Abteilungsleiter Hund/Katze…? Vier kuriose Stellenanzeigen, für wahr! Doch eine ist dabei zum Nachdenken da…

Die Kategorie Fundstücke hat sich im Recrutainment Blog zu einer festen Größe entwickelt. Mehr als 50 Beiträge hat es seit dem ersten Fundstück – der nahezu legendär-sexistischen „Personalmarketing-Entgleisung“ des österreichischen Bundesheers – vor knapp 6 Jahren gegeben.

Zuweilen entwickeln diese eine sagen wir mal gewisse Viralität – wie vor kurzem der „Transporter-Job auf 450.000 € Basis“ – so dass der eine oder andere Personaler ob dieses Übergewichts sinnschwerer Inhalte in sämtlichen Social Media Kanälen schon einmal die Frage aufwarf, ob HR nix anderes zu tun hätte… ;-)

Comment_Fundstück

Sorry Tim! Aber es sind ja auch nicht alle Fundstücke aus der Rubrik Kuriosität: Der großartige Job-Aushang einer Leipziger Bar war einer der besten Beiträge zur aktuellen Flüchtlingsdebatte (und mir damit eine Herzensangelegenheit), weshalb ich daraus nicht nur einen Blogartikel für den Recrutainment Blog, sondern gleich auch einen Beitrag für Blogger für Flüchtlinge sowie die Blogparade HR_for_refugees gemacht habe.

Naja, so gut ergeht es aber nicht allen Fundstücken…

Die arme Kreissparkasse Birkenfeld, die im Sommer 2013 die gute alte Bildmetapher einer Leiter (von wegen „Aufstieg“ und so…) für eine Stellenanzeige zur Azubigewinnung verwendete, dabei aber nicht bedachte, dass ein Bild, wo auf selbiger die Jungs oben und die Mädels unten als Steigbügelhalter platziert werden, „missverständlich“ sein könnte, hatte nicht so viel Glück. Das gute (Fund-)Stück wurde nicht nur von der Süddeutschen und dem SPIEGEL aufgegriffen, sondern schnappte sich gleich auch noch die Auszeichnung „Goldene Runkelrübe“. Ich gebe zu: Das wollte ich dann doch nicht… Mir ging es nur darum aufzuzeigen, dass auch die Bildsprache einer Stellenanzeige nicht vollkommen wurscht ist… Dass der zugehörige Blogartikel immer noch auf Seite 1 auftaucht, wenn man „Kreissparkasse Birkenfeld Ausbildung“ googelt? Nun, Google mag halt Blogcontent…

Aber genug in der Vergangenheit geschwelgt. Ich habe neuen Stoff…!

Da sucht zum Beispiel der MEGAZOO Superstore (der Name ist großartig) aus Neu-Rum (wird ja immer besser!) bei Innsbruck den/die…

Abteilungsleiterin_Hund_Katze

Großartig! Mitarbeiter sollen halt sowohl treu als auch geschmeidig sein… Auf den Punkt.

Weiter geht´s…

Dass ehrliche Ansagen im Recruiting gefordert sind (dazu auch ganz unten noch mehr) sickert ja sukzessive in die Köpfe der Entscheider. Dass das auch umgekehrt gilt, beweist das folgende Fundstück…

Rauchenden_Chef

Was soll man sich als Raucher(in) denn auch immer mit den neuen Benimmregeln und der blöden Raucherdiskriminierung rumschlagen? Man suche sich einfach einen Chef, der auch bei der Arbeit qualmen will und alles ist im Lack! Ehrliche Ansagen halt…

Dass man es nämlich mit der Korrektheit auch zu weit treiben kann, beweist die Deutsche Bahn… Da wird in mehr als vorauseilendem Gehorsam und AGG-Erfüllungseifer nicht nur ein korrektes „(m/w)“ angehängt, sondern gleich alles wieder über Bord geworfen, weil man ja eben doch eine TriebfahrzeugführerIN sucht, aber „(m/w)“… Alles klar? Ne? Naja, ist ja auch kein Job wie jeder andere… ;-)

Triebfahrzeugführerin

Kommen wir zu Fundstück Nummer 4, dem für heute erstmal letzten. DAS ist nämlich nun wirklich keine Entgleisung, kein Wort- oder Bildsprachenausrutscher und eigentlich noch nicht mal eine Kuriosität. Nein, das ist historisch, ich würde sogar sagen: Episch.

Mit diesem guten Stück suchte weiland 1914 (vielleicht auch 1913…?) Polarforscher Ernest Shackleton wagemutige Männer für seine berühmte Endurance Expedition…

… für eine gewagte Reise, in bitterer Kälte, in monatelanger Dunkelheit, konstanter Gefahr, ungewisser Rückkehr bei niedrigem Lohn, ABER für Ehre und Anerkennung im Erfolgsfalle… Nun, wer den Verlauf der Expedition erinnert, der weiß, dass der gute alte Ernest da nicht zu viel versprochen hat. Nein, der eingeschenkte Wein war nun wirklich rein.

Es dürfte sich um eines der ersten dokumentierten Beispiele für den Einsatz von Realistic Job Preview im Personalmarketing handeln. Der eine oder andere Personalmarketer der Neuzeit mag sich bitte eine Scheibe abschneiden…

In diesem Sinne: Immer schön die Fundstücke im Recrutainment Blog lesen… Und wenn Ihr (sie) mögt, dann gebt dem armen Recrutainment Blog(ger) doch bei der Wahl zum beliebtesten HR-Blog gern Eure Stimme. Ihr wisst doch: Applaus ist die Münze im Klingelbeutel des Bloggers… :-)

Einen schönen Abend!

The following two tabs change content below.

Jo Diercks

Geschäftsführer bei CYQUEST GmbH
Ich bin Gründer und Geschäftsführer der CYQUEST GmbH und der Mi4 GmbH. CYQUEST beschäftigt sich mit dem Thema Recrutainment, also dem Einsatz spielerisch-simulativer Methoden im Online-Assessment, Employer Branding und Recruiting. Im Recrutainment Blog berichte ich regelmäßig hierüber. Mi4 ist als Unternehmensberatung auf Themen des Online-Marketings und eCommerce spezialisiert.

6 Gedanken zu „Abteilungsleiter Hund/Katze…? Vier kuriose Stellenanzeigen, für wahr! Doch eine ist dabei zum Nachdenken da…

  1. Lieber Jo,

    wie immer amüsant und lehrreich, Deine Fundstücke, danke!

    Die DB-Anzeige ist allerdings kein Ausdruck von Korrektheit. Sie spricht für Diversity- und Recruitingkompetenz. Studien zeigen, dass viele Frauen sich nur auf Stellenanzeigen bewerben, wenn sie das Gefühl haben, dass Frauen willkommen sind. Über die erste Studie zum Thema habe ich vor drei Jahren berichtet: http://wp.me/p2qTFl-3X Später sind die Experimente von Professor Welpe in der HR-Welt sehr bekannt geworden.

    Wer also für klassische Männerdomänen Frauen gewinnen möchte, sollte „weibliche Stellenanzeigen“ gestalten. Der Jobtitel allein reicht da nicht, aber es ist ein guter Anfang.

    Ein weiblicher Jobtitel ist eine kleine, unkomplizierte Diversity-Maßnahme. Diese Maßnahme kostet kein Geld und hat nicht die Nachteile von Quoten. Ich wünsche mir, dass wir diese Bemühungen nicht abwürgen, indem wir Recruiter und Arbeitgeber mit Spott überziehen.

    Liebe Grüße, Ina

  2. Hi Ina, so habe ich das ehrlich gesagt nicht gesehen. Aber dennoch ist es mE schon ein wenig eine Verballhornung der deutschen Sprache, wenn man eine eindeutig geschlechterspezifische Bezeichnung des Berufsbilds wählt (…in), dann aber dazu sagt, dass dies sowohl weibliche wie männliche Personen adressiert. Dann sollte man doch eher die (zwar grammatikalisch umstrittene) Schreibweise …/-in wählen, also hier „Triebfahrzeugführer/-in“. Korrekt (aber dafür länger) wäre „Triebfahrzeugführerin oder Triebfahrzeugführer“.

  3. Hallo Jo,
    wieder mal herrliche Fundstücke dabei!
    Muss ich mir Sorgen machen, weil da einiges aus Österreich dabei ist? Hab gedacht die Bundesheer Story ist längst in Vergessenheit geraten aber nein, da haben wir sie wieder ;-)
    Und natürlich screene ich bereits alle Hunden und Katzen in meinem Umfeld auf die Eignung als Abteilungsleiter/in und frage mich, ob Hündinnen und Kater auch eingesetzt werden könnten? ;-)
    Herzliche Grüße aus Wien Claudia

  4. Hallo Claudia, ich glaube die alpenrepublikanische Häufung bei den Fundstücken diesmal ist reiner Zufall… ☺

  5. Naja, da stand eben nicht Triebwagenführer/in, sondern Triebwagenführerin (m/w). Es wurde also die weibliche Form gewählt, aber eben auch für „m“…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.