Was waren die Themen in 2015? Der Recrutainment Jahresrückblick (mit ein bisschen Ausblick auf 2016…) – Teil I

In meinem Weihnachtsgruß letzte Woche hatte ich es ja schon angedeutet – ganz vorbei ist 2015 noch nicht, einen kleinen Jahresrückblick haben wir noch in petto. Und da 2015 mal wieder überaus ereignisreich war, gibt es diesen in zwei Teilen…

Wie ich es aber letzte Woche schon schrieb („War früher mehr Lametta?„), ist mein Eindruck der, dass die HR-Welt doch ganz schön bunt und vielfältig geworden ist. Mit was man sich da nicht alles so befassen muss – von Digitalisierung und Big Data bis zu Arbeit4.0. Und selbst wenn man sich – wie wir es hier im Recrutainment Blog in erster Linie tun – vor allem mit Fragen der Personalgewinnung beschäftigt, ist die Palette an Themen, der Strauß an Möglichkeiten, die Gefahr Fehler zu machen, so breit, so bunt, so groß wie nie:

Matching, Virtual Reality, Storytelling, Mobile Recruiting, GenZ, GenY, Candidate Experience, Demografischer WandelVereinbarkeit, Fachkräftemangel, Flüchtlinge… All das sind Themen, die man überblicken, durchdringen, souverän einsetzen bzw. lösen können soll…

Tja, ich würde sagen, liebe Personaler: Seid froh, dass Ihr den einen oder anderen Blog habt, der Euch diese Themen zuweilen ein wenig vorkaut und -strukturiert… ;-)

Denn das ist für mich eine der Erkenntnisse des Jahres: Blogs sind relevant.

Gut, wir (Blogger) wussten das natürlich schon länger, aber nun ist es noch einmal offiziell bestätigt worden. In einem – wie ich finde – erstaunlich ausgewogenen Beitrag stellt das PERSONALMAGAZIN in seiner Januarausgabe eben dies fest: HR-Blogs erzielen „beachtliche Reichweiten“ und werden vor allem wegen der hier behandelten Innovations-Themen gelesen. Will sagen: Will man die oben genannten Themen halbwegs im Blick behalten, dann ist man nicht so schlecht beraten, sich die relevantesten Blogs in einem Feedreader (z.B. Feedly) zu organisieren oder zumindest die jeweiligen Newsletter zu abonnieren und da gelegentlich einmal einen Blick hineinzuwerfen.

Und ja, kaufen kann ich mir davon zwar nix, aber gefreut habe ich mich dennoch, dass der Recrutainment Blog zum drittbeliebtesten HR-Blog Deutschlands gewählt wurde. Herzlichen Dank dafür an alle Leser!

Gut, aber mal davon abgesehen, was waren denn aus unserer Sicht inhaltlich die Themen des Jahres? Immerhin sind ja auch 2015 wieder über 100 Artikel im Recrutainment Blog erschienen.

Wir haben das Jahr ja mit einem Aufruf in die Szene, einer Blogger-Challenge, gestartet, 2015 zum „Jahr der Kandidaten?!“ zu machen. Immerhin gingen 34 Blogartikel ein, die direkt Bezug darauf nahmen und verschiedenste Perspektiven des Themas Candidate Experience beleuchteten. Klar auch hier gilt „Rome wasn´t built in a day“, auch 12 Monate später gibt es immer noch viel zu tun, um CandEx auf ein vertretbares Niveau zu bringen, aber, so mein Eindruck, immerhin bewegt sich etwas und es bewegt sich in die richtige Richtung…

TheCandidateExperience2015

Aber der Januar hatte auch zu einem anderen Trendthema noch einen sehr schönen Beitrag: Die Berliner Polizei zeigte mustergültig, wie man Storytelling, in diesem Fall über Twitter, mit Realistic Job Preview verbinden und so sehr erfolgreich Arbeitgebermarketing betreiben kann.

24HPolizei_1

Im Februar habe ich dann meine Artikelreihe zum Thema Matching gestartet. Ich hatte Ende 2014 in einem Blick in die Glaskugel für t3n behauptet, dass Matching DAS Thema für 2015 wird und das wollte ich natürlich nicht unbelegt lassen. Ich habe mir daher über das Jahr – bislang sind es immerhin 11 Artikel geworden – immer wieder verschiedene Facetten des Themas Matching vorgenommen und dabei eine ganze Reihe an Anbietern und Startups rund um dieses Thema vorgestellt. Aber genauso wenig, wie zu Candidate Experience oder Storytelling alles gesagt ist (nur weil es vielleicht der eine oder andere nicht mehr hören kann…), wird das Thema Matching mit dem Jahr 2015 enden. Hier kann man sich auch für 20156 noch auf einiges gefasst machen. Wichtig nur: Die Grundlagen werden jetzt gelegt…

Matching_Jansen

Im März habe ich dann – nachdem ich mit ein wenig mit Meerkat und Periscope beschäftigt hatte – einen Artikel über die – zu dem Zeitpunkt noch mehr oder weniger theoretischen – Möglichkeiten des Livestreamings für das Arbeitgebermarketing veröffentlicht. Inzwischen ist Livestreaming breiteren Kreisen bekannt und auch wenn es sicherlich noch nicht DIE Personalmarketing-Allzweckwaffe geworden ist (gibt´s die überhaupt…?), so setzen es inzwischen die ersten Unternehmen durchaus erfolgreich ein, um sich darüber potentiellen Bewerbern als potentieller Arbeitgeber näher zu bringen.

Ein anderer aus meiner Sicht sehr wichtiger Artikel im März war der über das Projekt SHORE vom Fraunhofer Institut. Möglicherweise fällt dieser dabei durchaus in die Kategorie „zu weit draußen“, d.h. ich könnte mir vorstellen, dass viele noch nicht einmal erahnen, was das Ganze mit Personalgewinnung zu tun haben soll. SHORE ist eine Technologie, bei der eine Software in einer Datenbrille, Emotionen im Gesicht einer betrachteten Person erkennt und diese dem Träger der Datenbrille anzeigt.

Big Data meets Augmented Reality meets Persönlichkeitsdiagnostik…

In diesem konkreten Fall soll das vor allem Personen helfen, die zu einer solchen Emotionserkennung selber nicht oder nur eingeschränkt in der Lage sind. Nicht dass Ihr jetzt denkt, ich würde Recruiter meinen… ;-) Gemeint sind Menschen mit Asperger-Syndrom. Aber mein Gedanke dazu war eben auch der, dass eine solche Technologie durchaus dabei helfen kann, objektivere Beurteilungen von Bewerbern zu erlangen. Wahrscheinlich nicht in 2016, aber in zehn Jahren? Für unvorstellbar halte ich das nicht… Auf jeden Fall investieren einige Unternehmen wie etwa Affectiva.com enorm viel Geld genau darein… Das Thema Augmented Reality jedenfalls wird uns ganz sicher in der Zukunft noch intensiver beschäftigen (und dass Maschinen Beurteilungen übernehmen sowieso)…

20140827_BS_Shore_Google_Glass_happy_1

Im April hat sich mein Kollege Stefan Schmahl dann in einem Artikel einmal das Thema Suchmaschinenoptimierung und vor allem Suchmaschinenmarketing im Zusammenhang mit dem Personalmarketing vorgenommen. Ich meine gut, Emotionserkennung per Datenbrille, das mag ja wirklich vielleicht noch etwas sehr edgy sein. Warum es aber im Jahre 2015 das Thema Google Adwords für die meisten Personaler immer noch ist, das geht mir nicht in den Kopf. Hier hängen die Früchte nun wahrlich nicht so hoch. Aber gut, manchmal muss man eben auch die Gebetsmühle rausholen und Selbstverständlichkeiten nur oft genug wiederholen…

SEO_vs_SEM

Das gilt im Prinzip auch für den Zusammenhang zwischen Bewerbungsprozess und Arbeitgebermarke sowie den Zusammenhang zwischen Arbeitgebermarke und Produktmarke. Beides sind im Grunde genommen Binsenweisheiten, müssen aber dennoch anscheinend regelmäßig wieder in Studien nachgewiesen und irgendwie beziffert werden, damit die Unternehmen auch entsprechend danach handeln…

Studie_Softgarden_Spillover

Im Mai haben wir anhand der Firma Joberate beschrieben, wie Big Data und Algorithmen heute offensichtlich schon in der Lage sind, so etwas wie „Wechsel- oder Kündigungswahrscheinlichkeiten“ zu prognostizieren, auf Basis mehr oder weniger öffentlich zugänglicher Daten… Matching über Big Data

J_Score_Veränderung

Für mich auch spannend war, dass offenbar auch beim Thema „webbasierte Videointerviews“ in diesem Jahr einiges an Bewegung gekommen ist, z.B. durch den etwas zweckentfremdeten Einsatz von Conferencing Tools hierfür…

jobclipr_Live_Interview_05_Testeinbindung

Hier habe ich übrigens dann auch mal den Gedanken gewagt, ob man sich automatisierte Emotionserkennung (siehe oben, SHORE, Affectiva und so) nicht möglicherweise genau hier, bei Videointerviews, für das Recruiting vorstellen kann…

Der Juni brachte dann zu zwei Themen bemerkenswertes, die aus meiner Sicht zu den ganz großen und auf jeden Fall auch weiterhin beobachtungswürdigen Trends gehören:

Unternehmenswerte und -kultur auf der einen Seite und Virtual Reality auf der anderen. Zum einen berichteten wir darüber, wie es den Rotkreuzkliniken gelang, mit überschaubaren Mitteln ein sehr erfolgreiches „wertebasiertes Employer Branding“ auf die Beine zu stellen.

Rotkreuz_Kliniken_Imagevideo

Zum anderen trat im Juni endlich der erste große Arbeitgeber – EnBW – mit einem ersten Aufschlag zum Einsatz von VR zu Zwecken des Arbeitgebermarketings ins Rampenlicht. Jedem, der sich mal so langsam etwas intensiver mit dem Thema VR beschäftigen möchte, dem sei dieser Beitrag empfohlen, weil er auch einiges an Grundlagen und Erklärungen liefert…

EnBW_Umspannwerk

Später im Jahr – im Oktober – folgte dann übrigens mit der Deutschen Bahn der nächste große Arbeitgeber mit einem sehr verheißungsvollen Einsatz von Virtual Reality zur Nachwuchsgewinnung

Ich würde – vollkommen gefahrlos übrigens – meine rechte Hand darauf verwetten, dass uns beide Themen, also sowohl Unternehmenswerte, -kultur und Cultural Fit, als auch Virtual Reality in der (näheren) Zukunft noch sehr viel beschäftigen werden…

So, für heute ist erst einmal Schluss. Teil II folgt in den nächsten Tagen und dann können wir das Kapitel 2015 dann auch mal zuklappen…

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

Ein Gedanke zu „Was waren die Themen in 2015? Der Recrutainment Jahresrückblick (mit ein bisschen Ausblick auf 2016…) – Teil I

  1. Hallo und danke für den Rückblick. Ich muss gestehen, dass einige der Themen nicht im Zentrum meines HR Interesses standen z.B Candidate Experience. Ich halte die Thematik für überschätzt. Unternehmenskultur, Werte und Cultural Fit werden uns hoffentlich ständig begleiten in HR! Hier 100% Zustimmung.
    Herzliche Grüße aus Hamburg – beste Wünsche für 2016

    Angélique Thranberend

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