebote für Studieninteressierte zur Verfügung gestellt werden und eine unmittelbare Rückmeldung beinhalten. Also kein langes Warten auf die Ergebnisse. Gut gestaltete Online-Self-Assessments weisen zudem positive Zusammenhänge mit den Leistungen und der Zufriedenheit im Studium auf. Durchschnittlich betrachtet gilt: Wer gut im OSA abschneidet, studiert erfolgreicher und zufriedener.

Die Deutsche Gesellschaft für Psychologie präsentiert eine Übersicht für Online-Self-Assessments, anhand derer Studieninteressierte überprüfen können, ob das Psychologiestudium das Richtige für sie ist. Dazu gehören beispielsweise der Studienkompass Psychologie der Universität Hamburg oder das Psychologie-OSA der Universität Freiburg. Daneben gibt es weitere OSA-Angebote für das Psychologiestudium wie die Virtuelle Studienorientierung der Universität Göttingen und eben auch der Online Selbsttest der Universität Zürich.

Was kommt im Selbsttest der Universität Zürich vor?

Auf oberster Gliederungsebene beinhaltet der Selbsttest drei Kernbereiche:

  • Meine Interessen und Erwartungen an das Psychologiestudium
  • Meine Fähigkeiten und Kompetenzen
  • FAQ: Zusammenstellung relevanter Informationen rund um das Psychologiestudium und die berufliche Tätigkeit als Psychologin oder Psychologe

Die Studieninteressierten können demnach Aufgaben in verschiedenen Bereichen bearbeiten, was im Folgenden einmal exemplarisch durchlaufen werden soll.

1) Meine Interessen und Erwartungen

Mit welchen Inhalten beschäftige ich mich im Studium? Interessiere ich mich überhaupt für diese Inhalte? Welche beruflichen Tätigkeitsfelder könnten nach dem Studium für mich in Frage kommen?

All dies sind Fragen, die in diesem Kernbereich des Selbsttests beantwortet werden sollen. Dazu dienen die Untermodule: „Meine Erwartungen“, „Mein Interesse am Psychologiestudium“ und „Mein Interesse an psychologischen Tätigkeiten“.

Interessen_und_Erwartungen

Schauen wir uns zunächst das Untermodul „Meine Erwartungen“ an:

Hier müssen mehrere Aussagen (Beispiel: Im Psychologiestudium lernt man, wie man Menschen hypnotisiert.) hinsichtlich ihrer Richtigkeit eingeschätzt werden. Nach der Beantwortung aller Erwartungsaussagen bekommt man eine unmittelbare Rückmeldung, ob die eigene Einschätzung korrekt oder falsch war. Zusätzlich kann zu jeder Erwartung eine Erläuterung durchgelesen werden (gelber Kasten).

Meine_Erwartungen

Im Untermodul „Mein Interesse am Psychologiestudium“ sollen verschiedene Veranstaltungen (Beispiel: Arbeitszufriedenheit und Arbeitsmotivation) hinsichtlich ihres Interessantheitgrades beurteilt werden. Die Veranstaltungen beziehen sich auf die zahlreichen Studieninhalte aus den Grundlagenfächern, Methodenfächern und Anwendungsfächern des Psychologiestudiums.

Im Anschluss an alle Aussagen wird in der Rückmeldung dargestellt, wie hoch das eigene Interesse an den Studieninhalten ausgeprägt ist. Ergänzend können Erläuterungen zu den einzelnen Fächern abgerufen werden (gelber Kasten). Zusätzlich stehen Vorlesungsaufzeichnungen zur Verfügung, die beispielhaft demonstrieren, wie eine Vorlesung an einer Hochschule abläuft und noch einmal klar kommunizieren, welche Studieninhalte zu welchem Fach gehören. An dieser Stelle wird deutlich, dass der Selbsttest ein Kooperationsprojekt zwischen der Universität Zürich und der Fachhochschule Nordwestschweiz ist: Die Vorlesungsmitschnitte stammen von beiden Hochschulen.

Mein_Interesse

Die vielfältigen beruflichen Möglichkeiten nach dem Psychologiestudium sind Bestandteil des dritten Untermoduls „Mein Interesse an psychologischen Tätigkeiten“. Ähnlich wie zuvor bei den Studieninhalten werden hier verschiedene berufliche Tätigkeiten (Beispiel: Innovationspotenziale neuer Medienangebote analysieren) eingeschätzt. Auch hier folgt im Anschluss an alle Aussagen wieder eine direkte Rückmeldung. Es wird angegeben, wie hoch das eigene Interesse – diesmal an den verschiedenen Haupttätigkeitsbereichen von Psychologen – ausgeprägt ist.

2) Meine Fähigkeiten und Kompetenzen

In diesem Kernbereich können Studieninteressierte überprüfen, welche Anforderungen ein Psychologiestudium stellt und ob sie selbst die notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen für ein erfolgreiches Psychologiestudium mitbringen. Dazu gibt es einen Test zum sprachlichen Denken, einen Test zum rechnerischen Denken sowie einen Test zum figurativ-bildhaften Denken und räumlichen Vorstellungsvermögen. Ganz neu hinzugekommen sind außerdem die Tests zum Textverständnis sowie zur Interpretation von Tabellen und Diagrammen.

Fähigkeiten_Kompetenzen

Also eine ganze Menge zu tun… Summiert man die angegebenen Bearbeitungszeiten von 20 bis 30 Minuten pro Test an, dann erhält man einen benötigten Zeitaufwand von insgesamt 100 bis 150 Minuten, der zur Bearbeitung aller Tests eingeplant werden sollte.

Beispielhaft durchlaufe ich einmal den Test zum sprachlichen Denken, der wiederum aus vier verschiedenen Aufgabengruppen besteht: Sprachliche Klassifikationen, Gegenteilige Wortbedeutung, Sprachliche Analogien sowie Satzergänzungen.

Für jede Aufgabe stehen einem immer mindestens 20 Sekunden zum Lösen zur Verfügung, danach geht es weiter zur nächsten Aufgabe. Vor Beginn jeder Aufgabengruppe erhält man eine Instruktionen zur Bearbeitung und es wird das Lösungsprinzip anhand eines Beispiels veranschaulicht.

In der Auswertung erhält man seinen individuellen Prozentsatz, der angibt, wie viele Personen in diesem Test weniger richtige Lösungen erzielten. Als Vergleichsgruppe wird eine Gruppe von Studieninteressierten im Alter von 16 bis 25 Jahren herangezogen.

Sprachliches_Denken

Wer bei den neuen Tests zum Textverständnis sowie zur Interpretation von Tabellen und Diagrammen mitmachen möchte, wird auf eine separate Übersichtsseite weitergeleitet. Die Rückmeldungen zu diesen Tests fallen sparsamer aus, da sich die Tests momentan noch in der Erprobungsphase befinden.

3) Relevante Informationen: FAQ

In diesem Bereich werden Informationen zu häufigen Fragen angeboten, die sich auf das Studium (FAQs zum Studium) oder die spätere Berufswelt (FAQs zur beruflichen Tätigkeit) beziehen – beispielsweise zu den Zulassungsvoraussetzungen und zum Bewerbungsprozess oder zu der Beschäftigungssituation von Absolventen.

FAQ

Fazit

Die Idee, Erwartungen von Studieninteressierten in einem Online-Self-Assessment zu überprüfen, ist nicht neu. Bereits 2006 startete an der Universität Mannheim das Mannheimer Informationssystem für Studieninteressierte der Sozialwissenschaften mit einem detaillierten Erwartungstest zum Studiengang Psychologie und auch viele andere Psychologie-OSA beinhalten einen Erwartungsabgleich, z.B. die Virtuelle Studienorientierung der Universität Göttingen.

Häufige Irrtümer über das Psychologiestudium sind beispielsweise die Annahmen, sich im Studium fast ausschließlich mit Freud zu beschäftigen, direkt nach dem Studium als Therapeut arbeiten zu können (was faktisch nicht möglich ist, da eine Zusatzausbildung notwendig ist) oder im Studium ganz ohne Mathematik und Statistik auszukommen (was ebenfalls unmöglich ist). Da falsche Erwartungen und unrealistische Annahmen zum Studienfach Psychologie aber leider weit verbreitet sind, ist vor Studienbeginn eine Erwartungskorrektur unbedingt empfehlenswert – und genau dazu leistet das Züricher OSA einen wertvollen Beitrag.

Auch die konkreten Interessensfragen sind für Studieninteressierte sehr wichtig. Schließlich ist die Frage „Interessiere ich mich überhaupt für die Inhalte eines Psychologiestudiums?“ von eminenter Bedeutung, wenn es darum geht, das passende Studienfach zu finden. Wer möchte sich schon Jahre mit Inhalten beschäftigen, die ihn überhaupt nicht ansprechen, nur weil er sich vorab nicht gut ausreichend informiert hat? Dies gilt natürlich auch für die späteren Berufsmöglichkeiten!

Zusätzlich erfüllt der Selbsttest der Universität Zürich auch den Anspruch, einen Abgleich zwischen den Anforderungen des Studiums mit den kognitiven Fähigkeiten und Kompetenzen der Studieninteressierten zu leisten. Also auch die diagnostische OSA-Komponente im reinen Sinne bereitzustellen. Die einzelnen Module können in beliebiger Reihenfolge durchlaufen werden. Nichts muss bearbeitet werden, alles darf. So kann sich jeder User aussuchen, was ihn am meisten interessiert.

Bleibt nur zu sagen: Das Prüfen macht mit dem Züricher Tool nicht nur Spaß, sondern ist auch sehr informativ – dann sollte es hoffentlich auch mit einer stabilen und glücklichen Bindung klappen.

Autorin: Svea Hasenberg.

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