Einsatz von Infografiken als Personalmarketing-Instrument (und ´Quasi-Stellenanzeige´). Das Beispiel ´Koch´…

Der Ausbildungsberuf ´Koch` liegt aktuell auf Platz 17, wenn man Ausbildungsberufe in Deutschland nach Anzahl Vertragsneuabschlüssen rangreiht. In den neuen Bundesländern und Berlin liegt dieser Beruf sogar auf Platz 5 der Tabelle.

Gleichwohl hat der Koch auch einen Spitzenplatz inne und zwar einen eher unrühmlichen. Mit nahezu 50% liegt die Abbruchquote der Ausbildung in diesem Beruf unerhört hoch.

Die Ursache dürfte relativ naheliegen, hat doch der eigentliche Berufsalltag nur sehr wenig mit dem vermeintlich schillernden Berufsleben der Jaime Olivers, Tim Melzers, Frank Rosins oder Cornelia Polettos zu tun. Statt im Fernsehen Lammrücken in Filoteig zuzubereiten heißt es hier eben dann oft „serviceorientierte Arbeitszeiten“, rauher Umgangston und „Knorr für Großküchen“… Statt „Bullerei“ im Hamburger Schanzenviertel vielmehr Kantinengroßküche im Chempark Dormagen…

D.h. die stereotypen Erwartungen an den Beruf und die Berufsrealität liegen bei Köchen noch weiter auseinander als sie es im Durchschnitt ohnehin schon tun. In schönstem Psycho-Beratersprech würde man eben sagen: Niedrige Accuracy of Expectations

Diesem Problem, einer der Ursachen für das offensichtliche Imageproblem der dualen Berufsausbildung, versuchen viele Unternehmen, Einrichtungen, Verbände usw. auf verschiedenste Art und Weise zuleibe zu rücken; Berufsorientierungsspiele wie jüngst von Deloitte gezeigt, animierte Erklärvideos (siehe etwa PwC) oder Matching-Tools wie der Ausbildungsfinder vom Bundesarbeitgeberverband der Chemie sind ja nur einige der Möglichkeiten zur Verbesserung der Orientierung bzw. des sog. Realistic Job Preview.

Dabei ist ja immer die Kunst, die relevante Information kurz, knapp und prägnant rüber zu bringen, denn lange zuhören mag und kann die Zielgruppe nicht (mehr).

Eine andere interessante Möglichkeit schwappte mir gestern Morgen per Facebook Nachricht ins Sichtfeld: Infografiken…

Es ist halt toll, wenn ehemalige Mitarbeiter immer noch einen Teil ihrer Gedanken bei der Frage haben, wie denn der Recrutainment Blog mit schönem Content versorgt werden kann, also daher nochmal ganz herzlichen Dank für den Tipp, Levke…!

Levke, jetzt für Hochschulmarketing bei EY zuständig, aber eben von Haus aus auch mit einer Berufsausbildung in der Hotellerie ausgestattet, fand auf der Facebook Karriereseite der Lindner Hotels eine schöne Infografik als – ich sag mal – ´Quasi-Stellenanzeige´ des Lindner Hotels Main Plaza in Frankfurt.

Lindner_Koch_Infografik

Um es mal so zu sagen: Ich finde das Ding jetzt nicht unglaublich spektakulär, aber es leistet eines: Es erklärt – mit einer gewissen Portion Humor garniert – buchstäblich auf einen Blick eine ganze Menge rund um die Anforderungen der Stelle.

Das kann man sicher alles auch noch schicker machen, professioneller layouten, mit noch mehr Flow verknüpfen, aber das sind für mich dann doch eher handwerkliche Fragestellungen. Die eigentliche Idee ist super und ich frage mich, warum man Infografiken als Personalmarketing-Instrument nicht bereits viel viel öfter zu sehen bekommt. Seit dem Aufschlag der Allianz vor mehr als drei Jahren ist mir das Thema nicht mehr so oft begegnet… Und dabei gibt es doch mit Pinterest sogar ein ziemlich erfolgreiches Social Network, das einen substantiellen Teile seines Erfolgs im Prinzip auf Infografiken (und deren viraler Verbreitung) begründet…

Kann man mal drüber nachdenken…

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Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

2 Gedanken zu „Einsatz von Infografiken als Personalmarketing-Instrument (und ´Quasi-Stellenanzeige´). Das Beispiel ´Koch´…

  1. Danke für den Hinweis. Idee finde ist schon spektakulär. In Zeiten, in denen die meisten Personaler immer noch nicht von standardisierten Ausschreibungslayouts abweichen wollen, oder oft auch nicht können, ist dies sehr erfrischend – Professionalität in der Umsetzung hin oder her. Und da mich Ausschreibungen nach wie vor brennend interessieren, da sie den Bogen von Information, Unterhaltung (=Aufmerksamkeit) und Imagebildung schlagen können. Dies hier ist ein schönes Beispiel für eine zeitgemäße Interpretation einer Employer-Branding-Ausschreibung. Ich find’s cool.

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