Ist OSA gleich OSA? – Nein! Neues Online-SelfAssessment der Hochschule für Gesundheit

Donnerstag, 23. Mai 2013 20:52

Jüngst bin ich per Google Alert auf ein neues SelfAssessment gestoßen und zwar diesmal von der Hochschule für Gesundheit (hsg). Zum kommenden Wintersemester ist es bei dieser Hochschule ein verpflichtender Bestandteil im Bewerbungsprozess das neu geschaffene Online-SelfAssessment zu durchlaufen.

hsg_OSA

Zum Inhalt: Direkt am Anfang wird darauf hingewiesen, dass es sich um die erste Ausbaustufe des OSAs handelt, die „Informationen zu geltenden Studienvoraussetzungen und Bewerbungsmodalitäten enthält“. In weiteren Ausbaustufen soll das Angebot dann unter Beteiligung der verschiedenen Studienbereiche um fachspezifische Bereiche erweitert werden. Aber auch schon jetzt soll das OSA laut Startseite der Hochschule dazu beitragen die Studierendenzufriedenheit zu erhöhen und die Zahl von Studienabbrüchen zu verringern.

Soweit so gut, wie gestaltet sich denn diese erste Ausbaustufe des OSAs?

Im Prinzip werden dem User lediglich auf 10 Seiten Informationen zu den Zulassungsvoraussetzungen (Hochschulzugangsberechtigung, Vorpraktikum und fachspezifische Einschreibungsvoraussetzungen) und dem Bewerbungsprozess bei den angebotenen NC-Fächern und dem NC-freien Studiengang „Pflege“ gegeben. Der Studieninteressierte wird mehrmals dazu aufgefordert, sich auf den entsprechenden verlinkten Seiten weiter über die Voraussetzungen zu informieren. Dass der User die Informationen gelesen und zur Kenntnis genommen hat, muss er oder sie jeweils mit einem Klick bestätigen.

Insgesamt existieren zwei Stellen, an denen der User durch seine Single-Choice-Eingabe die direkt danach präsentierte Information beeinflusst. Einmal in Bezug darauf wo die eigene Hochschulzugangsberechtigung erworben wurde (Deutschland bzw. deutsche Schule, als EU-Bürger im Ausland, als nicht EU-Bürger im Ausland), woraufhin unterschiedliche kurze Texte und jeweils ein direkter Link zu weiterführenden Informationen auf der Homepage der Hochschule präsentiert werden. Ein weiteres Mal in Bezug auf die Frage, ob man sich für die NC-Studiengänge, den NC-freien Studiengang „Pflege“ oder beide interessiert. Je nach Auswahl durchläuft man dann die 8. oder 9. oder die 8. und 9. Seite des OSA’s, auf der noch einmal die Eckdaten der jeweiligen Bewerbungsprozesse aufgelistet sind.

Zuletzt landet man auf einer Seite mit individuellem Teilnahmecode (der im Rahmen der Bewerbung eingeben werden muss), wo ein PDF mit allen im OSA gelesenen Informationen heruntergeladen werden oder optional an eine einzugebende E-Mailadresse verschickt werden kann.

Abschlussseite_hsg_OSA

Fazit

Und das war es dann auch schon… Wenn es primär darum geht, dass möglichst sichergestellt wird, dass sich Studieninteressierte einmal mit den wichtigsten Formalien auseinandergesetzt haben und insofern die Studienberatung von immer wiederkehrenden Routinefragen entlastet werden soll, dann kann man das so machen. Aus meiner Sicht hat dies aber insgesamt wenig mit dem Grundgedanken von Online-SelfAssessments im Hochschulkontext zu tun, in denen es ja eigentlich darum gehen soll, durch die Präsentation von (studiengangsspezifischen) Informationen und auch interaktiven Übungen ein umfassendes Bild zu einem Studium oder Studienfach zu vermitteln und so zur Orientierung und Beratung beizutragen. Gelungene Beispiele hierfür gibt es im Gegensatz zum beschriebenen Beispiel etwa in Form der Freiburger Online Studienwahl Assistenten, der Navigatoren der Hochschule Niederrhein oder der Virtuellen Studienorientierungen der Universität Göttingen, um nur ein paar zu nennen.

Studienabbruchquoten können durch das OSA der Hochschule für Gesundheit in seiner jetzigen Form m.E. nicht gesenkt werden, auch wenn dies als einer der Gründe für den Start dieses Projekts genannt wurde. Insgesamt wäre es sicher auch ausreichend gewesen, die Informationen in einem Dokument zu sammeln, das dem User vor der Bewerbung zum Durchlesen präsentiert wird und deren Kenntnisnahme durch Anklicken bestätigt werden muss.

Bleibt zu hoffen, dass das Hinzufügen von fachspezifischen Inhalten in weiteren Ausbaustufen nicht nur darin bestehen wird, die Informationen zu fachspezifischen Einstellungsvoraussetzungen aus den bestehenden Informationsseiten einzufügen, sondern tatsächlich Informationen zu den jeweiligen Studieninhalten und auch typische Aufgaben aus dem Studium oder der späteren Praxis präsentiert werden, anhand derer man für sich selbst überprüfen kann (Stichwort: SelfAssessment), ob der jeweilige Studiengang das Richtige ist.

Autorin: Lisa Adler.

Thema: Studienorientierung, Studieren an der Hochschule Niederrhein, Studieren an der Universität Göttingen, Virtuelle Studienberatung | Kommentare (0)

Ein (Berufs-)leben und zigtausend Möglichkeiten. Herkulesaufgabe für junge Menschen: Finde den richtigen Beruf!

Dienstag, 19. März 2013 11:00

Autor: Jo Diercks.

Das Wochenende begann am Freitagabend sehr erfreulich, flatterte uns doch ein schöner Auftrag herein, der – wenn fertiggestellt – sicherlich einen substantiellen Beitrag leisten dürfte, die Studienwahlentscheidungen von Studieninteressierten in Deutschland zu verbessern.

Mir ist in diesem Zusammenhang noch einmal sehr deutlich geworden, vor was für einer Herkulesaufgabe junge Menschen heute eigentlich stehen, wenn sich deren Schulzeit dem Ende zuneigt und die Frage “was will ich werden?” immer drohender Gestalt annimmt.

Buchstäblich zigtausend Möglichkeiten

Man könnte ja meinen, dass die omnipräsente Verfügbarkeit an berufsorientierender Information im Internet die Situation für junge Menschen vereinfacht hätte – unsereins hatte ja seinerzeit tatsächlich nicht viel mehr als das persönliche Umfeld und den berühmt-berüchtigten Besuch im BIZ (gab es dafür in der Oberstufe nicht einen Tag frei…?).

Weitgefehlt.

Hochschulkompass_Studiengangssuche

Das Problem mit der Berufsorientierung heutzutage ist nicht ein “zu wenig” an verfügbarer Information, sondern ein “viel zu viel zu viel zu viel”. Wer heute z.B. im Alter von sagen wir mal 16-17 Jahren mit der Perspektive eine Hochschulzugangsberechtigung zu ergattern (also z.B. ein Abitur) vor der Frage steht, welchen Weg er denn mal beruflich einschlagen könnte, dem stehen aktuell (festhalten!) 9.318 grundständige Studienangebote an über 400 Hochschulen (gut 100 Universitäten, gut 200 Fachhochschulen, gut 50 Kunsthochschulen etc.) sowie aktuell 345 anerkannte (d.h. im dualen System ausgebildete) Ausbildungsberufe und nochmal einige Dutzend weitere (außerhalb des dualen Systems z.B. an Berufsfachschulen ausbildende) Ausbildungsberufe zur Auswahl. Hinzu kommt die ständig steigende Anzahl an dualen Studiengängen mit und ohne Kammerabschluss und eine verwirrenden Vielfalt an akademischen Abschlüssen wie Bachelor of Arts, Bachelor of Engineering oder Bachelor of Science (jeweils “in XYZ”).

Man könnte meinen, dass die Studienorientierung bei gut 9000 verschiedenen Studiengängen gegenüber der Ausbildungsorientierung mit “nur” etwa 400 Berufsbildern der schwierigere Job sei. Dabei muss man allerdings berücksichtigen, dass es bei den 9300 Studiengängen ja nicht um wirklich 9000 verschiedene Studiengänge handelt, nur weil sie verschieden heißen. Diese Liste lässt sich sehr gut clustern und auf etwa 100 wirklich distinkte Richtungen verdichten. Ausbildungsberufe lassen sich zwar auch bündeln; mehr als Reduzierung der 400 Berufe auf die knappe Hälfte ist hierbei aber nicht möglich.

Noch mehr Vielfalt? Gut.

Dank des ECTS, also des European Credit Transfer Systems sind Studienleistungen im Rahmen des Bologna Prozesses inzwischen im Europäischen Hochschulraum transferierbar, d.h. man kann Teile seines Studiums hier machen und die erbrachten Leistungen nach dort mitnehmen und anerkennen. Im Prinzip eine absolut begrüßenswerte Entwicklung. Die Komplexität der Entscheidung, welchen Weg man gehen will, erhöht es aber auch noch einmal dramatisch, weil der Möglichkeitenraum dadurch gefühlt eben auch ganz Europa mit seinen vielen Formen der Hochschulausbildung mit umfasst. Mit dem ECVET, also dem European Credit System for Vocational Education and Training entsteht seit einigen Jahren analog ein System, mit dem auch erreichte Qualifikationen der beruflichen Aus- und Weiterbildung europaweit vergleichbarer werden sollen.

Am Anfang steht die Frage: Was will ich eigentlich?

Zu all diesen prinzipiellen Möglichkeiten, die unserem 16-17-jährigen Abiturienten in spe offen stehen gibt es im Internet (und natürlich nicht nur dort) Informationen. Vom Bund, von Ländern, von Regionen, von Einrichtungen, staatlichen wie privaten, von Medien und Blogs und natürlich auch Unternehmen. Alles gut, alles sinnvoll, aber eben auch verwirrend. Wer sich einfach mal so auf Suche macht nach dem Motto: “ich lass mich mal inspirieren”, der wird sehr schnell frustriert abbrechen. Es besteht die Gefahr, dass man ob der Vielfalt an verfügbarer Informationen resigniert und seine Berufsentscheidung letztlich doch wieder von der “Klassikern” leiten lässt: Eltern, Geschwister, Freunde oder Stereotypen… Nicht dass ich falsch verstanden werde – das sind alles auch wichtige Sparringspartner bei der Berufswahl. Aber letztlich entscheidend sind immer die Fragen: “Was will ICH werden?”, “was passt zu mir?”

Hilfestellung durch (berufliche) Interessentests und interaktive Berufsorientierungstools

Bei der Beantwortung der Frage, was einen persönlich eigentlich interessiert und vor allem, was dazu passende (Ausbildungs-)Berufe und Studiengänge sein können, kann ein entsprechender Interessentest helfen. Wir haben einen solchen vor einiger Zeit entwickelt. Wer das mal ausprobieren möchte, der kann dies z.B. auf der Website der HAW Hamburg (im Kontext des Studienangebots der HAW), bei RWE (im Kontext des Ausbildungsangebots von RWE) oder beim Stark-Verlag (übergreifend über alle Studienbereiche) ausprobieren. Ein solcher Interessentest ersetzt nicht die weitere Informationssuche und Recherche (z.B. über ein persönliches Gespräch), aber er kann enorm helfen, aus den 360° an Möglichkeiten einen großen Teil auszublenden, um die verfügbare Energie gleich auf die möglicherweise besser passenden Bereiche zu lenken. Dieser Interessentest wird im Laufe des Jahres nun auch in zwei reichweitenstarke und überregionale Informationsangebote integriert (besagter Auftrag, von dem ich eingangs sprach).

Studieninteressentest

Zum anderen können auch interaktive Berufsorientierungstools, SelfAssessment, Spiele und virtuelle Studienberatungen bei der Suche nach dem bestpassenden Berufsweg helfen. Ich habe vor etwa zwei Jahren erstmals aufgelistet, für welche Berufe wir solche Tools für verschiedenste Kunden schon entwickelt und umgesetzt haben. Diese Liste von damals etwa 30 Berufen habe ich dann vor einem Jahr aktualisiert (wodurch der Umfang dann auf nahezu 100 Berufe, Ausbildungen bzw. Studienrichtungen gestiegen ist). In den letzten zwölf Monaten sind nun natürlich wiederum einige hinzugekommen bzw. gerade dabei fertig zu werden:

Virtuelle_Studienorientierung_Agrarwissenschaften

Berufsorientierungsspiel_FIAN

 

HN-Navigator_Wirtschaftsinformatik

 

Wir haben uns damit nicht nur mit quasi allen Studien- und Ausbildungsberufen einmal inhaltlich befasst, sondern auch für ca. 120 davon interaktive Orientierungstools gebaut. Von der Hoffnung, wirklich den gesamten Kosmos an Berufswegen in dieser Form abbilden zu können, muss man sich ob der schieren Menge aber wohl verabschieden. Das wäre auch eine Aufgabe für Herkules…

Thema: Ausbildung, Berufsorientierung, eRecruiting, SelfAssessment, Serious Games, Studienorientierung, Studieren an der HAW Hamburg, Studieren an der Hochschule Niederrhein, Studieren an der Universität Göttingen, Virtuelle Studienberatung | Kommentare (0)

Neue Studienorientierungen Agrarwissenschaften (Bachelor und Master) für die Universität Göttingen und was Peter Kloeppel damit zu tun hat…

Donnerstag, 20. September 2012 10:56

Das Angebot der Virtuellen Studienorientierung für die Uni Göttingen umfasst seit kurzem neben den Studiengängen Biochemie, Chemie, Geowissenschaften und Geographie, Forstwissenschaften und Wirtschaftswissenschaften auch den Studiengang Agrarwissenschaften.

Zwei separate Studienorientierungen für den Bachelor- und Masterstudiengang informieren in den Kapiteln Berufswelt, Studium, Studienorganisation, Anforderungen und Studienkultur über das Studium der Agrarwissenschaften in Göttingen.

Wie bei den anderen Studienorientierungen erhält der User grundlegende Informationen rund um das Studium, die u.a. mit weiterführenden Links, Erfahrungsberichten und der Möglichkeit zur Durchführung von Selbsttest-Aufgaben, erweitert werden.

Zu Beginn der Studienorientierungen werden Studieninteressierte von den Dekanen des jeweiligen Studienganges per Video begrüßt. In der Studienorientierung des Bachelors Agrarwissenschaften stößt der User anschließend auf einen Erwartungsabgleich, bei dem er seine Einschätzung zu verschiedenen Aussagen über das Studium der Agrarwissenschaften abgeben kann und eine direkte Rückmeldung erhält. Diese Aussagen thematisieren insbesondere verbreitete Klischeevorstellungen.

Dass Agrarwissenschaftler nicht zwingend auf dem Bauernhof arbeiten, verdeutlichen auch die in beiden Studienorientierungen verteilten Videoabschnitte eines Audio-Interviews mit Peter Kloeppel – seines Zeichens Chefredakteur bei RTL und Moderator von RTL Aktuell – der ebenfalls in Göttingen Agrarwissenschaften studiert hat.

Bei den Selbsttest-Aufgaben in der Studienorientierung zum Bachelor hat der User die Möglichkeit, Aufgaben aus den Bereichen Betriebswirtschaft, Biologie, Mathematik und Chemie zu lösen und so zum einen sein Vorwissen zu prüfen und sich mit typischen Fragestellungen aus dem Studium zu beschäftigen. In der Studienorientierung zum Master berichten die jeweiligen Dozenten im Video von den 5 Schwerpunkten des Studienganges.

Die Virtuelle Studienorientierung der Universität Göttingen wächst stetig weiter. Im Frühjahr ist hier mit einer Erweiterung um Biologie, Biologische Diversität und Ökologie sowie Biologie im Profil Lehramt zu rechnen – weitere Studiengänge sind bereits in Planung. Die vollständige Liste aller verfügbaren Studienorientierungen ist wie immer im Standortmodul zu finden.

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Uni Göttingen erweitert Online-Studienberatung um Geowissenschaften

Montag, 2. Juli 2012 15:35

Sukzessive nimmt der Umfang der virtuellen Studienorientierung der Georg-August Universität Göttingen zu. Was vergangenes Jahr mit den Angeboten für Forstwissenschaften, Chemie und Wirtschaftswissenschaften startete und vor drei Wochen um Biochemie ergänzt wurde, bekommt nun mit den Studiengängen Geowissenschaften und Geographie erneut Zuwachs.

Wie bei den anderen realisierten Angeboten auch gliedert sich die virtuelle Studienorientierung in die Themenkapitel Berufswelt, Studieninhalte, Studienorganisation, Studienkultur und Anforderungen.

Das letztgenannte Kapitel “Anforderungen” umfast dabei Selbsttests zu studienrelevanten Inhalten wie Chemie, Physik, Mathematik und Symmetrien. Insofern sind die virtuellen Beratungsangeboten an dieser Stelle auch Online-SelfAssessments. Im Gegensatz zu anderen Angeboten, die unter der Überschrift” SelfAssessments zur Studienorientierung” laufen, umfassen die Angebote in Göttingen aber auch zahlreiche Informationen rund um das jeweilige Studium. Dieser Ansatz folgt der Überzeugung, dass eine fundierte und letztlich “gute” Studienwahl neben den fachlichen auch und vor allem von “überfachlichen” Kriterien abhängt.

Die neuen Module für Geowissenschaften und Geographie sind zu erreichen über das Standortmodul der virtuellen Studienberatung aus Göttingen.

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Der Recrutainment Jahresrückblick – Teil 2: Juli bis Dezember 2011

Donnerstag, 29. Dezember 2011 11:56

Kurz vor Weihnachten – exakt 9 Minuten vor Heiligabend – erschien ja der Recrutainment Jahresrückblick Teil 1 mit den Monaten Januar bis Juni, hier nun rechtzeitig vor´m Jahreswechsel Part Two mit dem restlichen Jahr. Das wird dann Blogpost 114 für dieses Jahr sein und – sofern nicht noch irgendetwas wirklich revolutionäres vor Sylvester passiert – für dieses Jahr auch der letzte. Also…

Juli:

Neben dem Onlinestart der ersten beiden virtuellen Studienorientierungsmodule an der Uni Göttingen, einem Thema, das ich ja mit den Einträgen zum Februar schon gestreift habe, waren es vor allem zwei Beiträge, die den Juli besonders gemacht haben:

Zum einen fiel mir in dem Monat eine Infografik in die Hände, die einmal in sehr schöner Weise den Zusammenhang von “Spiel” und “Arbeit” illustrierte und dies im Kontext des Flow-Konzepts nach Mihaly Csikszentmihalyi tat. Nun, für uns ist dieses Konzept nicht wirklich neu, wir nennen uns ja seit numher nahezu 13 Jahren “Recrutainment Company”. Was aber dieses Jahr besonders war, ist dass Gamification Mainstream wurde. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass wir vor einigen Jahren noch sehr viel Stirnrunzeln geerntet haben nach dem Motto: “Sie können doch nicht so etwas ernsthaftes wie Rekrutierung mit so einem Spiel…” usw. Ich würde zwar mal vermuten, dass Gamification erst in 2012 ein ähnliches Hypethema in Marketing- (und immer etwas zeitversetzt auch in Personaler-)kreisen wird, wie es Social Media in 2010/11 war, aber wie ich an unserer Bilanz und an den wirklich zahlreichen Nachfragen nach Vortrags- oder Seminarbeiträgen hierzu ablesen konnte, war es auch in diesem Jahr schon in sehr vielen Köpfen angekommen. Die zahlreichen Praxisbeispiele für Serious Games in diesem Bereich – von einem britischen Geheimdienst, über eine große Anwaltskanzlei bis zur größten deutschen Airline – sprechen eine deutliche Sprache.

Der zweite besonders hervorzuhebende Beitrag im Juli war der Gastartikel von Thomas Helmke zu der Frage, inwieweit sich Background Checks von Kandidaten als Personalauswahlinstrument eignen. Neben der natürlich omnipräsenten Frage des Datenschutzes, z.B. in sozialen Netzwerken, sicherlich einem der Megathemen 2011 im Blog meiner Frau, geht der Beitrag von Thomas Helmke nämlich auch der Frage nach, was sich über Bewerber Background Checks eigentlich wirklich handfestes – prognostisch valides – über einen Kandidaten herausfinden lässt. Statt also dieses Thema nur tagespolitisch zu bewerten (was darf der Personaler eigentlich checken?), wird die Frage eignungsdiagnostisch gestellt: “Was genau bringt es dem Personaler überhaupt?”. Das hat mir gut gefallen.

August:

Im August ging zum einen der Haniel Wertekompass online, eines derjenigen Projekte, die uns im ersten Halbjahr sehr auf Trab gehalten haben und ebenfalls ein weiterer Beleg für den oben beschriebenen Trend, Personalmarketing-Inhalte spielerisch-simulativ erlebbar zu machen bzw. so die Selbstauswahl zu fördern.

Das zweite Thema, das ich im August besonders hervorheben möchte, ist der Onlinestart des Online-Assessment Verfahrens “Phasenprüfer” bei E.ON.

Es mag sich beim Lesen des bisherigen Jahresrückblicks ja ein wenig der Eindruck aufgedrängt haben, dass es dieses Jahr nur um SelfAssessments oder Serious Games ging. Dass es bei allen Bemühungen um unterhaltsames Personalmarketing, 2011 aber auf dem Markt der “wirklichen Auswahltestung”, also dem Einsatz eignungsdiagnostischer Testverfahren zur Kandidatenvorauswahl, weiterging, zeigte E.ON, bzw. konkreter die Kraftwerksparte von E.ON. Ein Phasenprüfer ist “ein kleines, einfaches Prüfmittel zum Feststellen von Wechselspannungen im Niederspannungsbereich. E.ON hat dieses also durchaus zum Stromgeschäft passende Gerät metaphorisch als Bezeichnung für das Online-Testverfahren verwendet, handelt es sich doch auch dabei um eine Art “Prüfung” in einer wichtigen “Phase”, nämlich der Bewerbung um einen Berufseinstieg.

Der “Phasenprüfer” ist eine Kombination aus Auswahltest (mit dem Schwerpunkt der Überprüfung kognitiver Leistungsfähigkeit und spezieller Wissensaspekte) und Personalmarketinginstrument. Zwischen den einzelnen Testmodulen stellen nämlich einige E.ON Azubis das Unternehmen und ihre jeweiligen Ausbildungsberufe und -bereiche vor.

Wenn man so will ist dieser Auswahltest ein weiteres praktisches Beispiel für den Anspruch, dass der gesamte Auswahlprozess ansprechend gestaltet sein sollte, nicht nur die bunten Bilder des Personalmarketings.

September:

Im September habe ich anlässlich des zweifelsfrei amüsanten und erfolgreichen Videos “Media Entrepreneurs” des Axel Springer Verlags die Frage aufgeworfen, ob Employer Branding überraschend sein müsse. In diese Richtung ging nämlich ein Statement von Dr. Lutz Meyer auf dem HRM Forum HR-Kommunikation. Nun, diese Frage wurde dann auch recht umfänglich diskutiert. Der Tenor der Employer Branding Szene war eigentlich recht eindeutig, dass es beim Employer Branding nicht so sehr auf den Effekt, den aktivierende Impuls bzw. das Überraschungsmoment ankommt, sondern im Sinne der Markenbildung eben um eine nachhaltige und eindeutige Positionierung des Unternehmens als Brand. Überraschung kann den Kopf in eine gewisse Richtung drehen, insofern liegt darin ggf. eine notwendige Bedingung, die Botschaft selber sollte dann aber stimmig sein, erst dann wird es “hinreichend”. Insofern ist in dem Video an sich selber wohl noch kein “gutes” Employer Branding zu sehen, allenfalls gute “Werbung”. Eingepasst in eine stimmige Gesamtkampagne jedoch kann ein solcher aktivierender Impuls auch im Employer Branding allenthalben Sinn machen. Und das scheint mit der Springer-Kampagne “Mit Bling Bling zum Erfolg” in der Tat ganz gut zu gelingen.

Neben der Frage nach dem Überraschungsmoment war das Thema “Social Recruiting” im September prägend. Erstens fiel mir hierzu eine recht schöne Infografik von Jobvite in die Hände, welche den Stand des Themas in den USA recht schön zusammenfasst, zum anderen knackte das Interview hierzu mit Beesocial-GF Sven Wiesner mit 58 Facebook-Likes den diesbezüglichen Rekord im Recrutainment Blog. Sven´s Beschreibung der eigenen Erfahrungen mit der Rekrutierung in und über Social Media waren somit auch der mit großem Abstand meistgelesene Artikel im September.

Oktober:

Im Oktober gab es inbesondere im Zusammenhang mit dem Start der Daimler AG als zweitem realen Unternehmen in dem Social Game mal wieder Neuigkeiten zum Thema fliplife.

Für uns war der Oktober aber auch deshalb ein besonderer Monat, weil gleich zwei der großen Projekte des Jahres online gingen: Die Fresenius SE startete den “Fresenius Navigator”, eine Kombination aus virtuellem Unternehmensrundgang durch die verschiedenen Konzern-Unternehmen und Selbsttest, ob man zu Fresenius passt.

Zweitens konnten wir im Oktober endlich den “Studienwahl-Navigator” für die HAW Hamburg fertigstellen. Nachdem wir ja über die letzten inzwischen fünf Jahre virtuelle Studienorientierungsmodule für inzwischen 31 Studiengänge an der HAW umgesetzt haben, stellt der Studienwahl-Navigator soz. den Schlussstein des Gesamtprojekts dar. Der Studienwahl-Navigator fungiert quasi als eine Art “Beratung vor der Beratung” und bietet Studieninteressierten verschiedene Einstiege in die Orientierung: Diejenigen, die noch nicht wissen, ob ein Studium überhaupt das Richtige für sie ist, erhalten Antworten in einem Erwartungsabgleich. Wer die Frage, ob er studieren soll, für sich selber schon bejaht hat, aber noch nicht weiß, welcher Studiengang zu den eigenen Interessen passt, der wird über einen Studieninteressentest bedient.

Wer schon weiß, welche Richtung ihn interessiert, der kann sich die von der HAW in diesem Bereich angebotenen Studiengänge im “HAW-Universum” anzeigen lassen und wer schließlich seinen Wunschstudiengang schon kennt, sich hierüber aber detailliert informieren möchte, der kann natürlich in den studiengangsindividuellen Navigator einsteigen. In Summe stellt der Auftritt ein sehr umfängliches Instrument der Studienorientierung dar. Wie sich dann weiter unten im Dezember zeigen wird, lassen sich weite Teile dieser Konstruktion auch auf den Kontext der Berufsorientierung übertragen…

Ach ja, das Interview mit Nina Diercks zum Thema Social Media Recht soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, waren doch die rechtlichen Implikationen des Social Web in 2011 auch eines der die Diskussion zunehmend prägenden Themen. Wen das im Detail interessiert, dem sei auch ihr Jahresrückblick noch einmal entsprechend ans Herz gelegt.

November:

Der November war bei stark geprägt durch das CYQUEST Praxisseminar am 22.11. Bei der halbtägigen Veranstaltung im Grand-Elysée erhielten die ca. 65 Teilnehmer überaus praxisnahe Einblicke in aktuellen Entwicklungen rund um das Thema “Recrutainment”. Ibrahim Evsan gab Einblick, wie sich fliplife in Zukunft weiterentwickeln wird, RWE stellte exklusiv und vorab den neuen Azubi-Channel der Karriere-Website vor, Potentialpark gab dazu passend Hintergrundinformationenn, was eine “gute” Karriere-Website eigentlich ausmacht, die Uni Göttingen beleuchtete das Thema “virtuelle Studienorientierung” und auch das Thema “Social Media Recht” fehlte nicht. Wenn man so will war das Praxisseminar also eine Art “Live-Zusammenfassung” der Jahresthemen.

Aus dem November möchte ich aber auch noch eine andere Geschichte besonders herausstreichen: Nämlich den Beitrag über die Aktion “Vielfalt Mann!”, mit der die Hamburger Kitas um männliche Erzieher werben. Ich habe das überschrieben mit “Berufsbilder gegen den Kamm gebürstet”, weil es eben immer noch stereotyp ist, dass ErzieherIN ein Frauenberuf ist. Von solchen unverkrampften Kampagnen kann es aus meiner Sicht durchaus mehr geben. Dazu passte auch ganz gut, dass gestern bekannt wurde, dass 55% aller BUFDIs (also Teilnehmer am Bundesfreiwlligendienst) männlich sind. Es tut sich was im Rollenverständnis der Geschlechter, auch ohne Quote…

Dezember:

Womit wir im Dezember und damit ja quasi im Jetzt angekommen wären. Für uns war der Dezember noch einmal sehr stark geprägt durch den Online-Start verschiedener Projekte, die uns eigentlich das gesamte Jahr hindurch beschäftigt haben: Zum einen war da das “Spiel zur Berufsorientierung” der Lufthansa, zweitens der oben schon genannte Azubi-Channel von RWE und drittens (psst…, wird erst im Januar offiziell) der Relaunch des Berufsorientierungsspiels “Probier dich aus!” der Commerzbank.

Daneben ragte natürlich das Interview mit Google Pressesprecher “@frischkopp” Stefan Keuchel im Dezember heraus, der uns einen kleinen Blick hinter die Kulissen des Arbeitgebers Google gab.

So, geschafft, nicht nur den Rückblick in zwei Teilen, sondern auch das Jahr. Wie heißt es so schön, nach dem Jahr ist vor dem Jahr. 2012 wirft seine Schatten (wo Schatten sind, muss ja entsprechend auch viel Licht sein) voraus. 2012 wird sicher wieder eine ganze Menge Neues bringen. Wenn ich so daran denk, kann ich´s eigentlich kaum erwarten…

Thema: Ausbildung, Ausbildung bei E.ON, Berufsorientierung, eAssessment, Employer Branding, Fresenius Karriere, Haniel Karriere, Lufthansa Karriere, RWE Karriere, SelfAssessment, Serious Games, Social Media HR, Studienorientierung, Studieren an der HAW Hamburg, Studieren an der Universität Göttingen, Virtuelle Studienberatung, Vorträge und Veranstaltungen | Kommentare (0)

Online-Studienfachwahl-Assistent (OSA) für Publizistik an der FU Berlin

Freitag, 15. Juli 2011 16:37

Wo ich diese Woche eh schon so schön im Schwung war und über die Thematik “Online-Studienorientierung” anhand des Beispiels der Uni Göttingen geschrieben habe, möchte ich gleich noch ein weiteres gelungenes Beispiel nachschieben, den Online-Studienfachwahl-Assistenten für Publizistik und Kommunikationswissenschaft der FU Berlin. Ach ja, für die HRler unter meinen Lesern, die sich Fragen, was das eigentlich immer mit Personalwesen zu tun: Sehr viel! Denn interessanterweise sind die Problematiken, denen sich Hochschulen bei der Besetzung ihrer Studiengänge gegenüber sehen, denen von Unternehmen bei der Besetzung von Ausbildungs- oder Traineestellen sehr ähnlich:

- Auch hier gibt es nämlich das Problem, dass sich sehr häufig Studieninteressierte in letztlich für sie nichtpassende Studiengänge einschreiben (und folglich mit höherer Wahrscheinlichkeit, das Studium abbrechen oder das Fach wechseln).

- Auch hier bewerben sich Interessierte in aller Regel nicht nur für ein Studienfach an einer Hochschule. Vielmehr ist es oft so, dass sich Interessierte an mehreren Hochschulen anmelden, an mehreren auch einen Studienplatz bekommen, diesen dann aber naturgemäß nur an einer Hochschule antreten. An den anderen Hochschulen wird dann nicht einmal abgesagt und der Studienplatz bleibt im schlimmsten Fall nachher – zumindest vorerst – unbesetzt. Na, schonmal was von No-Show-Rate oder Attrition Rate gehört?

- Und schließlich, man glaubt es kaum, versuchen auch die deutschen Hochschulen mit enormem Eifer das nachzuholen, was in der hiesigen Bildungslandschaft jahrzehntelang undenkbar war, nämlich distinkte Bildungsmarken zu werden. Ja, ich weiß, BWL´er-Sprech, Bildung ist keine Ware usw. Unsinn. Wer die Exzellenzdebatte verfolgt, wer sieht, dass es in nahezu allen Hochschulen inzwischen Marketing- oder zumindest Öffentlichkeitsarbeits-Verantwrtliche gibt, die über CI-Vorgaben wachen etc., wer sich mal die Stände auf Einstiegsmessen angeschaut hat usw., der wird feststellen, dass hier sehr wohl inzwischen in Marken- und Marketingdimensionen gedacht wird. Ja, das sind alles noch keine Harvards, Yales oder Berkeleys, aber die deutschen Hochschulen haben ja auch erst vor sieben Jahren wirklich damit angefangen…

Nun, soweit der kleine Exkurs, Personaler und Studienberater können durchaus einiges voneinander lernen… Doch zurück zum Thema: Der OSA der FU Berlin.

OSA steht hier erstmal nicht wie üblich für Online-SelfAssessment, sondern die FU Berlin hat dieses Akronym anders aufgeladen. Ähnlich wie an der Uni Freiburg (Online-Studienwahl-Assistent) steht das OSA hier für Online-Studienfachwahl-Assistent). Das ist insofern konsequent, als dass sich hinter dem Berliner OSA in der Tat mehr verbirgt als nur Selbsttests.

In schöner CYQUEST Tradition umfasst das Angebot detaillierte Informationen über das Studienangebot des Instituts für Publizistik und Kommunikationswissenschaft und zwar zu den Themengebieten:

- Berufswelt (hier Perspektiven genannt),

- Studienorganisation (hier Studium genannt),

- Studieninhalten (“Studienmodule”) sowie

- Anforderungen (hinter dem hier “Beispielaufgaben” genannten Kapitel verbergen sich dann die Selbsttest-Elemente, also die SelfAssessments im engeren Sinne).

Der Stilmix umfasst auch hier Videos (z.T. mit Lehrenden, z.T. mit Studis), interaktive (Flash-)Module, beispielsweise zur Erläuterung von Vorlesungsplänen oder Studienmodulen, Erfahrungsberichte von Ehemaligen und sehr schön illustrierte Grafiken.

Wie bei den Angeboten der Uni Göttingen, der HAW Hamburg oder der Hochschule Niederrhein wird auch hier eine Navigation über “Weiter-” und “Zurück”-Schalter angeboten, mittels derer man sich das gesamte Angebot quasi wie in einem Buch schrittweise erarbeiten kann. Eine Didaktik, die sich im Übrigen sehr bewährt hat. Alternativ kann der Nutzer aber über die Top-Navigation auch jedes Kapitel einzeln ansteuern und die Reihenfolge seiner Informationsaufnahme somit selbst bestimmen.

Leider wird nicht markiert, welches Kapitel man schon vollständig absolviert hat, dafür wird einem in der Top-Navigation angezeigt, wie umfangreich jedes Kapitel ist, so dass man ganz gut einschätzen kan, wieviel noch auf einen wartet.

Insgesamt ist das Angebot der FU Berlin wirklich gelungen. Dass man hier von unseren reichhaltigen Erfahrungen bei der Erstellung von OSA profitiert hat (wink ; -)), ist zu sehen, aber im Sinne des Ergebnisses ja auch sehr zu begrüßen. Momentan gibt es an der FU Berlin erst einen OSA (Publzistik eben), es sollen aber weitere folgen. Gut so.

Thema: SelfAssessment, Studienorientierung, Studieren an der HAW Hamburg, Studieren an der Hochschule Niederrhein, Studieren an der Universität Göttingen, Virtuelle Studienberatung | Kommentare (0)

Vorträge bei den Career Services der Unis Göttingen und Hamburg: Online-Assessment – was kommt da auf mich zu?

Dienstag, 12. April 2011 9:04

Im Mai und im Juni werde ich bei den Career Services der Universitäten Göttingen und Hamburg jeweils einen Vortrag darüber halten, was eigentlich auf einen zukommt, wenn man zu einem Online-Assessment eingeladen wird. Dir Vorträge richten sich jeweils an Studierende kurz vor dem Abschluss ihres Studiums.

Immer mehr Unternehmen setzen eAssessment Verfahren in ihren Personalauswahlprozessen ein. Diese internetgestützten Instrumente zur Vorhersage der beruflichen Eignung werden zum Beispiel für die Vorauswahl von Führungsnachwuchskräften, etwa im Rahmen der Trainee – Rekrutierung, verwendet.

  • Was verbirgt sich hinter dem Begriff Online – Assessment?
  • Was erwartet mich als Bewerber, wenn mich ein Unternehmen zum eTest einlädt?
  • Kann man sich darauf vorbereiten?
  • Wie geht ein Unternehmen mit den Testergebnissen um?

Fragen wie diese werden im Rahmen der Vorträge anhand praktischer Beispiele (z.B. Tchibo, Media – Saturn oder Gruner+Jahr) beantwortet.

Nähere Infos zum Vortrag an der Uni Göttingen am 10. Mai finden sich hier. Das Programm des Career Service der Uni Hamburg mit  Detailinfos zu meinem dortigen Vortrag am 22. Juni kann hier heruntergeladen werden.

Thema: Berufsorientierung, CYQUEST Vorträge und Veranstaltungen, eAssessment, Studieren an der Universität Göttingen, Vorträge und Veranstaltungen | Kommentare (0)

Spielerische Auswahl von Medizinstudenten am UKE in Hamburg

Mittwoch, 6. Oktober 2010 10:22

Seit der Veränderung der Hochschul-Rahmen-Gesetzgebung 2004, die den Hochschulen ein sehr viel stärkeres Mitspracherecht gegeben hat, wer bei Ihnen studieren darf und wer nicht, lässt sich dort im Zeitraffer eine Entwicklung beobachten, für die Unternehmen mehrere Jahrzehnte Zeit hatten:

1) Das Bestreben, eigene Marken heraus zu bilden. Was im Unternehmenskontext heute vielfach als Employer Branding bezeichnet wird, ist auch bei vielen Hochschulen unübersehbar – die Bildung von Bildungsmarken. Kaum eine Hochschule, die heute keine Marketingabteilung hat, kaum eine Hochschule, die nicht in Brandingdimensionen denkt wie “was macht uns besonders?”, “wie können wir ein einzigartiges Profil herausbilden?” und “wie können wir dieses Profil auch möglichst klar kommunizieren?” und kaum eine Bewerbermesse, auf der nicht zahlreiche Hochschulen um die Aufmerksamkeit von Schülern buhlen.

2) Individuelle Auswahlprozesse. Das Recht selber auswählen zu können, heisst eben lange noch nicht, dass damit auch eine gute Auswahl passiert. Jeder Jeck ist anders. Es geht nicht immer um die Besten (auch wenn das Gerede um Exzellenz dies oft suggeriert), es geht um die Bestpassenden. Das ist auch nicht anders als bei Unternehmen. Generell gilt: Nur wenn es eine möglichst hohe Passung des Studierenden zum individuellen Profil der Hochschule vorliegt, wird sich der Studienerfolg einstellen (Abbruchquoten sinken etc.).

War for Talent ist auch ein Problem für Hochschulen

Eines ist klar: “War for Talent” ist oder wird auch für Hochschulen ein Riesenthema. Die Hochschulen stehen nicht nur untereinander im Wettbewerb. Es gibt jede Menge Berufsakademien, natürlich das duale Ausbildungssystem und inzwischen Hunderte von dualen Studiengängen, bei denen die Studierenden von Unternehmen bezahlt werden. Vor diesem Hintergrund haben viele Hochschulen inzwischen sehr individuelle Wege eingeschlagen, sich einerseits im Markt darzustellen (z.B. über Online SelfAssessments wie die HAW Hamburg, die Hochschule Niederrhein oder die Uni Göttingen) und andererseits ihre Studierenden auszuwählen. Allerdings: Dies ist natürlich kein “einerseits – andererseits”, schließlich ist die Gestaltung des Auswahlprozesses natürlich selber ein Instrument der Darstellung und des Hochschul-Brandings (siehe hierzu auch den Artikel: “Warum der gesamte Auswahlprozess ansprechend gestaltet sein sollte“).

Besonders spannend ist der Auswahlprozess des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE), oder konkreter: Der Medizinischen Fakultät der Uni Hamburg, schließlich geht es um Studierendenauswahl, nicht um die Auswahl von Mitarbeitern des Klinikums.

Neben der natürlich nach wie vor wichtigen Abiturnote und einer gewichteten Betrachtung von Schulwissen in naturwissenschaftlichen Fächern, werden in dem zweistufigen Verfahren auch Soziale Kompetenzen auswahlrelevant:

Zunächst werden ca. 900 Bewerber zu einem naturwissenschaftlichen Test eingeladen. Hierbei wird neben dem testinhaltlichen Wissen implizit auch Fleiß und die Bereitschaft, sich “auf den Hosenboden zu setzen und für den Test zu lernen” getestet. Die 100 besten Kandidaten haben einen Medizin-Studienplatz sicher. Die weiteren 200 besten werden dann zu einem insg. neun Stufen umfassenden Rundkurs eingeladen.

Und hier wird es spannend: Insg. ca. 100 Dozenten, 35 Schauspieler und 50 weitere Helfer wirken mit, wenn die eingeladenen Kandidaten sich in Rollenspielen bewähren müssen. Wie bringt man z.B. einer Patientin nach einem Unfall bei, dass sie nicht mehr wird laufen können, sondern den Rest des Lebens an den Rollstuhl gebunden sein wird? Wie geht man mit einem Patienten um, der nach eingehender Internet-Recherche vermeintlich alles über die eigene Krankheit weiss? 100 Rundkurs-Teilnehmer bekommen dann einen Studienplatz (die übrigen 169 Plätze werden weiterhin von ZVS – jetzt Stiftung für Hochschulzulassung – zentral vergeben).

Ziemlich hoher Aufwand. Aber: Auch kommunikative Fähigkeiten und der Umgang mit solchen Situationen sind entscheidend dafür, ob jemand ein guter Arzt wird oder nicht, neben allen kognitiven Fähigkeiten und dem sicherlich erforderlichen Fleiß. Bedenkt man die enorm hohen Kosten eines Medizinstudiums (als Daumenwert kann von knapp 30.000 € pro Jahr ausgegangen werden, was zu Gesamtkosten von etwa 180.000 € pro Absolvent führt, wohlgemerkt: Steuergeld…) und führt sich vor allem vor Augen, was es dann bedeutet, wenn jemand aufgrund solcher eher “überfachlichen” Aspekte sein Studium nach sagen wir mal 4 Semestern hinschmeißt, dann erscheint auf einmal der hohe Aufwand eines solchen Auswahlverfahren wie des UKE auch ökonomisch sinnvoll.

Mir gefällt natürlich der (rollen-)spielerische Ansatz sehr. Das meinen wir ja mit Recrutainment…

Thema: Studienorientierung, Studieren an der HAW Hamburg, Studieren an der Hochschule Niederrhein, Studieren an der Universität Göttingen, Virtuelle Studienberatung | Kommentare (0)