Employer Branding von Non-Profit Organisationen – das aktuelle Beispiel ´Ärzte ohne Grenzen´
Unternehmen stehen – zumindest auf dem deutschen Arbeitsmarkt – in zunehmendem Wettbewerb um Nachwuchs. Soweit, so common sense. Aber wie sieht es eigentlich bei nicht kommerziell arbeitenden Organisationen aus? Interessante Frage und aus meiner Warte irgendwie auch in der allgemeinen Diskussion insgesamt noch unterbelichtet. Haben Non-Profit Organisationen es überhaupt nötig, sich als attraktiver Arbeitgeber zu positionieren oder reicht das “Altruistische” in der DNA aus, um ein hinreichend scharfes Profil herauszustellen und sich gegenüber anderen Arbeitgebern zu behaupten?
Mir ist heute dank des Tipps meiner Kollegin Verena ein aktuelles Beispiel aus diesem Bereich über den Weg gelaufen. Und zwar die aktuelle Personalmarketing-Kampagne der Hilfsorganisation “Médecins sans Frontières / Ärzte ohne Grenzen“.
(c) Foto: Ärzte ohne Grenzen
Im Kern der Kampagne steht dabei die Botschaft, dass die Organisation eben nicht nur Mediziner sucht, sondern auch und gerade fähige Mitarbeiter anderer Berufsgruppen wie bspw. Architekten oder Buchhalter. Somit wird ein wenig ins Bewusstsein gerückt, dass es natürlich eines erheblich umfangreicheren Spektrums an Kompetenz bedarf, um eine derartige Organisation weltweit agieren zu lassen, als eben “nur” Ärzte zu beschäftigen.
(c) Foto: Ärzte ohne Grenzen
Zweiter im Rahmen der Kampagne, deren Motive sowohl online in Form von Bannern als auch in Print geschaltet werden, kommunizierte Aspekt sind die harten Bedingungen, unter denen teilweise vor Ort in Krisenregionen gearbeitet wird. So heißt es in den Anzeigen bspw. “Reitet ein Kinderarzt auf einem Esel zum Impfen. Kein Witz. Wir suchen Mediziner (m/w), die unter schwierigsten Bedingungen Nothilfe leisten. Wie es scheint, ist das eben nicht allen klar. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass es Kandidaten gibt, die aus Engagement oder wg. eines Helfersyndroms bei der Organisation anheuern, sich aber nicht hinreichend im Vorwege klargemacht haben, was das im Endeffekt wirklich bedeuten kann. Dass es aber eben nicht nur darum geht “Gutes zu tun”, sondern auch die damit einhergehenden Härten “aushalten zu können”, ist ein wesentlicher Aspekt für beruflichen Erfolg in einer Organisation wie MsF /ÄoG.
(c) Foto: Ärzte ohne Grenzen
Dies gilt zwar im Prinzip für jede berufliche Tätigkeit, für Aufgaben, die einen buchstäblich in existenz- oder lebensbedrohliche Situationen führen können oder mit einer nicht unerheblichen Wahrscheinlichkeit werden, ist es aber absolut unerlässlich, darüber auch zu informieren. Die Bundeswehr ist aktuell gerade wieder im Rahmen einer Studie der Uni Freiburg dafür kritisiert worden, dass sie die womöglich “dunklen” Seiten des Soldatenberufs nicht hinreichend deutlich im Rahmen der Personalwerbung kommuniziert (“Freizeit statt Krieg“). Insofern ist die Kampagne meines Erachtens auch mehr als “Personalmarketing”, weil eben hier ein ganz wesentlicher Teil des “Wesens”, der DNA des Arbeitgebers transportiert wird. Man kann durchaus von Employer Branding sprechen.
Also, ich halte den Aufschlag von Ärzte ohne Grenzen für a) sinnvoll und soweit ich es aktuell beurteilen kann auch b) für gelungen. Ich würde mich freuen, wenn die Suppe die Diskussion rund um die Employer Branding-Aktivitäten von NPO / NGO verstärkt aufgreifen würde.


