Praxisseminar ‘Recruiting2014′ am 10. September mit Vorträgen von Allianz, BASF, Telekom, Butting, VB Zürich und dem Paritätischen Wohlfahrtsverband

Dienstag, 30. April 2013 10:07

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Inzwischen ist die Veranstaltung ein fester Bestandteil im jährlichen Event-Kalender der Recruiting-, Employer Branding- und Personalmarketing-Szene geworden. Zum inzwischen sechsten Mal findet am 10. September 2013 das CYQUEST Praxisseminar statt. Der Name: Recruiting2014. Mit dem Bezug auf das jeweils folgende Jahr wollen wir den Anspruch der Tagung untermauern, Zukunftsthemen zu präsentieren und zu diskutieren, dabei aber immer auch Beispiele zu präsentieren, zu denen es bereits konkrete Erfahrungswerte und Lessons Learned gibt. Als Co-Veranstalter haben wir dieses Jahr die medienfabrik|embrace, also die Truppe von Gero Hesse, sowie erneut das Institute for Competitive Recruiting von Wolfgang Brickwedde dabei.

Es gibt immer Unternehmen, die sich etwas früher etwas weiter rauswagen und dabei ihre Erfahrungen machen – gute und manchmal eben auch nicht so gute. Diese Unternehmen versuchen wir zu identifizieren, damit sie auf der Tagung eben genau über diese Learnings berichten – von Personaler zu Personaler.

Auch in Engpassmärkten die Passenden finden

Worum geht es in diesem Jahr? Nun, die Schlagworte ”Demografischer Wandel, Fachkräftemangel oder Bewerberknappheit” dominieren aktuell die Diskussion im Recruiting. Hierbei wird argumentiert, dass sich die Macht vom Unternehmen hin zum Bewerber verschiebt und sich Unternehmen zunehmend in der Rolle des “sich Bewerbenden” wiederfänden. Um die richtigen Mitarbeiter zu gewinnen, bedarf es aktiven Recruitings (“Active Sourcing”) und des Recruiters 2.0.

Das ist im Prinzip alles richtig, in ihrer Pauschalität taugen diese Schlagworte jedoch kaum für nachhaltige Recruitingstrategien. Natürlich gibt es – in zunehmendem Maße – Engpassmärkte. Auch finden sich Unternehmen oftmals nicht mehr mit Auswahlthemen konfrontiert, sondern müssen ihr Recruiting zunehmend nach Vertriebsgesichtspunkten ausrichten. Aber: Es gibt aber natürlich auch nach wie vor Branchen, Regionen und Berufsgruppen, deren Problem nicht die zu geringe Quantität ist, sondern eher die Frage: “Wie identifizieren und rekrutieren wir möglichst effizient und schnell die Richtigen aus der Masse an Bewerbungen?”.

Nach der überaus erfolgreichen Recruiting2013 im letzten Jahr, steht die diesjährige Recruiting2014 unter der Überschrift “Passung” oder etwas umgangssprachlicher dem “Topf-und-Deckel-Prinzip”. In insgesamt sieben hochkarätigen Fachvorträgen soll es um eine differenzierte Betrachtung der Frage gehen, wie eigentlich das richtige Unternehmen und der passende Kandidat (m/w) bestmöglich zusammenfinden. Konkret stehen Themen wie “Cross-Gender Recruiting”, Referral-Programme, Azubi- und Schülermarketing, Recrutainment und Auswahltests auf der Agenda. Das Ganze aus der Perspektive von Großkonzernen genauso wie mittelständischen Unternehmen oder Non-Profit-Organisationen.

Wer das Veranstaltungsformat kennt, weiß dass dabei auch und gerade der informelle Austausch zwischen den Teilnehmern in einem sehr angenehmen Ambiente nicht zu kurz kommt. Im letzten Jahr waren die 140 Plätze bereits in der Frühbucher-Phase vergriffen, also sichern Sie sich rechtzeitig ihren Platz für die Recruiting2014.

Das Programm

Ab 12:45 Uhr:

Eintreffen der Teilnehmer, Anmeldung

13.15 – 13.30 Uhr:

Begrüßung durch Joachim Diercks, Geschäftsführer CYQUEST GmbH

13.30 – 14.10 Uhr:

Männer in die Kitas!

Ralf Lange, Leiter der Hamburger Koordinierungsstelle ’MEHR Männer in die Kitas’ und Cornelia Heider-Winter, Pressesprecherin

Wie der Paritätische Wohlfahrtsverband Hamburg Männer für den Erzieherberuf begeistert und für einen Ansturm auf die Fachschulen sorgt.

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14.10 – 14.50 Uhr:

Frauen gehören ganz nach vorn

Jörg Buckmann, Leiter Personalmanagement, Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ)

Wie die Verkehrsbetriebe Zürich verstärkt Frauen ansprechen und – ganz ohne Quote – vermehrt einstellen.

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14.50 – 15.30 Uhr:

Recrutainment @ Allianz – spielerisches Personalmarketing

Dominik Hahn, Expert Online Employer Branding, Allianz SE

Im Zuge des Trendthemas ´Gamification´ ist auch der Einsatz von Spielelementen in Employer Branding, Personalmarketing und Recruiting sprunghaft angestiegen. Bei der Allianz ist ´Recrutainment´ jedoch kein Modethema, sondern bereits seit über einem Jahrzehnt fester Bestandteil der Arbeitgeberkommunikation. Der Vortrag gibt einen Überblick über verschiedene Projekte der letzten Jahre sowie die dabei gemachten Erfahrungen und stellt ein aktuelles Recrutainment-Projekt detailliert vor.

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15.30 – 16.00 Uhr:

Kaffeepause

16.00 – 16.20 Uhr:

Mitarbeiter Empfehlungen: Status Quo, Chancen und Tipps

Wolfgang Brickwedde, Director, Institute for Competitive Recruiting

Es klingt so einfach: gut passende neue Mitarbeiter günstig mit Empfehlung von aktuellen Mitarbeitern einstellen. Doch welchen Stellenwert haben “Mitarbeiter werben Mitarbeiter” Programme im Recruiting-Mix, wie ist der Status der Programme und wieviele Mitarbeiter werden über diesen Kanal eigentlich eingestellt? Wie kann man solche Programme gestalten – nur reaktiv oder auch proaktiv? Was bieten Unternehmen ihren Mitarbeitern für die Empfehlungen? Ein Überblick bringt Klarheit.


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16.20 – 17.00 Uhr:

Cultural Fit durch Mitarbeiter werben Mitarbeiter

Katja Rothe, Prokuristin, Butting Personal Services, H. BUTTING GmbH & Co. KG

Schokolade oder Kuchen? Wie die international tätige Fa. Butting (2500 MA) aus der Nähe von Hannover die Begeisterung der aktuellen Mitarbeiter für das Unternehmen nutzen kann, um zu überraschend niedrigen Kosten an den größten Teil ihrer neuen Mitarbeiter zu kommen und das auch noch mit einem Cultural Fit Filter!

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17.00 – 17.40 Uhr:

Zeigt uns, was Ihr könnt!

Bettina Strobel, Selection & Nurturing, Center of Expertise European Recruiting, BASF SE

Die Einführung einer elektronischen Eignungsdiagnostik in der Azubiauswahl bewirkte bei der BASF eine gewisse Abkehr von Zeugnissen & Schulnoten. Die neuen Methode sorgt dafür, dass Plätze früher und schneller besetzt werden können, wobei auch schon Kandidaten eingestellt wurden, die früher (bspw. aufgrund schlechter Mathenoten) keine Chance gehabt hätten und sich trotzdem gut machen.

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17.40 – 18.20 Uhr:

Wissen verändert alles – Neue Wege im Schülermarketing der Deutschen Telekom AG

Ute Neher und Marco Baldauf, Recruiting&Talent Acquisition, Deutsche Telekom AG

  • reif – das Jugendmagazin
  • Wissen verändert alles – spielerisch die Telekom erleben
  • mit MINT – Initiativen – Technik erleben
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Ab 18.20 Uhr:

Im Anschluss an den inhaltlichen Teil können Sie die Veranstaltung bei kulinarischen Köstlichkeiten und tollem Blick über den Hamburger Hafen gemütlich ausklingen lassen. Nutzen Sie diese Gelegenheit zum informellen Erfahrungsaustausch und Networking.

 

Die Anmeldung

Wir erwarten wie in den letzten Jahren wieder zwischen 100 und max. 140 Teilnehmer (mehr passen definitiv nicht). Letztes Jahr waren die Plätze bereits innerhalb der Frühbucherphase weg, von daher sichert eine frühe Anmeldung einen sicheren Platz. Die Frühbucherfrist mit nochmal vergünstigten Preisen gilt bis zum 30.06. Die Anmeldung erfolgt entweder über dieses Anmeldefax, direkt über die Eventseite bei amiando (http://de.amiando.com/Recruiting2014.html) oder kann hier auf der Seite über das Ticketmodul durchgeführt werden:

 

Autor: Jo Diercks.

Thema: Ausbildung, Berufsorientierung, CYQUEST Vorträge und Veranstaltungen, Demografischer Wandel, eAssessment, Employer Branding, eRecruiting, Serious Games | Kommentare (1)

Ausbildung.de: Mit Berufscheck Traumberuf finden. Eine kritische Würdigung

Donnerstag, 11. April 2013 16:39

Autor: Jo Diercks.

Das muss man der Truppe von Employour wirklich lassen. Der Buzz im Vorwege des Launches der neuen Seite Ausbildung.de war gut inszeniert. Die zwei bereits einige Zeit vor dem Launch der Seite gestreuten Videos “Wie würdest du dir einen Ausbildungsplatz suchen?” und “Wie könnte eine Website zum Thema Ausbildung heißen?” waren witzig, hatten virales Potential und arbeiteten sehr gut auf den Namen der Plattform “Ausbildung.de” hin.

Ausbildung_de

Auch hierzu kann man Employour wirklich nur gratulieren. Der Name ist für eine Plattform zum Thema Ausbildung natürlich sensationell. Entweder da hat jemand sehr früh den richtigen Riecher gehabt und sich die URL gesichert oder es wurde tief in die Tasche gelangt, um sie sich zu kaufen. Da solche URLs in Deutschland 1997, spätestens 1998 weg waren, ist von letzterem auszugehen. So berichtete zumindest die WuV im Zusammenhang mit dem Start der Seite, dass man sich die Seite für “viel Geld” gesichert habe. nun, egal wie: Der Name ist super.

Wie der eine oder andere meiner Leser sicherlich weiß, ist es mir (und auch den Angeboten für die wir bei CYQUEST verantwortlich zeichnen) ein ganz besonderes Anliegen, das “Zueinanderfinden” zu verbessern. Nein, nicht im Zwischenmenschlichen, dann hätten wir eine Partnerbörse aufgemacht, sondern das Zueinanderfinden von (jungen) Menschen und den am besten zu ihnen passenden (Ausbildungs-)berufen, Unternehmen, Studiengängen, Hochschulen etc. Diese Herkulesaufgabe zu bewältigen, steht im Prinzip über all unseren Berufsorientierungsspielen, SelfAssessments, Auswahltests, Job-, Degree-, Skill-Matchern, virtuellen Studienberatungen, Selbsttests usw. und immerhin arbeiten wir dabei ja inzwischen mit nahezu 50 Unternehmen, Einrichtungen und Hochschulen zusammen – von der Allianz bis zu den Wieland-Werken…

Von daher freue ich mich auch über jedes neue Angebot, das antritt, um diesen Übergang, dieses Zueinanderfinden zu verbessern. Und Ausbildung.de gefällt mir dabei wirklich gut, weil es frisch und locker das Thema “passender Ausbildungsplatz” angeht und im Gegensatz zu vielen etwas verkopften Angeboten offensichtlich sehr von der Zielgruppe her gedacht und gestaltet ist.

Nichtsdestotrotz muss ich leider der aus meiner Sicht doch etwas zu euphorischen Berichterstattung in einigen Medien und Blogs einen kräftigen Schluck Wasser in den Wein kippen.

Warum? Nein, es geht mir nicht um die noch ausbaufähige Darstellung auf mobilen Endgeräten. Die halte ich zwar für zunehmend wichtig, aber wenn es hier noch Defizite gibt, ist das aus meiner Sicht auch nicht so eine Katastrophe, wie das zuweilen von einigen Employer Branding Consultants beschworen wird (hierzu mehr gibt es hier).

Nein, ich sehe vor allem zwei andere Probleme:

1. Persönlichkeitsrechte.

Das ist zwar nicht mein vorrangiges Themengebiet (wäre eher was für Nina oder Stephan…) aber ich möchte für die Macher von Ausbildung.de wirklich hoffen, dass sie hier hinreichend aufgepasst haben.

In dem “Berufscheck” (eine kritische inhaltliche Würdigung dazu unter 2.) kann man herausfinden, was für ein “Persönlichkeitstyp” man ist (wie gesagt: inhaltliche Würdigung gleich). Diese “Persönlichkeitstypen” sind – das macht es ja so schön sprechend – mit bekannten (realen) Personen überschrieben. Es gibt den Barack Obama-Typ, den Sebastian Vettel-Typ, den Til Schweiger-Typ, den James Bond-Typ oder den Cameron Diaz-Typ, um nur einige ausgewählte herauszugreifen.

Diese “Typen” sind dann auch mit entsprechenden Bildern der Personen illustriert. Diese Bilder sind, wie man auf der Seite lesen kann, von Getty Images erworben. Das ist für den journalistischen Verwendungszweck relativ unkritisch, zur Illustration eines kommerziellen Angebots hingegen schon kein “Standard” mehr – gleichwohl natürlich über entsprechende bilaterale Lizenzregelungen möglich.

Über den reinen Gebrauch der Bilder zur Illustration werden die “Typen” hier jedoch zudem inhaltlich mit Charaktermerkmalen attribuiert. So erfährt man zum Beispiel, dass der “Joachim Gauck-Typ”, sich “nicht davor scheut, das Kommando zu übernehmen”, “nicht nur dem Bauchgefühl zu vertrauen, sondern getroffene Entscheidungen zu hinterfragen” und “großen Wert auf Ordnung, Regeln und Struktur zu legen”.

JoachimGauck_Typ

Das mag alles stimmen oder nicht, aber einem Menschen Eigenschafts- und Persönlichkeitsmerkmale zuzuschreiben, um ihn symbolisch für einen gewissen Typen heranzuziehen, greift m. E. unzweifelhaft in dessen Persönlichkeitsrechte ein. Im Falle fiktiver Personen wie James Bond befinden wir uns ganz schnell im Markenrecht. Dazu kann Getty Images selber sicherlich keine Lizenz vergeben. Im Fall von Joachim Gauck mag das ggf. noch überschaubare rechtliche Auswirkungen haben, im Falle wirklich “teurer Personenmarken” wie Cameron Diaz oder tatsächlicher Marken wie James Bond kann das sehr schnell wirklich teure Konsequenzen haben (Abmahnung, Unterlassung, Schadensersatz usw.). Ich hoffe, die entsprechenden Vereinbarungen mit den jeweiligen Personen oder deren Vertretern wurden hier getroffen…

Doch wir sind ja kein Blawg, von daher nun zu meiner eigentlichen Baustelle…

2. “Wissenschaftlicher” Berufscheck

Ein zentrales Feature von Ausbildung.de ist der Berufscheck. Wer den Recrutainment Blog kennt, der weiß, dass so etwas hier umgehend auf den Seziertisch kommt. Wir befassen uns ja nun mittlerweile beinahe 15 Jahre mit diesem Thema und halten hier einen ganzen Haufen Psychologen damit auf Trab.

Der Berufscheck auf Ausbildung.de wird recht vollmundig beworben mit Begriffen wie “Persönlichkeitstypologie” und “wissenschaftlich” und verspricht, einen “mit 12 Fragen zum Traumberuf” zu führen. Okay. Das ist markig. Doch zunächst einmal: Wie funktioniert der Berufscheck?

Man bekommt insg. 12 Fragen gestellt. Das heißt, man erhält jeweils zwei Kärtchen, auf denen jeweils ein “Typ” beschrieben wird und man entscheidet sich für denjenigen, der besser auf einen zutrifft. Ein Forced Choice Design also, ein ipsativer Test.

Ausbildung_de_Berufscheck

Die Fragen zielen inhaltlich auf bekannte berufsbezogene Persönlichkeitsdimensionen wie Extraversion/Introversion, Gewissenhaftigkeit (siehe bspw. Big Five Modell), Handlungsorientierung (siehe bspw. BIT), Thinking/Feeling (siehe bspw. Myers-Briggs) oder Offenheit für Neues (siehe bspw. Big Five / Great Eight). Hierbei werden aus meiner Sicht Dimensionen aus konstruktbasierten Testverfahren und typologisierenden Tests munter gemischt. Hinzukommen eher Präferenzmerkmale wie Generalismus/Spezialistentum oder Mobilität.

Ausbildung_de_Berufscheck_2

Die 12 gestellten Fragen kommen lt. Ausbildung.de aus einem Pool von 448 Fragen, wobei man immer “nur die zu den bisherigen Antworten (…) passenden Fragen gestellt” bekommt. Der Test ist also auch adaptiv.

Hat man alle 12 Fragen beantwortet, bekommt man als Ergebnis zum einen den oben bereits beschriebenen persönlichen Typ genannt (also Joachim Gauck, James Bond, Sebastian Vettel, Nelson Mandela, Mutter Teresa etc.), zum anderen dann inkl. eines Prozentwerts die “passenden Ausbildungsberufe”. Das wiederum heißt, der “Persönlichkeitstypentest” wird nicht nur auf die Person bezogen, sondern das Ergebnis dann auch noch auf die Umwelt (in diesem Fall mögliche Ausbildungsberufe) bezogen. Um das zu tun, müssen auch alle theoretisch verfügbaren Ausbildungsberufe (das sind in Deutschland um und bei 400, auf Ausbildung.de ein paar weniger) ebenfalls nach der gleichen Typologie beschrieben sein, da sich sonst keine Übereinstimmung festmachen ließe. Gerade die Bestimmung der berufs- und diagnostisch-relevanten Anforderungen der verschiedenen Ausbildungsberufe bezogen auf eine wie auch immer quantifizierte Passung zwischen Person und Umwelt ist typischerweise kein ganz triviales Unterfangen, wenn es „wissenschaftlich“ gemacht wird (siehe dazu die Vorgehensweise bspw. bei „was-studiere-ich.de“ hinsichtlich Umwelt-Interessencodierung).

Ausbildung_de_Berufscheck_Ergebnis

Bewertung

Das klingt super. Das klingt aber aus meiner Sicht auch zu schön, um wahr zu sein. Ein Test, bei dem ich nur 12x klicken muss und schon bekomme ich exakt “prozentgenau” gesagt, was mein Traumberuf ist – da wird die Herkulesaufgabe kinderleicht.

Das zumindest wird einem suggeriert, wenn von einem wissenschaftlichen Testverfahren die Rede ist. Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich finde Matcher und Selbsttests, die vielleicht die am Ende herauskommende Aussage nicht wirklich abschließend beweisen können, nicht per se schlecht, alles andere als das! Dann muss man diese aber auch als solche darstellen – als Anregung zur Selbstreflektion. Hier wird leider so getan, als sei das Ergebnis einfach “richtig” und zwar abschließend richtig, wissenschaftlich belegt. Zu 99% passt der Fluglotse. Punkt.

Zum Unterschied zwischen wissenschaftlichen und laienpsychologischen Tests haben die Kollegen der Uni Freiburg mal eine schöne Erläuterung in ihrem Online Studienwahl Assistenten für das Fach Psychologie gebracht, die ich hier gern einmal wiedergeben möchte:

Wissenschaftliche_vs_Laienpsychologische_Tests

Um eine Analogie zu verwenden: Es gibt im Reformhaus oder der Apotheke jede Menge Mittel, die gegen alles Mögliche helfen können, frei und ohne Rezept. Und diese Mittel können ja auch tatsächlich helfen, auch oder vielleicht weil man daran glaubt. Möchte man aber als Hersteller ein wirkliches Medikament vermarkten, steht da (zurecht) ein enormer Hürdenlauf von Studien, Tests, Retests, Zulassungsverfahren etc. davor. Sprich: Es gibt ein Regelwerk, an das man sich halten muss, wenn man wirkliche Arzneimittel auf den Markt bringt. Der Effekt darf nicht nur auf Glauben beruhen, sondern er muss nachweisbar sein.

Für Tests im Rekrutierungskontext gibt es zwar keine verbindlichen, gesetzlichen Regeln, aber es gibt eine einschlägige DIN, die DIN 33430. Und die wiederum verlangt Gütekriterien, Dokumentation und vor allem Transparenz. Dazu habe ich bei Ausbildung.de leider nichts gefunden. Nach dem niederländischen COTAN System muss ein “Test für wichtige Entscheidungen auf der individuellen Ebene” bspw. eine Reliabilität von mind. r=.90 aufweisen, um als “gut” eingestuft zu werden (vgl. Kersting, 2006). Das ist ein objektives Kriterium. Zu solchen Themen findet sich unter “Warum funktioniert unser Berufscheck so gut?” bei Ausbildung.de leider nichts.

Ethische Verantwortung

Das mag jetzt alles ein wenig pingelig klingen, nach dem Motto: “Ihr Eignungsdiagnostiker in Eurem Elfenbeinturm…”. Ich reite aber auf dem Punkt so intensiv rum, weil hinter dem Einsatz von Tests immer auch eine ethische Verantwortung liegt. Junge Menschen gehen auf die Seite, lesen “wissenschaftlicher Test”, bekommen ein Ergebnis angezeigt und schlagen daraufhin möglicherweise diesen Weg auch ein. In diesem Moment kommt dem Testanbieter eine nicht unbeträchtliche Verantwortung zu. Ich glaube zwar, dass niemand seine Berufswahl allein auf Basis eines Testergebnisses aufbaut, sondern immer auch weitergehende Information herangezogen wird (die Ausbildung.de ja durchaus auch sehr gut aufbereitet bietet), aber die Richtung wird schon vorgegeben. Das alles wäre in diesem Fall bei Weitem nicht so gravierend, wenn entweder belegt würde, dass es sich wirklich um einen wissenschaftlichen Test handelt (welche Theorie, von wem entwickelt, welches N, welche Gütekriterien, wie werden die Umwelt-Anforderungen erhoben und zur Person gematcht etc.) und man dem Ergebnis mithin auch soundsoweit vertrauen kann oder man es eben als “reine Anregung zur Reflexion” verkaufen würde – im Sinne von: “Schau mal, das könnte was für dich sein. Bitte beachte, dass es sich hier nicht um ein abschließendes Testergebnis handelt.” Ein solches SelfAssessment überlässt es nämlich dem Nutzer zu beurteilen, was er aus dem Ergebnis mitnehmen möchte. Eine Aussage wie “zu 95% passt der Speditionskaufmann zu dir” überlässt diese Beurteilung dem Nutzer nicht.

Ich würde mir wünschen, dass diese Informationen nachgeliefert werden, um letztlich auch den Beweis der Wissenschaftlichkeit anzutreten.

Leider muss ich auch an dieser Stelle dem geschätzten Kollegen Henner Knabenreich in Bezug auf seine eher negative Bewertung der Leistung der Arbeitsagentur sehr deutlich widersprechen: Wir haben gerade selber einen Azubi eingestellt und waren relativ erstaunt darüber, was über die Agentur an Bewerbern kam – quantitativ wie qualitativ. Vielleicht schwingt aber bei Henner auch die für unsere Generation ja oft noch selbst erlebte “traumatische” Erfahrung des Besuchs im BIZ der Arbeitsagentur mit: “Sie sind also gern an der frischen Luft, dann werden Sie am besten Landschaftsgärtner…”. Nach allem, was ich bis jetzt von dem Berufscheck bei Ausbildung.de sehen konnte, liegt dieser vom Niveau leider aber auch nicht darüber. Wie gesagt: Ich bin für den Gegenbeweis immer offen… Man muss sogar im Gegenteil festhalten, dass der unter wissenschaftlicher Leitung von Prof. Wottawa für die Bundesagentur entwickelte Test Berufe-Universum zwar evtl. nicht durch Einfachheit und Usability glänzt, aber sicherlich ein wirklich wissenschaftlicher Orientierungstest für Ausbildungsinteressierte ist. Die Gleichung “Behörde = doof und verstaubt, Startup = cool und trendy” ist mir ein bisschen zu einfach.

Fazit

Also, ich begrüße Ausbildung.de wirklich sehr. Jede (ambitionierte) Seite, die hilft, dass junge Menschen den zu ihnen passenden Weg einschlagen, ist zu begrüßen. Im Falle von Ausbildung.de sehe ich zudem wirklich gute Ansätze hinsichtlich Gestaltung, Usability und Zielgruppen-Affinität – GenY will like it…! Um so mehr fühle ich mich aufgefordert, meine Bauchschmerzen hinsichtlich der einen oder anderen Komponente der Seite zu äußern. Ich hoffe, dies kommt als solches an, als das es gemeint ist: Wohlwollende, konstruktive und begründete Kritik. Für Bashing hätte ich definitiv keine vier Stunden Zeit und 12000 Zeichen aufgewendet…

Thema: Ausbildung, Berufsorientierung, eAssessment, Employer Branding, eRecruiting, SelfAssessment | Kommentare (4)

So simpel wie pfiffig: Die Bewerbung als Roboter. Der ´Robo Job´ bei antwerpes

Mittwoch, 30. Januar 2013 11:05

Autor: Jo Diercks.

Ich muss sagen, die Idee finde ich wirklich – um mal so 70er-Sprech zu bemühen – “pfiffig”! Bei der Kölner Agentur antwerpes, die sich mit ca. 70 Mitarbeitern auf “kreative Kommunikationskonzepte für den Healthcaremarkt” spezialisiert hat, kann man sich quasi “als Roboter” bewerben. Die Aktion wurde entsprechend passend “Robo Job” getauft.

An wen richtet sich das und wie genau muss man sich das vorstellen?

Robo Job richtet sich an die Zielgruppe IT´ler, denn auch mittelständische Agenturen haben Bedarf an Software-Entwicklern… Als erstes müssen Interessenten auf der Seite http://robojob.antwerpes.de eine leichte bis mittelschwere Programmieraufgabe lösen.

RoboJob

Ich gebe zu, ich hätte das nicht gekonnt, aber das ist ja auch so gewollt – Programmierer bin ich nämlich nicht ;-). Ich habe mich aber sofort erinnert gefühlt an die Google Billboard Rätsel. Im Prinzip kann man daran die Idee der “Mini-Assessments” als Instrument intelligenter Selbstselektion oder auch als Ernsthaftigkeitshürde verwirklicht sehen.

Gelingt einem die Lösung (ich gebe zu, ich habe mir von einem unserer Anwendungsentwickler helfen lassen) wird man aufgefordert, über Skype Kontakt aufzunehmen.

RoboJob2

Und dann wird es spannend: Über Skype wird man direkt auf den Kopf des Roboters geschaltet. Hä? Wie?

Also: Bei antwerpes gibt es einen Roboter, der aus einem eigens angefertigten Kunststoff-Torso, montiert auf Bürostuhlrollen, sowie einem iPad als Kopf besteht. Und auf diesen iPad-Kopf wird man als “Kandidat” nun über Skype geschaltet. Das funktioniert zu festen Uhrzeiten (wochentags zwischen 11 und 13 sowie 14 und 17 Uhr).

Der virtuelle Probetag - RoboJob

((c) antwerpes ag)

Im Prinzip wird man dadurch via Skype virtuell ins Unternehmen eingeladen. Man kann in der Agentur herumgeführt werden, potentielle Kollegen treffen und sich ein “Bild” machen.

Aber: es geht nicht nur um den Rundgang. Vielmehr dient der virtuelle Kontakt auch dem Unternehmen dazu, ein Jobinterview zu führen. Man tauscht sich über das Profil des Bewerbers aus und im Anschluss erhält der Kandidat eine an seinem Know-how ausgerichtete Aufgabe. Diese kann er im Gespräch lösen. Sollten dafür weitere Informationen oder Materialien notwendig sein, können diese bei Bedarf via Skype zugesendet werden.

Es werden also Interview und (mentale) Arbeitsprobe kombiniert. Nun sind zwar auch webbasierte Videointerviews mittlerweile bekannt und auch der Einsatz von Skype hierfür bereits umfangreich erprobt (z.B. bei Otto), aber die beim Robo Job gewählte sehr “recrutainige” Kombination mit Mini-Assessment, moderner Hardware und – muss man sagen – cooler Optik setzt hier nochmal deutlich einen oben drauf.

Ganz Agentur hat antwerpes dann natürlich auch einen Youtube-Trailer für das Projekt produziert und ins Netz gestellt:

Also, Zwischenfazit. Ich finde die Idee wirklich gelungen. Es hat zwar sicher nicht jeder einen Roboter-Torso rumstehen oder einen befreundeten Kulissenbauer, der einem so einen mal eben schafft, aber ansonsten setzt sich Robo Job so simpel wir pfiffig aus bekannten Komponenten zusammen. Und das ist clever.

Ob es auch wirkt? Dazu greife ich mir mal meinen guten alten Bekannten Rouven Schäfer, Leiter Human Resources bei antwerpes, zu einem Interview. Stay tuned…

Thema: eAssessment, Employer Branding, eRecruiting, Fundstücke, SelfAssessment | Kommentare (1)

Warum ich nicht glaube, dass eine “One-Click-Bewerbung” wirklich zielführend ist…

Donnerstag, 17. Januar 2013 15:36

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels einerseits und der zunehmenden technischen Möglichkeiten insb. von Smartphones wird zunehmend propagiert, dass die Bewerbungsbarrieren immer noch zu hoch und weiter dramatisch gesenkt gehören. Stichwort: One-Click-Bewerbung. Also: Ich sehe eine Stelle, z.B. in einem Sozialen Netzwerk, und dann muss ich mich nicht mehr im herkömmlichen Sinne bewerben, sondern ich drücke buchstäblich den “Bewerben-Button”, gleichsam einem “Like” bei Facebook. Da meine Daten alle ja hinterlegt sind, habe ich damit meinen Teil der Aufgabe erledigt, jetzt ist der Recruiter dran. In Ansätzen finden sich solche Funktionalitäten ja bereits bei Linkedin oder im XING Talentmanager.

Hmm… Ich bin im Prinzip absolut der Meinung, dass man sich um ein knappes Gut auch mehr bemühen muss (ich habe ja auch mal Volkswirtschaft studiert) und insofern Unternehmen sehr gut beraten sind, ihre Bewerbungsprozesse “vom Kandidaten aus” und nicht von der eigenen IT aus zu denken. Das heißt auch: Sie möglichst einfach zu machen und keine überflüssigen Hürden einzubauen.

Aber: jegliche Ernsthaftigkeitshürde einzureißen – dabei bleibe ich auch – würde buchstäblich das Kinde mit dem Bade ausschütten. Wenn ich mich, gleichsam eines Facebook-Like-Buttons, einfach mal so weil lose interessiert auf jede kommunizierte oder latente Vakanz “bewerben” kann, führt das vor allem erstmal zu “Noise” beim rekrutierenden Unternehmen, nämlich einem enormen Sichtungs- und Administrationsaufwand. Die vielleicht wirklich interessanten “Signals” laufen dabei dann Gefahr, nicht mehr die gebotene Aufmerksamkeit zu bekommen.

Ich habe ja bereits häufiger die These formuliert, dass sich als Leitbild für moderne Rekrutierungsprozesse durchaus die Anwendung einer “Beziehungsmetapher” eignet. Wenn man möchte, dass am langen Ende eine langfristig gut funktionierende Beziehung herauskommt, dann gilt für beide Seiten, sich möglichst authentisch zu zeigen (für einen One-Night-Stand ist das nicht erforderlich…;-) Das heißt aber auch für beide Seiten, sich möglichst gut kennenzulernen. Schiller sagte dazu: “Drum prüfe, wer sich ewig bindet… Der Wahn ist kurz, die Reu ist lang…”

Wirft man mal einen Blick auf eines der erfolgreichsten Online-Geschäftsmodelle überhaupt, nämlich Partnerbörsen, dann kommen mir hinsichtlich der “One-Click-Philosophie” so meine Zweifel. Warum unterziehen sich wohl Menschen teilweise stundenlangen Persönlichkeitsfragebögen bei Parship, eDarling etc.? Weil sie auf der Suche nach einer funktionierenden und langfristigen Beziehung sind. Die schnelle Nummer gibt es woanders. Auch eine gute Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehung setzt ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit und vor allem Commitment voraus.

Dass wir also aufgrund des Fachkräftemangels zukünftig alle Ernsthaftigkeitsbarrieren einreißen müssen, sehe ich definitiv nicht. Oder anders: Wer nicht mal ansatzweise bereit ist, sich ein wenig Zeit zu nehmen, sich über ein Unternehmen zu informieren (und zwar aktiv) und ein wenig Zeit für eine Bewerbung zu investieren, wie ernst meint der es am Ende? Ein bisschen Selbstselektion gehört nämlich auch dazu. Und ich rede hier nicht von den kilometerlangen Folterformularen der Bewerbermanagement-Systeme erster Stunde… Eine “One-Click-Bewerbung mit Mini-Assessment” sollte es schon mindestens sein…

two-click-bewerbung(Quelle Grafik: Wollmilchsau)

Thema: Berufsorientierung, Demografischer Wandel, eAssessment, eRecruiting, SelfAssessment | Kommentare (8)

Der Recrutainment Jahresrückblick 2012 – Teil I – Januar bis Juni

Freitag, 28. Dezember 2012 23:06

Uff, das Jahr war kernig. Allerhand private Umwälzungen – im Mai kam mit Lotta Marie Tochter 2.0 zur Welt und infolgedessen habe ich das Glück gehabt, Ende des Jahres zwei Monate in Elternzeit gehen zu können – aber die sollen hier nicht Thema sein (wobei das Thema Elternzeit, Work-Life-Balance und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sicherlich hier noch einmal irgendwann aus HR-Sicht beleuchtet werden).

Nein, 2012 war ein “Recrutainment Jahr”. Das mache ich nicht nur an der CYQUEST Bilanz fest, sondern vor allem an der überaus umfänglichen medialen Präsenz. So wird Johannes Kopf, Vorstand des Arbeitsmarktservice Österreich mit den folgenden Worten zitiert: „Recrutainment wird das klassische Bewerbungsgespräch ablösen. Es ist der Trend in der Personalbeschaffung”. HRnetworx attestierte dem Thema im August “das Potenzial zum Recruiting-Trend des Jahres“. Darüberhinaus fanden sich zum Teil überaus umfangreiche und mehr oder weniger gute Beiträge z.B. im t3n Magazin, der schweizer Handelszeitung, im Bayerischen Rundfunk, dem österreichischen Wirtschaftsblatt, dem Universum Magazin careerstep, 1live, dem Weserkurier, der österreichischen Presse, Lead Digital, Next Gamer und natürlich nicht zuletzt in Leitmedien wie dem SPIEGEL, der FAZ und Pro Sieben.

Wie gesagt: Mehr oder weniger gut… Zuweilen wird das Thema noch zu sehr auf eine reißerische Punchline wie “Daddeln für die Karriere” reduziert, womit der a) durchaus wissenschaftliche Hintergrund und b) die insg. Recrutainment stark pushende gesamtarbeitsmarktliche Kombination aus demografischen Wandel und Generation Y etwas überdeckt werden. Es dürfte inzwischen aber vollkommen unbestritten sein, dass spielerisch-simulative Elemente auf breiter Front Einzug in Personalmarketing UND Personalauswahl gehalten haben.

Also: 2012 war für uns insgesamt ein Highlight.

Was waren darüberhinaus meine persönlichen Favoriten aus 12 Monaten Recrutainment Blog? Immerhin sind 2012 sage und schreibe 127 (!) Artikel im Recrutainment Blog erschienen, also im Grunde fast jeden 1,5ten Arbeitstag einer. Dass wir Ende des Jahres die Gesamtzahl von 600 Artikeln (seit Februar 2007) überschreiten konnten, verdanke ich aber auch der tatkräftigen Mithilfe meiner Kolleginnen Verena, Antonia, Lisa, Jessica und Levke.

Meine Highlights 2012:

  • Im Februar ragte für mich das Viral Video von Twitter zur Mitarbeitergewinnung heraus, das “schlechteste Recruitingvideo der Welt”…. Über den Einsatz von Videos als Personalmarketinginstrument wurde dieses Jahr sehr viel diskutiert und zuweilen auch reichlich fremdgeschämt (dazu später noch mehr), aber das Twitter-Video war für mich definitiv ein Höhepunkt auf der Habenseite…
  • Für uns zudem herausragend: Der Start des Online-Assessments für die Wieland-Werke. Dieses mit zahlreichen informativen Elementen angereicherte eTest-Verfahren zur Vorauswahl von Ausbildungsplatzbewerbern zeigte deutlich, dass eAssessment inzwischen auch ein Thema für den Mittelstand geworden ist.

  • Der zweite für mich sehr maßgebliche Beitrag aus dem April war der Beitrag “Facebook Karriereseiten sind nur geborgt“, in dem ich mir mal von der Seele geschrieben habe, wo für mich der Stellenwert von Facebook-Pages z.B. im Verhältnis gegenüber der Karrierewebsite verortet ist. Der geschätzte Kollege Jörn Hendrik Ast hat hierfür den wunderbaren Begriff des “Slashpublishing” geprägt…
  • In die gleiche Kerbe schlug dann im Mai der Artikel “10 Gründe warum ein Corporate Blog besser ist als eine Facebook-Seite” nebst dazu passender Infografik:

So, es ist 23 Uhr. Morgen früh um sechs wird aller Voraussicht nach der kleine Wecker angehen… :-) Deshalb ist für heute Feierabend. Teil 2 des Recrutainment Jahresrückblicks 2012 folgt dann in den nächsten Tagen. Gute Nacht!

Thema: Ausbildung bei Wieland, Berufsorientierung, Demografischer Wandel, eAssessment, Employer Branding, Lufthansa Karriere, SelfAssessment, Serious Games, Social Media HR | Kommentare (0)

Dominik A. Hahn und Emilie Netter im Interview über die Bedeutung von Recrutainment, P-O Fit und Matcher-Tools für die Allianz

Montag, 10. Dezember 2012 9:16

Korrekt: Ich bin in Elternzeit und um ehrlich zu sein – ich finde ich werde im Recrutainment Blog wirklich hervorragend von meinen Kolleginnen Verena, Levke, Antonia und Marie vertreten. Ganz sein lassen kann ich das bloggen dann aber doch nicht und so hat es sich ergeben, dass ich remote, soz. mit Milchflasche in einer Hand, ein Interview mit Dominik Hahn, fester Bestandteil der HR-Suppe, Blogger, Twitterer und im echten Leben bei der Allianz für das Online Employer Branding zuständig, führen konnte.

Darin gibt Dominik sehr spannende Einblicke in die strategische Ausrichtung des Employer Brandings der Allianz, die Bedeutung von Recrutainment und die dabei immer wichtiger werdende Rolle der Passung zwischen Kandidat und Unternehmen. Sehr schön auch: An einer Stelle kommt auch Emilie Netter zu Wort, Dominiks französische Kollegin, die für das Employer Branding der Allianz in Frankreich verantwortlich ist und unter anderem das Recrutainment Format “Expérience” betreut. So genug der Vorrede, Dominik, Emilie, wollen wir?

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Hi Dominik, irgendwie ist die Allianz ja ein regelmäßiger Gast im Recrutainment Blog. Eure Infografiken als Personalmarketinginstrument fand ich sensationell und auch das Orientierungsspiel Expérience deiner französischen Kollegen hat mir wirklich gut gefallen. Der Selbsttest “Job-Checker” fiel dagegen aus meiner Sicht eher ab. Wie dem auch sei – kann es sein, dass Ihr irgendwie eine gewisse Recrutainment Affinität in Euren Aktivitäten habt oder habe ich da nur eine selektive Wahrnehmung?

Wahrscheinlich kommt da beides zusammen ;-) Im Ernst: Die Allianz ist ja nicht neu im Recrutainment-Geschäft – auch wenn man das damals wohl nicht so genannt hat. Ich erinnere da z.B. an den Test namens “Allianz Voyager” oder den immer noch sehr beliebten und Allianz Perspektiven-Test für Schüler und Studierende unserer Kolleginnen und Kollegen der Allianz Deutschland AG, den man auf deren Karriere-Webseite www.perspektiven.allianz.de findet. Selbiges gilt für den eher spaßigen Job-Checker und für den erst kürzlich eingeführten Job-Matcher speziell für Schülerinnen und Schüler.

Hinzu kommt, dass nicht nur wir uns im Global Headquarter der Allianz SE mit dem Thema beschäftigen (siehe z.B. die Infografik zum Thema “Ablauf des Bewerbungsprozesses“), sondern sich natürlich auch zahlreiche Kolleginnen und Kollegen der einzelnen Länder-Einheiten damit auseinandersetzen, wie eben die Allianz Deutschland oder eben auch eine Allianz France.

Wie kommt das? Ihr habt doch würde ich mal sagen durchaus “spezielle Personalmarketing-Problematiken” zu lösen. Ich kann mich erinnern, dass du mir mal von der Schwierigkeit berichtet hast, Aktuare zu rekrutieren. Eignen sich Instrumente, die Inhalt und Kurzweile miteinander kombinieren hierfür besonders gut oder reicht für Eure speziellen Bedarfe das Standard-Repertoire einfach nicht aus?

Auch hier spielen verschiedene Faktoren eine Rolle. Zum einen ist es für Außenstehende zum Teil sicher schwer, sich konkret vorzustellen, welche konkreten Berufsbilder es innerhalb der Allianz Gruppe gibt. Bei einem Automobilhersteller ist klar, dass Ingenieure gesucht werden. In unserem Fall dagegen ist das Bild mit “Irgendwas mit Finanzen” wohl etwas diffuser, und z.T. auch zu kurz gegriffen. Natürlich suchen wir sehr stark im (Versicherungs-)Mathematik- und Finance-Bereich (sprich Aktuare, Financial Analysts, Asset/Investment Manager etc.). Darüber hinaus gibt es jedoch z.B. bei unserer Rückversicherungssparte, der Allianz Re, unserem Industrie- und Spezialversicherer Allianz Global Corporate & Specialty oder auch der weltweit tätigen Allianz Global Assistance eine Vielzahl an Profilen, die einen anderen Hintergrund benötigen (z.B. Risk Manager und Underwriter aus der Geologie, Physik oder den Ingenieurswissenschaften). Ganz „handfest“ kann man das an unserem „Allianz Zentrum für Technik“ sehen, indem eben eher keine Finanzmathematiker und BWLer an der Straßenverkehrssicherheit oder der Ursache von Schäden an Offshore-Windparks etc. forschen, sondern Ingenieure, Chemiker und viele andere Profile.

Fakt ist zudem, dass sich die Berufe immer mehr diversifizieren. Manche Jobs, die wir heutzutage ausschreiben, gab es vor einiger Zeit so noch nicht. Das gilt sowohl für Berufsausbildungsangebote wie auch Professional-Stellen. Job-Matcher tragen diesem Umstand Rechnung, indem sie diese Berufsbilder potenziellen Kandidaten näher bringen.

Nicht zuletzt, um das Thema Infografiken aufzugreifen, sind selbige ideal geeignet, “schwere Kost”, sprich komplexe oder eher “langweilige” Themen interessant darzustellen. Keiner hat z.B. Lust, sich mehrere Seiten Text zum Thema “So sieht unser Bewerbungs- und Selektionsprozess aus” auf unserer Karriere-Website www.allianz.com/karriere durchzulesen, obwohl wir jeden Tag Mails dazu bekommen, die genau danach fragen. Mit der oben genannten Infografik schlagen wir also zwei Fliegen mit einer Klappe: Wir geben den Bewerbern die Infos, die sie möchten – und das so aufbereitet, dass diese sich damit auch auseinandersetzen. Zudem darf man den “Sharing-Aspekt” dabei nicht vergessen. Ich bin überzeugt, dass man viel eher so eine Infografik mit seinen Freunden teilt (ob per Mail oder in den sozialen Netzwerken) als reinen Text.

Du hast ja mittlerweile schon vor einigen Jahren mal einen Artikel zum “Person-Organization-Fit” in meinem Blog veröffentlicht. Abgesehen davon, dass dieser aus nahezu 600 Artikeln unter den 20 meistgelesenen ist, ist das Thema für dich immer noch – oder vielleicht sogar mehr denn je – aktuell? Eure verschiedenen “Matcher-Tools” legen das aus meiner Sicht nahe…

Ich wusste gar nicht, dass der so gut ankam. Das freut mich sehr :-)

Und ja, du hast absolut recht. Die reine Passung fachlicher Skills ist immer das eine. Etwas ganz anderes ist dagegen stets die Frage, ob wir als Arbeitgeber mit unseren Idealen, Visionen und Werten zu einem Bewerber passen und umgekehrt. Deshalb versuchen wir bei unseren Matchern auch immer den Spirit der Allianz mitzugeben, z.B. durch die verwendeten Fotos (alles echte Allianz Mitarbeiter) oder bestimmte Informationen (z.B. unser Zielbild, die stärkste Finanzgemeinschaft aufzubauen oder unser Engagement im Sport-, Bildungs- und Sozialbereich).

Unser generelles Ziel im Employer Branding ist es, den potenziellen Bewerbern so viel Informationen von der Allianz Gruppe als Arbeitgeber zur Verfügung zu stellen wie möglich. Ganz egal ob dies über die Karriere-Website, Social Media, Infografiken, Videos oder Matcher-Tools geschieht. Ziel ist eine bestmögliche Selbstselektion seitens potenziell interessierter Kandidaten im Vorfeld der Bewerbung sicherzustellen. Das ist nicht nur im Interesse der Bewerber selbst, die sich so überflüssige Bewerbungen sparen, sondern auch in unserem eigenen. Denn so bekommen unsere Recruiter im Idealfall tatsächlich “passende” Kandidaten im Sinne des P-O Fit.

Dominik, das letzte Allianz-Beispiel, über das wir – oder konkreter meine Kollegin Levke, ich bin ja gerade in Elternzeit… – geschrieben haben, war das Orientierungsspiel Expérience der französischen Kollegen. Ein schönes Beispiel für spielerische Realistic Job Previews. Gibt es dazu von Eurer Seite weiterführende Insights? Lessons Learned? Irgendwelche KPIs wie “Veränderung der Bewerberzahl”, “Verbesserung der Bewerberpassung” oder zumindest “Verbesserung des Informationsstands” oder “Bezugnahme auf Spielinhalte in Bewerbungsgesprächen”?

Emilie Netter, Employer Branding Managerin Allianz France:

Ich denke, es ist noch ein wenig früh, um über konkrete Ergebnisse und Erfolge zu sprechen. Wir haben Allianz Experience erst im Oktober an den Start gebracht. Dennoch gibt es natürlich bereits erste Rückmeldungen – extern wie intern. So haben uns nicht nur einige Bewerberinnen und Bewerber im Vorstellungsgespräch darauf angesprochen, sondern auch unser Vertrieb ist äußerst zufrieden mit Allianz Experience, da es sehr nah an ihrem „day-to-day-business“ sei.
Uns freut besonders, dass es zudem nicht nur unsere Recruiting-Kolleginnen und Kollegen nutzen, indem Sie potenzielle Kandidatinnen und Kandidaten auf das Spiel hinweisen, sondern auch das Diversity Team. Im Spiel haben wir ein Video integriert, das die Arbeit im Vertrieb aus Sicht eines Mitarbeiters mit Handicap erklärt.

Insgesamt haben sich rund 1400 Personen bei uns registriert und 600 haben das Spiel abgeschlossen. Davon haben mehr als 100 eine Punktzahl von 10.000 erreicht, wobei der High-Score bei 12.000 und der maximal erreichbare Punktwert bei 13.000 liegt.

Ein Leser hat gefragt, was das Tool gekostet hat. Ich könnte zwar sagen, was es bei uns wohl in etwa gekostet hätte, aber so schwer es mir fällt das zuzugeben, Expérience ist ja nicht von CYQUEST. Kannst du die Kosten des Projekts nennen oder zumindest näher umreißen?

Fragen kann man immer ;-)

Im Ernst: Wir alle wissen, dass man so etwas nicht zum Nulltarif bekommt. Wenn wir in den kommenden Monaten wissen, was Allianz Experience letztlich gebracht hat, kann man das dann sicherlich besser in Relation zum Aufwand setzen.

Letzte Frage: Wo geht bei Euch die Reise hin? Was sind die nächsten Pfeile aus Eurem Köcher, die Ihr abfeuern werdet.

Allzu viel möchte ich noch nicht verraten, aber das Thema “Storytelling” wird kommendes Jahr sicher eine große Rolle spielen. Ideen für neue Infografiken, How-to-Videos oder Matcher-Tools sind da nur ein Teil einer größeren Idee.

Emilie, Dominik, ich danke ganz herzlich für das Interview. Wir sehen uns bestimmt in Kürze mal wieder!

Thema: Berufsorientierung, eAssessment, Employer Branding, eRecruiting, SelfAssessment, Serious Games | Kommentare deaktiviert

Fit für ein Studium an der Fakultät für Lebenswissenschaften der Uni Wien? Das Online-SelfAssessment gibt Aufschluss

Montag, 26. November 2012 11:50

Das Online-Self-Assessment der Universität Wien soll Studieninteressierten helfen, sich diese Frage zu beantworten. Im Fokus stehen hier die Fächer Biologie, Ernährungswissenschaften und Pharmazie. Zielsetzungen dieses Instruments sind die Überprüfung von studienrelevantem Vorwissen und damit einhergehend eine verbesserte Selbsteinschätzung des eigenen Wissensstands. Andere, neben der Kenntnis der Studienanforderungen für eine fundierte Studienwahl relevante Aspekte wie beispielsweise Informationen über die Studieninhalte, die Studienorganisation, den Hochschulstandort und nicht zuletzt mögliche Berufsbilder werden in diesem SelfAssessment nicht behandelt. Jedoch wird darauf hingewiesen, dass dieses als Wissenstest angelegte Self-Assessment auch nicht als Ersatz einer ausführlichen Berufs- und Studienberatung missverstanden werden darf.

Nach erfolgreicher Registrierung durchläuft der User zunächst zwei Beispielfragen, um sich mit der Applikation vertraut zu machen. Hier wird ihm die Vorgehensweise des Self-Assessments verdeutlicht. Zunächst wird ein Begriff genannt, zu dem er angeben soll, ob er die Bedeutung dieses Begriffes kennt. Aufgabe auf der folgenden Seite ist es dann, einen Satz zu diesem Begriff bzw. dessen Definition zu vervollständigen.

Nach den Beispielfragen folgen dann 36 Begriffe aus dem Gebiet der Lebenswissenschaften: Biologie, Ernährungswissenschaften und Pharmazie. Themen sind beispielsweise die Bedeutung des Mitochondriums, der Evolutionstheorie von Darwin, der physikalischen Diffusion, des Adenosintriphosphats oder von Lipiden.

Im Anschluss an die Bearbeitung der 36 Begriffe wird ein Feedback ausgegeben. Leider wird jedoch nur pauschal gesagt, wieviele der Begriffe man richtig bearbeitet hat und inwieweit einem diese Vorkenntnisse den Start des Studiums erleichtern bzw. erschweren könnten. Diese Interpretation basiert auf Werten einer Vergleichsgruppe, auf Basis derer man im oberen, mittleren oder unteren Drittel eingeordnet wird und einen entsprechenden Feedbacktext erhält. Eine Auflösung der Aufgaben im Sinne von Richtig-/Falschantworten gibt es nicht. Auf die Selbsteinschätzung, die man vor der Beantwortung der jeweiligen Frage vornehmen musste, wird nur am Rande eingegangen, eine Wertung erfolgt nicht: „Bei x von y Begriffen, die Sie nicht richtig beschreiben konnten, gaben Sie zuvor an, die Bedeutung des Begriffes zu kennen.“

Insgesamt ist die Applikation sehr einfach gestaltet. Es handelt sich lediglich um eine Aneinanderreihung von 36 Begriffen, die durch einfache Lückentexte mit Hilfe von Multiple-Choice-Antwortmöglichkeiten bearbeitet werden sollen. Durch die fehlende Auflösung der Begriffe bleibt der Lerneffekt für den User leider aus. Persönlich vermisse ich nähere Informationen zu den einzelnen Studiengängen der Fakultät. Nach erfolgreicher Teilnahme am Self-Assessment wird einem zwar gesagt, ob man über das entsprechende Vorwissen verfügt, das von der Fakultät verlangt wird, aber bei der Entscheidung, ob es nun Pharmazie, Ernährungswissenschaften oder doch lieber Biologie sein soll, bleibt der Interessent auf sich alleine gestellt. Die Applikation dient also „nur“ dazu, sich mit möglichen Fragestellungen der Fakultät näher auseinanderzusetzen und zu entscheiden, ob einen diese Themen interessieren. Ein genaueres Bild von den Studiengängen, -inhalten  und dem Studium an der Fakultät für Lebenswissenschaften an der Universität Wien vermittelt die Applikation nicht und stellt damit meines Erachtens keine wirkliche Entscheidungshilfe bei der Studienwahl dar. Es ist als interaktiver Einstieg für Studieninteressierte aber nichtsdestotrotz ein erster Anfang, um sich mit dem Thema näher zu beschäftigen und es kann durchaus Anlass geben, sich ggf. weiter über die genannten Studiengänge zu informieren.

Thema: Berufsorientierung, SelfAssessment, Studienorientierung, Virtuelle Studienberatung | Kommentare (0)

DER Klassiker des Blended Recrutainment: Google´s Billboard Riddles

Dienstag, 16. Oktober 2012 14:26

Recrutainment, also die spielerisch-simulative Verpackung von Arbeitgebermarketingbotschaften oder Rekrutierungsinstrumenten, ist momentan quasi jeden Tag irgendwo in der Presse.

Am Wochenende war es gerade wieder FAZ in der Sonntagszeitung einen großen Artikel auf der Titelseite des Bereichs “Beruf und Chance” wert. Der Titel “Zocken bis zur Festanstellung” war zwar ein bißchen reißerisch, wodurch das Thema (entgegen des Inhalts des Artikels) leider mal wieder in der eher “nicht so ernsthaften Ecke” positioniert wurde. Auch brachte man das Kunststück fertig, CYQUEST in dem Artikel kein einziges Mal zu erwähnen, was mir doch ein wenig so vorkam wie ein Beitrag über Mobiltelefone ohne Apple… ;-). Gleichwohl zeigte der Beitrag einmal mehr die inzwischen substantielle Bedeutung des Themas.

Recrutainment differenziert sich immer mehr aus

Da ist einmal die Unterscheidung in Offline- und Online-Varianten. Online ist das was CYQUEST macht. Gelungene Beispiele für Offline-Recrutainment kommen immer wieder von Young Targets aus Berlin, zuletzt sehr schön an dem Beispiel des CodeCachings in Karlsruhe unter Beweis gestellt (was im Übrigen gar kein sooo neues Thema ist, wir haben über die erste Runde dieser Aktion für 1&1 ja schon vor über 2 Jahren berichtet…).

Online-Recrutainment wiederum gliedert sich erstens auf in die Applikationen, die wirklich der Personalauswahl dienen. Damit sind im Wesentlichen Online-Tests (eAssessment, Online-Assessment) gemeint, wenn diese nicht als langweilige Aneinanderreihung von Testformularen daher kommen, sondern interessant, kurzweilig, simulativ und zuweilen sogar spielerisch verpackt sind. Beispiele hierfür gibt es zuhauf: Tchibo, Targobank, E.ON, Gruner+Jahr, TenneT, Media-Saturn, Unilever. Es gibt zwar Stimmen im Markt, die ernsthaft behaupten, dass eine ansprechende Verpackung und die Gewährung von Einblicken ins Unternehmen von der Ernsthaftigkeit der Tests ablenken würden. Ich konnte diesem Argument zwar nie folgen, aber bitte, wer gern seine Bewerber mit langweiligen und staubtrockenen Tests quält, statt seine Arbeitgebermarke darüber zu stärken, auch für den gibt es Anbieter…

Zweitens zählen aber auch und vor allem diejenigen Applikationen zum Online-Recrutainment, die auf spielerisch-simulative Weise versuchen Einfluss darauf zu nehmen, dass sich überhaupt möglichst passende Personen als Kandidaten zu erkennen geben, sprich bewerben. Hier wird also noch früher angesetzt mit der Zielsetzung, die BewerberSELBSTSELEKTION zu stärken. Stichworte: SelfAssessment, Realistic Job Preview…). Hierunter fallen Instrumente, die die Fragen beantworten, ob man zu einem gewissen Unternehmen passt (z.B. Fresenius Navigator, Haniel Werte-Kompass) genauso wie diejenigen, die die Frage beantworten, was sich hinter einem gewissen Berufsbild verbirgt (z.B. RWE, DAK, Stadt Hamburg etc.). Wer das genauer wissen möchte, dem sei diese Begriffsklärung ans Herz gelegt.

Man muss kein großer Prophet sein, um zu erkennen, dass all diese Unterscheidungsmerkmale zunehmend fließend ineinander übergehen werden. Die Frage, ob “Mobile” denn nun Offline, Online, beides oder gar eine eigene Kategorie sei, ist ja so einfach nicht zu beantworten… All die Dinge, die wir unter Augmented Reality diskutieren, verwischen die klaren Grenzen zusehends. Es wird zunehmend zu hybriden Formen des Recrutainments kommen – ich nenne das “Blended Recrutainment”.

Google´s Billboard Riddles

Ein Klassiker des Blended Recrutainment, auf den auch in diesem Zusammenhang oft Bezug genommen wird, stammt von Google und zwar aus dem Jahr 2004! Wohlgemerkt: Das war vor dem Börsengang von Google, das Unternehmen wurde mit etwa 1000 Mitarbeitern mit etwa 2,7 Mrd. Dollar bewertet (aktuell bewegt sich dieser Wert auf das knapp 100-fache davon zu…).

Was hat Google damals gemacht?

Am vielbefahrenen Highway 101 (einer der Lebensadern des Silicon Valley, ich kann mich aus der Berkeley-Zeit sehr gut daran erinnern, andere kennen ihn vielleicht aus OC California – Driving down the 101, California here we come…) hat Google seinerzeit riesige Billboards platziert, die als einzigen Inhalt ein kryptisches Rätsel zeigten. Kein Branding, kein Claim, kein Call-for-Action. Das Billboard zeigte lediglich folgende verschlüsselte Website:

Für die mathematischen Dösel unter uns (zu denen ich mich selber definitiv auch zähle): Die Lösung lautete: 7427466391.com. Müsst Ihr jetzt nicht ausprobieren, die Seite gibt es nicht mehr. Wer aber damals in der Lage war, dieses Rätsel zu lösen (worüber würde man das wohl tun? Googlen…), der fand auf der sich dann öffnenden (immer noch nicht gebrandeten) Website erneut ein Rätsel ähnlichen Kalibers vor. Dessen Lösung führte dann zu einer Recruiting-Landingpage der Google Labs, wo die erfolgreichen Schatzsucher mit folgenden Worten begrüßt wurden:

One thing we learned while building Google is that it’s easier to find what you’re looking for if it comes looking for you. What we’re looking for are the best engineers in the world. And here you are. 

As you can imagine, we get many, many resumes every day, so we developed this little process to increase the signal-to-noise ratio.

Coole Aktion: Blended Recrutainment in einer Zeit, als wir noch nicht wirklich von Smartphones gesprochen haben. Offensichtlich war also die Bewerbungsquantität auch 2004 kein Problem für Google, wohl aber das wie es so schön heißt “Signal-to-Noise-Ratio”, also das Verhältnis von Wunschkandidaten zu Bewerbern oder anders: Von Qualität zu Quantität.

Um das mal auf einen ganz aktuellen Kontext zu beziehen: In der vergangenen Woche wurde auf der Social Media Recruiting Conference die Frage diskutiert, ob die Bewerbungsbarrieren nicht vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels noch weiter und dramatisch gesenkt gehören. Stichwort: One-Click-Bewerbung, wie sie in Ansätzen ja der neue XING Talentmanager zumindest für SAP eRecruiting inzwischen bietet.

Ich bin im Prinzip absolut der Meinung, dass man sich um ein knappes Gut auch mehr bemühen muss (ich habe ja auch mal Volkswirtschaft studiert) und insofern Unternehmen sehr gut beraten sind, ihre Bewerbungsprozesse “vom Kandidaten aus” und nicht von der eigenen IT aus zu denken. Aber: jegliche Ernsthaftigkeitshürde einzureißen – dabei bleibe ich auch – würde buchstäblich das Kinde mit dem Bade ausschütten. Wenn ich mich, gleichsam eines Facebook-Like-Buttons, einfach mal so weil lose interessiert auf jede kommunizierte oder latente Vakanz “bewerben” kann, führt das vor allem erstmal zu “Noise” beim rekrutierenden Unternehmen, nämlich einem enormen Sichtungs- und Administrationsaufwand. Die vielleicht wirklich interessanten “Signals” laufen dabei dann Gefahr, nicht mehr die gebotene Aufmerksamkeit zu bekommen.

Warum unterziehen sich wohl Menschen teilweise stundenlangen Persönlichkeitsfragebögen bei Parship, eDarling etc.? Weil sie auf der Suche nach einer funktionierenden und langfristigen Beziehung sind. Die schnelle Nummer gibt es woanders. Auch eine gute Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehung setzt ein gewisses Maß an Ernsthaftigkeit und vor allem Commitment voraus.

Dass wir also aufgrund des Fachkräftemangels zukünftig alle Ernsthaftigkeitsbarrieren einreißen müssen, sehe ich definitiv nicht. Oder anders: Wer nicht mal ansatzweise bereit ist, sich ein wenig Zeit zu nehmen, sich über ein Unternehmen zu informieren (und zwar aktiv) und ein wenig Zeit für eine Bewerbung zu investieren, wie ernst meint der es am Ende? Ein bisschen Selbstselektion gehört nämlich auch dazu. Und ich rede hier nicht von den kilometerlangen Folterformularen der Bewerbermanagement-Systeme erster Stunde… Die Idee von Wollmilchsau Alex Fedossov einer “One-Click-Bewerbung mit Mini-Assessment” halte ich dabei aber für das Mindeste…

Thema: Demografischer Wandel, eAssessment, Employer Branding, eRecruiting, SelfAssessment, Serious Games, Vorträge und Veranstaltungen | Kommentare (1)

RWE erweitert Bewerberakademie um interaktive Postkorbübung

Samstag, 13. Oktober 2012 10:40

Im Sommer habe ich hier ja bereits einmal die “RWE-Bewerberakademie” vorgestellt. In diesem Bereich der Karriere-Website bietet RWE Usern wertvolle Informationen rund um das Thema Bewerbung, nicht nur bei RWE, sondern im Allgemeinen. Konkret finden sich

Wir haben die Bewerberakademie im Juli um das interaktive RWE-Wissensquiz erweitert, nun folgte der nächste Baustein: Eine interaktive Postkorb-Übung.

Die Postkorb-Übung ist ein echter Klassiker in Bewerbungsverfahren, ob im Assessment Center vor Ort oder im Online-AC (Stichwort: Simulationsverfahren). Das gilt sowohl für Auswahlverfahren im Azubi- wie auch im Traineebereich und sogar für viele Potential-ACs in der Personalentwicklung.

Bei der Aufgabe ist Entscheidungsfreude gefragt. Man schlüpft in die Rolle eines Mitarbeiters und koordiniert unter Zeitdruck die Termine einzelner Fachbereiche. Dabei wird man regelmäßig durch Störeinflüsse wie Rückfragen am Telefon unterbrochen und stellt somit Multitasking-Fähigkeit unter Beweis. Hier heißt es also: “Machen Sie!” und nicht “Wie würden Sie machen?”

Die Bearbeitung erfolgt simulativ durch Verschieben der einzelnen Zeitblöcke.

Am Ende erhält der User ein Feedback, wie er diese Aufgabe insg. gelöst hat (in meinem Fall nicht so glorreich…). Aber diese Rückmeldung ist hier natürlich ohne weitere Konsequenz, weil es sich ja nicht um einen Auswahltest bei RWE handelt, sondern um eine typische Postkorb-Übung, die dem Ziel der Orientierung dient. Insofern kann jeder anhand dieser typischen Aufgabe einmal ausprobieren, was eine Postkorb-Übung überhaupt ist, worauf dabei zu achten ist, ob und was man dafür üben müsste etc. Ein Trainings-Parcours sozusagen.

Thema: Ausbildung, Berufsorientierung, eAssessment, eRecruiting, RWE Karriere, SelfAssessment, Trainee | Kommentare (0)

Das HR Barcamp 2013 wirft seinen Schatten voraus – dazu ein Hintergrund-Interview mit Initiator Jannis Tsalikis

Mittwoch, 3. Oktober 2012 11:20

Im Februar fand das erste BarCamp speziell mit dem Fokus auf HR-Themen statt. Ich hatte seinerzeit nicht nur die Ehre, im Vorwege ein Interview mit einem der Macher Christoph Athanas über die Idee des HR-BarCamps zu führen, sondern auch an der Veranstaltung selber dann teilnehmen zu können (wenngleich ich nicht weiß, ob das vielleicht nur daran lag, dass CYQUEST die Drinks am Vorabend gesponsort hat…;-). Das BarCamp war sicherlich eines der Highlights im diesjährigen Veranstaltungskalender der “Suppe”. Das lag zum einen am äußeren Rahmen und den dort diskutierten Themen, zum anderen aber vor allem am innovativen und “völlig anderen” Veranstaltungsformat. Aber das hier soll gar kein Rückblick werden (dazu werft doch bitte einen Blick rüber zur Wollmilchsau), sondern ein Ausblick auf das nächste HR Barcamp. Und auch diesmal hat der Recrutainment Blog keine Kosten und Mühen gescheut und einen der Initiatoren – diesmal den anderen: Jannis Tsalikis – vor das Mikrofon gezerrt und ein Interview dazu gemacht. Also Jannis, wollen wir?

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Hi Jannis, Ihr habt Anfang des Jahres das erste BarCamp speziell zu Personalthemen gemacht. Kannst du meinen Lesern nochmal in einfachen Worten erklären, was überhaupt ein BarCamp ist und wie dieses im HR-Kontext aussieht?

Bei einem BarCamp wird die Agenda vom Publikum bestimmt. Zu Beginn der Veranstaltung stellen diejenigen, die Lust haben eine Session anzubieten, ihr Thema vor. Das Publikum wählt dann die für sie interessantesten Themen aus – ganz demokratisch. Die Sessions sind dabei keine reinen Vorträge, sondern auf Dialog und Austausch ausgerichtete Foren, d.h. wer Lust hat gibt also ein Thema vor, z.B. “Mobile Recruiting” und postuliert seine Thesen zum Thema und dann wird diskutiert bzw. werden Erfahrungen ausgetauscht.

Nach dem Barcamp ist vor dem Barcamp… Für den nächsten Februar ist ja bereits das HRBC13 in Vorbereitung. Was könnt Ihr dazu schon verraten, also Datum, Ort, Konzept? Und: Wie wird sich das 13er Barcamp evtl. vom Erstling unterscheiden? Habt Ihr spezielle Lessons Learned aus dem Februar mitgenommen?

Das nächste BarCamp findet am 21. und 22. Februar 2013 in Berlin statt. Wir haben das Konzept entsprechend den Wünschen der Teilnehmer aus der ersten Veranstaltung angepasst. Das BarCamp findet nunmehr an zwei Tagen statt. Dafür beginnen wir ein wenig später und enden am zweiten Tag etwas früher, damit alle die anreisen müssen, ganz entspannt nach Hause kommen. Es wird auch mehr Raum für das Networking angeboten, zu diesem Zweck werden wir am Abend des ersten Tages eine Mini-HR-BarCamp-Party organisieren.

Wer wird dabei sein? Oder anders: Wer kann dabei sein? Wie meldet man sich an? Kostet es was?

Das schöne am BarCamp ist, dass jeder ein Keynotespeaker sein kann. Der Dialog bzw. der Austausch im Publikum steht im Vordergrund. Im Grunde kann jeder, der sich irgendwie mit Human Resources beschäftigt, teilnehmen.Wir werden nur wieder dafür sorgen, dass HR-Dienstleister und HR-Profis aus Unternehmen ungefähr in einem Mischungsverhältnis von 50:50 auf der Veranstaltung sind. Diese Ausgewogenheit wurde beim letzten HR BarCamp auch sehr begrüßt. Wir stellen das sicher über zwei getrennte Anmeldelisten. Zu den Kosten vielleicht nur so viel: Ja, es wird etwas kosten und ja, wahrscheinlich ein wenig mehr als beim letzten mal, weil das BarCamp jetzt über zwei Tage geht. Wir haben uns jedoch noch nicht festgelegt. Ca. 30-35 Euro.

Und dann gilt “First come, first serve”?

Ja, genau! *lacht* Wir werden den Verkauf der Karten wieder Ende Januar starten. Wir hoffen, dass es so gut läuft, wie dieses Jahr – etwa 70 Prozent der Karten waren schon nach drei Tagen verkauft!

Wird das HR Barcamp 2013 einen thematischen Schwerpunkt haben, wenn ja welchen?

Wir haben inhaltlich bewusst viel Freiraum gelassen. Wir wollen an diesen Tagen über innovative Themen im HR Bereich sprechen – das ist der Fokus.

Letzte Frage: Ihr veranstaltet das HR Barcamp nicht als Personen, sondern über den “Forum für innovative Personalarbeit”. Welchen Zweck hat dieser Verein, außer dem HR Barcamp natürlich? Und warum seid Ihr diesen Weg gegangen?

BarCamps basieren auf einer sehr demokratische Idee. Hier wird in erster Linie nichts verkauft, sondern Wissen geteilt, über Erfahrungen berichtet und vernetzt. Christoph und ich wollten von Anfang an klar machen, dass es uns um diese nicht-kommerzielle Idee geht. Aus diesem Grund haben wir den Verein gegründet, damit wir a) die Gelder verwalten können und b) damit wir glaubhaft vermitteln können, dass es uns (ausnahmsweise) nicht um das Business, sondern um das BarCamp geht.

Jannis, ich danke dir für das Interview und freue mich schon auf das HR Barcamp! Foto-Impressionen des letzten HRBC finden sich übrigens hier bei flickr. Wer nichts bzgl. des nächsten HR BarCamps verpassen möchte, der sei auf Website und vor allem die dazugehörige XING-Gruppe verwiesen. CU in Feb…

Thema: Employer Branding, eRecruiting, SelfAssessment, Serious Games, Social Media HR, Vorträge und Veranstaltungen | Kommentare (1)