Auch wenn wir dieses Thema in den letzten Wochen im Recrutainment Blog ein wenig vernachlässigt haben, soll keineswegs der Eindruck aufkommen, dass dessen Bedeutung nachgelassen habe. Im Gegenteil: Der Einsatz von SelfAssessment Verfahren zu Zwecken der Studienorientierung ist für Hochschulen ein enorm wichtiges Thema des eigenen Marketings geworden. Zahlreiche Hochschulen haben seit den Anfängen dieses Themas 2005/2006 dieses Thema aufgegriffen und bieten sog. “OSA” an. In der Kategorie “virtuelle Studienberatung” haben wir eine ganze Reihe an Beispielen analysiert.
Im Gegensatz zum Self-Assessment im Unternehmenskontext geht es hier nicht um Themen wie Rekrutierung oder Personalwerbung, also Mitarbeitergewinnung, sondern es geht schlicht gesagt darum, “Studienanfänger in die für sie richtigen Studiengänge (an der für sie richtigen Hochschule und Hochschulform) zu bekommen”. Wir haben 2005 mit dem Projekt “HEAP” das Thema erstmals aufgegriffen und dann mit dem Studienwahl-Navigator an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften eines der ersten und heute sicherlich größten Projekte in diesem Bereich begonnen. Bis heute haben deutlich über 300.000 Studieninteressierte auf die studiengangsindividuellen HAW-Navigatoren oder den Studieninteressentest an der HAW zugegriffen, davon mehr als 100.000 namentlich registriert. Insg. steuert das Hochschulgeschäft heute gut 40% unseres Umsatzes bei.
Warum dieses Thema bei Hochschulen so wichtig geworden ist? Ganz einfach: Erstens befinden sich auch Hochschulen inzwischen in einem durchaus spürbaren Wettbewerb um Nachwuchs und unternehmen große Anstrengungen, sich als distinkte Bildungsmarken zu positionieren. Zweitens geht es schlichtweg um Geld, viel Geld. Jeder Studienanfänger, der – warum auch immer – sein Studium vor dem Abschluss abbricht, kostet die Hochschule viel Geld, ohne dass letztlich das gewünschte Resultat, nämlich ein erfolgreicher Absolvent erreicht wurde. Insofern lohnt sich die Investition in eine gute Studienwahl “vorher” allemal. Nicht nur für den Studi, sondern auch und insbesondere für die Hochschule.
Jüngstes Beispiel: Die Erweiterung der Online Studienorientierung an der Universität Göttingen um das Fach Betriebswirtschaftslehre.
Logischerweise sind der Aufbau und die Art der Inhalte denen von Chemie oder Forstwissenschaften und Waldökologie ganz ähnlich. Da diese News aber schon eine Weile zurück liegt, hier eine kleine Wiederholung:
In 5 Kapiteln werden Informationen zu folgenden Themen vermittelt:
Berufswelt (Was kommt nach dem Studium?)
Studium (Wie läuft das Studium ab? Welche Inhalte werden vermittelt?)
Studienorganisation (u.a. Zeitmanagement im Studium, wie sieht ein typischer Tag aus?)
Anforderungen (Übungsaufgaben und Informationen zu den Anforderungen, die im Studium auf einen zukommen)
Studienkultur (Leben an der Fakultät, Studentenleben in Göttingen)
Es muss weiterhin entweder eine Registrierung erfolgen oder über einen Gastzugang eingeloggt werden. Die Teilnahme ist allerdings freiwillig und ausschließlich als Angebot für einen selbst gedacht.
Die Inhalte werden, wie bei den Vorgängern auch, über einen bunten Mix an Medien (Videos, Erfahrungsberichte, interaktive Einheiten, Selbsttests, usw.) präsentiert.
Besonders hervorzuheben ist bei der Studienorientierung für Wirtschaftswissenschaften die Fallstudie als Assistentin oder Assistent des fiktiven Unternehmens „Quality-Rent-AG“, in der es die Aufgabe des Users ist, typische Fragestellungen aus der Unternehmensführung, dem Marketing und den Finanzen zu bearbeiten. Z.B. soll beurteilt werden, welche Geschäftsbereiche unter den gegebenen Umständen sinnvollerweise ausgebaut werden sollen und weshalb.
Daneben gibt es natürlich auch die „klassischen“ Selbsttest-Aufgaben zu Mathematik, Englisch und fachlichem Textverständnis.
Neben den eignungsdiagnostischen Inhalten, wird das Studium z.B. aber auch durch einen Fotorundgang und die Darstellung eines typischen Tagesablaufes eines Studierenden veranschaulicht.
Somit bietet die Studienorientierung Wirtschaftswissenschaften neben Informationen auch echte (interaktive) Einblicke, welche die 60-75-minütige Bearbeitungszeit auf alle Fälle wert sind.
Aktuell befindet sich die virtuelle Studienorientierung an der Uni Göttingen im weiteren Ausbau. Über die nächsten Monaten werden weitere Studiengänge hinzukommen, vor allem aus den Bereichen Agrarwissenschaften, Biologie und Geowissenschaften. Eine aktuelle Übersicht des jeweiligen Ausbaustands findet sich im Standortmodul des Projekts. Stay tuned…
Vor knapp einem Jahr haben wir hier mal eine Übersicht über zahlreiche Berufsbilder eingestellt, für die wir in den vergangenen Jahren Berufsorientierungsverfahren, Selbsttests, Spiele oder andere interaktive Verfahren entwickelt haben, die dem Ziel der Verbesserung der Selbstauswahl bei der beruflichen Orientierung dienen.
Die Liste umfasste seinerzeit bereits ca. 30 Berufe – vom Beamten bis zum Wirtschaftsingenieur. In der Zwischenzeit sind nun wieder eine Reihe weiterer Berufsbilder hinzugekommen, so dass ich die Liste gern erweitern möchte:
Darüber hinaus ist Ende vergangenen Jahres ja auch das “Spiel zur Berufsorientierung” für die Lufthansa fertig geworden. Dieses dient zwar in erster Linie der “Orientierung vor der Orientierung”, d.h. man kann im Rahmen eines ca. 10-minütigen Selbsttests herausfinden, welche Ausbildungsrichtung bei der Lufthansa für einen selber denn wohlmöglich die bestpassende ist. Von da aus kann man dann jedoch gezielt in die vertiefte Recherche einsteigen. Insofern umfasst das “Beratungsangebot” detaillierte Informationen für insg. 39 Ausbildungsberufe, duale Studiengänge und Ausbildungprogramme – vom Servicekaufmann/-frau im Luftverkehr über Fachkräfte für Lagerlogistik oder Köche und Bäcker bis hin zu Piloten oder technischen Ausbildungsberufen wie Fluggerätmechaniker/-in, Oberflächenbeschichter/-in oder Werkzeugmechniker/-in. Wer es ausprobieren möchte, hier entlang…
Also, wir haben uns inzwischen intensiv mit nahezu 100 Berufen, Ausbildungen bzw. Studienrichtungen befasst und dazu passende Orientierungsangebote erstellt. Eine ganze Menge. Aber bis wir sie alle haben, ist schon noch ein bißchen was zu tun. Immerhin zählt das Bundesinstitut für Berufsbildung aktuell allein 344 Ausbildungsberufe, von Studiengängen ganz zu schweigen, listet doch der Hochschulkompass der HRK für Deutschland aktuell fast 9400 grundständige und mehr als 6700 weiterführende Studiengänge an 388 Hochschulen in 171 Orten auf… Na dann, weiter geht´s!
Die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg zählt zu den Vorreitern beim Einsatz von internetbasierten Orientierungsangeboten zur Verbesserung der Studienwahl. Seit 2006 wurden Orientierungseinheiten für insg. 31 Studiengänge an der HAW geschaffen, die detailliert über die hinter den Studiengängen stehenden Berufswelten, die Studieninhalte und -organisation sowie Aspekte der jeweiligen Studienkultur informieren. Die fachlichen Anforderungen der jeweiligen Studiengänge werden über Selbsttests und SelfAssessments zum Ausprobieren vermittelt.
Wer noch nicht genau weiß, ob ein Studium an der HAW für ihn das richtige ist oder wer nicht genau weiß, welcher Studiengang zu den individuellen Interessen passt, für den bietet die HAW eine sehr umfängliche “Orientierung vor der Orientierung”. Der “Studienwahl-Navigator” bietet neben einem interaktiven Erwartungsabgleich und einer thematischen Vorstellung verschiedener Studienrichtungen vor allem einen Studieninteressentest. Seit dem Start des Systems haben bereits 100.000 Studieninteressierte namentlich registriert sowie weitere etwa 200.000 über den anonymen Gastzugang von dem Angebot Gebrauch gemacht.
Das Angebot nimmt den Nutzer mit auf eine Reise durch verschiedene Themen, die speziell aus Sicht von ausländischen Studieninteressierten von Interesse sind: Neben einer Vorstellung der HAW als Hochschule sind das vor allem:
- Infos zum Bewerbungsverfahren (Motivationsschreiben, Lebenslauf, Bewerbungsunterlagen),
- zum Studieren an der HAW (Vorlesungen, Seminare, Labor-Praktika, Fachtutorien, Tipps für ein erfolgreiches Studium etc.),
- Serviceeinrichtungen wie das International Office.
Bei der Vorstellung dieser Inhalte kommen in umfangreichem Maß ausländische Studierende der HAW selbst zu Wort. Die insg. 11 Studierenden kommen z.B. aus Malaysia, Indien, China, Uganda, Bulgarien, Kamerun oder Thailand. Das verwendete Stilmittel dabei ist Video, d.h. die gezeigten Personen berichten im Storytelling und werden so zu einer Projektionsfläche für den Betrachter (…”könnte/wollte ich das sein?”…).
Abgerundet werden die Informationen durch das Thememodul “Erste Eindrücke in Deutschland”. Darin wird dem Nutzer ein kleiner Selbsttest angeboten, worin z.B. Einschätzungen zu den Fragen, wie Verabredungen im jeweiligen Land getroffen werden (spontan oder geplant), wie das öffentliche Leben organisiert wird (gründlich versus improvisiert) oder wie mit Hierarchien umgegangen wird, vorzunehmen sind. Als Feedback auf die individuellen Einschätzungen erhält der User dann – wiederum in Videoform – dazu passende Einschätzungen der verschiedenen im Angebot auftretenden ausländischen Studierenden.
Die insg. 38 in dieser “interaktiven Landeskunde” verarbeiteten Videos sind inzwischen auch in den Youtube-Kanal der HAW integriert. Die dort insg. zu sehenden 124 Videos wurden insg. bereits über 95.000 mal abgerufen.
Letzte Woche hatten wir das Thema der (früh-)kindlichen Berufsorientierung ja schon anhand des Beispiels der Buchfiguren “HelleWecks”. Dazu sehr gut passt nun auch sehr gut die Vorlesungsreihe “Faszination Fliegen”, die die Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg in Zusammenarbeit mit der Qualifizierungsoffensive Luftfahrtindustrie im Rahmen des Luftfahrtclusters Metropolregion Hamburg e.V. entwickelt hat nun bereits zum siebten Mal an den Start bringt.
Wie kann ein Flugzeug mit rund 350.000 Kilogramm Gewicht überhaupt fliegen? Das erklärt z.B. Professor Detlef Schulze am Mittwoch, 8. Februar 2012 um 16:30 Uhr in der HAW am Berliner Tor in Hamburg. Die 200 Mini-Studenten erfahren in den weiteren Veranstaltungen z.B. wie man ein Flugzeug steuert, wie wichtig dabei Flügel, Antrieb, Ruder und Klappen sind, warum zwei Piloten im Cockpit sitzen oder wie man in 10.000 m Höhe lebt.
Alle Veranstaltungen der Reihe auf einen Blick:
Mittwoch, 8. Februar 2012 „Warum fliegt ein Flugzeug?“ von Prof. Detlef Schulze
Mittwoch, 15. Februar 2012 „Wie lebe ich in 10.000 m Höhe?“ von Prof. Gordon Konieczny
Mittwoch, 22. Februar 2012: „Wie macht man eine Flugzeugkabine leise?“ von Prof. Wolfgang Gleine
Mittwoch, 29. Februar 2012: „Wo ist Elektronik in der Flugzeugkabine?“ von Prof. Mark Wiegmann
Mittwoch, 7. März 2012: „Warum sitzen zwei Piloten im Cockpit?“ von A380 Pilotin Kerstin Felser
Mittwoch, 21. März 2012: „ Technik zum Anfassen“ (Praxistag an mehreren Standorten)
Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren können im Zeitraum zwischen vom 8. Februar bis zum 21. März 2012 die Vorlesungsreihe besuchen. Aber es gilt nicht nur zuzuhören, sondern das Gehörte wird in einem abwechslungsreichen, praktischen Rahmenprogramm weiter vertieft. Studierende sowie Auszubildende aus der Luftfahrt stehen Rede und Antwort.
Die Veranstaltungen sind für Kinder und deren Eltern kostenlos, andere Besucher zahlen für die Vorlesungen 2,50 € und für den abschließenden Praxistag am 21. März 3,50 €.
Weitere Informationen und Karten für die Veranstaltungen sind zu finden unter: www.faszination-fuer-technik.de. Dort finden sich auch umfangreiche Infos zum “Faszination Technik Klub“, der Veranstaltungen rund um das Thema Technik für die Altersgruppen 8-12 und 13-16 Jahren von Unternehmen, Hochschulen, Verbänden, der Handelskammer Hamburg, Behörden und Vereinen der Metropolregion Hamburg anbietet.
Kurz vor Weihnachten – exakt 9 Minuten vor Heiligabend – erschien ja der Recrutainment Jahresrückblick Teil 1 mit den Monaten Januar bis Juni, hier nun rechtzeitig vor´m Jahreswechsel Part Two mit dem restlichen Jahr. Das wird dann Blogpost 114 für dieses Jahr sein und – sofern nicht noch irgendetwas wirklich revolutionäres vor Sylvester passiert – für dieses Jahr auch der letzte. Also…
Neben dem Onlinestart der ersten beiden virtuellen Studienorientierungsmodule an der Uni Göttingen, einem Thema, das ich ja mit den Einträgen zum Februar schon gestreift habe, waren es vor allem zwei Beiträge, die den Juli besonders gemacht haben:
Zum einen fiel mir in dem Monat eine Infografik in die Hände, die einmal in sehr schöner Weise den Zusammenhang von “Spiel” und “Arbeit” illustrierte und dies im Kontext des Flow-Konzepts nach Mihaly Csikszentmihalyi tat. Nun, für uns ist dieses Konzept nicht wirklich neu, wir nennen uns ja seit numher nahezu 13 Jahren “Recrutainment Company”. Was aber dieses Jahr besonders war, ist dass Gamification Mainstream wurde. Ich kann mich noch sehr gut erinnern, dass wir vor einigen Jahren noch sehr viel Stirnrunzeln geerntet haben nach dem Motto: “Sie können doch nicht so etwas ernsthaftes wie Rekrutierung mit so einem Spiel…” usw. Ich würde zwar mal vermuten, dass Gamification erst in 2012 ein ähnliches Hypethema in Marketing- (und immer etwas zeitversetzt auch in Personaler-)kreisen wird, wie es Social Media in 2010/11 war, aber wie ich an unserer Bilanz und an den wirklich zahlreichen Nachfragen nach Vortrags- oder Seminarbeiträgen hierzu ablesen konnte, war es auch in diesem Jahr schon in sehr vielen Köpfen angekommen. Die zahlreichen Praxisbeispiele für Serious Games in diesem Bereich – von einem britischen Geheimdienst, über eine große Anwaltskanzlei bis zur größten deutschen Airline – sprechen eine deutliche Sprache.
Der zweite besonders hervorzuhebende Beitrag im Juli war der Gastartikel von Thomas Helmke zu der Frage, inwieweit sich Background Checks von Kandidaten als Personalauswahlinstrument eignen. Neben der natürlich omnipräsenten Frage des Datenschutzes, z.B. in sozialen Netzwerken, sicherlich einem der Megathemen 2011 im Blog meiner Frau, geht der Beitrag von Thomas Helmke nämlich auch der Frage nach, was sich über Bewerber Background Checks eigentlich wirklich handfestes – prognostisch valides – über einen Kandidaten herausfinden lässt. Statt also dieses Thema nur tagespolitisch zu bewerten (was darf der Personaler eigentlich checken?), wird die Frage eignungsdiagnostisch gestellt: “Was genau bringt es dem Personaler überhaupt?”. Das hat mir gut gefallen.
Im August ging zum einen der Haniel Wertekompass online, eines derjenigen Projekte, die uns im ersten Halbjahr sehr auf Trab gehalten haben und ebenfalls ein weiterer Beleg für den oben beschriebenen Trend, Personalmarketing-Inhalte spielerisch-simulativ erlebbar zu machen bzw. so die Selbstauswahl zu fördern.
Es mag sich beim Lesen des bisherigen Jahresrückblicks ja ein wenig der Eindruck aufgedrängt haben, dass es dieses Jahr nur um SelfAssessments oder Serious Games ging. Dass es bei allen Bemühungen um unterhaltsames Personalmarketing, 2011 aber auf dem Markt der “wirklichen Auswahltestung”, also dem Einsatz eignungsdiagnostischer Testverfahren zur Kandidatenvorauswahl, weiterging, zeigte E.ON, bzw. konkreter die Kraftwerksparte von E.ON. Ein Phasenprüfer ist “ein kleines, einfaches Prüfmittel zum Feststellen von Wechselspannungen im Niederspannungsbereich. E.ON hat dieses also durchaus zum Stromgeschäft passende Gerät metaphorisch als Bezeichnung für das Online-Testverfahren verwendet, handelt es sich doch auch dabei um eine Art “Prüfung” in einer wichtigen “Phase”, nämlich der Bewerbung um einen Berufseinstieg.
Der “Phasenprüfer” ist eine Kombination aus Auswahltest (mit dem Schwerpunkt der Überprüfung kognitiver Leistungsfähigkeit und spezieller Wissensaspekte) und Personalmarketinginstrument. Zwischen den einzelnen Testmodulen stellen nämlich einige E.ON Azubis das Unternehmen und ihre jeweiligen Ausbildungsberufe und -bereiche vor.
Im September habe ich anlässlich des zweifelsfrei amüsanten und erfolgreichen Videos “Media Entrepreneurs” des Axel Springer Verlags die Frage aufgeworfen, ob Employer Branding überraschend sein müsse. In diese Richtung ging nämlich ein Statement von Dr. Lutz Meyer auf dem HRM Forum HR-Kommunikation. Nun, diese Frage wurde dann auch recht umfänglich diskutiert. Der Tenor der Employer Branding Szene war eigentlich recht eindeutig, dass es beim Employer Branding nicht so sehr auf den Effekt, den aktivierende Impuls bzw. das Überraschungsmoment ankommt, sondern im Sinne der Markenbildung eben um eine nachhaltige und eindeutige Positionierung des Unternehmens als Brand. Überraschung kann den Kopf in eine gewisse Richtung drehen, insofern liegt darin ggf. eine notwendige Bedingung, die Botschaft selber sollte dann aber stimmig sein, erst dann wird es “hinreichend”. Insofern ist in dem Video an sich selber wohl noch kein “gutes” Employer Branding zu sehen, allenfalls gute “Werbung”. Eingepasst in eine stimmige Gesamtkampagne jedoch kann ein solcher aktivierender Impuls auch im Employer Branding allenthalben Sinn machen. Und das scheint mit der Springer-Kampagne “Mit Bling Bling zum Erfolg” in der Tat ganz gut zu gelingen.
Neben der Frage nach dem Überraschungsmoment war das Thema “Social Recruiting” im September prägend. Erstens fiel mir hierzu eine recht schöne Infografik von Jobvite in die Hände, welche den Stand des Themas in den USA recht schön zusammenfasst, zum anderen knackte das Interview hierzu mit Beesocial-GF Sven Wiesner mit 58 Facebook-Likes den diesbezüglichen Rekord im Recrutainment Blog. Sven´s Beschreibung der eigenen Erfahrungen mit der Rekrutierung in und über Social Media waren somit auch der mit großem Abstand meistgelesene Artikel im September.
Für uns war der Oktober aber auch deshalb ein besonderer Monat, weil gleich zwei der großen Projekte des Jahres online gingen: Die Fresenius SE startete den “Fresenius Navigator”, eine Kombination aus virtuellem Unternehmensrundgang durch die verschiedenen Konzern-Unternehmen und Selbsttest, ob man zu Fresenius passt.
Zweitens konnten wir im Oktober endlich den “Studienwahl-Navigator” für die HAW Hamburg fertigstellen. Nachdem wir ja über die letzten inzwischen fünf Jahre virtuelle Studienorientierungsmodule für inzwischen 31 Studiengänge an der HAW umgesetzt haben, stellt der Studienwahl-Navigator soz. den Schlussstein des Gesamtprojekts dar. Der Studienwahl-Navigator fungiert quasi als eine Art “Beratung vor der Beratung” und bietet Studieninteressierten verschiedene Einstiege in die Orientierung: Diejenigen, die noch nicht wissen, ob ein Studium überhaupt das Richtige für sie ist, erhalten Antworten in einem Erwartungsabgleich. Wer die Frage, ob er studieren soll, für sich selber schon bejaht hat, aber noch nicht weiß, welcher Studiengang zu den eigenen Interessen passt, der wird über einen Studieninteressentest bedient.
Wer schon weiß, welche Richtung ihn interessiert, der kann sich die von der HAW in diesem Bereich angebotenen Studiengänge im “HAW-Universum” anzeigen lassen und wer schließlich seinen Wunschstudiengang schon kennt, sich hierüber aber detailliert informieren möchte, der kann natürlich in den studiengangsindividuellen Navigator einsteigen. In Summe stellt der Auftritt ein sehr umfängliches Instrument der Studienorientierung dar. Wie sich dann weiter unten im Dezember zeigen wird, lassen sich weite Teile dieser Konstruktion auch auf den Kontext der Berufsorientierung übertragen…
Ach ja, das Interview mit Nina Diercks zum Thema Social Media Recht soll an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben, waren doch die rechtlichen Implikationen des Social Web in 2011 auch eines der die Diskussion zunehmend prägenden Themen. Wen das im Detail interessiert, dem sei auch ihr Jahresrückblick noch einmal entsprechend ans Herz gelegt.
Der November war bei stark geprägt durch das CYQUEST Praxisseminar am 22.11. Bei der halbtägigen Veranstaltung im Grand-Elysée erhielten die ca. 65 Teilnehmer überaus praxisnahe Einblicke in aktuellen Entwicklungen rund um das Thema “Recrutainment”. Ibrahim Evsan gab Einblick, wie sich fliplife in Zukunft weiterentwickeln wird, RWE stellte exklusiv und vorab den neuen Azubi-Channel der Karriere-Website vor, Potentialpark gab dazu passend Hintergrundinformationenn, was eine “gute” Karriere-Website eigentlich ausmacht, die Uni Göttingen beleuchtete das Thema “virtuelle Studienorientierung” und auch das Thema “Social Media Recht” fehlte nicht. Wenn man so will war das Praxisseminar also eine Art “Live-Zusammenfassung” der Jahresthemen.
Aus dem November möchte ich aber auch noch eine andere Geschichte besonders herausstreichen: Nämlich den Beitrag über die Aktion “Vielfalt Mann!”, mit der die Hamburger Kitas um männliche Erzieher werben. Ich habe das überschrieben mit “Berufsbilder gegen den Kamm gebürstet”, weil es eben immer noch stereotyp ist, dass ErzieherIN ein Frauenberuf ist. Von solchen unverkrampften Kampagnen kann es aus meiner Sicht durchaus mehr geben. Dazu passte auch ganz gut, dass gestern bekannt wurde, dass 55% aller BUFDIs (also Teilnehmer am Bundesfreiwlligendienst) männlich sind. Es tut sich was im Rollenverständnis der Geschlechter, auch ohne Quote…
So, geschafft, nicht nur den Rückblick in zwei Teilen, sondern auch das Jahr. Wie heißt es so schön, nach dem Jahr ist vor dem Jahr. 2012 wirft seine Schatten (wo Schatten sind, muss ja entsprechend auch viel Licht sein) voraus. 2012 wird sicher wieder eine ganze Menge Neues bringen. Wenn ich so daran denk, kann ich´s eigentlich kaum erwarten…